Muss man sich tatsächlich selbstkritisch prüfen, ob man unter einem Neidkomplex leidet? Oder darf man sich aufgrund jüngster Meldungen erlauben, das Verhalten in manchen Chef-Etagen (umso mehr) zu hinterfragen? Die FAS kürt das Streit-Thema bereits zum Reizwort des Jahres: Boni.
Vielleicht geht es derzeit gar nicht mehr um die Höhe von sog. „Managergehältern“, sondern vielmehr um das Signal, das vom Verhalten mancher „Unsensibelchen“ der Branche ausgeht. Beispiel: Arcandor. Der Chef Karl-Gerhard Eick streicht nach Pleite und nur sechs Monaten im Amt 15 Mio. € für eigentlich fünf Jahre, die er hätte dafür (hart) arbeiten sollen, ein. Glückwunsch – fette Beute! Auch wenn er einen Teil davon jetzt gemeinnützig spendet bleibt doch der Eindruck, dass dem Deal irgendein Geschmack von Ungerechtigkeit anhaftet: Ein paar Tausend Normalos verlieren ihren Job, einer sahnt ab. Wie sagt man in Neudeutsch dazu?: Das ist dem Volk schwer vermittelbar. Weiter: HSH Nordbank, Nonnenmacher, erfolglos: 2,9 Mio. HRE, Funke, Klage auf Gehaltsfortzahlung: 3,5 Mio. usw. usw.
Hierzu schreibt der Ökonom Karl-Heinz Paqué: „Die Menschen haben ein sehr gutes Gefühl dafür, was andere leisten.“ Ökonomisch könne man hohes Gehalt bei Bankern und Managern zwar leicht erklären: „Es hängen ungeheure Kapitalwerte an ihren Entscheidungen.“ Doch für die Menschen sei das schon in gewöhnlichen Zeiten schwer begreifbar. Schlimmer wird es in Situationen, da es offensichtlich ist, dass die Betroffenen eben nicht alles richtig, sondern vieles (auf Kosten des gemeinen Volkes) falsch gemacht haben. (Quelle: FAS)
Ob ein Gehalt nun von anderen als gerecht oder ungerecht empfunden wird, spielt allerdings zwischen den Vertragspartnern nicht wirklich eine Rolle. Es steht den Parteien frei, ihre Geschäftsvereinbarungen gegenseitig auszuhandeln: Man nimmt halt, was man und wo man es kriegt, bzw. kriegen kann. Denn, so die FAS weiter, aus ökonomischer Sicht sind Gehälter Preise, die auf dem Markt für Arbeitskräfte entstehen… Eine staatliche Regulierung von Gehältern ist selbst dem Moralphilosophen Ottfried Höffe suspekt. Vorher stelle sich die Frage, ob die Banker und Manager nicht vielleicht eine Art Berufsethos brauchten, sagt er. Funktioniere das nicht, so seien die Aufsichtsräte und Aufsichtsbehörden gefragt, genauer hinzuschauen.
Genauer hinzuschauen lohnt sich diesbezüglich tatsächlich: In den Aufsichtsräten sitzen oft „alte Bekannte“, also diejenigen, die mangels Erfolg bereits dorthin „weggelobt“ wurden. Sie wären dann diejenigen, die die “ethischen Spielregeln” aufstellen müssten. Das wäre dann aber das erste Mal dass “ein Krähe der anderen ein Auge aushacken würde”. Es scheint Usus zu sein, dass man sich in bestimmten Kreisen die „Fleischtöpfe“ gegenseitig zuschiebt. Ein Zeichen dafür mag sein, dass es der Politik unmöglich zu sein scheint, der schon wieder aufkeimenden Gier Einhalt zu gebieten. Die Finanzminister der reichsten Nationen sind sich selbst uneins. Die Franzosen wollen wie wir, die Engländer wollen wie die Amerikaner - Lösung nicht in Sicht. Zudem mangelt es einigen Selbstbedienern an Sensibilität denjenigen gegenüber, die via Staatsbürgschaften und Sozialabgaben die Haftung und die Kosten für den „Selbstbedienungsladen Wirtschaft“ übernehmen müssen.
Ein wenig fühle ich mich an die Arroganz der Marie-Antoinette kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution erinnert: „Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es eben Kuchen essen.“
p.s. Vielleicht sollte sich mancher Manager ein Beispiel an dem Schalker (angeblichen) Profi-Kicker Albert Streit nehmen: Der hat keinen Bock zu trainieren, gibt öffentlich zu, dass er einen “geilen” Vertrag hat, den er aussitzen will, um die Kohle mitzunehmen. Das ist ehrlich. Und die Quittung folgte prompt: In der 2. Mannschaft aufgelaufen, wurde er von den Fans bespuckt, angepöbelt und ausgebuht.
Grafik: A. Paul Weber

Dienstag, der 8. September 2009 um 12:21
Es macht mich müde, es frustriert und es wird sich hier in dem Bereich nie was ändern. Die Gier, die Unvernunft, die Perversität.
Anders kann ich es nicht mehr verstehen!
Doch wie beruhigend, das letzte Hemd hat keine Taschen, keiner kann was mitnehmen.