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Angriff der Gentomaten

tomatenInspiriert durch einen Kommentar auf meinen letztwöchigen Artikel, sehe ich mich in der Pflicht dieses Thema noch einmal aufzugreifen. Der Kommentar besagte, dass die Fortschritte sich dem Kern des Lebens zu nähern, mehr Gefahren als Nutzen bergen würden, wenn mir diese Zusammenfassung so gestattet sein mag.

Gleich vorweg, ich halte nichts von Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen, ich bin auch der Meinung, dass man eher von der Natur lernen, als sie beherrschen sollte. Aber gilt dies für sämtliche Fortschritte im Bereich der Genetik?

Die bei mit Halbwissen angereicherten Konsumenten werden gern mit Schlagwörtern um den gesunden Menschenverstand gebracht. Dies sorgte schon in der Vergangenheit für sprachliche Schmanckerl wie “Tomaten - genfrei”, in Auslagen von Supermärkten. Rufen wir uns doch kurz ins Gedächtnis, was Gene tatsächlich sind. Erbgut, nicht mehr nicht weniger. Gentechnik ist also die Manipulation von Erbgut, geschieht dies ohne Absicht kommt der Begriff Mutation ins Spiel, geschieht es dagegen durch manuelle Auslese oder Kreuzung wird daraus Veredlung.

In beiden von Menschen gesteuerten Verfahren war das Ergebnis häufig zweifelhaft. Schauen Sie sich Katzen oder Hunde an, denen man fast die ganze Nase wegveredelt hat. Wissen Sie noch, dass ALLE Hunde ursprünglich vom Wolf abstammen? In der Botanik hingegen hat die Kreuzung einige der widerstandsfähigsten Sorten hervorgebracht. Dies alles ist “Genetik”, obwohl schon seit Hunderten von Jahren so betrieben und nicht mit dem Kampfbegriff der “Gentechnik” belegt.

Ich finde biologisch erzeugte Produkte klasse, wenn auch nicht, um dem Schnitter ein paar Tage abzuluchsen, sondern eher weil sie helfen die Balance der Natur zu halten, die Böden schonen und für die Tiere eine Art Charta der Lebenswürdigkeit definieren. Ich hege ebenfalls keinen Bedarf an Pflanzen, die via Biobaukasten zusammengestückelt wurden, weil ich auch die Befürchtung teile, dass dir Folgen für die gesamte Nahrungskette nicht zu kalkulieren ist, und es möglicherweise zu einem Schmetterlingseffekt kommt.

Dies war aber letzte Woche nicht das Thema, sondern es ging um zwei bahnbrechende Fortschritte in der Medizin, bzw. Biologie.

Zum einen ist es Forschern gelungen die Ausbeute bei der Rückführung adulter Stammzellen, in den Zustand sämtliche Zellen bilden zu können, wie es embryonale Stammzellen können, zu erhöhen. Dies eröffnet vielleicht irgendwann die Chance Nervenzellen für Querschnittgelähmte, Organe, Haut für schwer Kranke in der Retorte zu züchten. Und das bei voller Gewebeverträglichkeit, und ohne das dafür ein Embryo in seiner Frühform zerlegt werden oder ein Mitmensch einen frühen Tod sterben muß. Dass Menschen stets in der Lage waren aus etwas Wundervollem eine Waffe oder Katastrophe zu produzieren ist sicher ebenfalls war, aber dies ist unsere Natur. Hätte der Mensch Angst vor dem Steppenbrand gehabt, wäre es in den Höhlen kalt geblieben.

Das zweite Beispiel bezog sich auf ein genetisch künstlich bestücktes Bakterium. Dieses wird eines Tages vielleicht Brennstoffe oder Medikamente produzieren. Dabei gilt zu bedenken, dass das ausgeschiedene Produkt nicht mutagen oder Träger der veränderten DNA ist. Wer schwere Fälle von Diabetes kennt, der weiß welcher Segen ein kostengünstiges, reines und hochverfügbares Humaninsulin sein würde. Andere Anwendungen mögen sie sich an dieser Stelle selbst zusammenträumen.

Wir sind dauernd Strahlen bis hin zur harten Gamma-Strahlung ausgesetzt, die mutagen sein können, wir atmen Abgase, trinken Schwermetalle und nutzen Deo und Putzmittel mit Nano-Partikeln usw. Von Pflanzenschutzmitteln und Hormonen in der Tierzucht ganz zu schweigen. Kurzum wir leben in einem allgemeinen Smog der unsere DNA attackiert. Die Gentechnik wird erst zur Gefahr, wenn Mensch versucht die Welt zu verbessern oder zu beherrschen, denn die Natur schafft nicht, was nicht sein darf. In jedem Reagenzglas aber die Essenz des Bösen, angerührt vom Leibhaftigen, zu vermuten, ist aber stark übertrieben.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 6. Juli 2010 / 08:08) | Permalink

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