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Duell, Duett, Kanon oder Chor?

Merkel und SteinmeierWar das nun Hitchcock oder Sandmännchen, was da über Millionen Bildschirme am gestrigen Abend flackerte?
In der Analyse liegt Steinmeier leicht vorne, vielleicht weil man ihm noch weniger zugetraut hatte. In den Lagern herrscht Einigkeit, die CDU sah Merkel vorne und beschwört rot-rote Horrorszenarien, die SPD ihrerseits ist voll des Lobes für Ihren Duellanten und malt (markt-)radikale Tigerenten an die Wand.

Die Opposition jammert im Chor, dass man Ihr das Mitspielen verboten habe, und Generalsekretär Niebel von der FDP singt überall, wie eine nimmermüde Grußkarte, dasselbe Lied vom großen Verlust für Deutschland, weil die Fernsehanstalten sie nur im Foyer geduldet haben.
Ein Wahlbeobachter des ZDF meinte gar, dass die Zeit der deutlichen Wahlkämpfe vorbei sei. So etwas wie früher werde es nicht mehr geben. Ist das so? Alles klar also, auf der MS Deutschland? Der Kurs ist also zementiert und Widersprüche ad acta? Wenn dem so ist, dann ändert sich meine Gemütssituation von gelangweilt zu geängstigt.

Sparen wir uns dann bald die Wahlen, und würfeln die Prozente aus? Wozu sich noch einen Sonntag versauen, wenn doch sowieso alles in der Gleichmacherei, Profillosigkeit und Ziellosigkeit untergeht?

Glauben Sie das nicht und vor allem: Akzeptieren Sie das nicht!

Nicht jede Wahl wird nur noch von Plüschhäschen und Kuscheldeckchen ausgefochten werden. Irgendwann wird sich ein Stein in dem Wattebausch verstecken, spätestens wenn Radikale beider Seiten nennenswerte Mehrheiten hinter sich scharen, werden unsere „Volksparteien” wieder beginnen müssen Positionen zu besetzen. Das mag nach einer großen Koalition schwer aber dennoch nötig sein.
Haben Sie gehört wie unsere Kontrahenten „Volkspartei” definiert haben? Volksparteien, nehmen für sich in Anspruch alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zu vertreten. Na gut, das schließt niemanden oder nichts zu vertreten mit ein, es muss halt nur „gleichermaßen” geschehen.

Auch wenn ich bei so manch markigem Satz, der aus den Reihen der Politik kommt, einen Brechreitz verspüre, so sind mir dennoch klare Positionen lieber als Schafe in Daunenmänteln.
Politik braucht Köpfe, wie Carlo Schmid, Herbert Wehner, Franz-Joseph Strauß. Nicht nur rundgelutschte Phrasendrescher.
Hören Sie sich doch mal Niebel, Heil, Roth und Pofalla an. Ein 90-Minuten-Spezial dieser vier hätte selbst in Guantanamo, als Zwangs-Langweil-Folter, zum Einsatz kommen können. In unserer Mediendemokratie lehnt sich kaum noch ein Politiker mal richtig aus dem Fenster, um eine Kontroverse anzustoßen. Das müssen wir fordern und durch unsere Wahl stärken.

Mir sind Trittin, Koch, Gysi, Steinbrück u.a. , die mal Stellung beziehen, Emotionen zeigen und ganz ein fach mal streiten doch mehr Wert in meiner politischen Meinungsbildung, als das ganze Politvolk, das versucht den Ereignishorizont zu verteidigen. Frei nach dem Motto: „Wer zuckt, hat schon verloren”.

Demokratie lebt vom Diskurs. Lassen Sie sich keine Sonnenbrille aufsetzen, egal wie hübsch Sie auch die Farbe finden.

Machen Sie es gut
Peter Brandt

Peter Brandt (Montag, der 14. September 2009 / 15:36) | Permalink

3 Antworten zu “Duell, Duett, Kanon oder Chor?”

  • Heike_Ruehmling Heike Rühmling sagt:

    Hallo Herr Brandt,
    haben Sie denn mehr erwartet von diesem “Duell”? Ich fand, es war alles so, wie man es vorausgesehen hatte..
    Aber wie viele kommentieren hinterher.. und wie wenige würden tatsächlich selbst in die Politik gehen? Wer mehr erwartet, sollte darüber darüber nachdenken, ob er selbst mehr tun würde.. und wenn er meint JA, dann sollte er es vielleicht tun.. Ich finde, es herrscht in unserem Land zuviel Politikverdrossenheit, keiner will sich mehr als nötigen Stress aufhalsen, aber im Kommentieren im Nachhinein sind alle recht groß..
    Sorry Herr Brandt, ich schätze Sie und ich meine Sie nicht persönlich, aber was Sie schreiben, beschreibt das, was man überall hören kann..
    Ich persönlich fand Herrn Steinmeyer überraschend und Frau Merkel klug und kompetent.. wie immer. So wie Frauen nun mal sind.. :-))
    Herzliche Grüße,
    Heike Rühmling
    PS: Da ich ja schon gewählt habe, hatte alles sowieso keine Einfluß auf mich.. :-)) Bin nur neugierig, wie wie Wahl ausgeht, aber ich denke, wir werden Frau Merkel noch weitere vier Jahre haben.

  • Peter_Brandt1 Peter Brandt sagt:

    Hallo Frau Rühmling,

    ich mag Sie auch und habe Ihren Kommentar nicht persönlich genommen ;-).

    In dem Artikel habe ich das “Duell” gar nicht weiter kommentiert. Die Frage, die ich am Anfang gestellt habe, ob das nun Hitchcock oder Sandmännchen gewesen sei, habe ich absichtlich nicht beantwortet. Ich fand, dass beide ihre Sache im Korsett dieser Sendung ordentlich gemacht haben. Ich sprach von der Nachlese, insbesondere von den Reaktionen nach dem Duell.

    Wenn ich sowohl bei Anne Will, als auch in der ZDF Nachlese höre, dass die Zeit der deutlichen Wahlkämpfe vorbei sei, beginne ich mir Sorgen zu machen.

    Denn dies würde doch wirklich bedeuten, dass die Wahl eine Wahl ohne Perspektiven ist. Die Entscheidung zwischen A und A lockt doch niemanden hinterm Ofen vor.

    Dass dieser Wahlkampf als Resultat der großen Koalitaion so aussieht, ok, aber in in Zukunft bedarf es auch wieder Ecken, Kanten uns Positionen, sonst gehen Sie und ich irgendwann allein zur Wahl.

  • Heike_Ruehmling Heike Rühmling sagt:

    Hallo Herr Brandt,

    das meine ich ja auch. Also, wenn wir mehr Wahlkampf wollen, müssen wir halt selber welchen machen..

    Aber da wir beide uns ja mögen, würde ein Duell zwischen uns auch leider so höflich ausfallen, dass die Zuschauer wieder das Gähnen kriegen.. :-)

    Herzliche Grüße,
    Heike Rühmling

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