Was klingt wie eine sinnlose Aneinanderreihung suchmaschinenträchtiger Schlagworte kostet viele Menschen jeden Tag Zeit und somit auch Nerven. Menschen, die eine öffentliche, eine info@ oder kontakt@ oder noch schlimmer eine so genannte “Catch All” (d.h. egal was vor dem @ steht, die Email wird zugestellt) Emailadresse besitzen wissen genau wovon hier die Rede ist: Spam. Schreiende Überschriften wie, “Doping für Ihr bestes Stück”, “max.muster@mustermann.de ist zu dick” oder gar Drohungen und Warnungen angeblicher Sicherheitsbehörden, Banken etc. schallen dem Nutzer entgegen, wobei letztere meistens nicht nur blanker Spam, sondern “Phishing” Versuche darstellen, also Versuche an Ihre Daten zu gelangen und damit Schindluder zu betreiben. Zu guter Letzt dann noch die lustigen Spaßmails, die versuchen Trojaner, Viren und anderes Getier auf die heimischen Rechner zu schmuggeln.
Der Nutzer kämpft gegen Windmühlen, kauft Virenscanner, Spamfilter, Rootkitscanner, Firewalls und “Internet Security” Pakete. Doch der Erfolg will sich nicht einstellen. Stets brüllt die Mailbox neue zweideutige Angebote auf den LCD und der Nutzer klickt, markiert und löscht - oder fällt auf eines der Angebote rein.
Wie funktioniert dieses System, wer verdient daran.
Anders gefragt, wie kommen diese Halunken an “meine” Emailadresse? Hier führen viele Wege nach Rom. Zum Teil saugen Trojaner die Adressbücher betroffener Rechner aus, Communities werden gehackt oder schlicht missbraucht, oft wird auch schlicht geraten. Dies klappt besonders bei Emailadressen, die sich aus den Initialen und der Domain zusammensetzen. Diese Emailadressen werden in Bot-Netzwerken gesammelt und die Nutzung verkauft. 200$ für z.B. 30.000 Spammails wurden einst in einer Fachzeitschrift beziffert.
Die eben genannten Trojaner verfolgen noch einen weiteren Zweck, denn oft werden die infizierten PCs dann auch zum Versand der Emails herangezogen. Allerdings gilt auch hier das Prinzip der vielen Wege. Andere Spammails werden über gehackte oder offene Email-Server verschickt, über zwielichte Anbieter ebenso oder schlicht mit gefälschten Absenderdaten. Besonders dreist ist die Methode eine unzustellbare Mail mit falschem Absender loszulassen, woraufhin die Fehlermail dann an den vermeintlichen Absenden, im Sinne des Spammers Adressaten, geschickt wird (Backscatter) Übergreifend ist nur die Verschleierung des tatsächlichen Absenders.
Lohnt sich das?
Ganz klar: Jein! Für etablierte oder seriöse Unternehmen lohnt sich Spam nicht wirklich. Der Imageverlust und auch mögliche Klagen von betroffenen Empfängern machen Spam zu einer mitunter sehr teuren Marketingmaßnahme. Für Gauner und Betrüger hingegen kann sich das lohnen. Der Stern schrieb 2004, dass Spammer zwischen 6000 und 300.000 Dollar verdienen würden.
Was tun?
Nutzen Sie mindestens zwei Emailadressen. Eine für Ihre Freunde, Kollegen etc. Und eine für Foren, Communities und andere Bereiche des öffentlichen Netzes.
Halten Sie Ihren Virenfilter und Spamfilter auf dem neuesten Stand.
Antworten Sie niemals auf derartige Mails, da der Versender sich sonst sicher sein kann, dass seine Mail Erfolg gehabt hat. Selbst wenn Sie eines der Produkte wirklich interessiert, sollten Sie lieber versuchen auf anderem Wege dieses zu erstehen. Schon der Klick auf einen Link der Mail, sogar das Nachladen der Bilder in dieser Mail können vom Verfasser verfolgt und ausgewertet werden.
Verschleiern Sie Ihre Emailadresse auf öffentlichen Seiten. Entweder durch Umschreibungen wie max(at)muster.de, geeignete JavaScripts oder lassen Sie sich ein Kontaktformular mit Sicherheitsabfrage einbauen.
Liegt das Kind bereits im Brunnen, wechseln Sie Ihre Emailadresse, informieren Sie Ihre Kontakte und schalten nach einem Übergang von 14 Tagen die alte Adresse ab.
Was bleibt?
Der beständige Wettlauf zwischen Sender und Empfänger wird uns wohl noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Ähnlich wie bei den klassischen Viren, wird das Wettrüsten weitergehen. Jede Filtermethode zieht eine neue Umgehung nach sich. Ärgern Sie sich nicht, die schöne digitale Welt hat halt auch ihre Schattenseiten, das ist so, und wird leider auch so bleiben.

