Bronnie Ware ist eine Palliativpflegerin, die viele Menschen auf deren letzten Weg begleitet hat. Dabei hat sie festgestellt, dass es meistens die gleichen Sachen sind, welche Menschen an ihrem Leben bereuen.*
“Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben
Die meisten Menschen bedauern, dass sie hauptsächlich Erwartungshaltungen erfüllt haben statt zu tun, was ihnen mehr entsprochen hätte. Sei es beruflich oder privat. Der richtige Job - oder die Nivellierung Erwartungshaltungen aus dem privaten Umfeld spielen hier eine bedeutende Rolle.
“Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet”
Wenn man nur arbeitet, um später dann das zu können, was man sich erträumt - und das “Später” gibt es nicht mehr - zumindest in diesem Leben. Dann passiert genau das.
“Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”
“Viele Menschen unterdrücken ihre Gefühle um des lieben Friedens Willen. “Das führt dazu, dass sich viele in einer mittelmäßigen Existenz einrichten und nie zu dem werden, was sie hätten sein können.” sagt Bronnie Ware.
Gefühle ausdrücken hilft, den Menschen zu erkennen - und ihn als anzunehmen.
“Ich wünschte, ich hätten den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”
Freunde, soziale Kontakte gehören zu den glücksbestimmenden Faktoren. das haben wir bereits in meinem letzten Blogbeitrag erörtert. Freundschaften haben aber auch oft die Tendenz, aufgrund unserer Geschäftigkeit einzuschlafen…
Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein”
Wir haben die Freiheit zu wählen, ob wir uns von den “Plagen” des Alltags in negative oder positive Gefühle bringen lassen. Oft erkennt man das erst am Schluss.
Die gute Nachricht aus ihrem Buch ist, dass es auch Menschen gibt, die glücklich und zufrieden sterben.
ich wünsche uns allen, dass es uns nicht geht wie dem alten Chinesen, der auf dem Sterbebett sagte: “Jetzt wo ich glaubte, alle Antworten auf die Fragen des Lebens zu wissen, haben sich plötzlich alle Fragen geändert”
Man konnte Petra Pau die Enttäuschung deutlich Ansehen, mehr noch, selten hat man einen Politiker menschlich ähnlich angerührt gesehen. Die Politikerin der Linken und stellvertretende Bundestagspräsidentin reagierte tief betroffen angesichts der Tatsache, dass sie, wie viele Ihrer Parteikollegen, unter Beobachtung des Verfassungsschutz steht. Auch wenn sie ihrer Enttäuschung mit Innenminister Friedrich einen Namen gegeben hat, so wird sie wahrscheinlich mit dem gesamten dahinter stehenden System hadern. Pau genießt über Parteigrenzen hinweg Ansehen, hat das System der ehemaligen DDR nicht romantisch verklärt und dafür sogar aus ihrer eigenen Partei Schelte erhalten. Scheinbar reicht dem Verfassungsschutz eine Sekretärin mit Stasi-Vergangenheit aus, um Politiker zu potentiellen Extremisten oder Verfassungsfeinden zu erklären.
In einen Topf mit Neonazis fühle sie sich geworfen, sagte Pau. Und wahrscheinlich werden in den Aktenschränken direkt neben den Aufzeichnungen über Linke Politiker Ordner stehen, in denen die Ermittlungsergebnisse über rechtsextreme Gewaltverbrecher zu finden sind. Wen würde da nicht der Ekel packen.
Dazu kommen dann öffentlich Äußerungen von z.B. CSU-Generalsekretär Dobrindt, der ein Verbotsverfahren gegen die Linkspartei am Ende der Untersuchungen nicht ausschließt und die Linke letzten Sonntag bei Günther Jauch mehrmals ganz unverhohlen verfassungsfeindlich nannte.
Vera Lengsfeld zeigte zwar bei Jauch neben ihrem Unmut über die Linke auch ihren Unmut über den Verfassungsschutz, war aber auch der Meinung, dass die Linke verfassungsfeindlich sei. Sie führte als Beleg mehrmals die Präambel des Parteiprogramms heran. Wahr ist, dass dort von einem Systemwechsel gesprochen wird, wahr ist aber auch, dass dieser sich klar auf den Kapitalismus, nicht auf die demokratische Grundordnung bezieht.
Ich bin kein Anhänger der Linken, aber die Aufstellung der Linken macht eine politische Auseinandersetzung möglich. Mir sind noch keine Berichte zu Ohren gekommen, dass Leute von der Linken Gewalt angedroht bekommen haben, Menschen sich nicht mehr auf die Straße trauen, weil die Linke in ihrer Gemeinde den Stadtrat stellt, oder ein ganzes Dorf wie paralysiert unter dem Stiefel der Linkspartei steht.
Damit möchte ich weder Geburtstagsgrüße an Fidel Castro rechtfertigen, noch die z.B. ganzen Verstaatlichungspläne gutheißen. Nur sehe ich den subversiven Charakter der Partei nicht. Es ist legitim die Verfassung in Teilen ändern zu wollen, so lange dies auf demokratischen Wegen geschieht. In vielen Regierungsbeteiligungen hat sich die Linke sogar als pragmatisch geläutert gezeigt und sich durchaus Sachzwängen unterworfen.
Wenn Leute wie Dobrindt sich lauthals als Wächter der Verfassung postulieren, sollte man diesen raten, dass jeder besser einmal vor seiner eigenen Tür kehre. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler hat während seiner Karriere einige Male Äußerungen oder Aktionen getätigt, die ich für deutlich verfassungsfeindlicher halte, als das Programm der Linken. Und auch Gauweiler fand in der CSU mancherorts durchaus Gehör.
Mit demokratischen Parteien setzt man sich nun mal politisch auseinander, auch wenn es für manchen bequemer erscheint andere Ansichten einfach verbieten zu lassen.
Ein glückliches Leben führen - das wollen wir alle. Wo ist das richtige Rezept? Ist es Geld, Vermögen, Erfolg, Partnerschaft, Liebe, Sex, Sport? Und wenn, dann in welcher Zusammensetzung?
Enttäuschung Nummer 1: Immer Glück, das gibt es nicht. Denn wenn man immer auf Wolke 7 schweben würde, dann nähme man das auch nicht mehr wahr. Also machen Sie da mal gleich einen Haken. Und dann sehen wir weiter.
Laut dem Happy Planet Index, den die New Economics Foundation 2006 veröffentlichte, leben die glücklichsten Menschen in Vanuatu. Das ist ein Inselstaat im Südpazifik, mit rund 260.000 Einwohnern und 108 Sprachen. Die Lebenserwartung der Menschen von durchschnittlich 63 Jahren klingt aber irgendwie nicht nach Glück. Aber sie haben ein mildes Klima mit viel Sonne, eine üppige Vegetation, ein Mix aus verschiedenen Religionen, stabile Arbeitsverhätlnisse, viele kleine Selbständige.
Im Vergleich zu dem ermittelten Glücksfaktor von Vanuatu schneiden die industrialisierten Länder nicht richtig gut ab. Deutschland liegt auf Platz 81, die skandinavischen Länder zwischen 112 und 123, also auch nicht so gut. In China oder der Mongolei sind die Menschen deutlich glücklicher. Tja und in den USA ist der Index bei 150. Mies!
Noch schlechter wird es in den reichen Ländern wie Kuweit und Katar. Da liegen wir bei schlechter als 160. Schlusslichter sind übrigens Russland, Ukraine, Kongo, Swasiland und Simbabwe. Bei letzteren versteht man das ja noch.
Welchen Schluss legt das nahe: Geld, Konsum, Macht und die Aussicht auf ein hohes Lebensalter sind eher nicht die bestimmenden Glücksfaktoren.
Eine neue Wissenschaft, die Glücksökonomie stellt fest, dass nichts mehr Glück stiftet als Beziehungen zu anderen Menschen - zu Familie, Partner, Freunden. Danach kommt das Gefühl, etwas Nützliches zu tun und dann, je nach Umständen, Gesundheit und Freiheit.
Das steht aber in diametralem Gegensatz zu den meist vermittelten Werten unserer Gesellschaft, wo Geld und Prestige ganz oben stehen.
Opfern wir unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmung für mehr Prestige und ein höheres Einkommen- um dann Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um damit Leute zu beeindrucken, die wir eigentlich nicht mögen? - Mit Geld, das wir nicht haben?
Und jetzt nochmal zurück zur Enttäuschung Nummer 1. Schauen wir mal die Hirnforscher an. Die sagen, dass bei Glücksgefühl Dopamin ausgeschüttet wird. (Ich frage dabei nach Ursache und Wirkung: verursacht Dopamin das Glücksgefühl oder folgt dem Glücksgefühl die Dopaminausschüttung?) Wie bei einer Droge, muss die Dosis (der Reiz) nach einer gewissen Zeit erhöht werden, damit man noch etwas spürt. Ansonsten ist auch das “Drogenparadies” Dopamin nicht mehr wahrnehmbar. Also ist das Glück weg…..(wenn man den Hirnforschern glaubt…)
Für mich war es bereits klar vor der Lektüre dieses interessanten Gedankengangs, den ich verkürzt, aus David Prechts wirklich empfehlenswerten Buch “Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?” entnommen und mit meinen Gedanken angereichert habe: Glück finden wir in uns und nicht in der materiellen Glitzerwelt. Jedenfalls sofern unsere Grundbedürfnisse befriedigt sind.
Und noch ein schönes Statement, dass ich die letzten Tage irgendwo gefunden habe:
Wir sind keine menschlichen Wesen mit einer spirituellen Erfahrung.
Wir sind spirituelle Wesen mit einer menschlichen Erfahrung!”
Das amerikanische Netz trägt seit heute Trauerflor. Grund dafür ist eine durch das Repräsentantenhaus eingebrachte Gesetzesinitiative. Viele populäre Seiten wie die englische Wikipedia, Wordpress.org und andere blenden ihre Inhalte aus, andere wie Google verweisen auf eine Online Petition gegen das Vorhaben. Das Ziel des Gesetzes ist, Möglichkeiten zu schaffen, den Zugriff auf ausländische Webseiten zu blockieren, wenn diese urheberrechtlich geschütztes Material zum Download anbieten. Die Gegner indessen befürchten, dass so geschaffene Mechanismen zu weitreichenderen Zensuren führen könnten, als ursprünglich angedacht. Auf der anderen Seiten stehen die Befürworter, die sich aus der amerikanischen Film- und Medienindustrie rekrutieren, wer hätte es gedacht.
Präsident Obama und seine Mannschaft haben sich auf die Seite der Gegner geschlagen, indes dies nicht viel ändern wird, weil Obama keine Mehrheit im Repräsentantenhaus hinter sich weiß. Angesichts der Netz-Blockaden hat Lamar Smith, der Autor des Gesetzentwurfs Kompromissbereitschaft signalisiert, eine Entwarnung lesen Gegner daraus nicht.
Die Idee das Netz zu zensieren ist nicht neu. Egal ob es um Piraterie, illegale Pornografie, Volksverhetzung oder Terrorismus geht. Und wie jedes mal lehnt sich die Internetgemeinde auf. Wie Zensur sich auswirkt und was bei rigiden Vorhaben möglich ist zeigt China. Es gibt keine kleine Zensur. So sind die Befürchtungen gut zu verstehen. Sind erst einmal Mittel und Wege installiert, stehen Tür und Tor offen die Zensur auszuweiten.
Am Fall des Internets wird deutlich offenbar, dass unsere Gesellschaften der Informationsglobalisierung hinterherhinken. Es darf einfach keinen Staat geben, in dem z.B. Kinderpornografie straffrei auf Servern der Welt angeboten werden darf, oder eine Verfolgung der Straftaten de facto nicht stattfindet. Das selbe gilt für faschistische Propaganda, Anleitungen zum Bombenbau und wegen mir auch ganz zum Schluss für Raubkopien. Dass die Republikaner dieses Pferd von hinten aufzäumen, zeigt wie mächtig Warner, Sony und Konsorten sind. Dabei vermute ich, dass auch die amerikanische Öffentlichkeit dem Gesetz mehr abgewinnen würde, wenn es sich gegen oben genannte Internet-Abgründe auflehnte.
Ein weiterer Aspekt, der Kritiker des Gesetzes auf die Barrikaden bringt ist die Befürchtung, dass der geplante Mechanismus Sicherheitsmaßnahmen gegen so genannte DNS-Changer aushebeln könnte. Diese Bedrohung ist im Moment besonders aktuell, da sich hierzu aggressive Trojaner im Umlauf befinden. Ob Sie selber betroffen sind können Sie übrigens unter http://www.dns-ok.de/ in einem Schnelltest in Erfahrung bringen.
Mochte man bei den Bundesdeutschen Zensurversuchen zumindest noch hehre Ziele vermuten, glänzen Smith und seine Partei mit unverhohlenem Wirtschaftsopportunismus. Das Internet derart unter Aufsicht und Steuerung zu stellen, nur um das neueste Hollywood Spektakel zu schützen halte ich jedenfalls auch für eine zweifelhafte Motivation.
Stellen Sie sich vor, eines Tages landen fremde Wesen aus dem All auf unserem Planeten. Wesen wie in dem Hollywood Spielfilm Independence Day. Sie sind unglaublich intelligent und dem Menschen weit überlegen……Eine beispiellose Terrorherrschaft beginnt. Die Außerirdischen benutzen die Menschen zu medizinischen Versuchen, fertigen Schuhe, Autositze,….verwerten ihre Haare, Knochen und Zähne. Außerdem essen sie die Menschen auf, besonders die Kinder und Babys. Sie schmecken ihnen am besten, denn sie sind so weich und ihr Fleisch ist so zart.
Ein Mensch, den sie gerade für einen medizinischen Versuch aus dem Kerker holen, schreit die fremden Wesen an: “Wie könnt Ihr so etwas tun? Seht Ihr nicht, dass wir Gefühle haben, dass Ihr uns weh tut? Wie könnt Ihr unsere Kinder wegnehmen, um sie zu töten und zu essen? Seht Ihr nicht, wie wir leiden?….Habt Ihr denn überhaupt kein Mitleid und keine Moral?”
Die Außerirdischen nicken.
“Ja, ja” sagt einer von Ihnen. “Es mag schon sein, dass wir ein bisschen grausam sind. Aber seht Ihr,…wir sind euch eben überlegen. Wir sind intelligenter als ihr und vernünftiger und wir können Dinge, die ihr nicht könnt. Wir sind eine viel höhere Spezies, ein Dasein auf einer ganz anderen Stufe. Und deshalb dürfen wir alles mit euch machen, was wir wollen. Verglichen mit uns ist euer Leben kaum etwas wert. Außerdem……: Ihr schmeckt uns halt so gut!”
Diese kleine Geschichte stammt aus dem Buch “Wer bin ich und wenn ja, wie viele” von Richard David Precht.
Fällt Ihnen etwas auf? So gehen wir mit den Tieren um. Die Frage ist, ob wir das dürfen. Nun, die Antwort darauf ist sicher nicht ganz einfach zu geben. Herr Precht beleuchtet in seinem wirklich empfehlenswertem Buch verschiedene Seiten dieser Frage.
Dabei erzählte er die Geschichte des australischen Philosophen Peter Singer, der eines Tages im Jahr 1970 im Speiseaal der Uni Oxford genüßlich sein Steak vertilgte, als sich ein Student an seinen Tisch setzte. Dieser Student war Richard Keshen und wurde später Professor für Philosophie in Kanada. Er hatte sein Steak auf die Seite geschoben. Singer fragte ihn, ob es ihm nicht schmeckte und bekam die Antwort, dass der Student niemals Fleisch essen würde.
Singer wunderte sich über die entschiedene Haltung. Richard forderte Singer auf, ihm auch nur ein einziges gutes Argument zu nennen, warum es moralisch vertretbar sei, Tiere zu essen. Singer willigte ein und sie verabredeten sich für den nächsten Tag. Das war das letzte Steak, dass Peter Singer gegessen hatte.
Fünf Jahre später veröffentlichte er sein Werk “Animal Liberation”, in dem es darum geht, wie Menschen mit Tieren umgehen sollten. Es wurde ein Bestseller.
Eine seiner Kernaussagen:
“Das wichtigste Kriterium für das Lebensrecht eines Lebewesens sind nicht Intelligenz, Vernunft oder Verstand. Ein neugeborener Säugling hat weniger Verstand als ein Schwein, und trotzdem dürfen wir ihn nicht essen oder zu Versuchen für ein neues Shampoo missbrauchen. Der entscheidende Grund, ein Lebewesen zu respektieren und ihm ein Lebensrecht zu geben, ist seine Fähigkeit, sich zu freuen oder zu leiden”
Die Affäre um Bundespräsident Wulff spitzt sich zu. Jetzt kommen die Parteifreunde aus der Deckung und stimmen in den Choral der Opposition ein. Das Krisenmanagement hätte schlechter nicht sein können. Welcher Teufel C.Wulff geritten hat ausgerechnet der BILD eine Steilvorlage auf die Mailbox zu sprechen wissen nur die Götter. Nach seiner Aussage zum Islam ist dies erst das zweite Mal, dass der farbloseste Bundespräsident seit Gründung unserer Republik von sich Reden macht. Wulff müsste wissen, dass seine Stunde näher rückt. Ein klares Indiz dafür sind die Mahnungen aus den eigenen Reihen, Schaden vom Amt abzuhalten.
Man mag von der BILD halten was man will, aber Einschüchterungsversuche wären nicht nur verfassungswidrig, sondern auch eine Schmach für Amt und Würde. Ich bezweifle mittlerweile, dass der Bundespräsident und seine Pressestelle noch begreifen, dass ihre öffentlichen Verlautbarungen dem Amt und nicht dem Individuum zugeordnet werden. Während die Kreditnahme noch vor Wullfs Präsidialzeit stattfand, geschah der Anruf klar zu Amtszeiten. Eine Blöße, die das Individuum Wulff sich hätte sparen sollen und dem Amt ersparen müssen.
Als dieses Affärchen publik wurde, hatte Wulff die Chance das ganze mit einer öffentlichen Fragestunde und einer Erklärung für den Landtag aus dem Weg zu räumen. Dank seiner lückenlosen Verschleierung und eines kaum schlechter möglichen Krisenmanagements ist dieser Weg nun verbaut. Jetzt da der traurige Höhepunkt, der zur tatsächlichen Affäre herangewachsenen Geschichte erreicht scheint, wird die Luft dünn in Schloss Bellevue. Natürlich darf sich auch ein Bundespräsident gegen Vorwürfe aus der Presse wehren, und er dürfte sogar mit Konsequenzen drohen, wenn die über ihn bevorstehenden Veröffentlichungen nicht der Wahrheit entsprächen. Den Fakten jedoch, wurde nicht widersprochen und ein Eingriff in die Pressefreiheit steht keinem Politiker zu, egal in welchem Amt er sich befindet.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich Wulff von Anfang an für die schlechtere Wahl gehalten habe. Nicht jeder Präsident kann ein Weizsäcker sein, aber wie wenig Charisma kann dieses Amt ertragen. Verfehlungen, die man einem großen Präsidenten nachgesehen hätte, mit denen dieser aber auch vielleicht mit Größe umgegangen wäre wachsen sich jetzt zu unüberwindbaren Hürden aus. Ob Frau Merkel sich auch wünscht sie hätte nicht mit aller Macht einen eigenen Kandidaten durchgedrückt? Nun wie es scheint wird dieser Fehler bald korrigierbar werden.
Ich bezweifle stark, dass Wulff die Angelegenheit schadlos übersteht und auch wenn dies ein geradezu inflationärer Verschleiß an Bundespräsidenten zu sein schiene, würde ich einen Rücktritt befürworten. Sein Verhalten ist und war nicht unverzeihlich, aber nicht vereinbar mit dem Bild des Amtes, das seine Vorgänger in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben.
Zum Neuen Jahr möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die mein Leben verändert hat.
Es war Mitte der Siebziger Jahre. Ich war in der elften Klasse - und hatte gerade meine Bemühungen am zweiten Gymnasium erfolgreich mit einem de-facto Rauswurf wegen Nichterscheinens beendet. Das Schreiben des Direktorats war eindeutig: “……wenn Sie sich bis zum…….nicht abmelden, betrachten wir Sie als abgemeldet…”
Lief alles super, denn es war ja erst Herbst oder Winter. Mindestens ein halbes Jahr “Urlaub” vom schlechten Gewissen, die Schule zu schwänzen, lag vor mir. In die Penne, das war klar, gehe ich auf keinen Fall mehr. Lernen? No!!!
Im Laufe der Monate dachte ich dann auch über eine Alternative nach. Denn endlos so weitergehen würde das nicht. Das war sogar mir klar. In Haibach bei Aschaffenburg befand sich der Sitz der Fa. Adler Modebekleidung. Meine Eltern standen in geschäftlicher und privater Verbindung zur damaligen Eigentümerfamilie.
Irgendwann kam mir dann die Idee, dort eine Lehre zu machen. Dabei stellte ich mir folgendes Leben vor: Meine Eltern kaufen mir einen Alfa Romeo Spider. Mit dem fahre ich dann jeden morgen offen die halbe Stunde nach Haibach. Das alleine ist schon Genuß. Dort reisse ich die acht Stunden Job ab - Spaziergang. Und abends geht’s dann wieder offen mit Musik nach Hause. Ach ja, und Geld verdiene ich ja auch. Sprit und Auto gehen auch auf die Eltern. Was will man mehr?
Ein paar entscheidende Denkfehler waren in diesem Plan: erstens hatte ich keinen Alfa Spider. Zweitens hätte ich nichtmal reingepasst. Ich war zu groß. Drittens würde nicht jeden Tag die Sonne scheinen auf dem Weg zur Arbeit. Viertens hätte ich da auch lernen müssen. Fünftens, sechstens, siebtens……
Das alles hatte ich aber selbstverständlich nicht erkannt!
Mein Vater brachte es fertig, dass ich unter Umgehung der Personalabteilung einen Termin mit dem obersten Chef bekam, Herrn Wolfgang Adler persönlich. Ein leiser, intelligenter, sympathischer, vornehmer Mann. Wir saßen an entgegengesetzten Kopfenden eines langen Konferenztisches und Herr Adler fragte mich nach meinen Zielen. So schlau, nicht von der Alfa-Geschichte etc. zu erzählen, war ich, aber was ich sagte, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich irgendein Gestammel. Das erkannte er mit absoluter Sicherheit.
Dann sagte er mir sinngemäß mit ruhigem, sehr freundlichem Ton, wobei er mit dem einen Finger einen gedachten Punkt vor sich auf dem Tisch markierte: “Sie stehen heute hier. Machen Sie sich Gedanken, wo Sie in 30 Jahren stehen möchten”. Er markierte dabei einen anderen, gedachten Punkt. “Dazwischen stellen Sie sich ein Meer vor. Behalten Sie Ihr Ziel im Auge und versuchen Sie, so gut es geht in seine Richtung zu segeln. Es kann sein, dass Sie Gegenwind haben und Zick-Zack segeln müssen”. Er markierte dabei einen Teil einer gedachten Route. “Aber segeln Sie niemals zurück!”
Das saß! Es wirkte im Laufe der Zeit immer heftiger nach. Und ich habe dieses Bild noch heute im Kopf.
Selbstverständlich habe ich mich dann nicht bei Adler beworben, sondern habe mir selbst ein Gymnasium gesucht, das bereit war, mich Nichtsnutz noch aufzunehmen. Ich fing an zu lernen und stellte fest, dass manches von dem Lernstoff wirklich interessant war. Mit einem 1,6er Abitur bedankte ich mich dann bei mir selbst - statt, wie vorher immer im letzten Drittel des hinteren Drittels zu navigieren.
Allerdings habe ich einige Etappenziele mit dem verwechselt, was ich wirklich von Anfang an gerne getan hätte - und bin deshalb einige Male Richtung “Zack” gesegelt, wo “Zick” die richtige Richtung gewesen wäre. Heute hoffe ich, zumindest das Ziel zu sehen und in die richtige Richtung zu fahren.
Und genau das wünsche ich Ihnen auch, liebe Leser. Das Ziel zu erkennen - und den Mut und die Kraft zu haben, darauf zuzusteuern.
Ganz Gallien ist seit dem letzten Euro-Gipfel unter der Schuldenbremse vereint. Ganz Europa? Nein ein mittelgroßer Inselstaat im Westen Europas leistet Widerstand. Die britischen Euro-Skeptiker reiben sich die Hände und sehen sich schon mit einem Fuß aus der europäischen Gemeinschaft ausgetreten, die Euro-Befürworter werfen Premier Cameron vor er habe im Alleingang Britannien von der EU isoliert. In Deutschland scheiden sich Meinungen. Von Bedauern über Verständnis bis hin zu Mahnungen an die besondere deutsche Verantwortung. Diese Mahnung an die deutsche Verantwortung kann ich jedoch nicht teilen, da diese Verantwortung nicht isoliert gegenüber Großbritannien besteht, sondern auch gegenüber einer Reihe anderer Mitgliedsstaaten der EU. Nebenbei, wäre es auch nicht vertretbar gewesen einzig und allein dem Finanzplatz London eine Sonderstellung zu gewähren oder die gesamten Maßnahmen ad acta zu legen nur um in Einigkeit und Schönheit unterzugehen.
Nach dem Gipfel ist bekanntlich vor dem Gipfel und seit gestern spätestens geraten die Beschlüsse unter Beschuss. Lammert, Gauweiler, die Bundesbank, Polen, Moody’s und Tscheschien torpedieren die aktuellen Vorhaben, halten sie für unfair, unzureichend, verfassungswidrig oder schlicht falsch.
Bröckelt nun, was zunächst als Durchbruch gefeiert wurde? Wenn ja muss man fragen dürfen: Was denn dann? Einfach so weitermachen? Nachdem der Gipfel schon die privaten Anleger aus der Haftung genommen hat, ist um so mehr ein seriöses Haushalten gefordert. Nimmt das Risiko ab, steigt natürlich die Investitionsbereitschaft, nur steht das diametral der Idee von Anlagen gegenüber. Das Ausfallrisiko spiegelt sich im Zins wieder, verringert sich das Risiko, mehrt sich also entweder der Gewinn oder die Zinsen müssen sinken. Letzteres führe wiederum zu zügellosen Krediten, wenn keine Mechanismen, wie eine funktionierende Schuldenbremse, implementiert würden. Euro-Bonds führten zu ähnlichen Ausuferungen, denn sie tarnen lediglich faule Kredite. Aber egal, ob unter dem Bett, im Schrank oder im Tresor der EZB, Kredite müssen getilgt werden.
Selbst der quasi Haftungsausschluss für private Anleger geht hier schon einen Schritt zu weit. Kein Gewinn ohne Risiko. Obschon ich verstehen kann, dass man Anreize für Investitionen in Europa schaffen wollte, heiligt der Zweck nicht das Mittel.
Der Weg Europas, zumindest der Euro Länder, ist eine Einbahnstraße, wenn man an der Währung festhalten will. Zu Zeiten der Drachme hätte Griechenland die Geldmenge erhöhen und dadurch die Drachme abwerten können. Dieser Weg ist in einer Einheitswährung nun einmal nicht möglich. Auch wenn ich den Begriff der Fiskalunion noch für haltlos übertrieben halte, so denke ich andererseits, dass dies das letztendliche Ziel sein muss. Vielleicht ist die Schuldenbremse auch der erste Schritt in diese Richtung, darf aber nicht der Letzte bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass die letzten Beschlüsse nun schnell in den Parlamenten, allen Unkenrufen zum Trotz, schnell ratifiziert werden. So wenig attraktiv Sparvorhaben auch sind, wenn es um die politische Öffentlichkeitswirkung geht, so nötig sind sie angesichts der Billionen an Schulden, die Europa mit sich schleppt.
Um einmal noch auf das Eingangsthema zurückzukommen. Ich hoffe sehr, dass sich die Briten und ihr Premier Cameron eines Besseren besinnen und schließlich doch noch mit an Bord kommen, der schwarze Peter liegt aber klar auf der Insel. Eine Haltung wie „alle EU Staaten sind gleich, nur die Briten sind gleicher“, konnte, kann und könnte nicht akzeptabel sein.
So, heute melde ich mich zum letzten Mal, in diesem Jahr in diesem Blog.
Wie ist Ihr Jahr gelaufen? Welche Schlüsse und Vorsätze ziehen sie daraus? Ich meine, die, welche Sie auch nachhaltig halten können. Es sollte schon realistisch sein
Die letzten Jahre hatte ich ja immer nur einen Vorsatz: “Ich will so bleiben, wie ich bin!” Ein bisschen provokant, ja. Und auch absichtlich.
Bei mir hat dieses Jahr einige wesentliche Veränderungen gebracht. Zwei Einschneidende davon, bereits Anfang 2011, könnte man Enttäuschungen nennen. Aber wenn man das Wort “Enttäuschung” analysiert, dann ist es das Ende einer Täuschung - und damit ist es gut.
Und ja, mir ging und geht es wirklich gut damit. Geschätzte Menschen meines Umfelds wunderten sich darüber, wie äußerlich unberührt ich die wegsteckte. Innerlich war es übrigens ganz genau so. Ich habe erkannt, dass das Bild, welches ich die ganze Zeit von diesen Menschen hatte, ein Falsches war. Also wurde es zurecht gerückt. Und gut isses!
Mein Leben wurde einfacher, neue Wege und neue Chancen haben sich eröffnet. Genau so wie das Sprichwort sagt: Wenn eine Tür sich schließt, dann öffnet sich eine Andere.
Warum erzähle ich das? Ich möchte Sie einfach ermuntern, die bald kommenden, hoffentlich stillen Tage zwischen den Jahren zu nutzen, Ihre Situation zu betrachten - und die Schlüsse zu ziehen, von denen Sie fühlen, dass sie langfristig die richtigen Entscheidungen sind. Aber nicht mit bösem Blut umsetzen, wenn es irgendwie geht….
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle eine Aufgabe in diesem Leben haben. Auch davon, dass wir diese Aufgabe ganz tief in unserem Innern spüren und dass es eine Führung gibt, die uns auf dem Weg dahin hilft. Dieses Schwingungen nehmen wir aber nur wahr, wenn die vielen Störgeräusche unseres Beschäftigtseins abgedämpft werden.
Wenn wir einen kleinen Schritt weiter in dieser Erkenntnis kommen, in Richtung unserer eigenen Lebensaufgabe, dann machen wir garantiert etwas richtig. Bei jedem von uns wird das etwas Anderes sein. Und das ist auch gut so.
Standard & Poors, die Rating-Agentur, hat jüngst verkündet, dass den bisherigen Vorzeigestaaten Europas, die bisher mit dem begehrten Triple-A bewertet waren, eine Herabstufung auf Double-A drohe. Allerdings wolle man die Politik weder beraten noch unter Druck setzen ließ der Europa Chef Krämer im gestrigen Heute Journal verlauten. Mehr noch, die Öffentlichkeit überschätze den Wert einer solchen Maßnahme und unterschätze die Marktteilnehmer, weil der Markt sich nicht von der Meinung einer einzelnen Rating-Agentur beeinflussen lasse. Es gäbe dafür auch keine empirischen Belege. Eine Mischung aus falscher Bescheidenheit und Eigentor, die Krämer dort zum Besten gab. Die Frage warum krisengeschüttelte Staaten auf einer Stufe mit Italien bewertet werden umschiffte er so auch mehr oder weniger geschickt mit dem Hinweis, dass Italien sehr wohl eine sichere Anlage sei, wenngleich in wirtschaftlich schwieriger Situation. Dies ist sicher richtig, nur keine Antwort auf die Frage warum ein Land im Ausnahmezustand wie Trinidad und Tobago auf einer Stufe mit Italien steht.
Zur Erinnerung, Rating-Agenturen bewerten die Ausfallsicherheit von Anlagen. Und auch wenn Italien zu Berlusconi Zeiten stark an Reputation eingebüßt hat, so sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass ich eher in italienischen Staatsanleihen investieren würde, als in denen von Trinidad und Tobago. Ich empfinde solche Wertungen als wenig vertrauensbildend. Die Panne, die zu einer kurzfristigen Abwertung von Frankreich führte tat ihr übriges dazu.
Es ist schon zynisch ein solche Ankündigung kurz vor dem nächsten Euro-Gipfel über den Äther zu jagen und dann zu behaupten, man wolle weder Druck ausüben, noch eine Entscheidung herbeiführen. Das Wort „beraten” habe ich absichtlich ausgelassen, denn dies würde ja bedeuten, dass S&P den Königsweg kenne oder zu kennen glaube. Man kommt nicht umher daran zu erinnern, dass die Lehman Brothers kurz vor ihrem Niedergang von S&P noch mit A+ gewertet wurden. Eine folgenschwere Fehleinschätzung. Wenn Rating-Agenturen jedoch auch nicht in der Lage sind den Kollaps von Banken oder Ländern vorauszusehen, wozu braucht man sie dann?
Nun institutionelle Anleger brauche Rating-Agenturen, um im Falle von Ausfällen darauf verweisen zu können. Für alle Anleger, die mit ihrem eigenen Geld spekulieren haben Ratings einen fahlen Nachgeschmack. Wenn sie ein Triple-A als Güte-Siegel verstehen wollen, dann muss Anlegern klar sein, dass dieses Siegel keine rechtliche Relevanz hat. Es gibt keine Absicherung gegen Fehleinschätzungen, keine Versicherung gegen Ausfälle, keine Haftung in irgendeiner Form.
So drängt sich das oft gehörte Wortspiel von „raten”(deutsch) und „raten”(englisch) geradezu auf. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob eine Abwertung einiger Euro-Staaten nun gerechtfertigt ist oder nicht, weil die Mechanismen nicht klar sind, die der Beurteilung zugrunde liegen. Für die saloppe Erklärung Krämers, dass z.B. Italien vor großen Herausforderungen steht, braucht nun wirklich keiner eine Rating-Agentur, eine Tageszeitung genügt.
Auch wenn eine Abstufung von AAA zu AA nicht zwingend Zinsanpassungen nach sich zieht, gibt es Auswirkungen auf den Markt, alleine schon durch eventuell gewecktes Misstrauen, der Teilnehmer. Dabei sind Rating-Agentur normale Wirtschaftsunternehmen, deren Ziel auch nur das Erzielen von Gewinnen sein kann. Schlimm genug, wenn Unternehmen anderen Unternehmen Schulnoten geben, damit dritte Unternehmen sich an zweitem Unternehmen beteiligen, oder auch nicht. Staaten haben auf solchem Parkett nichts verloren und wenn zur Zinsdefinition eine Bewertung herangezogen werden muss, dann bitte von neutralerer Stelle, wie dem IWF, der Weltbank oder einem Unterhaus der UNO.
Ich hoffe die europäischen Regierungsvertreter lassen sich nicht irre machen und beschließen nach bestem Gutdünken, ohne dabei an spätere Schulnoten zu denken.