Was hat Heinrich Heine (1797-1856) mit dem heutigen Iran zu tun? Nun ja, seine Gedichte rufen in Erinnerung, dass es zu jeder Zeit nötig war, für die Meinungsfreiheit einzutreten und sie sich zu erstreiten. Auch wenn viele von uns sie heute für selbstverständlich halten.
Weltweit beteiligten sich am Samstag mehrere zehntausend Menschen am GLOBAL ACTION DAY „UNITED FOR IRAN“, um für Meinungs- und Pressefreiheit und für die Freilassung inhaftierter Regimekritiker zu demonstrieren. Eine Gelegenheit, seine Solidarität mit den Gegnern des iranischen Regimes und mit den mutigen Verfolgten im Iran zu zeigen (schade, dass sich keine israelische Stadt an der Aktion beteiligte).
In Frankfurt machten den Veranstaltern zwar heftige Regenschauer zu schaffen, Dennoch hatten sich viele Exil-Iraner neben wenigen Deutschen auf dem Römerberg versammelt. Die Ansprachen wurden in deutscher Sprache gehalten. Die weltweite Veranstaltung, die u.a. vom südafrikanischen Bischof Desmond Tutu unterstützt wurde, sollte menschliche Solidarität zum Ausdruck bringen. Die Veranstaltung in Dubai wurde von der Polizei aufgelöst. In Kirgisien gab es Verhaftungen. Freie Meinungsäußerung ist keineswegs selbstverständlich.
Als ein in Frankfurt lebender iranischer Schriftsteller unterm Regenschirm ans Rednerpult trat hätte man erwarten sollen, dass er sich in politischer Polemik ergehen würde - keineswegs und zur Überraschung der Versammelten zitierte er Heinrich Heine, der sich zu Lebzeiten ebenfalls energisch mit der Obrigkeit anzulegen pflegte und schließlich das Pariser Exil wählte:
Hier ein Auszug aus dem zitierten Gedicht „Die Wahlesel“
… Es gab eine kleine Pferdepartei,
Doch wagte sie nicht zu stimmen;
Sie hatte Angst vor dem Geschrei
Der Alt-Langohren, der grimmen.
Als einer jedoch die Kandidatur
Des Rosses empfahl, mit Zeter
Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,
Und schrie: Du bist in Verräter! …
Wir alle sind Esel! I-A! I-A!
Wir sind keine Pferdeknechte.
Fort mit den Rossen! Es lebe, hurrah!
Der König vom Eselsgeschlechte! …
Das Publikum verstand sehr wohl und applaudierte den klug gewählten Heine-Zitaten, die dem Vortragenden wohl kaum als staatsfeindliche Agitation ausgelegt werden könnten.
Der Kundgebung folgte ein Schweigemarsch zum Main, wo sich eine Lichterkette bildete. Die Ausdrucksform des Schweigemarsches ermöglicht Menschen unterschiedlicher politischer und religiöser Einstellungen, ihren stillen Protest und damit eine alle verbindende menschliche Solidarität auszudrücken. Der stille Protest hätte so stark wie die eindrucksvolle Schweigeminute auf dem Römerberg sein können, hätten da nicht (wieder einmal) die „LINKE“ und die altbackene „Sozialistische Internationale“ die Veranstaltung zur laut plärrenden Selbstdarstellung missbraucht. Schade – aber nur ein kleiner bitterer Beigeschmack. Ihre Ignoranz lässt sich mit dem gleichen Heine-Gedicht kommentieren:
Ich möchte es von allen Dächern schrein:
Ich bin als ein Esel geboren.
