Heute vor dreißig Jahren traf sich in Karlsruhe ein Pulk zusammengewürfelter Protestler aus den Umweltverbänden, der Friedensbewegung, den Atomkraftgegnern, Alt 68′gern und Querdenkern, um flussaufwärts schwimmend, gegen alle Regeln, eine reguläre Antipartei zu gründen. Nicht nur besser und demokratischer wollte man alles machen, vor allem anders. Die Grünen waren gegründet.
Kaum 3 Jahre später durchzuckte es das deutsche Bürgertum, denn dieser „Haufen” schaffte es in das hohe Haus im damaligen Bonn, den Bundestag, einzuziehen. Versuchten die etablierten Parteien anfangs noch, ihre neuen Kollegen wegzulächeln und mit Attributen wie „nicht regierungsfähig” zu versehen, stets im Glauben, diese Chaoten würden ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen seien, so wurde doch den meisten nach dem Wiedereinzug klar, dass sie diesbezüglich wohl den deutschen Michel falsch eingeschätzt hatten.
Die Grünen selbst, schienen von Anfang an zu wissen, dass ihr Aufenthalt im Zentrum der Macht länger fristen würde, denn man brachte schon Topfblumen und warme Wintersachen mit, um sich häuslich einzurichten.
Dabei war der Weg der jungen Partei durchaus mit Steinen gesät, wennschon die dicksten davon selbst gehauen waren. Rotationsprinzip, Quotenregel, Fundis gegen Realos, Jutta Ditfurth, um nur wenige zu benennen.
Während die starken Flügelkämpfe 1990/91 im miserablen Bundesergebnis und dem Austritt mehrerer prominenter Fundis gipfelten, wuchs in der damaligen DDR der spätere Ostflügel der Partei. Das Bündnis 90 und die Ostgrünen. Ost- und Westgrüne fusionierten bereits einen Tag nach der Bundestagswahl 1990, das B’90 stieß drei Jahre später dazu.
Von den Altlasten der Ökosozialisten rund um Ditfurth befreit, kamen die Grünen schnell wieder auf die Füße und erreichten bereits 1994 wieder mehr als 7% der Zweitstimmen.
War man im Bundestag zu Beginn insbesondere in Reihen der Union noch der Meinung, diese Störenfriede haben im Parlament nichts zu suchen, so keimte bereits 1985, ausgerechnet in Hessen, die spätere Orchideenblüte der Partei, die prominentesten Turnschuhe des Landes, zumindest jenseits des Sports, betraten die Bretter, die die Macht bedeuten. Joschka Fischer wurde in der ersten rot-grünen Koalition in Hessen unter Holger Börner, Umwälz-, nein, Umweltminister. Fischer, der durch seinen für diesen Artikel namensgebenden Zwischenruf, gerichtet an Bundestagspräsidenten Richard Stücklen, breite, wenn auch nicht durchweg positive, Popularität besaß, wuchs über die Jahre zu der Gallionsfigur der Partei heran. Eine Lücke, die die Partei, nach Fischers Fortgang aus der Politik, bis heute nicht hat schließen können. Eben dieser Mann führte die Partei 1998 in die erste Beteiligung in einer Bundesregierung unter Kanzler Schröder.
Der letzte parteienpolitische Meilenstein, die quasi Quadratur des Kreises, war schließlich die Koalition mit der CDU (und der FDP) im Saarland, 2009 unter Ministerpräsident Peter Müller.
Vieles haben wir denen zum Teil als „Öko-Stalinisten” bezeichneten Altrevolutionären zu verdanken. Weder der Beginn der Energiewende, noch der Atomausstieg, Elektromobilität, Waldsterben etc. wären in unserem Land zustande gebracht, gelöst oder zumindest diskutiert worden, deshalb wünsche ich Cem Özdemir, Claudia Roth, Jürgen Trittin und dem Rest der Grünen „Alles Gute zum Geburtstag”.
P.S. Ich entschuldige mich schweren Herzens dafür, dass ich Claudia Roth an anderer Stelle bereits als „verbale Umweltverschmutzung” bezeichnet habe und reduziere das auf eine „weinende Lärmbelästigung”.

Mittwoch, der 13. Januar 2010 um 09:08
Entstanden als Folge der APO und den 68ern sowie einigen Bürgerinitiativen haben sie in Deutschland, in Europa, ja weltweit einen ökologischen Umdenkprozess vorangetrieben, Pazifismus, Toleranz und Basisdemokratie (an sich ein Wort wie lederne Lederhose) auf etablierte Parteien übertragen bzw. in sie implantiert. Das ist somit ihr Verdienst! dafür bin ich den Grünen sehr dankbar!
Natürlich mußten auch bei ihnen Flügelkämpfe und damit verbundene innerparteiliche Streitereien sein. So ist das bei allen (Volks-) Parteien. Als Partei muss man dann natürlich auch Verantwortung übernehmen, also auch mitregieren, Koalitionen einegehen, kompromissfähig werden: eben sich etablieren.
Somit gehören sie heute selbst zum Establishment, was sie ursprünglich ja bekämpft haben. Irgendwann wird wieder eine neue (Protest-) Partei entstehen und der Kreis sich wieder schließen. C’est la vie!
Obwohl ich selbst als sozialer Demokrat, der seit einiger Zeit keine politische Heimat mehr hat, nie die Grünen gewählt habe, waren sie mir immer sehr sympathisch. Ich gratuliere ihnen zu ihrem 30. Geburtstag aufrichtig von ganzem Herzen und wünsche ihnen noch viele kreative Ideen zum Wohle für uns alle!
Mittwoch, der 13. Januar 2010 um 16:41
“Viele kreative Ideen zum Wohle für uns alle” hätten die Grünen also gehabt? Aha. Geht es uns tatsächlich besser als vorher? Stichworte: Arbeitslosigkeit? Staatsverschuldung? Volkswohlstand? Perspektiven?
Ist es nicht weit eher so, daß die Grünen als die Gesellschaft metastasierende 68er begonnen haben, sozusagen als die Esel, denen es vor lauter Wohlstand, den Ihre Nachkriegseltern Ihnen erschaffen haben, zu wohl wurde, um dann auf das Eis links-versponnener Ideen zu gehen? Und die, die damals anstatt des bewaffneten Kampfes der RAF, also Mord und Entführung, den Marsch durch die Institutionen gewählt haben, haben heute von Medien über Politik bis zu den Gerichten alles durchseucht und spielen sich noch als ewiggestrige (nicht: -vorgestrige) üppig steuerzahleralimentierte Gutmenschen auf und sorgen für den Linksruck in der Gesellschaft wie die Flodders im Film für Kulturvielfalt.
Donnerstag, der 14. Januar 2010 um 20:52
Sehe ich nicht so.