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Schulanfang - Schluss mit lustig

lamplWeiche Knie, feuchte Hände. Nervöser Magen. Versagensängste. So kann man sich den Schulanfang in manchen Familien vorstellen, und zwar nicht bei den Kindern, sondern bei deren Eltern.

Bereits vor dem Beginn der Sommerferien nahmen sich sowohl „Der Spiegel“ als auch „Die Zeit“ einer Sonderform des Kinderschutzes an: Dem Schutz des Kindes vor den eigenen Eltern bzw. vor deren überzogenen Erwartungen. Denn jetzt wird sich’s zeigen, ob das eigene Kind den Massstäben der Eltern gewachsen ist, ob die Frühförderung den erwünschten Informationsvorsprung bringt, ob die frühkindergärtliche Yogastunde dem Kind die nötige innere Ruhe zum Überstehen des Lernstresses hat angedeien lassen.

Dabei wäre gerade das Thema Gelassenheit eines, das sich die Eltern zu Herzen nehmen sollten. Hierzu stellte die Spiegel-Autorin Kerstin Kullmann die Frage: „Wann haben Eltern aufgehört, ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen? Warum lassen sich Erwachsene von Fragen verunsichern, für die sie längst ein sicheres Gespür haben müssten?”

Hierzu hat Prof. Andreas Rödder geforscht: „Die Eltern geben nichts mehr auf die eigene Erfahrungen. Gar nichts. Wir sind eine Wissens- und keine Erfahrungsgesellschaft mehr”… Loyalität, Freundschaft, Berufserfahrung, die Familie sei ein Anachronismus. Emotionalität, Stabilität, bedingungslose Zuwendung. Alles überhaupt nicht mehr zeitgemäß.

Aber gerade diese Werte müssen Eltern in eine Gesellschaft verteidigen, in der sie schnell als gefühlsduselig und verbohrt gelten. Gleichzeitig müssen sie ihren Kindern eine Zukunft bieten, sie anpassen, kompatibel machen. An diese andere Welt, in der Wissen statt Gefühl, Kompetenz statt Erfahrung zählt. Rödder sagt, die meisten Familien würden das Problem über die Masse lösen. Viel lernen, früh lernen. Was dem Kind in Zukunft nützlich ist- woher soll man das wissen? Wer in den neunziger Jahren sein Medizinstudium beendet hat, geriet in die Ärzteschwemme. Wer in den Achtzigern Japanisch gelernt hat, der müsste jetzt Chinesisch sprechen.

Eltern möchten ihren Kindern alles bieten – und: überfordern sie, anstatt ihnen das nötige Vertrauen zu schenken, mit dem Kinder sich ihren eigenen Weg suchen und finden können.

„Eltern trauen ihrer Erfahrung nicht mehr. Aber gesunder Menschenverstand war auch immer ein guter Ratgeber“, sagt Prof. Rödder. Eltern brauchen Gelassenheit.

Timo Piecha (Montag, der 24. August 2009 / 08:31) | Permalink

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