Erweiterte Suche

blog:BIZZLOUNGE News
Ihr persönlicher Mobilitätsmix

car2goSchön, dass wir uns mit unterhaltsamen Relativierungen vor einem auf Dauer unausweichlichen Thema drücken können: Es sind ja nicht die Autoabgase, sondern beispielsweise die der argentinischen Rinder, die das Ozonloch erweitern. So lange also die Amis nicht auf ihre Hamburger verzichten, meinen wir unser geliebtes Auto weiter unbegrenzt nutzen zu können. Sollen doch die anderen erst einmal …

Selbst wenn das Thema „Mobilität der Zukunft“ breit diskutiert wird, scheint es beim einzelnen Nutzer und Verschmutzer noch nicht wirklich angekommen zu sein. Ganz Konsument, sehen wir uns weder als Teil des Problems, noch als Teil der Lösung – wir warten ab, bis uns ein bequemes Angebot präsentiert wird, das unseren individuellen Vorstellungen entspricht – der ADAC wird uns schon sagen wie’s gehen soll.

Zugegeben: Die perfekte Lösung für eine umweltfreundlichere Art der allgemeinen und individuellen Mobilität wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben. Die Nummer mit dem Elektroauto ist eine Farce, wenn man den ökologischen Schaden mit einrechnet, den solch ein Gefährt mit dem Verbrauch von „schmutzigem“ Strom, der Herstellung und Entsorgung seiner Batterien etc. verursacht.

Zurecht fordert der neue Bahnchef Steuererleichterung wie beim Konkurrenten Flugzeug, dessen Kerosin noch immer nicht besteuert wird. So betrachtet ist ein Kurzstreckenflug banal ausgedrückt in jeder Beziehung eine Sauerei. Doch die Nachfrage bestimmt weiterhin das Angebot. Dabei wäre – tja, wäre – die Bahn mit „sauberem“ Strom betrieben, das wohl effektivste Verkehrsmittel, das uns zumindest im weit verzweigten deutschen Streckennetz zur Verfügung steht. Mit staatlichem Einfluss und durch entsprechendes Kundenverhalten (wir) könnte der gesamte Schienennah- und –fernverkehr zur umweltschonendsten Fortbewegungsart aufsteigen.

Und nicht jeder wohnt in Ulm, wo er sich bei Bedarf an jeder Straßenecke einfach ein Auto nehmen könnte (car2go – das Pilot-Projekt der Daimler AG). Manche wohnen eben auf dem Land, manche müssen von Berufs wegen flexibel sein. Die perfekte Lösung gibt es nicht – viele individuelle gäbe es schon.

Zählt man stattdessen aber seine persönlichen Umstände (auf das Auto angewiesen sein, Kürzung der Nahverkehrsverbindungen, die Gefährlichkeit der Berliner U-Bahn) auf, dann gibt es tausend gute Gründe zu behaupten, dass es noch keine optimale Alternative zum geliebten eigenen Gefährt gibt, dem Symbol unserer absoluten Freizügigkeit (besonders im Stau).

Statt auf die optimale Lösung oder das Versiegen des Ölstroms zu warten, gäbe es (zumindest) die Möglichkeit, einmal seinen eigenen Möbilitätsmix zu überprüfen – mit seinen Versicherungen, seiner Vermögensverwaltung und Altersvorsorge tut man das ja auch.

Persönlich haben meine Familie und ich auch (noch) keinen Grund zu prahlen oder stolz zu sein. Aber immerhin haben wir es schon einmal geschafft, obwohl „außerhalb“ wohnend und beide mit sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten, auf einen Zweitwagen zu verzichten. Eine Verkehrsverbund-Monatskarte tut’s auch, wenn man seine Job- und Schulwege vorab gemeinsam koordiniert. Keine große Sache mehr. Schwerer Einkauf einmal mit dem Auto – leichte mit dem Fahrrad. Es sind erst einmal ganz einfache Dinge, die sowohl gesundheitlich und ökologisch wertvoll sind und dabei auch noch Geld und Sprit sparen. Und irgendwie bekommt man das gute Gefühl mit auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn man nicht genau weiß, wohin er führen wird.

Interessanter Link zum Thema: www.car2go.com/portalsta#3B009A

Timo Piecha (Montag, der 1. Juni 2009 / 23:34) | Permalink

Einen Kommentar hinterlassen

Login für Mitglieder