Da er auf Grund seiner Zielsetzung zu keinen konkreten Ergebnissen führen konnte, lässt sich der G-8-Gipfel nachträglich schwer beurteilen. Enttäuscht kann nur sein, wer zu hohe oder gar falsche Erwartungen an das Treffen der Top-Wohlstands- und Konsumvertreter geknüpft hat. Insofern war es ein guter Gipfel, vergleicht man ihn mit vorangegangenen. Gute Absichten und Wohlwollen kamen zum Ausdruck. Wir können also bequem in unserem Fernsehsessel verweilen.
Eines zeigt solch ein Medien-Spektakel ebenfalls: Wir sehen, wozu die Politik fähig ist (oder eben nicht). Aus dem Fernsehsessel heraus lässt es sich trefflich auf die Unfähigkeit „der Politik“ schimpfen, während wir die Demonstranten vor Ort mit Unbehagen als gewaltbereite Störenfriede verurteilen. Ja was jetzt? Wie beim Fußball jeder vor der Glotze der bessere Nationaltrainer ist, so ist aus dem Sessel heraus jeder auch der bessere Umwelt- und Wirtschafts-Politiker.
Einer meiner Vorbilder in der Amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Gil Scott-Heron, schrieb einmal einen Song mit dem Titel: „The Revolution will not be televized“. Dieser Satz gilt auch heute noch. Veränderung wird nicht auf der Mattscheibe stattfinden, wir können sie dort höchstens verfolgen. Lesenswert hierzu auch der Bestseller von Thomas Wieczorek: „Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“.
Während wir in bequemer Konsumentenhaltung (vom Sessel aus) das Versagen der Politik betrachten, kommt es uns nicht in den Sinn, zwischen unserer eigenen Haltung (vom Sessel aus) und dem, was da auf der Mattscheibe gezeigt wird, vielleicht einen Zusammenhang zu erkennen.
Wir schimpfen über die Politik und erwarten (wie von einem Dienstleister), dass sie für uns die Welt rettet. Während uns das mangelnde Tempo anderer enttäuscht, warten wir selbst lieber erst einmal ab. Während wir uns der Weltuntergangsästhetik der neuen HOME-DVD auf dem Großbildschirm hingeben, buchen wir nebenbei einen 20 Euro Flug nach London.
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Die Lügen der Vattenfall-Verantwortlichen ringen uns nach Zumwinkel und Ackermann nur noch ein müdes Lächeln ab, während wir gleichzeitig das Formular zum Stromanbieterwechsel beiläufig ins Altpapier gekickt haben.
Wir betrauern die tragische Kindheit einer Pop-Ikone, während uns Gewalt an unserer Schule nebenan nicht wirklich berührt.
So sind wir halt, wir Menschen, die Krone der Schöpfung. Zapp – und weg.
Karikatur: WebNews

Donnerstag, der 16. Juli 2009 um 21:13
Ooooch, Herr Piecha, Sie sind aber diesmal sarkastisch gestimmt! Nein, es gibt, wenn auch vielleicht nur eine Handvoll Menschen bis jetzt, denen es nicht egal ist, was auf und mit der Welt passiert und dazu gehören Sie, und ich und …und… und…, die nicht im Fernsehsessel rumsitzen, um “Däumchen zu drehen”. Es gibt sehr wohl ernsthafte Bemühungen ernsthaft gesinnter Menschen - auch unter den Politikern!–> siehe Barak Obama, die wahrhaft ernsthafte Schritte in Richtung “Weltrettung” unternehmen möchten ; nicht zuletzt kommen dies auch aus Bereichen bzw. Länderen, wo man es zunächst garnicht erwartet hätte–> siehe die Emirate…Wer aufmerksam das Weltgeschehen verfolgt, weiss das. Aber längst sind noch nicht genug Menschen in Richtung neuen Denkens unterwegs; da muss ich Ihnen leider recht geben und und Beiträge wie Ihrer gehörten daher viel viel mehr noch auf die Tagesordnung bzw. -zeitung!
mit herzlichsten Grüssen
Kirsten Wodniok