
Der Mensch ist selbstsüchtig! Auf dieser These gründen die wirtschaftswissenschaftlichen Theorien über den Markt und seine Mechanismen.
Die Frage, wie Menschen zu Mitgefühl gebracht werden können, beschäftigt Hirnforscher - und mittlerweile auch Wirtschaftsökonomen. Einer davon ist Prof. Dr. Ernst Fehr von der Universität in Zürich.
Die Forschung selbst macht empirische Untersuchungen und stekct sogar buddhistische Mönche in Kernspintomografen, um herauszufinden, welche Gehirnregionen bei altruistischem Verhalten besonders aktiv sind.
Einige interessante Erkenntnisse:
In Spielexperimenten sind Menschen bereit, eine Geldsumme mit EINER anderen Person zu teilen, auch wenn sie das nicht tun müssten.
Bei einer anonymen Vierergruppe wird es schon schwieriger. Sofern man den Menschen darum bittet, anonym für einen Gemeinschaftsaufgabe Geld einzuzahlen, ist die Neigung groß, daß einzelne das nicht tun, sofern sie damit trotzdem von der mit dem Geld erkauften Leistung profitieren. Dieses Schmarotzertum findet sich überall, sagt Fehr. “Der Mensch handelt nur altruisitsch in dem Bewußtsein, dass andere sich auch so verhalten…….Wo immer Egoisten auf den Plan treten, bricht Kooperation zusammen”.
Ist das eine Antwort für die Tatsache, dass z. Bsp. Kommunismus nicht funktionieren kann, Familie, auf einem ähnlichen Prinzip beruhend, aber schon?
Generell gilt auch: je größer die untersuchte Gruppe, desto mehr nimmt die Kooperationsbereitschaft ab.
In den Augen der Experimentalökonomen sind Vertrauen, Altruismus und Mitgefühl wichtige Bedingungen für den Wohlstand. Dort liegt auch die Schnittstelle zum Buddhismus. So wurde die Fähgkeit buddhistischer Mönche untersucht, bestimmte Gefühlszustände durch Meditation bewusst herbeizuführen.
Interessant ist die Aussage eines der Mönche über den Weg, Mitgefühl zu trainieren. Das ist in wenigen Monaten möglich. Grundsätzlich gilt aber, dass Menschen, welche regelmäßig meditieren, mehr Anteilnahme als andere zeigen, wenn man ihnen Bilder von leidenden Menschen vorführt.
Jetzt aber zum Weg zu mehr Anteilnahme: Man stelle sich zunächst eine Person vor, von der man bedingungslose Liebe erfahren habe. “Für viele ist das die eigene Mutter” sagt Matthieu Ricard, ein Franzose und gelernter Molekularbiologe, der seit über 20 Jahren in einem buddhistischen Kloster in Asien lebt. Schrittweise dehne man dieses Gefühl dann auf alle Menschen aus. “Das ist, wie wenn man sich vorstellt, dass die Sonne nicht nur auf einen selbst scheint, sondern auf alle Lebewesen.”
Es gibt sogar ein Hormon, welches Menschen vertrauenesseliger macht: Oxytocin heißt es. Allerdings hält es nur rund 20 Minuten an. Es könnte aber ein Einstieg für Menschen sein, die Tür zur Meditation für sich selbst zu öffnen.
Interessante Fakten. Gefunden habe ich diese in einem interessanten Spiegel Artikel. Falls Sie mehr wissen möchten, HIER ist er.
Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen
Stefan Picard

Dienstag, der 13. April 2010 um 20:19
Es gibt drei Arten von Menschen: Ehrliche Egoisten, die zugeben, Egoisten zu sein, naive Egoisten, die glauben, es gäbe eine Alternative zur natürlichen menschlichen Verhaltensweise, und, die schlimmste Sorte, Egoisten, die sich als Altruisten verkaufen, um dafür gesellschaftliche Anerkennung einzufordern.
“…, dass einige Menschen Gutes nur tun, um sich selber gut zu fühlen …”, stört den Ökonomen Ernst Fehr von der Universität Zürich nicht. Warum auch? Mutter Theresa hätte sicher einen großen Bogen um Kalkutta gemacht, wenn sich sich von ihrer “Selbstlosigkeit” nicht zumindest einen ewigen Fensterplatz im Paradies versprochen hätte. Purer Egoismus also, von dem aber trotzdem Viele profitiert haben.
Das Problem ist nicht, dass es zuviel Egoismus oder keinen real existierenden Altruismus gibt, sondern ein wenig intelligenter Umgang mit einer durchaus guten Eigenschaft, der schließlich alle heute noch existierenden Spezies verdanken, dass sie heute noch existieren - und die romantische Sehnsucht nach einer Eigenschaft, die in der Natur, auch der Natur des Menschen, einfach nicht vorgesehen ist. Die Frage sollte also nicht lauten “Egoismus oder Altruismus?”, sondern “Intelligenter Egoismus oder kurzsichtige Egozentrik?”. Damit kommen wir dann deutlich weiter in Richtung einer sozialkompetenten Entwicklung als mit Diskussionen um oxytocinsüchtiges Harmoniebedürfnis.
Mittwoch, der 14. April 2010 um 08:08
Zunächst einmal:
Egoismus ist eine Krankheit und keine natürliche menschliche Verhaltensweise. Kein Sozialsystem basierendauf Egoismus würde jemals dauerhaft funktionieren.
Was Herr Bröger vollkommen außer acht lässt ist, dass es u.a. folgendes geben könnte:
- selbstlose Liebe
- wahre Opferbereitschaft
- echtes Interesse am Wohlergehen anderer Menschen
Zugegeben, es handelt sich hierbei um Tugenden, die in keiner Schule mehr gelehrt werden, seit die Bibel ein Buch unter vielen geworden ist. Mutter Theresa Egoismus zu unterstellen schlägt dem Fass aber wirklich den Boden aus. Sie wusste ganz genau, dass sie ihren Zugang zum Paradies nicht verdienen kann (das kann KEINER), den hatte Jesus Christus für Sie bereits frei gemacht! Ihr beispielloser Dienst ist aus der Liebe, die sie zu diesen Menschen hatte erwachsen. Der, der ihr diese Liebe geschenkt hat hat ihr auch die Kraft gegeben da anzufangen und weiterzumachen, wo ein Egoist bereits lange vorher gescheitert wäre.
Auch hier kommen wir letzlich wieder auf die Grundfrage:
Ist der Mensch ein zufälliges Konglomerat von Substanzen, deren individueller Mix unterschiedliche Verhaltensvarianten erzeugt, oder ist jeder von uns eine phantastische Schöpfung Gottes für deren Entwicklung und Ausprägung jeder von uns nach seinem Vermögen auch Verantwortung trägt und mit dem Gott auch etwas vor hat?
Mittwoch, der 14. April 2010 um 18:53
Bösartig gefragt: Könnte man vielleicht sagen, dass das mit Altruismus verbundene Glücksgefühl bei einem selber in Wahrheit nur Egoismus ist?
Es ist wahrscheinlich wie überall: Beim einen ist das Glas halb leer, beim anderen halb voll…..
Donnerstag, der 15. April 2010 um 11:07
Ich schließe mich Robert Aust an. Nur in einem bin ich anderer Meinung: Jesus hat nichts freigemacht, sondern uns nur gezeigt, dass der Weg schon immer frei war. Den Zugang zum Paradies kann und muss man sich nicht verdienen. Er ist und war schon immer frei.
@Herrn Picard: So kann man aus jedem guten Gefühl Egoismus herauslesen. Wir sind auf dieser Welt um glücklich zu sein. Das wußten schon Rilke, Hegel, Jesus, Krishna und andere.
Freitag, der 16. April 2010 um 22:21
1. Wenn Egoismus eine Krankheit ist, ist nicht nur der Mensch, sondern jedes Tier und jede Pflanze krank. (Das “Waldsterben” ist also nicht verwunderlich …)
2. Sog. “soziales Verhalten” als Grundlage jedes Sozialsystems sichert die Überlebenschance der an diesem Verhalten Beteiligten. Sich zum eigenen Nutzen diesem Erfahrungswert oder Instinkt entsprechend zu verhalten hat also nichts mit Altruismus zu tun. (Oder hat schon einmal jemand von der selbstlosen Liebe altruistischer Ameisen gehört?)
3. Selbstlose Liebe und wahre Opferbereitschaft wäre es nur gewesen, wenn Mutter Theresa ihren beispiellosen Dienst im Bewusstsein geleistet hätte, dafür ewiglich in einer Hölle zu schmoren. Da sie das aber vermutlich NICHT angenommen hat, hat sie sich lediglich so verhalten, wie es sich ihrem Glauben nach am besten auszahlt. Ob sie das nun bewusst getan hat oder nicht, ist dabei letztlich irrelevant.
4. Die Bibel ist seit dem Jahr 325 ein Buch unter vielen, von Menschen aus Überlieferungen, Übertragungs- und Übersetzungsfehlern nach den Vorstellungen eines weltlichen Herrschers zur Festigung der eigenen Macht und zur Manipulation anderer Menschen zusammengestellt. Die schrecklichen Folgen lassen sich in den Geschichtsbüchern nachlesen.
5. Fakten sind Fakten. Fakten verschwinden nicht, nur weil sie nicht der gewählten Ideologie entsprechen. Wunsch- und Idealvorstellungen werden nicht zu Fakten, nur weil sie aus tiefem Glauben resultieren. Egoismus ist Fakt, Altruismus Philosophie.
6. Würde Robert Aust sich nicht - bewusst oder unbewusst - Pluspunkte für ein ewiges Leben im Paradies ausrechnen, würde er hier nicht missionieren.
7. Würde ich mir nicht realitätsbezogenere Diskussionen wünschen, würde ich solche Beiträge nicht zerpflücken.
8. Was zum Teufel wollen diese Leute eigentlich im Paradies?
9. Was sollte ich wohl im Paradies, wenn sich da lauter derartige Leute ansammeln?
Samstag, der 17. April 2010 um 09:18
Schwieriges Thema, Steffen. Aber interessant.
Zunächst einmal gibt es eine Reihe interessanter Untersuchungen zu diesem Themenkomplex: Psychologische, soziologische,theologische, medizinische & ökonomische.
Dabei wurde klar, dass man Egoismus differenziert betrachten muss, seine Formen und Abgrenzungen sowie Wechselwirkungen zu ähnlichen Begriffen kennen sollte.
Interessant sind dabei u. a. neurobiologische Untersuchungen hinsichtlich ungesteuerter und individuell unterschiedlich stark ausgeprägter Hormonausschüttungen im Belohnungssystem, die unser Handeln beeinflussen.
Ist Egoismus ein Handeln zum uneingeschränkten persönlichen Vorteil, das auf der Grundlage steht, dass eigene Verhaltensmuster bei anderen nicht akzeptiert werden, also mit zweierlei Maß gemessen wird, ist dies gesellschaftlich unerwünscht.
Einer , der sich so verhält, wird im allgemeinen Sprachgebrauch landläufig als Egoist bezeichnet und als rücksichtslos betrachtet.
Die WHO kennt Egoismus als Krankheit übrigens nicht.
Samstag, der 17. April 2010 um 09:43
@ Herr Högner
Was ist denn Ihrer Ansicht nach Realität? Seit Albert Einstein ist doch hinlänglich bekannt, dass jede Realität am Ende immer nur Illusion sein kann und auch ist…
Montag, der 19. April 2010 um 12:55
Einstein hat sich seine Verdienste durch das Aufstellen interessanter Hypothesen und Theorien erworben - die er zum Teil nicht einmal alleine entwickelt und die er auch nicht als letztgültige Wahrheiten dargestellt hat. Zu behaupten, irgend etwas sei seit Einstein “hinlänglich bekannt”, ist unwissenschaftlich und geht an der Realität vorbei.
Wenn diese Realität, so wie alles andere auch, lediglich Illusion ist, stellt sich die Frage, warum eine Illusion wie ich mit einer Illusion wie diesem Beitrag auf die Illusion des Beitrags der Illusion Kirsten Wodniok überhaupt antworten sollte.
Was meiner Ansicht nach Realität ist, ist darüber hinaus irrelevant, da es sich, wenn es lediglich auf meiner Meinung und nicht auf nachprüfbaren Fakten basiert, wahrscheinlich - wenn auch nicht mit Sicherheit - keine Realität ist.
Ein Aspekt noch zum Thema Egoismus: Neben der sprachgebrächlichen Verwendung des Begriffs wie von S. Leibfried dargestellt gibt es noch eine weitere interessante Verwendungsmöglichkeit, die zur Manipulation Anderer. Durch die (scheinbare) gesellschaftliche Inakzeptanz der Verhaltensweise “Egoismus” sind wir von Säuglingswindeln an darauf konditioniert, stets den Eindruck dieses “Fehlverhaltens” zu vermeiden. Die Aufforderung “Jetzt sei nicht so egoistisch!!” - mit mindestens zwei bis drei Ausrufezeichen - führt daher i. d. R. umgehend dazu, dass wir bereitwillig auf die Wahrnehmung der eigenen Interessen verzichten - selbstverständlich zum Nutzen desjenigen, der uns unsere Charakterschwäche so vorwurfsvoll vor Augen führt.
Mir jedenfalls hat noch niemand, angefangen bei meinen Eltern, jemals Egoismus vorgeworfen, ohne damit selbst egoistische Ziele zu verfolgen, wozu ich selbstverständlich auch das selbstdarstellerische “Seht ihr auch alle, wie bescheiden ich bin?!?” zähle.
Ähnlich funktioniert im Übrigen auch das Verlangen nach “Solidarität”. Im Gegensatz zur eigentlichen Bedeutung des Begriffs wird er normalerweise von demjenigen, der sie einfordert, als positiv formulierte Variante der Aufforderung “Jetzt sei nicht so egoistisch!!” mit dem Ziel verwendet, einseitig Unterstützung für eigene Ziele zu erhalten. Aus der Grundlage der Solidarität - FREIWILLIGE Solidarität MITeinander - ist, nicht zuletzt politisch gesteuert, ein gesellschaftlicher Zwang zu einseitiger “Solidarität” FÜR etwas oder jemanden geworden.
Als Beispiel zeigt das “Solidaritätszuschlaggesetz” schon durch seinen Namen, wie eine Tugend im Umgang miteinander erfolgreich zur Manipulation eines Begriffs - und in der Folge auch zur Manipulation der Bürger missbraucht werden kann.