es ist Wahkampf
und damit setzt wieder das Buhlen um die Gunst des Stimmviehs bzw. um die Gunst eines immer kleiner werdenden Prozentsatzes an Mitspielern im demokratischen Mitbestimmungsprozess ein. Woran das wohl liegen könnte?
Sind die Leute etwa tatsächlich so doof und bequem wie ihr Politiker sie gerne hättet? Oder ist es vielleicht umgekehrt, und ihr seid am Ende die Doofen? Gründe für den Zustand, den viele als Politikverdrossenheit bezeichnen gibt es viele. Ein wesentlicher scheint auf einem grundsätzlichen Missverständnis zu beruhen:
Im Gegensatz zu manchem Polit-Profi glauben wir Wähler nicht, dass die Wahl dazu da ist, um persönliche Pfründe bzw. Machtpositionen zu verteidigen. Wer’s nicht kann, der soll gehen und sich nicht mit falschen Versprechungen in den blauen Sessel retten. Aber andererseits sind Politprofis ja auch nur Menschen: Was macht eigentlich ein ungewählter, arbeitsloser Politprofi? Hartz IV? Um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren, verspricht so gut wie jeder das Blaue vom Himmel (würden wir doch auch so machen, wenn unser Chef uns mit fristlosem Rauswurf für mangelnde Leistung drohen würde).
Wie wär’s denn stattdessen damit?: Gute Arbeit leisten, nicht für die Lobby, sondern für den Wähler. Das würde dann vom Wähler und nicht von der Lobby honoriert. Materiell würde allerdings nicht so viel dabei rumkommen. Kein Wähler kann ein Pöstchen in irgendeinem Aufsichtsrat oder Gremium versprechen. Politik für den Wähler rechnet sich nicht.
Liebe Angela, es ist nämlich so: Das Wahlvolk hat echte Probleme von denen sich Winterkorns, Ackermanns, Schmidts anscheinend gar keine Vorstellung machen können. Ein konkreteres Beispiel: Rente mit 69. Was soll dieser Schwachsinn? Warum solch ein verlogenes Getue? Zwar stimmt es wohl, dass längerer Lebenszeit auch eine längere Arbeitszeit folgen müsste, um die Rentenkassen nicht über die Maßen zu belasten. Aber warum sagt niemand die Wahrheit, dass nämlich die gesamte Idee gar nicht funktionieren kann. So lange Unternehmen die Alten in Frührente schicken, muss doch der Staat (also wir Steuerzahler) sowieso einspringen. Sozialpläne für ältere Arbeitslose und Frührentner werden quasi von ihnen selbst und dem Rest der Steuerzahler getragen. Das für das Altenteil ersparte muss frühzeitig aufgezehrt werden damit Unternehmen schlank und profitabel bleiben können. Ja hallooo! Ich mag gar nicht nachdenken, Angela, da fallen mir eine Menge Beispiele für solche Augenwischerei ein. Die Abwrackprämie z.B. ist doch auch kein Geschenk von euch an uns, sondern ihr kassiert 19% Mehrwertsteuer für jedes neu gekaufte Auto. Ja, ja, ihr kleinen Schlitzohren…
Und der Frank-Walter? Glaubt der denn tatsächlich daran, dass er bis 2020 (oder jemals wieder) Vollbeschäftigung in Deutschland schaffen könnte? Wir, das Stimmvieh, haben andere Probleme, die uns hier und jetzt auf den Nägeln brennen. Weder Dosenpfand noch Abwrackprämie lösen unsere tatsächlichen Probleme.
Woran man denn ein echtes Problem von einem Wahlversprechen unterscheiden kann, möchtest Du wissen, Angela? Nun, ein echtes Problem ist eines, vor dem ein Politiker flieht wie der Teufel vor dem Weihwasser, eine unangenehme Wahrheit z.B., die besser totgeschwiegen als gegen den Widerstand von Lobbyisten angegangen werden müsste. Warum leben z.B. so viele Kinder in Armut und werden dadurch nachgewiesenermaßen keine annähernd gleichen Bildungschancen bekommen? Warum die gleichzeitige Lüge, dass die Politik mehr in die Zukunft investieren müsste? Wer bitteschön „ist“ denn die Zukunft?
Mann-oh-Mann, Angela! Im Gegensatz zu den echten –also totgeschwiegenen- Problemen gibt es dann noch die „Scheinprobleme“, man könnte auch Wahlkampfthemen dazu sagen. Illner, Will und Co. beten sie in ihren Shows gemeinsam mit den Pöstchenanwärtern runter, als handele es sich um das, was die Otto-Normal-Alleinerziehende tatsächlich interessiert.
Man erkennt die Scheinprobleme daran, dass sie auf kurzfristigen Effekt ausgelegt sind, um das Stimmvieh zu ködern. Eine schnelle Extrazahlung, eine Art Schweigegeld, geht meist als Wahlgeschenk damit einher. Sie klingen nicht nach Lösung, sondern nach Versprechen, die immer mit dem Schlusssatz enden: „…das wird es mit uns nicht geben!“ So zum Beispiel: „Einen Untergang von OPEL wird es mit uns nicht geben!“ Also ob der Frank-Walter das zu entscheiden hätte. Das machen die Jungs von GM in Detroit mit den Käufern aus. Gerne schmückt man sich auch mit der bevorstehenden Durchsetzung von irgendetwas, ohne dabei zu erwähnen, dass man sowieso an die Weisungen eines EU-Kommissars gebunden ist.
Warum sich das Wahlvolk doof und träge ist? Keine Ahnung Angela …

Mittwoch, der 5. August 2009 um 01:28
Volltreffer! Die Dummköpfe in der Politik werden nur noch von den Wählern übertroffen.
Mittwoch, der 5. August 2009 um 10:31
Was nützt das ganze schimpfen. Es ist wie es ist und wir wissen das schon lange.
Wenn wir nicht beginnen an der Basis die Dinge zu verändern, wird sich nie was verändern, den die Politik kann nicht wirklich was verändern. Beginnen wir doch bei uns selbst, denn dafür brauchen wir niemanden um Erlaubnis fragen.
die besten Grüße
Günter
Mittwoch, der 5. August 2009 um 10:39
Nicht schimpfen? Wer die Menschen liebt, muss “Laut geben”. Das Eine bedingt das Andere. Es geht nicht ums Schimpfen, es geht ums Bewußtmachen. Denn wie die Umstände zeigen, scheint dies nicht immer der Fall zu sein. Das schließt eigene Veränderung nicht aus, sondern setzt sie natürlich voraus. Der Mensch ist immer sowohl Subjekt wie Objekt, nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern in jedem gegebenen Moment irgendwo dazwischen.
Herzliche Grüße
Piecha