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Sind Sie Europäer/in?

europaer-1Dumm gelaufen, die Wahlen. Na ja, die in Brüssel, die sind ja auch selber Schuld…
Unzufrieden mit Europa? Das klingt wie ein Zuckerschlecker, der die Schuld für seine Karies bei seinem gierigen Dentisten sucht, anstatt sich die Zähne zu putzen (und den Arzt zu wechseln).

„Die in Brüssel!“ Wer hat sie denn dort hin gebracht? Nein, nicht wir persönlich, nicht Sie, nicht ich. Die „EU“, die Europäische Kommission, hat sich schleichend in einen Moloch verwandelt, vor dessen aberwitziger Bürokratie wir kopfschüttelnd resignieren. Die Missstände sind hinreichend bekannt. Warum? Weil wir weder die Beamten und ihre Kompetenzen, noch die Macht der Kommissare ernst genommen haben. Mitschuld für unsere Ignoranz trägt dabei auch die Bundespolitik, die uns Glauben machen wollte, dass der Deutsche Bundestag diejenige Instanz sei, die weittragende Gesetze beschließt und die Zügel fest in Händen hält – Denkfehler: Europa entscheidet mit.

Ein Großteil der Gesetze und Verordnungen, welche sich Bundespolitiker als Erfolg an ihre parteipolitische Fahne heften, wurden in Brüssel bzw. in Strassburg beschlossen. Nur welcher Bundespolitiker gibt schon gerne zu, dass er in vielerlei Hinsicht nur noch Erfüllungsgehilfe seiner „Brüsseler Kollegen“ ist?

Die Europäische Kommission und auch das Europaparlament verfügt bereits über mehr Einfluss als wir uns eingestehen wollen. Auch geht es schon längst nicht mehr um die Frage, ob wir ein Vereintes Europa brauchen, sondern ob wir „solch ein“ Europa brauchen. Es gäbe eine Menge zu tun. Stattdessen herrscht Verdrossenheit. Sind wir nicht selbst Schuld, wenn wir die große Idee eines geeinten Europa einem Haufen von Bürokraten und nach Brüssel gelobten, oft in der eigenen Partei ungeliebten Politikern, Hinterbänklern und Sesselpupsern überlassen? (Interessant zu sehen, wer sich so alles im Europa-Parlament tummelt).

Alle reden von „Europa“, aber so richtig ernst scheinen es viele nicht damit zu meinen. Wir wundern uns über das groteske Schauspiel ohne zu merken, dass uns damit am Ast gesägt wird, von dem aus wir die Posse betrachten. Wir akzeptieren die Scharade der Bundespolitiker, die sich als unsere Interessenvertreter in Brüssel ausgeben. Allerdings hat deren Gehabe auch sehr viel mit der Angst vor Machtverlust zu tun. Besser wäre, wir würden uns persönlich um Europa kümmern, anstatt Andere machen zu lassen. Nicht Europa-Feindlichkeit und populistischer Rechtsruck, sondern mehr Europa-Liebe und politisches Engagement wäre die Antwort auf die Misere in Brüssel und Strassburg.

Timo Piecha (Montag, der 15. Juni 2009 / 23:15) | Permalink

3 Antworten zu “Sind Sie Europäer/in?”

  • SimoneBrinck Simone Düllmann-Peckert sagt:

    Hallo Herr Piecha, danke für diesen Artikel, das war dringend mal nötig, das so eineindeutig auszusprechen. Alle reden über lokale deutsche Bundespolitik und vergessen, dass die übergreifenden Gesetze eigentlich in Europa entschieden werden und dass unsere deutsch-deutschen Politker allenfalls “nur” ein bisschen im großen Clan der Europapolitik mitspielen dürfen. Nicht mehr und nicht weniger.
    Grüße
    Simone Düllmann-Peckert

  • unregistered Schreiber Gerha sagt:

    Was hat uns Europa gebracht? Ausser unsinnigen Anordnungen über die Krümmung von Gurken und Bananen und die Größe von Äpfeln? Eine Inflationsrate von 100 % über Nacht bei der Euroeinführung in vielen Bereichen, nicht gefühlt sondern nachweisbar, und im Urlaub braucht man zwar kein Geld mehr wechseln, dafür sind die Länder, in denen man früher günstiger Urlaub machen konnte durch Kursvorteile, heute teurer als Urlaub in Deutschland. Und da glauben diese Nachtwächter von Politikern, dass sich jemand für Europa interessiern könnte?

    Gerhard Schreiber
    http://www.helios66.com

  • unregistered Helmut Lay sagt:

    Zwei Beispiele mit denen wir meines Erachtens Politikverdrossenheit zum positiven verändern und Gleichklänge generieren könnten.

    Wo wäre die Politikverdrossenheit eines jeden, wenn wir zusätzliche aktuelle Volksbefragungen & Abstimmungen via Internet oder Telefon durchführen würden?

    Wie wären die Wertigkeitsgefühle eines jeden, wenn wir Steuerzahler aktuell mitbestimmen dürften, welche Projekte mit unseren Geldern gefördert werden?

    Was wäre, wenn unsere Stimmen, entsprechend den jeweiligen Altersklassen mal weniger mal mehr zählen würden?

    Wie würden sich die Wähler fühlen, die Politiker verhalten, wenn jeder Wähler, entsprechend seines Alters mal weniger mal mehr Stimmen zu Verfügung stehen würde.

    Wenn nicht gleichbleibend eine Stimme, sondern individuell am Alter mehrere Stimmen abgegeben werden könnten.

    Der Einstieg mit 18 Jahren würde 1 Stimmanteil bringen, dann linear ansteigen bis zum Zenit mit 45 Jahren auf 7 Stimmenanteile ansteigen, um dann linear auf 0 mit 100 Jahre auszulaufen.

    Diese Regelungen würden mehr Zufriedenheiten generieren, und viele positiven Veränderungen mit sich bringen, technisch sind wir dazu in der Lage, wenn nur das klammern nicht wäre.

    Viele Grüße aus dem sonnigen Westerwald, sendet
    Euch allen Helmut Lay

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