Seit Wochen fiebern Millionen Menschen samstagabends wieder einmal bei dem deutschen Minnesängerturnier rund um Hofkapellmeister Dieter Bohlen mit. Bereits zum siebten Mal schmettern und tanzen Nachwuchsbarden, um die Gunst des Fernsehvolks in der Mutter der Castingshows „Deutschland sucht den Superstar”, oder kurz „DSDS”. Und wie jeden Samstag schafft es RTL über 30% der „werberelavanten” Zielgruppe, der 14 - 49 Jährigen und zwischen 5 und 7 Millionen Zuschauer anzulocken. Somit ist selbst denen, die das Format nicht verfolgen nun klar wer der Sieger an diesem Samstag war: RTL.
12 Minuten jeder Stunde dürfen Privatsender hierzulande Werbung ausstrahlen, und die Reichweite des umgebenen Programms bestimmt dabei den Preis. D.h. je populärer die Sendung, desto höher der Preis. Es liegt also nahe ein erfolgreiches Sendeformat möglichst lange die Bildschirme erhellen zu lassen. Und an dieser Stelle macht RTL keiner etwas vor.
Ich hatte das Glück, diese Woche an der Verkündung des Telefonvotings teilhaben zu dürfen, und dort offenbarte sich dann auch das rechnerische Kalkül der Sendungsmacher. Sie kennen bestimmt den „TED” bei „WETTEN DASS!”, lustig tanzende Balken in einem Diagramm, die dann mit einem mal verharren und so den Sieger des Wettstreits verkünden. Nicht so bei DSDS. Dort drischt ein blasser langweiliger Moderator langsam im Sekundenstil, mit ellenlangen Wortpausen, leere Worthülsen vor einem kreischenden Publikum, das scheinbar die Schmerzen ebenso wenig ertragen kann, wie der geneigte Couchkritiker. Dieser Vorgang dauert dann über 20 Minuten, und wird selbstredend durch Werbung verkürzt. Die Dehnung dieses Sendungsteils bis über die intellektuelle Schmerzgrenze hinaus hat natürlich Methode. Wer jetzt bereits Stunden seinen Lieblingen zugehört hat, wird natürlich auch die Werbung brav erdulden, um nicht am Ende doch noch ohne die erlösende Information, wer Opfer des K.O. Systems geworden ist, zu verpassen. RTL gelingt es aus acht Liedern alleine am letzten Samstagabend 2 Stunden und 15 Minuten Programm zu machen. Die Show an sich dauert 105 Minuten, die Entscheidung 30 Minuten, beides brutto inklusive Werbung.
Wer jetzt staunt, braucht nur einmal durch die Programmzeitungen zu blättern und erkennt schnell, dass das nur der Anfang ist. Zu den genannten Hauptsendungen gesellen sich erst einmal die Wiederholungen am Folgetag. Unter der Woche läuft dann noch vier Mal „DSDS das Magazin” auf RTL, sowie SRTL, natürlich auch zum Teil mit Wiederholung am Folgetag. In den Magazinsendungen befreundet RTL die Kandidaten mit dem Publikum, spinnt Verschwörungen und Skandälchen. Immer schön mit 12 Minuten Werbung je Stunde. Insbesondere die Magazinsendung schlägt dabei doppelt positiv zu Buche, da die Produktionskosten dafür aus der Portokasse bestritten werden können.
Und da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, und um den Sack zu zumachen lässt die Sendergruppe um RTL es sich nicht nehmen, in ihren sonstigen Magazinen, Nachrichtenshows etc. nochmal Beiträge aus den DSDS Magazinsendungen und Shows zu verwerten, so dass selbst Zuschauer, die die Reihe nicht verfolgen, aber dann und wann RTL einschalten, den Umsatz des Formats erhöhen. Nicht erwähnenswert, dass die Kosten für diese „News” gegen Null laufen, und vielmehr einer Eigenwerbung gleichen, die RTL aber redaktionell verpackt.
Über 10 Stunden Programm quält der Sender, wie bereits erwähnt, so aus derzeit 8 Liedern, anders ausgedrückt über 2 Stunden Werbung. Diese Verwertungsstrategie muss man den Verantwortlichen erst einmal nachmachen. Ein Bauer müsste schon Milchschaum aus den Zitzen einer ausgemergelten Kuh pressen, um einen ähnlichen Rohertrag zustande zu bringen.
Von den Zusatzeinnahmen durch die Bohlschen Kompositionen, den Verträgen mit den späteren „Stars”, sowie Online- und Printgeschäft haben wir dabei nicht einmal gesprochen. Wen wundert es, dass Dieter Bohlen Betriebswirtschaft und nicht Musik studiert hat…


Freitag, der 9. April 2010 um 00:45
Klasse Recherche! Find ich prima!
Leider kümmerts niemanden und die nächste Staffel wird uns bald wieder beglücken und zudem Hunderttausende von jungen Menschen durch überzogene Hoffnungen an den Rand des Wahnsinns treiben.