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Gott im Teekesselchen

gottDank den widersprüchlichen Äußerungen des Weihbischofs Laun, lehren uns viele Menschen Ihre Sicht von Gott. „Mein Gott ist kein strafender Gott…, mein Gott ist die moralische Instanz…, mein Gott ist was auch immer…”

Um es gleich vorweg zu nehmen. Dieser Artikel will weder über Glauben streiten, noch Wahrheiten finden. Aber seit einiger Zeit bereits bemerke ich einen Wandel im Glauben anderer Menschen. Und obwohl scheinbar Spiritualität eine große Rolle für viele Menschen zu spielen scheint - manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass die Zahl zunimmt - ist eben ihr Platz in unserem Leben immer schwerer zu fassen oder zu definieren.

Fast immer, wenn Menschen über Glauben reden tritt diese Teekesselchen-Mentalität ans Licht. Ganz wie in dem beliebten Kinderspiel, in dem Begriffe durch Beschreibungen erraten werden sollen, werden und Gottes- und Glaubensbegriffe um die Ohren gehauen. Nur heißt das „Teekesselchen” diesmal Gott.

Frei nach dem Motto: Für Gott ist selbst noch Platz in der kleinsten Ritze, feilen sich Gläubige ihren Gott zurecht, bis er sich in das 10000 Teile Puzzle unserer Lebensrealitäten einfügen lässt. Die Kirchen hinken den LEGO-Göttern hinterher, sind ihre Bilder doch seit Hunderten von Jahren verklebt, verkrustet, oder in Stein gemeißelt.

Das Bild des Weltenlenkers wankt. In einer Gesellschaft, die immer mehr Antworten auf Fragen findet, die früher durch den Glauben beantwortet wurden, befindet sich Gottes Einfluss im freien Fall.

Wer möchte Gott schon in der Quantenmechanik suchen? Um so mehr sich die Naturwissenschaft dem nähert, was die Welt im Innersten zusammenhält, um so mehr wird deutlich, dass aller Anfang Energie ist, ja selbst das, was wir als Materie verstehen ist nichts weiter als eine Illusion, die uns die Bindungsenergie vorspielt. Ist diese Energie vielleicht Gott. Bräuchte ein solcher Gott monströse Bauten und Rituale? Die Götter der Vergangenheit richteten, straften, ließen Himmel und Erde erbeben, schenkten und nahmen das Leben. Natürlich steht Gott nicht im Gegensatz zu den Naturgesetzen, aber seine Existenz wird obsolet.

Bliebe Gott als moralische Instanz. Nun aber ehrlich, muss ich gottesfürchtig sein, um nicht zu stehlen oder zu morden, oder saugen die meisten von uns die moralischen Grundsätze nicht schon in humanistisch geprägter Muttermilch auf.

Die Kirchen verharren mehr oder minder stillschweigend in den selbstauferlegten Dogmen. Und weiten Teilen der Gesellschaft verschaffen Begriffe wie Erbsünde, außerehelicher Verkehr, Widernatürlichkeit der Homosexualität ein Gefühl, dass dem ähnelt, als wenn man versuche mit Mehl zu gurgeln.

So haben Kirche und Gott für viele Menschen schon nicht mehr viel miteinander zu tun, im Gegenteil, manche Auslegung und mancher Auswuchs in den Institutionen steht dem individuellen Glaubensbild oft diametral gegenüber.

Wer ist Ihr Gott, wenn Sie sich noch einen leisten? Ist Ihr Gott Lenker, Beschützer, Regulator, Freund oder Erschaffer? Ohne es zu merken, sind wir dem Pantheismus anheim gefallen, nur dass wir diesen mit Ritualen versehen, die uns die großen Monotheistischen Religionen mit auf den Weg gegeben haben.

Warum ist das so? Nun, die Geistlichen haben die Bigotterie vielleicht perfektioniert, aber sie ist doch ein Kind des Volkes. Stark vereinfacht gesagt, sind die meisten vielleicht nicht bereit sich einem Kodex zu unterwerfen, dessen Einhaltung ihnen nicht profitabel genug erscheint, aber zu ängstlich diesen Schritt konsequent zu Ende zu denken. ( Über das Wunder, dass die christlichen Religionen die Aufklärung überlebt haben schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Beitrag. )

Wozu dann noch der „liebe Gott”? Zur Sinnsuche, als Antwort Herkunftsfrage oder Helfer in der Not? Ob und wie Sie Ihren Glauben finden oder behalten spielt eigentlich auch keine Rolle, nur sinnfrei sollte dieser nicht sein. In diesem unseren Universum geschieht nichts ohne Grund, und wenn es einen Gott gibt, sollte seine Existenz keine Ausnahme von dieser Regel darstellen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 31. August 2010 / 10:49) | Permalink

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