
Was die griechische Sagenfigur mit Gold zu schaffen hatte? Nichts. Aber der Name Tantalos stand einst Pate für eine Entdeckung, die aus der heutigen Welt kaum noch wegzudenken, und tatsächlich kaum mit Gold aufzuwiegen ist.
Wir schreiben das Jahr 1802 und der schwedische Chemiker Anders Gustav Ekeberg entdeckt in einem Brocken Columbit-Erz ein bis Dato unbekanntes Metall. Nach einigen Versuchen ersinnt er, es nach dem griechischen Held Tantalos zu benennen. Dieser stand der Sage nach in Mitten eines Teichs, doch beim Versuch von dem Nass zu kosten, versiegte das Wasser und es blieb nur Sand zurück. Das Metall erhielt den Namen Tantal.
Zur gleichen Zeit entdeckte Charles Hatchett in einem kolumbianischen Erz ein Metall, welches er Niob taufte. Bis 1844 glaubte man die beiden Stoffe seien identisch. Heut weiß man um die Unterschiede und Niob ist in Wahrheit Columbium.
Die erste Massenanwendung fand als Glühdraht in Glühlampen statt und löste das bis dahin verwendete Osmium ab. Später würde Tantal durch das noch hitzebeständigere Wolfram ersetzt, welches zudem auch noch ein breiteres Lichtspektrum besaß.
Seit 1922 fand Tantal dann in Gleichrichtern und später auch Radioröhren Verwendung.
Heute hat beinahe jeder in unserem Land etwas Tantal auf dem Schreibtisch, in der Hosentasche, mache sogar im eigenen Körper. Mehr noch, dieses unscheinbare graue Metall hat sich leise zu einem der bedeutendsten Rohstoffe des 21.Jahrhundert gemausert. Das heißt Tantal kommt sowohl in Mobiltelefonen, Computern und anderen High-Tech Spielzeugen, als auch in Implantaten und in Flugzeugturbinen zur Anwendung. Tantal kommt in Reinform nicht vor, sondern „vergesellschaftet” sich meistens mit nahen Verwandten, wie zum Beispiel dem bereits erwähnten Columbium. Man spricht in dem Zusammenhang gerne von Coltan-Erzen.
Soweit so gut. Wo ist das Problem? Neben seinen besonderen Eigenschaften was die Leitfähigkeit, Stabilität, Hitzebeständigkeit und Passivität im chemischen Sinne angeht, hat Tantal eine weitere Besonderheit. Es ist extrem selten. Die Jahresförderungsmenge liegt global bei 1000 - 2000 Tonnen. Das mag im ersten Moment viel erscheinen, wenn man aber bedenkt, dass Analysten davon ausgehen, dass es bis 2011 allein 60 Millionen IPhones und 75 Millionen Android Smartphones geben soll, und man weiterhin bedenkt, dass auch weiter etliche Millionen anderer Coltan haltiger Elektronik geben wir, zeichnet sich das Problem deutlicher ab. Während in der Elektronik Niob und Keramik Kondensatoren einen Teil der Arbeit übernehmen könnten, sieht es an anderer Front düsterer aus. Viele natürliche nicht nachwachsende Ressourcen haben einzigartige Eigenschaften, eine haben aber alle gemein, hat man sie ihrer Geheimnisse beraubt werden sie verheizt, als gäbe es kein Morgen.
Ein Hauptabbaugebiet für Coltan befindet sich dazu noch ausgerechnet in einem der letzten Refugien der Berggorillas im Osten Kongos. Eben diese Region, die auch schon wegen des Coltans zu Zeiten des Bürgerkriegs heftig umkämpft wurde.
Natürlich sind die tantalträchtigen Helferlein nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken, aber warum können wir beim Einsatz seltener Ressourcen nicht bewusster damit umgehen. Schätzungen nach liegen alleine in Deutschland 170 Millionen Althandys herum. Handys mit denen nie wieder telefoniert wird, und die eines Tages von Tine Wittler auf die Schadstoffdeponie gefahren werden. Wir müssen uns endlich Gedanken um echtes Recycling machen. Und dabei rede ich nicht von Plastikgranulatparkbänken aus Jogurt Bechern. Wenn wir Produkte konzipieren, müssen wir beginnen uns schon bei Planung darüber Gedanken machen, wie man später an die Verwendeten Rohstoff kommt. Und zwar ohne dafür eine aberwitzige Menge an Energie aufzuwenden.
Natürlich gibt es in Teilbereichen eine Rücknahmeverpflichtung durch den Handel. Aber Hand aufs Herz: Wer bringt seinen Alt-PC zum „Ich bin ja nicht blöd” Verkäufer zurück? Und wenn doch, werden die Rohstoffe dann tatsächlich wiedergewonnen?
Fernsehberichten zufolge landen viele Alt-Geräte auf Kähnen gen Afrika, weil sowohl das fachmännische Ausschlachten zu kostenintensiv, als auch hiesige Sondermülldeponien zu teuer sind. Stellen Sie sich vor: Metalle die vor Milliarden Jahren in Sternen erbrütet wurden, denn nur dort entstehen die schweren Elemente, gelangen als Staub und Stein auf unseren entstehenden Planeten oder auch Brennstoffe, die in hunderten von Millionen Jahren hier entstanden sind, verbraten wir in nicht einmal 250 - 300 Jahren. Es wird für das Menschengeschlecht keinen Nachschub an diesen Stoffen geben, und dennoch lutschen und saugen wir an diesem Planeten, als stünde die Nachlieferung schon bereit.
Das Wort Rohstoff ist in diesem Zusammenhang schon fast eine Verunglimpfung. Roh sind diese Stoffe höchstens im Sinne von unschuldig und rein. Eigentlich sind diese Stoffe der Schlagrahm des Kosmos. Und Sie wissen selber, was bleibt wenn man den süßen Rahm erst einmal weggenascht hat.
Wir sind den - hoffentlich vielen - Generationen, die nach uns kommen, schuldig nicht alles auf Teufel komm’ raus zu versilbern. Die Schäden, die wir in Friedenszeiten anrichten, könnte kaum ein Krieg verursachen. Wir sollten daran arbeiten nicht als Generation der Verschwendung und Maßlosigkeit in die Annalen einzugehen.
Peter Brandt

Dienstag, der 14. September 2010 um 13:14
Ein schillernder faszinierender Mensch zu diesem Thema ist Michael Braungart … bringt cradle to cradle nach Europa.
Und eine andere Quelle der Inspiration dazu ist Yvon Choinard, Gründer von patagonia - sie leben bereits jenes Bewußtsein, von dem in dem Artikel die Rede ist. Und man kann es unterstützen, indem man solche Produkte kauft …….
Dienstag, der 14. September 2010 um 13:15
vergessen, die homepage anzugeben:
http://www.braungart.com/