Hört man dieser Tage hohe katholische Würdenträger, so geht es leider zumeist um die üble Affäre, die aus dem vielfachen Missbrauch, an der Kirche anvertrauten Jugendlichen, entstanden ist.
Um es gleich vorweg zu nehmen, es geht hier weder um den Glauben, noch weniger um Gott.
Die Religionen dieser Welt hatten stets Probleme im Umgang mit den Verfehlungen Ihrer Missionare.
Dies gilt insbesondere für die Katholische Kirche, dessen Oberhaupt selbst unfehlbar diesen Nimbus gerne auf die gesamte Institution überträgt. So wurden weder die Gräueltaten der heiligen Inquisition, die Ränke der mittelalterlichen Weltpolitik, der Ablasshandel, die teilweise blutige Missionierung der Kolonialstaaten, noch das Aussitzen und Stillschweigen während der Nazizeit je richtig aufgearbeitet.
Und während der weltliche Einfluss schwand, kehrte die Kirche zu ihrer Rolle als moralische Instanz zurück. Doch auch hier schaffte sie es nicht in der Neuzeit Akzente zu setzen. Zu unreflektiert, zu dogmatisch und zu weit weg vom Geist der Gesellschaft, schafft sie gerade noch Änderungen im sozialen Gefüge zu verschleppen.
Gerade ihre Haltung zu Themen der Sexualität sorgt für Probleme an allen Ecken und Enden. Das Kondomverbot ruft in Zeiten von Aids und Überbevölkerung die Menschenrechtler und Mediziner auf den Plan, die westlichen Bevölkerungen wissen mit dem Gebot der Enthaltsamkeit bis zur Ehe selten etwas anzufangen, die perverse Haltung gegenüber Homosexuellen, und ganz besonders der Umgang mit diesbezüglichen Verfehlungen im eigenen Haus, treiben weiter Junggläubige in die Hände anderer Konfessionen.
Und jetzt? Waren gerade erst die Wellen verebbt, die die jüngst ans Tageslicht gekommenen Kinder katholischer Geistlicher geschlagen hatten, so scheinbar nur um mit doppelter Wucht erneut gegen die Kirchenfesten zu schlagen.
Die traurigen Geschichten möchte ich gar nicht erneut erzählen, ich denke auch, dass diese in der Presse ausreichend Platz gefunden haben. Erwähnenswert hingegen erscheint mir aber die scheinbare Unfähigkeit der Katholiken ihre Mutter Kirche zu reflektieren, mit dem Rest der Gesellschaft in Dialog zu treten und auch Hilfe anzunehmen. Die Fassade mag noch so glänzen, der morsche Kern ist weithin schon zu riechen.
Gerade in Zeiten der moralischen Orientierungslosigkeit, wäre eine funktionierende Kirche eine wertvolle Instanz zur Bewahrung von Werten, und zwar von denen, die sich über der Gürtellinie befinden. Aber stattdessen wird das Angebot eines runden Tisches, das Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger unterbreitet hatte, beleidigt abgelehnt und die Schuld an der Misere auf die sexuelle Revolution abgewälzt, wenn diese letztere Aussage von Bischof Mixa, auch von der Bischofskonferenz wieder zurückgenommen wurde.
Das Zölibat führt sicher nicht zur Pädophilie, aber es sorgt dafür, dass häufig weltfremde, sexuell Verklemmte oder vielleicht Gläubige, die Angst vor ihrer eigenen Sexualität haben, den Weg in die Glaubensberufe finden. Die Lust, die in uns so natürlich schlummert, wie Hunger oder Durst, lässt sich nicht einfach hinwegbeten, und auch Selbstzüchtigung erscheint auf Dauer als wenig christliches Mittel.
Auch im eigenen Interesse und im Interesse ihrer Mitarbeiter, sollte sich die Katholische Kirche auf den Weg ins 21.Jahrhindert machen, und erkennen, dass das Problem, das die Haltung gegenüber der gesamten Sexualität und das Leugnen dieses natürlichen Verlangens nach menschlicher Nähe, nicht totzuschweigen ist.
