Die Gedanken des zeitgenössischen Philosophen und „Lebenskünstlers“ Wilhelm Schmid bewegen mich zu folgender Anregung für die kommende Woche:
Bevor Sie sich über ihre nächste Aufgabe beugen und gesenkten Hauptes „den Teufel im Detail“ suchen, gönnen Sie sich doch die Vorstellung astronautischer Ästhetik. Sie könnte sowohl Ihr Befinden wie auch Ihr Verhalten auf angenehme Weise verändern.
„1961 war Juri Gagarin der erste Mensch im All, der den Planeten von außen wahrnehmen konnte. Damit begann sich eine grundlegende Umkehrung der Perspektive zu vollziehen, denn von diesem Zeitpunkt an richtete sich der menschliche Blick nicht mehr nur von der Erde aus ins All, sondern auch vom All aus auf die Erde… Die damit verbundene Objektivierung des Planeten bot von nun an eine neue Möglichkeit, das Leben des Menschen auf den Planteten zu reflektieren. Man kann geradezu von einer astronautischen Ästhetik sprechen, die mit diesen Erfahrungen entstanden ist.“
Gefangen in unserer eigenen „Engstirnigkeit“ betrachten wir die Dinge meist aus unserer eigenen begrenzten Perspektive, wohingegen die astronautische Ästhetik unsere Sichtweise grundlegend verändert: Astronauten und Kosmonauten – eigentlich Techniker und kalte Rationalisten - waren vom Anblick eines „Erdaufgangs“ hin und weg, wurden sogar poetisch und weichherzig.
Die Betrachtung aus der kosmischen Distanz erlaubt die Wahrnehmung des Planteten als Ganzes – die Betrachtung ermöglicht die Wahrnehmung der Schönheit des Planeten – die Betrachtung ermöglicht die Erfahrung des Planeten als Heimat und:
„Die Wahrnehmung der Winzigkeit und Zerbrechlichkeit des Planeten begründet eine erneuerte Sensibilität für die Bedingungen der menschlichen Existenz., ein Gespür für die Besonderheiten und Eigentümlichkeiten des gesamten Planeten, der die menschliche Existenz ermöglicht. „Die Erde lag ausgebreitet unter uns. Ihre Schönheit war hinreißend – keine Sprache kann es beschreiben -, doch wie verletzlich sah sie aus!“, ruft ein Astronaut aus, den die zerbrechliche Erscheinung fasziniert und in Schrecken versetzte. Was auf der Erde selbst als das Selbstverständlichste gilt, erscheint von außen als das Prekärste: Die menschliche Existenz au dem Planeten. Astronauten und Kosmonauten stimmen überein in ihren Hymnen auf die außergewöhnliche Schönheit des Planeten.
Philosophisch wird dieser wunderbare und erhellende Moment folgendermaßen beschrieben: Die mögliche Distanz zum Planeten eröffnet den Raum der Selbstreflexion und bildet die Grundlage für ein „globales Bewusstsein“. Nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer, sozialer und politischer Hinsicht dringt die gesamte Welt in ihren Wechselwirkungen immer stärker ins Bewusstsein des Einzelnen ein, und unmerklich verändern sich die Strukturen seines Denkens.
Wenn Sie sich also das nächste Mal wieder verzweifelt und deprimiert fragen, ob sich das ganze Gedöns um die Ökologie überhaupt lohnt, dann schließen Sie die Augen und genießen den Anblick der Erde in astronautischer Ästhetik.
Empfehlung zum Thema: „Philosophie der Lebenskunst“ von Wilhelm Schmid.
