Wir schreiben das Jahr 2009 und befinden uns in Leverkusen am Rhein. Die beiden Frauen Barbara Lieske und Babette Horn haben den Entschluss gefasst, ihre Stadt um einen Kindergarten zu bereichern. Nicht irgendein Kindergarten sollte es werden, sondern einer der sich insbesondere der musischen Früherziehung der Kinder widmet. Eine leer stehende Einrichtung, die zuvor noch nie in Betrieb gegangen war wurde aufgetan und eine Elterninitiative gegründet. Der Musikkindergarten Leverkusen war geboren.
Leider endet die Märchenhaftigkeit der Geschichte just an dieser Stelle. Wenn auch das Wehklagen über den Mangel an Kinderbetreuungsplätzen in diesem Land groß ist, so lässt dies nicht den Umkehrschluss zu, dass Kommunalpolitiker und Verwaltung alles daran setzen würden diesen Mangel tatsächlich beseitigen zu wollen.
Der besagte Kindergarten in Leverkusen liegt in unmittelbarer Nähe zu einem Spielplatz und einem keinen Waldgebiet. Er verfügt über Gruppenraum, Turnhalle, Küche, Schlafraum, Wickelzimmer und ein 220qm großes Außengelände. Nicht zu erwähnen, aber dennoch nicht unwesentlich, dass sich die Einrichtung nur an Fachkräften bediente.
Kurzum, das einzige was dieser KiTa fehlte, war eine Betriebserlaubnis. Die gute Nachricht ist, dass eine Betriebserlaubnis nach viel hin und her auch gewährt wurde, aber nicht für den Betrieb eines Kindergartens, sondern für den Betrieb einer Kindertagespflege.
Gut, mag man sich denken, das mache doch keinen allzu großen Unterschied, oder? Und bedauerlicherweise ist der Unterschied gewaltig. Zum einen bedeutet dies, dass nur in etwa ein Drittel der Plätze angeboten werden dürfen, und zum anderen, dass Eltern, die Kinder im Kindergartenalter haben, auf den Betreuungskosten alleine sitzen bleiben. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…
Die Begründungen für die Ablehnung einer Betriebserlaubnis als Kindergarten könnten fadenscheiniger kaum sein. Das ansässige Jugendamt beklagte zum Beispiel die nicht verkleideten Heizungsrohre, an denen sich Kinder verletzen könnten. Das klingt im ersten Anschein auch plausibel, nur, dass diese Rohre in einer Höhe von 2.90m! verlaufen. Zur Erinnerung, es geht um einen Kindergarten, nicht um eine Verwahrstation für ehemalige Basketballspieler. Ein weiterer Punkt, den Reiner Gurk, Leiter des Jugendamts ins Feld führte, ist das um 80qm zu kleine Außengelände. Angesichts der Tatsachen, dass es in derselben Stadt Kindergärten gibt, die über gar kein eigenes Außengelände verfügen und dass dieser Kindergarten geeignete weitere Spielflächen in unmittelbarer Umgebung hat, mag man auch dieses Argument nicht recht nachvollziehen. Hinzu kommt, dass dem Jugendamt angeboten wurde, den überdimensionierten Parkplatz zu verkleinern, um das Außengelände vergrößern zu können.
Ab Sommer 2013 werden Eltern ein einklagbares Recht auf einen Kindergartenplatz haben, und Leverkusen hängt in der Schaffung neuer Betreuungsangebote ebenso wie viele andere Kommunen hinterher. Anstatt aber Elterninitiativen zu unterstützen und zu stärken, schmeißt man ihnen kadaverweise tote Amtsschimmel in den Weg. Da nützen auch die unwahren Pressebekundungen, dass sowohl der alte wie auch neue Oberbürgermeisters sich der Sache angenommen hätten nicht weiter.
Gibt es den Herren des Stadtrats nicht zu denken, dass oben beschriebene Einrichtung ausgebucht ist, und sogar über eine Warteliste verfügt, obwohl es keine Kostenübernahme für Ü3 Plätze gibt? Nein, natürlich nicht. Man schiebt den schwarzen Peter zum Landesjugendamt, und betont man könne da gar nicht anders handeln. Dann darf aber die Frage gestellt werden, warum dieselben Probleme bei städtischen Kindertagesstätten nicht zum Tragen kommen.
Wie dem auch sei. Der Musikkindergarten streicht die Segel und zieht mit Mann und Maus in die benachbarte Blumenstadt Leichlingen, in der Hoffnung, dass sich vielleicht deren Volksvertreter und Verwalter ihrer tatsächlichen Aufgabe bewusst sind. Leverkusen indes verliert zum Bedauern der Elternschaft ein wirklich engagiertes Betreuungskonzept, und sucht „nach geeigneten Bauarealen”, um die 100 Betreuungsplätze schaffen zu können, die selbst nach Abschluss aller derzeitigen Bauvorhaben noch fehlen werden. Willkommen bei den Schildbürgern…

Dienstag, der 23. März 2010 um 11:46
Tja, der Bildungsnotstand muß ja irgendwo anfangen…
Und was liegt da näher, als schon mit der Frühförderung zu beginnen
Im Ernst: wenn sich größere Städte mit fadenscheinigen Mitteln davor drücken können, endlich was gegen Mißstände zu tun, warum sollen es dann nicht auch kleinere tun… :-p
Aber vielleicht werden die lustigen Hanseln, die sich da Bürgermeister schimpfen, einfach nicht mehr gewählt…?
*diehoffnungstirbtzuletzt*
Mittwoch, der 24. März 2010 um 11:27
Mein lieber Herr Gesangverein!
Wenn das alles so stimmt, dann hängt das mit hoher Wahrscheinlichkeit am Geld: die Kommunen müssen ja einen sehr hohen Prozentsatz der Personalkosten übernehmen. Das ist etwas Reales.
Vorher schön daherreden können sie ja alle, unsere Politiker. Das ist ja nicht immer unbedingt das, was sie später auch umsetzen.
Schindluder auf Kosten der Kinder, dem höchsten Gut, das wir haben, zu treiben, ist eine Frechheit und zerstört deren und unsere Zukunft.
Das Jugendamt ist Bestandteil der Verwaltung, die wiederum durch die Politiker kontrolliert wird, und ist somit nicht objektiv, sondern Mittel zum Zweck. Budgetgebunden nennt man das dann.
Ich kotze gleich.
Freitag, der 26. März 2010 um 09:41
Lieber Vorredner, Herr Leibfried (und sicher viele andere),
Sie “kotzen gleich”!? Aha, und dann?? Dann gehen wir wieder zur Tagesordnung über, lassen uns vom “Sachzwang” regieren, und alle paar Jahre freuen wir uns, daß wir als mündige Bürger in einer ganz tollen Demokratie leben dürfen, in der wir frei wählen können - zwischen Schnitzel… Mit Pommes? Mit Spätzle? Mit Kroketten? Und vor lauter Meinungsvielfalt sogar zwischen Rahmsoße oder Jägersoße…
Wer jetzt nur laut darüber nachzudenken wagt, daß das Schnitzel vielleicht immer dasselbe sein könnte, ist ein Verfassungsfeind! Und die Mehrheit hält den Mund, denn mit vollem Mund spricht man ja nicht - und in den letzten Jahrzehnten hat das Maulstopfen mit dem Schnitzel ja immer geklappt…
Und wers nicht glaubt, soll mal eine Woche wirklichen Protest spielen! Also nicht bei den heute staatlich geförderten linken Krawallmachern (analog zu den 1920ern, in denen die rechten Krawallmacher mit dem leisen Wohlwollen des Staates rechnen konnten), sondern wirklich “böse” - natürlich nur zum Test!
Wie sagt ein von mir hoch geschätzer Motivationstrainer so treffend: “Wenn du nichts tust, tut sich nichts.”
Sonntag, der 28. März 2010 um 19:08
Herr Ebner: Are you o. k.?