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Wir Kinder vom Legoland

dollparts

Welch ein Raunen ging durch den Blätterwald, als das Bundesverfassungsgericht jüngst sein Urteil zur Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, verkündet hatte. Das bislang strenge Embryonenschutzgesetz wurde durch dieses Urteil stark in seiner Wirkung eingeschränkt und die Moralapostel ließen auch nicht lange auf sich warten.
Wie so oft schert sich bei der Analyse kaum jemand um die Fakten, deshalb seien diese hier noch einmal kurz dargestellt.

Was war?

Bis zu dem Karlsruher Urteil, durften Embryonen, die durch eine „In-Vitro-Fertilisation” entstanden sind vor der Re-Implementierung in die Gebärmutter nicht auf genetische Defekte hin untersucht werden, weil der Umkehrschluss bedeute, betroffene Embryonen zu vernichten. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Embryonen jemals geboren werden, denn nach der Implementierung und z.B. einer Fruchtwasseruntersuchung dürfen diese nun schon mehrere Monate gereiften Föten sehr wohl abgetrieben werden. Viele wurden auch als Totgeburt zur Welt gebracht. Wer hier noch von Schutz des ungeborenen Lebens, oder gar Euthanasie spricht saß wohl zu lange in der Sonne.

Was ist?

Nach dem Urteil nun, dürfen Embryonen vor der Einpflanzung auf genetische Defekte wie z.B. Mukoviszidose, Trisomie 21 und ähnliches hin untersucht und ggf. verworfen werden. Ziel ist es der werdenden Mutter einen gesunden Embryonen einzusetzen. Eine Praxis, die in vielen Ländern der Welt bereits seit Jahren mit Erfolg angewendet wird.

Was wird?

Kommt jetzt ein Baby-Baukasten-System auf uns zu? Werden wir Anzeigen von McFoetus finden, „Mit nur 10 Klicks zum Wunschkind”? Wohl kaum!

Dies ist nicht die Route zum Designerbaby, wer dies will oder wollte, wird nach wie vor den Rahmen der Legalität verlassen müssen, das Urteil spielt für diese Klientel eher keine Rolle.

Ich sehe auch kein ethisches Problem, denn entscheidet sich eine Gesellschaft kinderlosen, nicht oder wenig fertilen Paaren durch Künstliche Befruchtung auf die Sprünge zu helfen, ist dieser Schritt simpel konsequent. Ist ein Paar durch das Martyrium der Wartezimmer, Untersuchungen und Diagnosen geschleift worden, muss man diesem Paar dann nicht ein gesundes Kind gönnen?

Das Gefasel von „der Natur ins Handwerk fuschen” dürfen Kritiker ebenfalls in der Mottenkiste verstauen. Die Natur ist nicht die liebe grüne Mami, die sich von der lieben Tante Sonne wärmen lässt. In der Natur sterben Geschöpfe mit schweren Gendefekten im Zuge der natürlichen Auslese. Die Natur kennt weder Eiserne Lunge noch Magensonde, selbst Prothesen und Rollstühle wachsen nicht an Bäumen und Büschen.
Nicht dass Sie mich missverstehen, ich gönne jedem Betroffenen die bestmögliche Behandlung und Pflege, und ein ebenso langes Leben wie er sich selber wünscht, aber den Kreuzweg ein schwer behindertes Kind aufzuziehen sollten sich Gegner der PID erst einmal selbst vor Augen führen, bevor sie dies leichtfertig anderen aufzubürden bereit sind.Bei der Beurteilung sollten Sie ebenfalls bedenken, dass die PID an Zellhaufen von nicht mal einem Dutzend Zellen vorgenommen wird. Embryonen dieser Art werden laufend vom weiblichen Körper verworfen, ohne dass dies als unterbrochene Schwangerschaft überhaupt wahrgenommen wird. Diese Kontrollinstanz fehlt bei der künstlichen Befruchtung, man kann auch mutmaßen, dass eben diese Paare, wegen schlechten Eizellen / Spermien keine natürliche Zeugung zustande bringen konnten, wobei die tatsächlichen Ursachen sicherlich vielschichtiger sind.

Ich habe selber vier Kinder, und bin dankbar, dass diese alle gesund und munter sind, und wer sind wir, dass wir Mitmenschen dieses Glück streitbar machen wollen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 13. Juli 2010 / 09:42) | Permalink

Eine Antwort zu “Wir Kinder vom Legoland”

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