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Goldfund an den Küsten Amerikas

oilpest

Leider ist das Gold in diesem Fall schwarz, und der häufig damit verbundene Rausch will sich nicht recht einstellen.
Ihrer Aufmerksamkeit ist es sicher nicht entgangen, dass es am 20.April 2010 im Golf von Mexico, auf der Bohrplattform „Deepwater-Horizon”, nach einer Bohrung, zu einer folgenschweren Explosion gekommen war. In dessen Folge 11 Menschen starben und benannte Plattform im Meer versank. Schlimmer noch, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, haben sich mehrere Lecke aufgetan, aus denen seit dem Unfall munter Öl heraussprudelt. Die Ursache für die Katastrophe ist noch nicht geklärt
Gestern hat der treibende Ölteppich, trotz aller Bemühungen die Küsten Amerikas erreicht. Weder Abfackeln, Zersetzen noch das „Einzäunen” und Absaugen vermochten die Katastrophe zu verhindern.

Wen wundert’s, angesichts der schier unfassbaren Menge von 800.000 Litern Öl, die seit dem Unglück ungehindert ins Meer fließen. Die größten Supertanker der Welt können über diese Menge zwar nur müde lächeln, deren Fassungsvermögen liegt bei 500.000.000 Litern und mehr, aber das Besondere an der jetzigen Situation ist, dass das Öl in einer Tiefe von 1500m mit hohem Druck aus einem Bohrloch schießt. Zwar verfügte das Bohrloch über ein Schutzventil, welches ein solches Auslaufen im Normalfall verhindern sollte, aber weder der Automatismus, noch eingesetzte Tauchroboter vermochten dieses zu aktivieren. Eine extra Schutzvorrichtung, wie sie z.B. Brasilien vorschreibt, die das ferngeregelte Schließen des Bohrlochs ermöglicht, hatte BP, Betreiber der Bohrinsel, nicht eingebaut. Die Kosten von 500.000$ für eine solche Vorkehrung wollte man lieber sparen, und gesetzlich schreibt Amerika, diese bisher auch nicht vor.

Die laxen Sicherheitsbestimmungen sind so auch in diesem Fall, wie auch im Fall so mancher Havarie in der Vergangenheit, die wahre Ursache der Katastrophe. Das Stichwort doppelwandige Tanker springt einem unweigerlich in den Sinn. Man möchte annehmen, dass Katastrophen, wie die Havarie der „Exxon Valdez”, bei der 40.000 Tonnen Rohöl das Meer verschmutzen, die Ölkonzerne sensibilisiert hätten. Aber scheinbar muss an die Stelle des Verstands auch diesmal eine internationale Regulierung treten. So dürfen z.B. Tanker ohne doppelte Wand und über 5000tdw seit 1996 nicht mehr gebaut, und ab 2015 nicht mehr betrieben werden.

BP, gab nun gestern, pünktlich zum Eintreffen des Öls an der Küste bekannt, dass man für die Schäden aufkommen werde. Allerdings ließ man sich ein Hintertürchen offen. Die Schäden müssen belegbar und berechenbar sein. Was kostet also der jüngst mit abgefackelte Delfin, oder ein Seevogel der beim Putzen seines Gefieders verendet? Dringt das Öl ins Mississippi-Delta ein, gerät eines der artenreichsten Ökosysteme in Gefahr. Wie berechnet man diese Folgen?

Rechnen Sie mal mit: Die ersten zwei Wochen seit dem Unglück sind verstrichen. D.h. 14 Tage lang sprudelten 800.000 Liter Öl ungebremst ins Meer.

  • 14*800.000l = 11.200.000l
  • Es gilt die Annahme, dass ein Liter Öl eine Million Liter Wasser verschmutzt, insbesondere weil der dünne Film an der Oberfläche die Sauerstoffzufuhr abschneidet.
  • 11200000l*1000.000l = 11.200.000.000.000l
  • Der Bodensee hat ein Volumen von 48 km³ = 48.000.000.000.000l

Dies nur, um Ihnen das bereits jetzige Ausmaß einmal zu verdeutlichen.

Die Kosten, die auf BP zukommen, werden in die Milliarden gehen, dabei hätte 1 Milliarde bereits ausgereicht um 2000 Bohrinseln mir der oben angesprochenen zusätzlichen Sicherung auszustatten. Von dem Leid, dass wir wieder einmal der Natur und den Tieren zumuten abgesehen.
Die Technik läuft immer mehr der Vernunft davon. Mit Schrecken las ich, dass selbst Bohrungen in 12km Tiefe, also im Mariengraben, der tiefsten Stelle in den Ozeanen, möglich seien. Man möchte in Fatalismus verfallen, wenn man sich überlegt, dass Konzerne weltweit, jeder Branche, wider besseres Wissen, dem Profit zuliebe am Umweltschutz sparen. In den Kosten für eine Bohrinsel, fallen 500.000$ kaum ins Gewicht, diese Tatsache dürfte vom Primaner bis zu den Spitzen von Regierung und Unternehmen jeder unschwer erkennen, aber stets müssen die Verantwortlichen erst durch Katastrophen wie diese wachgerüttelt werden.

Wir werden den Tag wohl nicht mehr erleben, an dem die Entscheidungsträger beginnen diesen Planeten als ihre und unsere Heimat zu behandeln. Und es ist ein schwacher Trost, dass sie auf demselben Ast wie wir sitzen, solange sie weiter munter daran sägen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 4. Mai 2010 / 08:31) | Permalink

Eine Antwort zu “Goldfund an den Küsten Amerikas”

  • unregistered Helmut Lay sagt:

    Vielversprechende einfache Wege die wir als Verbraucher gehen können, bestehen doch in den freien Willen, unseren Kraftstoffbedarf bei dem zu kaufen, der Umweltgerechter erntet, bez. sich Miteinander förderlicher verhält; wenn es um unser Essen geht tun wir das doch auch, oder?

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