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Ja wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin?

ja-wo-laufen-sie-dennDer oft besungenen MS Deutschland geht die Mannschaft aus. Kaum ist der Rücktritt oder Rückzug des einen Politikers aus den Medien, folgt gleich die nächste Überraschung. Vorbei scheint die Zeit zu sein, als man den Eindruck gewinnen konnte, dass sich der gemeine Politiker nur mit der Brechstange von seinem Sitz trennen lässt. Macht opponieren überhaupt noch Spaß, wenn der politische Gegner freiwillig das Weite sucht?
Verlassen die Ratten das sinkende Schiff, oder sind die Offiziere des Kapitäns überdrüssig geworden? Vielleicht, wenn auch schwer vorstellbar, stimmt bei dem einen oder anderen tatsächlich die Begründung, neben der Politik noch ein anderes Leben zu haben.

Wie dem auch sei, Frau Kapitän Merkel, scheint nicht über den Kohl‘schen Superklebereffekt zu verfügen. Dieser schien wider seinem strengen Regiments ein gerüttelt Maß an Loyalität bei seiner Mannschaft zu genießen.

Schäuble glaube ich war es, der vor Jahren einmal sagte, dass der Vorteil der Union sei, keine Vision von einer Gesellschaft zu besitzen, anders als die SPD. Ob Wolfgang Schäuble diesen Satz heute noch einmal so sagen würde? Nicht, dass er nicht der Wahrheit entspräche, aber eben dieser Mangel an Visionen ist heute die Crux der Union. Verwaltung des Mangels, oder Mangel an Verwaltung, auf jeden Fall zu wenig Mut zur Gestaltung.

Jetzt kommen die „Lümmel von der 2.ten Bank” zum Zuge. Niemand behauptet, dass diese eine schlechte Arbeit abliefern müssten, aber durchgebissen an die Spitze haben sie sich nicht. Wundert es dann, wenn die Journaillen des Landes selbst den vormals verhassten Oettingers und Kochs hinterher trauern? Selbst die Rumänenschelte von Jürgen Rüttgers, die Rücktrittsforderungen hageln ließ, interessiert angesichts des freiwilligen Ausscheidens aus der Tagespolitik nicht mehr.

Ist dies jetzt echt ein Wandel in der Zeit? Ist das, wie im Heute Journal vermutet, eine neue Politikergeneration? Müssen wir unseren Staatslenkern jetzt Blei in die Boxershorts legen, damit sich das Parlament nicht fluchtartig leert?

Nein keine Angst, wir müssen den Bundestag nicht mit 1-Euro-Jobbern füllen. Die Diversität der Entscheidungem war doch recht groß, wenn man die einzige Gemeinsamkeit, nämlich das Ausscheiden aus der deutschen Politik einmal raus rechnet.

Oettinger, wurde weggelobt nach Brüssel, um Deutschland dort in seiner 2ten Muttersprache „Englisch” würdig zu vertreten. Dies ist keine politische Ausnahme, sondern eine Regel.

Rüttgers hat seine Wahlschlappe nicht verkraftet, und nach dem Ministerpräsidentenamt wahrscheinlich keine Lust auf dem Oppositionsbänkchen Platz zu nehmen.

Köhler war zu dünnhäutig, vielleicht auch verlassen und allein. Diesen Rücktritt darf Berlin gerne als seinen „Erfolg” verbuchen.

Wulff, na gut, der ist jetzt immerhin Bundespräsident, das in die Rückzüge einzureihen, finde ich sehr weit gegriffen.

Bei Althaus sticht das Kochsymptom, erst fordern wegen des dubiosen Vergleichs vor Gericht nach seinem Skiunfall viele seinen Rücktritt und wenn er dann kommt…

Ole van Beust und Koch hingegen haben hingeworfen, könnte man sagen, wobei das Pressecho bei Koch doch sehr verwundert, war der Hardliner vormals alles andere als beliebt. Bei Von Beust sieht das anders aus. Hier geht jemand, der seit der unsäglichen Schill Zeit, eine gute Figur abgegeben hat. Vielleicht wurde ihm sein Rücktritt ja auch nah gelegt, nachdem er vor wenigen Tagen Merkels Führungsstil zu kritisieren wagte.

Es bleibt ein fahler Nachgeschmack, denn wie oben bereits erwähnt, fehlt es Merkel an „Bindungsenergie”. Zu wenig Team, zu wenig Loyalität und vielleicht auch zu wenig Gestaltungsspielräume jagen zwar vielleicht nicht viele aus dem Amt, aber die Frage, ob sich ein solches Amt zu halten lohnt, werden sich vielleicht noch andere stellen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 20. Juli 2010 / 10:11) | Permalink

Eine Antwort zu “Ja wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin?”

  • unregistered Friedric Haas sagt:

    Angesichts dessen klingt mir immer die Kritik im Ohr, Gauck verstehe zu wenig vom politischen Tagesgeschäft wie Köhler. Wenn dieses Tagesgeschäft derzeit eher ein Scherbenhaufen ist bzw. einem Motor mit Kolbenfresse gleicht, bleibt die Frage, ob wir nicht grundsätzlich bestimmte eingefahrene Formen von Politik hinterfr…agen müssen und es nicht geradezu eine Segen ist, daß Gauck nichts all zu viel von dieser gescheiterten Form von Politik versteht. Ein politisches System, dessen Akteure zunehmen an der Realität scheitern oder realitätsferne Politik betreiben, verstärken geradezu den Ruf nach Formen der Kontrolle durch direkte Demokratie. Es ist zu riskant, sie vier Jahre alleine in die falsche Richtung laufen zu lassen.

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