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blog:BIZZLOUNGE News
Moussaka aus Äpfeln, Birnen und faulen Eiern

greekPanik macht sich in der Eurozone breit, ist doch eines ihrer Schäfchen aus dem Trockenen gelaufen, und stürzt nun geradewegs auf einen Abgrund zu. Die anderen Schafe überlegen nun, ob man einen Steg über den Abgrund legen, das verirrte Schäfchen aus dem Stall werfen oder sein Fell schnell verkaufen soll.

Sie werden sicher die munteren Diskussionen über Griechenland mitbekommen haben, und vielleicht auch die bahnbrechenden Lösungsvorschläge. Ein Vorschlag, der mich besonders erheiterte war, dass Griechenland doch unbewohnte Inseln verpfänden sollte. Wenn da nicht die Hoffnung mitschwingt sich irgendwann des Ostens unserer Republik zu entledigen, der auch an manchen Orten bereits nahezu entvölkert ist.

Aber im Ernst. Was hier und dort durch die Gazetten geistert ist nur noch mit Humor zu ertragen. Griechenland sollte aus der EU oder mindestens aus der Währungsunion geworfen werden, oder nach dem Staatsbankrott umschulden. Alles nach dem Motto: „Lieber Gott, lass es nur das Geld der Anderen kosten”.

So war auch direkt aus Partei der kleinen Leute (FDP), Herr Pinkwart zu vernehmen. Dieser poltere, dass es eine Ohrfeige für die Deutschen sei, wenn man auf er einen Seite Geld für Griechenland locker mache, auf der anderen Seite aber kein Geld für die Steuersenkungen erübrigen könne.
Ja, ich weiß, es ist Wahlkampf in NRW und da läuft das Politikerhirn gern heiß und Amok. Da in unserem Land aber fast immer irgendwo Wahlkampf ist, tröstet diese Erkenntnis wenig.

Ein paar Hinweise für Herrn Pinkwart, und die anderen ungelernten Kräfte am Hof (Politiker ist kein Lehrberuf). Die Hilfen für Griechenland sollen nicht vom Staat einfach überwiesen werden, sondern über die Kreditanstalt für Wiederaufbau(KFW) zu einem Zins von 5% als Darlehen gewährt werden. Die Hilfen sollen über die EU und den Internationalen Währungsfond (IWF) koordiniert werden, unter Auflagen des IWF, der sich in der Vergangenheit als durchaus kompetenter Partner in solchen Fragen erwiesen hat. Bisher hat Griechenland alle Kredite bedient, und ohne die Schönfärberei der eigenen Finanzsituation durch den griechischen Staat gutheißen zu wollen, das eigentliche Problem der Griechen aktuell ist das geänderte Zinsniveau.

Überhaupt ist das Aufplustern gegenüber den ach so „verlogenen” Griechen, reichlich bigott. Wessen Regierung hat gerade nochmal über 100 Milliarden frisch gemachter Schulden als Sondervermögen deklariert? Sie ahnen es bestimmt, wenn Sie es sowieso nicht bereits wussten.
Deutschland ist der Hauptprofiteur des Europäischen Binnenmarkts und der Währungsunion und die eigentliche Crux der jetzigen Misere ist nicht der griechische Staat. Die Väter der Währungsunion waren so stolz auf ihr neugeborenes Euro-Kindlein, und soll voller Vertrauen auf die Maastrichter Verträge, dass sie vergessen haben oder wollten, dass der Kit einer Währung, eine gemeinsame Finanzpolitik ist.

Der Euro hat quer durch die Eurozone eine andere Kaufkraft, ist mit unterschiedlichen Verbrauchssteuern belastet und wird mit unterschiedlichen Lohn- und Unternehmenssteuern erwirtschaftet. Anders ausgedrückt: Der Euro ist eine schizophrene Währung, die sich ohne Tausch in einer Geldbörse, nur durch das Überschreiten von Landesgrenzen verändert. Dort muss die Politik ansetzen.

An die Wahlkämpfer in NRW: Vielleicht können sie sich an einem anderen Thema, das weniger bedeutsam ist, profilieren. Einfach mal suchen, irgendeine Sau wird sich schon durchs Dorf jagen lassen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 27. April 2010 / 09:11) | Permalink

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