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Wie die Anderen kriseln …

worldaid11Mich als wirtschaftspolitischen Laien beschleicht unter so vielen Experten ein Gefühl der Ohnmacht, wenn ich die Diskrepanz zwischen beschwichtigender, wahltaktischer, nationaler Krisenbewältigungsstrategie und den Interessen anderer Länder bzw. Wirtschaftsräume vorgestellt bekomme. Es ist ja nicht so, dass der Rest der Welt bereit stünde, uns Deutschen, uns Europäern oder uns Westlern aus der selbst verschuldeten finanziellen Klemme zu helfen.

Eine Gruppe von ZEIT-Redakteuren stellte die Interessen von für uns wichtige Länder gegenüber. Fazit: Die Züge fahren in ganz unterschiedliche Richtungen und auch wenn unsere Regierungen noch immer so tun, so sind wir nicht (mehr) die Lokomotivführer und bestimmen den Kurs.

Die wirtschaftliche Entwicklungstendenz im Lande unseres Handelspartners Russland zum Beispiel: Wirtschaftsreform mit Rücksicht auf westliche Bedürfnisse? Ein großer Teil der Arbeiterschaft wählt „Einiges Russland“, die Putinsche Partei der Staatsfunktionäre. Ökonomen entwerfen auch keine globalen Zukunftsperspektiven. Sie befassen sich mit konkreten, russlandbezogenen Fragen, schreibt Johannes Voswinkel.

Die eigentlichen Vordenker Indiens schauen längst auf China als in Richtung Westen. „Was Größe, Bevölkerung, Energieversorgung, Erziehung und Nachhaltigkeit betrifft – es gibt nur China, mit dem wir uns messen können“, sagt Peter deSouza, Leiter des Indischen Instituts für Höhere Studien in Shimla.

Michael Thumann schreibt: Das neue Selbstbewusstsein (am Golf) bekommen jetzt auch westliche Politiker wie Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg zu spüren, wenn sie sich in Abu Dabi und anderswo erkundigen, ob man nicht europäische Unternehmen retten wolle. Die Antwort: Interesse im Grundsatz ja, aber nur dann, wenn ein gutes Geschäft daraus wird. Ihr Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott (bzw. Allah).

Die chinesische Führung hingegen sieht ihr Reich als das größte und mächtigste Entwicklungsland und damit als Sprachrohr der Interessen anderer Entwicklungsländer, vor allem in Afrika und Asien. Und sie attackiert die USA. Es könne ja nicht sein, dass ein Land über seine Verhältnisse lebe und die anderen es dann ausbaden müssen, stellt Frank Sieren fest. China braucht uns nicht.

Klingt ein wenig wie ein Blues von Ray Charles: Nobody wants you, when you’re down and out … Jedoch geht es mir bei der Betrachtung nicht um Schwarzmalerei, vielmehr darum, dass wir uns in Bezug auf die angebliche (und durch eben unseren eigenen Leichtsinn ohnehin schwindende) Führungsposition des Westens nichts vormachen sollten. Den politischen Schönrednern sollten wir mit größter Skepsis zuhören, nicht alles glauben und vor allem: kein „Weiter so … „ akzeptieren. Sparen, lernen und neue Technologien entwickeln, anders wird’s nicht gehen, denn „die Anderen“ interessiert unser Problem anscheinend nicht wirklich.
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Timo Piecha (Dienstag, der 7. Juli 2009 / 09:14) | Permalink

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