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Zwischen Irrsinn, Wahnsinn und Dekadenz

las_vegas_bellagio_kasinoLas Vegas, Lichtermehr und Springbrunnen inmitten der Wüste Nevadas. Vögel singen im Mondschein, weil die Stadt in Dauerlicht getaucht ist und der Wasserverbrauch lässt vermuten, dass Las Vegas am Bodensee läge. Reißende Bestien stürzen sich auf zappelnde Zauberer und alternde Stars trällern allabendlich den Spieltrunkenen den Frust über die verlorenen Spieleinsätze von der Seele.

Für europäische Maßstäbe wirkten die Dimensionen der Verschwendung in der Wüstenei stets befremdlich, was da nun aber gestern über den Ticker huschte muss in Fettschrift noch einmal festgehalten werden:

Die Pop-Diva Madonna, soll angeblich ein Angebot über 1 Milliarde Dollar ( $ 1.000.000.000 ) für einen 5-Jahres Vertrag geboten bekommen haben.

Ein Schnäppchen. Bei einer 5-Tage-Woche und 28 Tagen Urlaub im Jahr, wären das ja nur schlappe $ 860.000 pro Abend. Ganz ehrlich, das wirft auf die Diskussion von Managergehältern, oder den Vermögensverhältnissen von Industriemoguln ein ganz anderes Licht. Dagegen bekommen Leute wie Ackermann ja geradezu nur eine Aufwandsentschädigung.

Spaß beiseite: So etwas ist falsch, unmoralisch und dekadent. Keine Hupfdole, keine bildender Künstler, kein Muskelprotz oder Ballartist, kein Gründer oder Lenker einer Firma ist so viel Wert.

Ich will hier keine Neiddebatte. Ich habe kein Problem damit, dass es „Superreiche” gibt. Diese Zahlen und Vermögen sind so abstrakt, so surreal und entbehren jedem Nutzen. Während auf der Forbes Liste einfach das Firmenkapital mit zum Privatvermögen gerechnet wir, und so sicherlich so manchem Unternehmer ein falsches Bild aufoktroyiert wird, so geht es hier um einen „Arbeitslohn”. Nochmal, es geht nicht um Neid. Aber niemand kann sich mit 300.000.000 Dollar oder Euro, ein sichtbar besseres Leben kaufen, als jemand mit 200.000.000 Dollar oder Euro. Das sind nur noch Etiketten, Marktwertsiegel oder schlicht Phallusvergleiche.

Wussten Sie, dass ein Ghanaer durchschnittlich $ 0,60 am Tag verdient? Anders gesagt, Madonna soll pro Abend soviel verdienen wie 1.433.333 Ghanaer. Das ist Ihnen zu weit weg? Gut, ein Assistenzarzt in einem unserer Krankenhäuser verdient zwischen 3000-6000 Euro im Monat, bei durchschnittlich 45 - 80 Wochenstunden. Also stark gerundet und auf einen 8-Stunden-Tag gebrochen $175,- am Tag. Ist Madonna also so viel wert wie 4925 Ärzte, oder 30.000 Friseurinnen oder 10000 Handwerker? Ginge es dem Durchschnitt der Weltbevölkerung nur so gut wie unseren ALG II Empfängern, wäre dieser Beitrag fruchtlos. Die Wahrheit jedoch ist. Die Mehrheit der Menschen hat weder ausreichend Nahrung, noch Zugang zu sauberem Wasser, von Bildung, Kultur, Medizinischer Versorgung ganz zu schweigen.

1 Milliarde reicht für 1000 Millionäre, 3000 Einfamilienhäuser, Millionen von Impfungen und Milliarden von Mahlzeiten. Besieht man sich dann noch, wofür diese Summe gezahlt werden soll, beginnt zu brodeln was gerade noch am simmern war. Rechnen wir noch ein wenig weiter. Mal angenommen, Madonna wirft sich mächtig ins Zeug und gibt jeden Tag 3 Stunden Programm zum Besten. Dann bekäme sie $ 4777,- pro Minute. Alle 90 Sekunden in etwa stirbt ein Mensch an Hunger.

Diese Zahlenspiele sollen verdeutlichen, dass wir das Gesamtbild aus den Augen verloren haben und Menschen, die an Vereinbarungen und Geschäften dieser Art beteiligt sind haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Ich habe den folgenden Gedanken bereits in einem vorangegangenen Artikel geäußert. Irgendwann wird sich die Bevölkerung der Südhalbkugel an uns rächen. Irgendwann werden diese Menschen des Leidens und Sterbens überdrüssig, irgendwann werden sich diese Menschen auflehnen.

Was muss einem Menschen durch den Kopf gehen, der z.B. sein Kind zu Grabe getragen hat, weil dieses einer heilbaren Krankheit erlegen ist, wenn er diese Nachricht liest?

Es ist ok eine monetäre Upperclass zu haben. Ich störe mich nicht an den teuren Statussymbolen, hohen Saldi und dieser Scheinwelt des Geldadels. Aber solche Extreme heißt es zu vermeiden. Sollte die Menschheit einst Hunger und Elend aus der Welt verbannt haben, darf Madonna von mir aus für jede Flatulenz so viel bekommen, wie ein Chefartzt im Jahr verdient.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 24. August 2010 / 08:09) | Permalink

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