Ahnte Mary Shelley, dass Ihr Homunculus und Frankenstein selbst über 100 Jahre später noch für etliche Allegorien herhalten muss? Wie dem auch sei, die Herren ( und wahrscheinlich auch Damen), die an diesen hier vorgestellten Forschungen beteiligt sind, sind weder wahnsinnig noch gottlos.
Fernab der Fußball WM und des Krisen- bzw. Gipfeltheaters haben zwei Forscherteams zwei Entwicklungen zustande gebracht, die in mittelbarer Zukunft wohl deutlich mehr Einfluss auf unser Dasein nehmen werden, als die Politik, aber auch Wirtschaft zu leisten im Stande wären. Diese beiden Ergebnisse sind exemplarisch für den wissenschaftlichen Fortschritt von dem sich große Teile unserer Mitmenschen und leider auch ein Gros der Medien abgekoppelt haben:
Beispiel 1: Künstliches Bakterium
Das J. Craig Venter Institute hat ein Bakterium mit einem synthetischen Erbgut bestückt. Die Forscher erstellten zuerst kurze DNA Abschnitte und ließen diese durch die Reparaturmechanismen von Hefezellen zu einem langen Strang zusammenfügen. Dieses Muster wurde dann in eine leere Zelle eingefügt. Schließlich spendierte man dem Zögling noch einen Marker, um ihn von seinen natürlichen Freunden unterscheiden zu können. Das Ergebnis, ein synthetisches Mycoplasma mycoides, war sogar in der Lage sich zu reproduzieren. Mit dieser Methode wird es naher Zukunft vielleicht möglich sein Impfstoffe oder Kraftstoffe herzustellen. Die Hoffnung, dass insbesondere Impfstoffe nicht nur hochverfügbar, sondern auch preiswert würden, zeichnet dieses Verfahren als Durchbruch aus.
Beispiel 2: Stammzellengewinnung
Sie alle haben sicherlich die Diskussionen über embryonale Stammzellen im Gedächtnis. Die Forschung an diesen Zellen birgt den Nachteil, dass sie nicht nur ethisch umstritten, sondern auch nicht praxistauglich ist. Zwar verfügt auch der erwachsene Mensch über Stammzellen, diese adulten Stammzellen haben aber nicht mehr die Möglichkeit beliebiges Gewebe zu reproduzieren. Die Idee war also adulte Zellen zu „resetten”, auf Start zurückzusetzen, so dass sie eben diese Fertigkeit wiedererlangen.
Dies gelang japanischen Forschern 2006. Allerdings schaffte es nur 1 von 100.000 Zellen den Rückweg anzutreten. Eine Gruppe um Sheng Ding vom Scripps Research Institute in La Jolla hat es kürzlich geschafft, durch pures „Trial and error”, also zu deutsch „ausprobieren” einen Chemiecocktail zu brauen, der diese Quote auf 2%, also um den Faktor 2000, verbessert.
Nun ist Nishant Singhal und seinen Kollegen in der Gruppe von Hans Schöler am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster gelungen diese Quote noch einmal zu steigern, nämlich auf 4.5%. Dies gelingt durch Eiweißstoffe, die zum Chromatin-Remodeling-Komplex gehören und für die Aufschlüsselung von immanenter Bedeutung sind.
Natürlich könnte man diese Liste fortsetzen, und Sie werden an dieser Stelle auch bestimmt wieder einmal etwas von derartigen Entwicklungen lesen. Ich wünschte mir das ZDF würde Prof. H. Lesch, der WDR R. Yogeshwar, usw. auch mal in die Tiefe gehen lassen würden. Unser „Bildungsfernsehen” hat den Anspruch stets alle mitnehmen zu wollen, d.h. es herrscht ein konstantes Erstklässlerniveau, und das in einer Epoche, die enger spezialisiert ist denn je.
Bleiben Sie also besser selber neugierig, machen Sie sich auf die Suche, nach Dingen, die Sie interessieren. In den Nachrichten erfahren Sie eher, dass ein Baum während eines Sturms einen PKW zerbeult hat, als dass es Leben auf Europa gibt…
Peter Brandt

Dienstag, der 29. Juni 2010 um 21:31
Ja, Herr Brandt, guten Abend (allerseits),
… die Höhe der werbewirksamen Zuschauerquote ist anscheinend wichtiger als die Höhe des Intelligenzquotienten dieser Zuschauer…
Masse statt Klasse halt…
Wie in den pseudowissenschaftlichen (und rotzhohlen) US-amerikanischen Vorbildern.
Das Niveau sinkt unaufhaltsam. Wir haben das ja schon im Kabarettbereich erlebt, der zur Comedy abgestiegen ist, die Strategen allerdings sind in die erste Liga der Geldverdiener aufgestiegen!
Ergo: Wir sollen in erster Linie durch entsprechende Sendungen gar nicht schlauer gemacht werden, sondern mit uns bzw. mit diesen Ausstrahlungen soll in erster Linie Geld verdient werden.
O mein Gott!
Herzlichst
S. Leibfried
Freitag, der 2. Juli 2010 um 18:15
@Herr Brandt, ganz ehrlich gesagt, was Sie so positiv stimmt, macht mich eher bedenklich. Nämlich die Entwicklung hin zu einer (scheinbaren) Beherrschung von lebensnahen, organischen Komplexen; Strukturen bzw. Zyklen scheint für mich eher ein Art Roulette- Spiel zu sein, dazu mit einem in meinen Augen gefährlichen und unberechenbaren Faktor - nämlich der Zeit - verbunden . Denn, was wissen wir von eventuellen und vielleicht bisher unerkannten Nebenwirkungen all dieser Forschungsergebnisse? Schlimmer noch, gesetz den Fall, wenn diese “Nebenwirkungen” erst nach geraumer Zeit eintreten bzw. zu erkennen sind? Wenn bereits alles in die Praxis und in unüberschaubare Grössenordnungen umgesetzt worden ist? Wer will diese Enwicklung dann stoppen oder gar rückgängig machen können? Als Beispiel wäre hier die bereits angewandte Gentechnik zu nennen. Ich weiss es vom Genmais und vom Raps gar, wenn ich mich richtig erinnere und sogar bei der Baumwolle, wo eben jetzt Folgen zu spüren sind, mit denen man eben überhaupt nicht vorher gerechnet hat. Da sterben Schmetteringe aus, Bienen leiden und und und. In der herkömmlichen Medizin sind wir ja auch mit diesen Nebenwirkungen ständig konfrontiert, wissen es und nehmen es halt leider allzuoft als gegeben hin. Auch wenn es vielleicht nicht offen zugegeben wird, so wissen alle Ärzte ganz genau ( mit denen ich mich jedenfalls unterhalte) dass fast alles “Künstliche” immer auch seine negativen Aspekte hat…Es wird nur der Frage nachgegangen, welcher der Kompromisse gerade “der Bessere” ist…
@Sigi, leider ständig und überall feststellbar: Das allgemeine Niveau ist nicht das Allerbeste und wenn man denkt, schlimmer kann es bald nicht mehr werden, wird man oftmals wieder sehr schnell eines Besseren belehrt….nämlich, dass es noch viel schlimmer ist, als bisher angenommen. Leute, Deutschland war mal ein ” Land der Denker und Dichter”, ein Land der Kunst und Ästhetik…! Wo ist dieses Deutschland nur abgeblieben?! Sicherlich, es gibt immer noch genug Menschen, die ein geistvolles Niveau und wahre Lebenskunst leben und so bewahren, zum Glück und Gott sei Dank. Vielleicht bin ich ja auch eben nur am falschen Fleck gerade, wenn ich dieses Empfinden, ständig von Kitsch, Ramsch und Klischees und Oberflächlichkeiten umgeben bzw. verfolgt zu werden, habe