Gestern gab es netzweit eine Atempause, denn Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich mittels einer Schusswaffe das Leben genommen. Die Trauer will nicht so recht um sich greifen, denn hier starb ein Mann, der wusste wie man sich fast das gesamte Netzvolk zum Feind macht.
Der bekannte und umstrittene Rechtsanwalt war durch die Abmahnungen, gegen Nutzer des Wortes „Explorer” in die Schlagzeilen geraten und hat damit die heute noch greifende Abmahnwelle mit angestoßen. Später dann kamen noch Prozesse gegen Raubkopierer hinzu, die Gravenreuth als Software suchendes Mädchen getarnt in diversen Foren aufgespürt hatte, Spam-Abmahnungen, auch wenn kein Spam zu finden war oder auch sein Kreuzzug gegen politische Satire Comics, die sich bekannter Figuren bedienten, wie z.B. „Asterix und das Atomkraftwerk”.
Gravenreuth wusste um seinen Ruf und kokettierte auch damit. So versuchte er mehrmals an einem Treffen des Chaos Computer Clubs teilzunehmen, und während er bei seinem ersten Versuch rausgeschmissen wurde, so war beim nächsten Treffen zu beobachten, wie er Dartpfeile auf sein eigenes Konterfeit warf, welches zu diesem Zweck von CCC Mitgliedern aufgehängt worden war.
Mutet diese Anekdote noch komisch an, so war Gravenreuth für die betroffenen Seitenbetreiber oder Hobby-Raubkopierer die Personifizierung des Bösen.
Die Krise um seinen Partner Bernhard Syndikus, der sich selbst in zwielichtige Machenschaften verwickelt hatte, die im FTP-Welt Skandal gipfelten, und in einer Bewährungsstrafe für Syndikus endeten, führte zum Bruch der Partnerschaft. Es scheint ein Hohn, dass ausgerechnet der Partner des selbsternannten Copyright-Wächters, in Dialer und Raubkopiergeschäfte verstrickt war.
Für Gravenreuth selber begann sein berufliches Waterloo mit einer Abmahnung gegen die TAZ. Als die TAZ dann angeblich nicht zahlte, ließ der Freiherr kurzerhand die Domain TAZ.de pfänden und versuchte selbige zu versteigern. Die TAZ stelle Strafanzeige und vor Gericht konnte anhand eines FAX aus Gravenreuths Büro die Zahlung der TAZ belegt werden. Gravenreuth, der bereits wegen Urkundenfälschung vorbelastet war, wurde zu 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Man gewährte im Haftaufschub, damit er seine Kanzlei noch abwickeln könne, da dieser aber nun fast verstrichen ist, hätte er seine Strafe in Kürze antreten müssen.
Dies und andere Gründe, haben Von Gravenreuth zu seinem letzten Schritt veranlasst. Aber ganz wie es sich für einen Mann seines Schlages gehört, nicht ohne Paukenschlag. Statt einem Brief an seine Nächsten schickte er eine Art Abschiedsspam an z.B. hochranginge CCC Mitglieder oder Betreiber von zwielichtigen Internetforen.
Seinen „letzten Gruß in die Runde”, wie er in der Email schrieb, nehmen wir versöhnlich an, ein Sportsmann wie es scheint, der nun aus seiner größten Niederlage, die für ihn einzige Konsequenz gezogen hat. Möge er in Frieden ruhen.

Mittwoch, der 24. Februar 2010 um 11:31
De mortuis nihil nisi bene - sonst gäbe es sicher einiges zu sagen…
Mittwoch, der 24. Februar 2010 um 18:55
warum eigentlich soll man über Tote nichts als gutes sagen? Das Prinzip verstehe ich nicht, den es bedeutet in einigen Fällen nichts anderes als Heuchelei.
Ich ziehe allerdings meinen Hut für die Nummer mit der Emailaktion statt Abschiedsbrief. Das war schon ein abgebrühter “Hund” - but not my cup of tea. Not at all!