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Wer macht eigentlich den EURO kaputt?

euro-zeichen

Sind es die immer wieder gerne zitierten Spekulanten? Und wie machen die das überhaupt? Wie funktioniert diese “Spekulation” gegen den EURO?

Behauptungen über die bösen Spekulanten, und über die über ihre Verhältnisse lebenden Griechen usw. kursieren in der Presse und werden auch gerne mal schön ahnungslos in Stammtischpalaver pseudowissenschaftlich mit ordentlich Halbwissen gewürzt, zum Besten gegeben.

Ich versuche mal hier eine Erklärung und Zusammenfassung einiger Informationen, welche ich zusammen tragen konnte, in Form einiger Thesen:

Die Griechen sind schuld am “schlechten EURO”

Aus meiner Sicht scheint es logisch, diese Frage zu beantworten, indem man sich das Finanzumfeld der Griechen ansieht - und die Veränderung der Bewertung und des Handels mit den Papieren aus diesem Umfeld.

Zunächst: Die Staatsverschuldung geschieht über Papiere, so genannte Staatsanleihen. Eine Staatsanleihe ist, vereinfacht gesagt, nichts anderes als ein Schuldschein. Ein Versprechen, bei Fälligkeit den Wert zurück zu zahlen (und in der Zwischenzeit  einen Zins zu entrichten).

Griechenland hat Staatsanleihen im Wert von rund 270 Milliarden EUR ausgegeben. Für diese Anleihen werden zum Teil Kreditversicherungen abgeschlossen, so genannte CDS (Credit Default Swaps). Diese sollen dann eintreten, wenn der Schuldner nicht bezahlen kann. Der Markt für diese CDS ist weltweit ungefähr 22 Billionen Dollar groß. Davon alleine 19 Billionen handeln die 14 größten Marktteilnehmer. Das sind Investmentbanken wie JP Morgan, Goldman Sachs, aber auch die Deutsche Bank. Allerdings findet dieser Handel auch im Auftrag deren Kunden statt. Das sind wiederum große Hedgefonds. Informationen über die Zusammensetzung der Kundenaufträge gibt es aber offiziell nicht.

Die erste logische Frage bei diesem ganzen Geschäft ist natürlich, wer dann bezahlen kann, wenn ein Staat Pleite ist, aber lassen wir das einmal dahingestellt sein…

Sowohl die Kurse der Anleihen als auch die der CDS bewegen sich im Markt. Diese Bewegung ist abhängig von verschiedenen Faktoren (Rating usw.). Also alleine mit den Kursschwankungen dieser Papiere lässt sich Geld verdienen.

Fazit: Das Handelsvolumen mit diesen Papieren hat in den letzten Monaten zwar zugenommen, ist aber keinesfalls ausgeufert.

Die Spekulanten sind schuld!

Laut BAFin Chef Jochen Sanjo findet ein Angriffskrieg auf den EURO statt. Den hätten die Chefs der führenden Hedgefonds im Februar bei einem gemütlichen Abendessen vereinbart (SAC Capital Advisers, SOROS Fund Management, Greenlight Capital) und entsprechend agiert.

Und wie machen die das?

Zuerst einmal machen die das mit vielen Milliarden - und mit Hebeleffekten, die zum Teil dem Zwanzigfachen des eigenen Kapitals entsprechen. Das Geld dafür holen sie sich wieder bei den Banken. Die kaufen so genannte “Non-Commercial Shorts”.  ”Shorts” nennt man Papiere, mit denen man auf fallende Kurse spekuliert. Ein Anleger verkauft zum Beispiel heute ein Papier “auf Termin 1.7.2010 zum Preis 10,– EUR”. Das Papier besitzt er aber noch gar nicht. Er vertraut darauf, es in der Zwischenzeit billiger einkaufen zu können, also auf einen zwischenzeitlich fallenden Kurs. Und Handel mit solchen Papieren in großen Mengen schürt wieder Erwartungen….und dann gibt es die sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Tatsächlich hat sich der Handel mit diesen Non-Commercial Shorts” im April 2010 gegenüber Dezember 2009 verdreifacht, was ein Indikator dafür sein könnte, dass den Damen und Herren nicht nur das Abendessen im Februar geschmeckt hat, sondern auch die Vereinbarungen umgesetzt wurden.

Die Spekulanten sind ALLEINE schuld!

Mitnichten. Nach der Lehman Pleite haben sich viele Investoren und Zentralbanken mit EUROS eingedeckt. Diese Reserven werden natürlich bei der vorherrschenden Schieflage angepasst, auf gut deutsch, es werden EUROS auf den Markt geworfen. Ein zusätzlicher Grund für die EURO-Schwäche.

Obwohl Spekulationen sicher eine nicht geringen Anteil am Kursverfall des EUROS haben, so sind sie sicher nicht der einzige Grund. Man denke auch z. Bsp. daran, dass Meinung auch Meinung macht, z. Bsp. durch die Medien. Und dass dadurch auch bestimmte Entwicklungen verstärkt werden.

So, ich weiß jetzt, wie wenig ich weiß - und dass die “bösen” Spekulanten nicht alleine die Ursache der EURO Schwäche sind.

Wissen Sie jetzt mehr?  :-)

Viele Grüße/Stefan Picard


Stefan Picard (Dienstag, der 11. Mai 2010 / 13:05) | Permalink

10 Antworten zu “Wer macht eigentlich den EURO kaputt?”

  • unregistered Gerhard Schreiber sagt:

    Den Spekulanten könnte man leicht den Garaus machen, indem europaweit die Einkommenssteuer auf Spekulationsgewinne auf 99 % festgelegt wird. Wenn sich da die Staatsoberleerköpfe auch so schnell einigen könnten, wie darin, unser Geld zu verschleudern, könnten sie vielleicht wieder etwas Achtung zurückgewinnen. Stell dir vor, wir sind das Volk, und Angela Merkel unsere Kanzlerin, und nicht nur die der Zocker und Generäle.

  • unregistered Ulrich Dierkes sagt:

    Vielleicht bin ich ja viel zu naiv für diesen Markt, aber warum verbietet man eigentlich nicht solche Transaktionen wie z.B. das Handeln mit CDSs, den Leer-Verkauf etc. Benötigt denn sie sagenumwobene Freiheit der Märkte den Handel mit solchen “Schein-Geschäften”??? Es gibt doch sons auch tausende anderer Möglichkeiten, an der Börse Geld zu vedienen. Wem nützen solche Geschäfte eigentlich außer den Spekulanten und Banken???

  • Stefan_Picard Stefan Picard sagt:

    Thomas Hobbes: “Der Mensch ist des Menschen Wolf”

    Es nutzt denen, die daran verdienen.

    Ansonsten finde ich Ihre Frage sehr gut, Herr Dierkes. Hier wird einfach nur “gespielt”. Leider erfolgt das mit Nebenwirkungen (aber das ist auch auch ein einkalkulierter, spielimmanenter Faktor).

  • unregistered Klaus Kilian sagt:

    Nüchtern betrachtet finde ich es seltsam (um nicht zu sagen pervers) Dinge zu verkaufen, die ich überhaupt nicht besitze. Gleiches gilt für versicherte Kredite, die überhaupt nicht existieren.

    Aber, nachdem mit diesen Spielereien viel viel Geld verdient wird, kann oder will man diese offensichtlich nicht einschränken. Denn, Geld regiert die Welt! Aber, wer regiert das Geld? Unsere Politiker sicher nicht!!!

  • unregistered Oliver Richter sagt:

    Unser gesamtes Geldsystem krankt daran, dass Geld nur über Kredite geschaffen wird und dieses Geldschöpfungsmonopol an Privatbanken gegeben wurde. Wie soll ein Staat die Herrschaft über sein Geld behalten, wenn er die Geldschöpfung gar nicht in der Hand hat? Darin liegt die größte Gefahr. Privatbanken gehören Menschen. Und zwar Menschen, die in ihrer Gier äußerst erfinderisch darin sind, immer noch mehr Geld “zu machen”. Und zwar ohne jede Rücksicht. Die Geldschöpfung muss in die Hände des Volkes / des Staates. Dann hätte Geld vielleicht wieder die Chance, zum Tauschmittel von realen Gütern und Dienstleistungen zu werden und nicht mehr für Luft-Wetten mißbraucht zu werden. Denn das war mal sein ursprünglicher Zweck. Bis ein gewisser Baron von Rothschild 1694 die Bank of England gründete. Seitdem befindet sich in zunehmendem Maße das Geldsystem der gesamten Welt in den Händen skrupelloser Finanzhaie. Und denen ist das Volk egal.

  • unregistered Cha sagt:

    Diese Argumente finde ich alle etwas verkürzt und wenig objektiv. Den heutigen Wohlstand hätten wir nicht, wenn nicht versucht würde, mit neuen Ideen und unternehmerischer Verantwortung Wachstum zu generieren.
    Ausserdem: ..der werfe den ersten Stein! Wer will nicht eine hohe Verzinsung auf seine Guthaben, keine hohe Rente?
    Wie kann Deutschland andere Länder zur Einhaltung von Staatsverschuldungskriterien motivieren, wenn die letzte Bundesregierung selber dagegen bewußt verstoßen hat?
    Die Logik wäre gewesen: erst die politische Einheit, dann das gemeinsame Geld.
    Aber damit sind Wähler, und damit auch Politiker nicht zufriedenzustellen.
    Was lernen wir daraus? Vielleicht sollte sich Europa auf eine sinnvolle Größe zurückschrumpfen und endlich
    von den Ost- und Südosterweiterungsphantasien lassen.
    Aber welchem Politiker wird denn erlaubt, dies zu formulieren?
    Es gehört extrem viel Zivilcourage dazu! Und wenn hierbei etwas formuliert wird, das zwar dem gesunden Menschenverstand (und auch der Volkswirschaftlichen Theorie) entspricht, kommen gleich die Demagogen.

  • Stefan_Picard Stefan Picard sagt:

    Gerade bei Mybritt Illner: Herr Ackermann von der Deutschen Bank. Und eine schöne Erklärung, wie der Handel mit den “Griechen-Papieren” funktioniert.

    Investoren verpfänden Griechenlandanleihen aus ihrem Portfolio und holen dafür Kredite für Zinsen in der Gegend von 1%.

    Also, hier ist das erste Geschäft. Ein Papier verpfänden, das vielleicht 4-5% Zinsen bringt und dafür nur 1% bezahlen. Macht 4% plus.

    So, und dann kaufen die die neuen Griechenland Anleihen (die ja jetzt wieder sicher sind und mit ca. 6,5% rentieren). macht nochmal 6% Gewinn.

    Fazit: kein eigenes Geld zusätzlich in die Hand genommen und ca. 10% Rendite gemacht.

    Die Grenze des Systems: Wert der verpfändbaren Papiere oder das Eigenkapital.

    Diese Arbitragegewinne - staatlich finanziert, also vom Bürger - sind unanständig!

  • Sigi_Leibfried Sigi Leibfried sagt:

    Hi Steffen!
    Josef Ackermann bei Maybritt Illner gestern. Kein einziges Wort geschweide denn irgendwelche vermeintlichen Erklärungen des Bankchefs waren für mich glaubwürdig. Er dient halt nun mal der Wertschöpfung seiner Bank, ist somit nicht neutral oder objektiv. Genausowenig wie die Bankberater. Die sind nun mal in erster Linie Verkäufer.Und provisionsgeil. Berater hört sich halt seriöser an. Wir zahlen bei Abschlüssen daher nur scheinbar für Beratungen. Ackermann will ja im Konzert der ganz großen Banken mitspielen, macht also auch weiterhin Profit mit Erwartungen, Wetten, Spekulationen, Hedgefonds, CDS, Staatsanleihen, Verpfändungen, gesteuertes Ranking und schlau platzierte Worte. - Hör mer uff! ;-))
    Herzlichst Sigi

  • unregistered Max Luber sagt:

    Alles gut und richtig. nur die Rolle unserer Politiker haben Sie leider wieder nicht erwähnt. Ich versuche es mal - wie der alte Äsop mit einer Fabel:
    Es hatte geregnet, das Savannengras stand hoch, frisch und grün. Ein Paradies für die hübsche Gazelle. Sie fraß und konnte nicht genug davon kriegen. Aber sie bemerkte die Löwen nicht, die geduldig hinter den Büschen lagen und sich das Maul leckten, als sie das schöne Tier sahen. Dann ging alles ganz schnell. Ein Sprung, ein Biss und um die Gazelle war es geschehen. Nun kamen sie alle, rissen sich die besten Stücke aus dem saftigen Fleisch und fraßen bis sie satt waren. Was sie nicht mehr verschlingen konnten, ließen sie liegen. Die Geier auf den Bäumen hatten schon darauf gewartet. Mit lautem Kreischen stürzten sie sich auf den Kadaver, zankten sich um die Reste und hackten von den Knochen, was vom Fleisch noch übrig war.
    Die Löwen hatten sich satt und faul wieder in ihrem Lager hinter den Büschen ausgestreckt. Da zog wieder eine Herde Gazellen über die Savanne und die ranghöchste Löwin richtete sich auf und rief den Gazellen zu: “Seht her, diese schändlichen Aasgeier haben euren Bruder getötet. Aber seid unbesorgt. Wir werden Euch in Zukunft vor diesen üblen Schurken beschützen. Habt nur Vertrauen zu uns!”
    Und die arglosen Gazellen hatten keine Angst mehr, zogen weiter und empörten sich über die niederträchtigen Aasgeier.

    Lieber Leser; jetzt geht es nur noch darum, die richtigen Wortpaare zusammen zu fügen:
    Gazellen - Löwen - Aasgeier; wer sind die Steuerzahler, die Politiker und die Spekulanten?

  • unregistered Stefan Wehmeier sagt:

    “Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet.”

    (Aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes, 1891)

    Weil der Krieg nur solange der Vater aller Dinge sein konnte, wie es noch keine Atomwaffen gab, haben die Großsparer dieser untergehenden Welt sich zu entscheiden. Sie können entweder alles verlieren,…

    http://www.deweles.de/files/armageddon.pdf

    …oder dürfen ihre geliebten Ersparnisse sicher und mit gutem Gewissen behalten, wenn sie nur auf die Möglichkeit verzichten, weiterhin unverdiente Knappheitsgewinne (Geld-, Sach- und Bodenzins) auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu erpressen. Als Gegenleistung gibt es eine Welt, in der man sogar leben kann:

    http://www.deweles.de/files/anww194.pdf

    Was die “hohe Politik” dazu sagt, ist irrelevant, denn sie macht nur das, was die organisierte Sparsamkeit ihr befiehlt.

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