Archiv für die ‘Thema der Woche’ Kategorie
Dank den widersprüchlichen Äußerungen des Weihbischofs Laun, lehren uns viele Menschen Ihre Sicht von Gott. „Mein Gott ist kein strafender Gott…, mein Gott ist die moralische Instanz…, mein Gott ist was auch immer…”
Um es gleich vorweg zu nehmen. Dieser Artikel will weder über Glauben streiten, noch Wahrheiten finden. Aber seit einiger Zeit bereits bemerke ich einen Wandel im Glauben anderer Menschen. Und obwohl scheinbar Spiritualität eine große Rolle für viele Menschen zu spielen scheint - manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass die Zahl zunimmt - ist eben ihr Platz in unserem Leben immer schwerer zu fassen oder zu definieren.
Fast immer, wenn Menschen über Glauben reden tritt diese Teekesselchen-Mentalität ans Licht. Ganz wie in dem beliebten Kinderspiel, in dem Begriffe durch Beschreibungen erraten werden sollen, werden und Gottes- und Glaubensbegriffe um die Ohren gehauen. Nur heißt das „Teekesselchen” diesmal Gott.
Frei nach dem Motto: Für Gott ist selbst noch Platz in der kleinsten Ritze, feilen sich Gläubige ihren Gott zurecht, bis er sich in das 10000 Teile Puzzle unserer Lebensrealitäten einfügen lässt. Die Kirchen hinken den LEGO-Göttern hinterher, sind ihre Bilder doch seit Hunderten von Jahren verklebt, verkrustet, oder in Stein gemeißelt.
Das Bild des Weltenlenkers wankt. In einer Gesellschaft, die immer mehr Antworten auf Fragen findet, die früher durch den Glauben beantwortet wurden, befindet sich Gottes Einfluss im freien Fall.
Wer möchte Gott schon in der Quantenmechanik suchen? Um so mehr sich die Naturwissenschaft dem nähert, was die Welt im Innersten zusammenhält, um so mehr wird deutlich, dass aller Anfang Energie ist, ja selbst das, was wir als Materie verstehen ist nichts weiter als eine Illusion, die uns die Bindungsenergie vorspielt. Ist diese Energie vielleicht Gott. Bräuchte ein solcher Gott monströse Bauten und Rituale? Die Götter der Vergangenheit richteten, straften, ließen Himmel und Erde erbeben, schenkten und nahmen das Leben. Natürlich steht Gott nicht im Gegensatz zu den Naturgesetzen, aber seine Existenz wird obsolet.
Bliebe Gott als moralische Instanz. Nun aber ehrlich, muss ich gottesfürchtig sein, um nicht zu stehlen oder zu morden, oder saugen die meisten von uns die moralischen Grundsätze nicht schon in humanistisch geprägter Muttermilch auf.
Die Kirchen verharren mehr oder minder stillschweigend in den selbstauferlegten Dogmen. Und weiten Teilen der Gesellschaft verschaffen Begriffe wie Erbsünde, außerehelicher Verkehr, Widernatürlichkeit der Homosexualität ein Gefühl, dass dem ähnelt, als wenn man versuche mit Mehl zu gurgeln.
So haben Kirche und Gott für viele Menschen schon nicht mehr viel miteinander zu tun, im Gegenteil, manche Auslegung und mancher Auswuchs in den Institutionen steht dem individuellen Glaubensbild oft diametral gegenüber.
Wer ist Ihr Gott, wenn Sie sich noch einen leisten? Ist Ihr Gott Lenker, Beschützer, Regulator, Freund oder Erschaffer? Ohne es zu merken, sind wir dem Pantheismus anheim gefallen, nur dass wir diesen mit Ritualen versehen, die uns die großen Monotheistischen Religionen mit auf den Weg gegeben haben.
Warum ist das so? Nun, die Geistlichen haben die Bigotterie vielleicht perfektioniert, aber sie ist doch ein Kind des Volkes. Stark vereinfacht gesagt, sind die meisten vielleicht nicht bereit sich einem Kodex zu unterwerfen, dessen Einhaltung ihnen nicht profitabel genug erscheint, aber zu ängstlich diesen Schritt konsequent zu Ende zu denken. ( Über das Wunder, dass die christlichen Religionen die Aufklärung überlebt haben schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Beitrag. )
Wozu dann noch der „liebe Gott”? Zur Sinnsuche, als Antwort Herkunftsfrage oder Helfer in der Not? Ob und wie Sie Ihren Glauben finden oder behalten spielt eigentlich auch keine Rolle, nur sinnfrei sollte dieser nicht sein. In diesem unseren Universum geschieht nichts ohne Grund, und wenn es einen Gott gibt, sollte seine Existenz keine Ausnahme von dieser Regel darstellen.
Peter Brandt
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Las Vegas, Lichtermehr und Springbrunnen inmitten der Wüste Nevadas. Vögel singen im Mondschein, weil die Stadt in Dauerlicht getaucht ist und der Wasserverbrauch lässt vermuten, dass Las Vegas am Bodensee läge. Reißende Bestien stürzen sich auf zappelnde Zauberer und alternde Stars trällern allabendlich den Spieltrunkenen den Frust über die verlorenen Spieleinsätze von der Seele.
Für europäische Maßstäbe wirkten die Dimensionen der Verschwendung in der Wüstenei stets befremdlich, was da nun aber gestern über den Ticker huschte muss in Fettschrift noch einmal festgehalten werden:
Die Pop-Diva Madonna, soll angeblich ein Angebot über 1 Milliarde Dollar ( $ 1.000.000.000 ) für einen 5-Jahres Vertrag geboten bekommen haben.
Ein Schnäppchen. Bei einer 5-Tage-Woche und 28 Tagen Urlaub im Jahr, wären das ja nur schlappe $ 860.000 pro Abend. Ganz ehrlich, das wirft auf die Diskussion von Managergehältern, oder den Vermögensverhältnissen von Industriemoguln ein ganz anderes Licht. Dagegen bekommen Leute wie Ackermann ja geradezu nur eine Aufwandsentschädigung.
Spaß beiseite: So etwas ist falsch, unmoralisch und dekadent. Keine Hupfdole, keine bildender Künstler, kein Muskelprotz oder Ballartist, kein Gründer oder Lenker einer Firma ist so viel Wert.
Ich will hier keine Neiddebatte. Ich habe kein Problem damit, dass es „Superreiche” gibt. Diese Zahlen und Vermögen sind so abstrakt, so surreal und entbehren jedem Nutzen. Während auf der Forbes Liste einfach das Firmenkapital mit zum Privatvermögen gerechnet wir, und so sicherlich so manchem Unternehmer ein falsches Bild aufoktroyiert wird, so geht es hier um einen „Arbeitslohn”. Nochmal, es geht nicht um Neid. Aber niemand kann sich mit 300.000.000 Dollar oder Euro, ein sichtbar besseres Leben kaufen, als jemand mit 200.000.000 Dollar oder Euro. Das sind nur noch Etiketten, Marktwertsiegel oder schlicht Phallusvergleiche.
Wussten Sie, dass ein Ghanaer durchschnittlich $ 0,60 am Tag verdient? Anders gesagt, Madonna soll pro Abend soviel verdienen wie 1.433.333 Ghanaer. Das ist Ihnen zu weit weg? Gut, ein Assistenzarzt in einem unserer Krankenhäuser verdient zwischen 3000-6000 Euro im Monat, bei durchschnittlich 45 - 80 Wochenstunden. Also stark gerundet und auf einen 8-Stunden-Tag gebrochen $175,- am Tag. Ist Madonna also so viel wert wie 4925 Ärzte, oder 30.000 Friseurinnen oder 10000 Handwerker? Ginge es dem Durchschnitt der Weltbevölkerung nur so gut wie unseren ALG II Empfängern, wäre dieser Beitrag fruchtlos. Die Wahrheit jedoch ist. Die Mehrheit der Menschen hat weder ausreichend Nahrung, noch Zugang zu sauberem Wasser, von Bildung, Kultur, Medizinischer Versorgung ganz zu schweigen.
1 Milliarde reicht für 1000 Millionäre, 3000 Einfamilienhäuser, Millionen von Impfungen und Milliarden von Mahlzeiten. Besieht man sich dann noch, wofür diese Summe gezahlt werden soll, beginnt zu brodeln was gerade noch am simmern war. Rechnen wir noch ein wenig weiter. Mal angenommen, Madonna wirft sich mächtig ins Zeug und gibt jeden Tag 3 Stunden Programm zum Besten. Dann bekäme sie $ 4777,- pro Minute. Alle 90 Sekunden in etwa stirbt ein Mensch an Hunger.
Diese Zahlenspiele sollen verdeutlichen, dass wir das Gesamtbild aus den Augen verloren haben und Menschen, die an Vereinbarungen und Geschäften dieser Art beteiligt sind haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Ich habe den folgenden Gedanken bereits in einem vorangegangenen Artikel geäußert. Irgendwann wird sich die Bevölkerung der Südhalbkugel an uns rächen. Irgendwann werden diese Menschen des Leidens und Sterbens überdrüssig, irgendwann werden sich diese Menschen auflehnen.
Was muss einem Menschen durch den Kopf gehen, der z.B. sein Kind zu Grabe getragen hat, weil dieses einer heilbaren Krankheit erlegen ist, wenn er diese Nachricht liest?
Es ist ok eine monetäre Upperclass zu haben. Ich störe mich nicht an den teuren Statussymbolen, hohen Saldi und dieser Scheinwelt des Geldadels. Aber solche Extreme heißt es zu vermeiden. Sollte die Menschheit einst Hunger und Elend aus der Welt verbannt haben, darf Madonna von mir aus für jede Flatulenz so viel bekommen, wie ein Chefartzt im Jahr verdient.
Peter Brandt
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Man kann nicht anders als Steve Jobbs zu seinem letzten und wieder mal erfolgreichen Coup zu gratulieren. Nach dem IPod und dem IPhone leuchtet nun der dritte Stern Apples am IT-Himmel, das IPad. Ein schlanker kleiner Tablet Computer, der obwohl er ohne Tastatur daher kommt, recht flüssig und beinahe amüsant zu bedienen ist. Wozu man Apple gratulieren soll? Nein, nicht zum Quartalsumsatz auch nicht zur Legung eines technischen Meilensteins. Nein die Gratulation geht an die innovativste Abteilung des Konzerns, nämlich das Marketing.
Klar, das Gerät weißt ein schickes Design auf, passt auch prima in das Apple Portfolio, aber ein Produkt herauszubringen, das niemand wirklich baucht und damit dennoch in die Abendnachrichten zu kommen ist eine respektable Leistung. Sonst ist dort nur über neue Geschenke aus Redmond (dem Microsoft Stammsitz) etwas zu vernehmen. Wäre das IPad nicht von Apple, wäre es nicht „trendy”, „stylisch” oder „chic”, wer würde es dann wozu kaufen?
Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon verträumt dreinblickende Menschen in den Parkanlagen liegen, die anstatt auf andere junge verträumt dreinblickende Menschen auf das Pad in Ihrer Hand starren und via Skype mit verträumt dreiblickenden Menschen in 11.000 Km Entfernung chatten. Natürlich wird man irgendwo Anwender auftun, die tatsächlich Sinnvolles mit dem Gerät anzustellen vermögen, in den meisten Fällen wird es aber wohl wie die meisten „Smartphones” ein Schattendasein als Technikspielzeug fristen. Netbook, Smartphone und jetzt Tablet Computer versprechen dem Benutzer überall „on” zu sein, und „in” ist man gleich noch kostenlos dazu. Haben Sie schon einmal öffentlichen Handygesprächen gelauscht? Ohne mich jetzt an langweiligen Zitaten zu ergehen, meistens sind diese Gespräche sinnfrei, dämlich und verzichtbar. Welche gewichtigen Informationen werden dieselben Nutzer dann wohl über die Datenleitungen schicken?
Kürzlich durfte ich einem Fachmann lauschen, der von der Verkümmerung der „analogen Kommunikation” sprach. „Analoge Kommunikation”? Sie ahnen natürlich was damit gemeint war? Genau, die ganz normale Unterhaltung, von Mensch zu Mensch, ohne Draht, Funk, Switch, Port oder GSM Cell. Bei all der schönen neuen Kommunikation, also der nicht angestaubten analogen Form, fehlen so viele Aspekte der Kommunikation, dass es unerklärlich ist warum viele Menschen dieser den Vorzug geben. Sicherlich, man fühlt sich geschützt hinter seinem LCD, aber man spürt keine Nähe, sieht keinen Augenaufschlag, man „riecht” sich nicht.
Und obwohl wir immer weniger mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht reden, verlieren wir ein kostbares Gut, nämlich die Stille. Stille, Ruhe und Unerreichbarkeit. Ständig rührt sich und rappelt eines unserer kleinen Spielzeuge, um uns mit wichtigen neuen Informationen zu versorgen. Mal ehrlich, wer von uns ist schon so unverzichtbar, dass er stets greifbar sein muss. Wer von uns muss schon ständig über irgendein Geschehen auf dem Laufenden gehalten werden. Und durch diese Häppchenkommunikation haben wir dann am Abend nichts mehr zu sagen, weil wir die Kernpunkte unserer Erlebnisse bereits auf 140 Zeichen gekürzt im Telegrammstil an unsere Lieben übermittelt haben.
Ich liebe das Internet, und von allen Medien ist das Internet sicherlich in meinem Alltag das Bedeutendste geworden. Das geht sicher vielen so, aber ist deshalb der Umkehrschluss, dass ich das Internet stets bei mir tragen muss? Die Anbieter dieser Technik gaukeln uns Unabhängigkeit vor. Wann und wo und wie ich will, soll ich surfen und Emails bearbeiten können. Bei Sport und Spiel, im Grünen oder Blauen, Tag und Nacht. Und mit dieser Hochverfügbarkeit steigt in uns und unseren Freunden, Kollegen, Kunden etc., die Erwartung stets den anderen erreichen zu können. Und so legen wir uns freiwillig Kommunikationsfußfesseln an, die fröhlich zwitschern, trällern und tirilieren.
Dazu kommt, dass wir in der Flut der eingehenden Kommunikation unendlich viel Zeit verlieren. Statt mit Konzentration arbeiten zu können, jagen uns Email Client, Telefon und Messanger den halben Tag quer über den Platz. Wundert es da, dass Menschen wie der Filmproduzent Bernd Eichinger auf Mobiltelefone gänzlich verzichten?
Nun ganz werden Sie und ich wahrscheinlich nicht aus diesem Schlamassel herauskommen, aber gönnen Sie sich und Ihrem Handy mal ein paar Stunden „Flugmodus” und Ihren PCs ein Nickerchen. Und sollten Sie bei schönem Wetter auf dem Rasen liegen und nach oben gucken, dann sei Ihnen gesagt, dass hinter dem Display die Sonne lacht.
Peter Brandt
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Hat Mose als er vom Berg Sinai hinabstieg eine Tafel fallen lassen, so dass uns die Gebote 11 - 15 für immer verloren bleiben? Glück für die Republik, dass wir die FDP und ihren Vorsitzenden haben, der uns zumindest Nr.11, ob nun durch göttliche Einsagung oder nicht, zu predigen vermag. Welches Gebot dieses sein mag, fragen Sie?
Das Lohnabstandsgebot, welches da lautet:
Du sollst als Arbeitnehmer stets mehr Einkommen Dein Eigen nennen, als der Transferleistungsempfänger.
Schön, dass Herr Westerwelle diese Eingebung just vor der bevorstehenden Debatte zur Neuberechnung der ALG II Sätze hatte. Und wie im Sommerloch nicht anders zu erwarten reicht selbst das kleinste Tröpfchen Erbrochenes, um eine Flutwelle der Begeisterung, wie Empörung über das Land schwappen zu lassen. Die Verlautbarungen dürfen Betroffene dann wohl so verstehen, dass für den gelben Guido das Wort „Neuberechnung” nicht mit „Erhöhung” zu verwechseln ist. Schließlich hat das BVG nicht die Höhe der Sätze per se gerügt, sondern die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Berechnung.
Lohnabstandsgebot, klingt auch eigentlich nicht verkehrt, prinzipiell auch keine schlechte Idee, schließlich soll Arbeit sich lohnen. Was liegt dann also näher, als die Bezugsempfänger schön kurz zu halten, damit selbst Menschen mit einem Stundenlohn von € 3,63 jemandem auf die Kopfhaut spucken können? Nun für die FDP und ihre Grundhaltung kann es nur die Antwort geben, die ALG II Bezüge kurz zu halten, weil man ja die „Tarifautonomie” respektiert.
Klingt auch wieder gut, „Tarifautonomie”. Wie „autonom” fühlt sich ein Stundenlohn von 3-6 € wohl an? Wie „autonom” ist man wohl, wenn hinter einem 1000 Bewerber stehen, die bereit wären stillschweigend selbst für solche Minilöhne den eigenen Posten zu übernehmen? Wie „autonom” steht man wohl vor dem Sachbearbeiter bei der Abgabe des Antrags auf Lohnaufstockung?
Auch die zweite Hälfte des Wortes „Tarifvertrag” sollte nachdenklich stimmen. Ein Vertrag, der von so ungleich gewichtigen Partnern geschlossen wird, hat dieser überhaupt einen Wert? Ein Vertrag, der dem einen Partner beinahe nichts, dem anderen alles abverlangt, hat dieser noch den Namen verdient?
Gehen wir nochmal ein Stück zurück. Die derzeitige Diskussion dreht sich um die Differenz zwischen Transferleistungen und Lohnbezügen. Um den Unterschied möglichst hoch zu halten, könnte man also versuchen die Löhne zu erhöhen, oder besagte Leistungen niedrig zu halten. Schaut man sich das gesamte Gefüge an, das unserem „Sozialstaat” zugrunde liegt, erkennt man schnell welch Geistes Kind hier am Werke ist.
„Sozial ist was Arbeit schafft”. Dieser Satz treibt einem die Galle hoch, angesichts mancher Löhne, die in diesen „sozialen” Beschäftigungsverhältnissen gezahlt werden. Um diese Jobs dann sozialverträglich auszugestalten, bauen wir uns Konstrukts wie den „Kombilohn” und das „Aufstocken” und subventionieren damit Firmen wie „KIK” und Konsorten. Als Ausrede lassen wir uns die Globalisierung auf das Silbertablett kleben. Die Gefahr, dass Bäcker, Friseur, Gebäudeschutz oder Textildiscounter nach Rumänien abwandern ist wirklich nicht zu leugnen. Und damit diese Spitzenarbeitgeber auch weiter Angestellte finden, züchten wir ein Hartzmonster, um die oben erwähnte Unterschicht der Unterschicht, als Absturzmöglichkeit, für die Abgestürzten zu behalten. Das ist nicht nur perfide, das ist pervers.
Ich weiß nicht, ob ein Mindestlohn von x Euro, tatsächlich dieses Problem heilen würde, aber dieses Anreizsystem zum Lohndumping, sicherlich nicht. Vielmehr transportiert die derzeitige Debatte das Bild der angeblich so bequemen sozialen Hängematte, und zeichnet stereotype ALG II Empfänger, die sich darin „eingerichtet” haben. Der Faulenzer, der es sich im System behaglich gemacht hat und den lieben Gott ‚nen guten Mann sein lässt. Wie passt diese romantische Verklärung mit den Zahlen und Fakten zusammen. Warum lassen sich dann Stellen mit oben bezifferten Löhnen besetzen?
Die meisten Menschen wollen arbeiten, und nicht nur des Geldes wegen, sondern auch um ihrem Leben Sinn und Struktur zu geben. Eine gewisse „Autonomie” erreicht nur der, der wirklich von seinem Tagwerk leben kann, ohne auf das Wohlwollen eines Staates und seiner Behörden angewiesen zu sein. Natürlich finden sich stets auch negative Beispiele, und natürlich sollte der Arbeitnehmer auch am Geld spüren, dass er sein Leben durch Arbeit verbessern kann. Dass man aber das Leben der „Armen” verbessert, wenn man dafür sorgt das andere noch ärmer sind ist keine Lösung, allenfalls eine Beruhigungspille.
Peter Brandt
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Nur kurz fiel das Licht der Medien auf das unglaubliche Drama, das sich jüngst während einer Ferienfreizeit im niederländischen Ameland zugetragen hat. Eine neue „Qualität”, in einer Gewaltspirale, die wir nur häppchenweise zu lesen oder sehen bekommen, die uns aber scheinbar nicht aufhorchen sondern abstumpfen lässt.
An Berichte über gewalttätige Jugendliche, die bis hin zum Totschlag traurig die Schlagzeilen füllen, hat man sich beinahe schon gewöhnt. Amokläufe, „Killerspiele konsumierender Außenseiter”, sind leider auch keine Ausnahme mehr. Die Jugendlichen Insassen einer JVA, die einen Mitgefangenen bis zur Selbsttötung folterten, waren schließlich bereits Straftäter, also kam dieses Verbrechen doch nicht unerwartet. Auch der Stereotyp und die Ursachen sind in diesen Fällen schnell benannt, ob nun wahrhaftig oder nicht.
Was in Ameland geschah schien den Medien viel weniger Aufmerksamkeit wert zu sein, als pädophile oder sadistische Geistliche, dabei blieb mir bei dem Gedanken, eines meiner Kinder würde so etwas durchleiden müssen, der Atem weg. Nicht minder beschäftigte mich die Frage, ob meine Kinder eines Tages Täter in einer ähnlichen Weise werden könnten.
Die Täter, wie auch die Opfer waren 13 Jahre und älter. Allesamt waren mit ihrem Sportverein zu einem Urlaub nach Ameland gefahren. Die Kinder kamen aus allen Teilen der Gesellschaft, also darf man auch annehmen, dass viele der Täter auch „behütet” aufgewachsen sind. Wie kommt eine Gruppe von Jugendlichen auf den Gedanken, Gleichaltrige mit Gegenständen aller Art zu vergewaltigen und zu quälen? Im möchte die widerwärtigen Details nicht wiederholen, weil mich der Grad der Verrohung schon beim Lesen paralysiert hatte. Die Ursachen werden sicher schnell gefunden: Eltern, Lehrer, Computerspiele, Fernsehen und Handy. Nicht zu vergessen: Die Gesellschaft. Im Einzelfall wird man in dieser Liste schon fündig werden, sei es auch auf Biegen und Brechen, aber wem nützt das? Wird das helfen für die Zukunft vorzubauen?
Ich habe in meinem Leben manchen Horrorfilm gesehen, und auch manche viel zu jung. Ich erinner mich, dass ich einmal sogar den Raum verließ, weil ein damaliger Freund einen Film anschleppte, der mir selbst im zarten Alter von 13 zu brutal und widerwärtig erschien. Wie etliche andere haben wir uns auch heimlich einen Pornofilm angesehen, aber all dies hat zumindest bei mir und meinen Freunden eines nicht bewirkt: Empathieverlust!
Mag es daran gelegen haben, dass der Konsum nicht so regelmäßig geschah, oder die Medien mittlerweile noch härter und brutaler geworden sind? Möglich, aber ich denke der Hauptunterschied war, dass wir von einem sehr schlechten Gewissen geplagt wurden, weil wir vorher schon wussten, dass vieles was in derlei Medien gezeigt wird, falsch ist, Leid verursacht und wir uns mit den Opfern identifiziert haben, nicht mit den Tätern. Das lag zum einen an unserer Erziehung, zum anderen an unserem Umfeld, aber auch am Blickwinkel der Kamera, eben dieser Medien.
Der Ton ist härter geworden, der Täter „cool” und die Sühne ist längst nicht mehr die Konsequenz der Unmenschlichkeit im Zeitalter von Filmen wie „Hostel” und Konsorten. Gewaltpornographie im Horrorfilm und Gewalt wie Horror im Pornofilm. Und alles ohne Filter, über die Weiten des WWW für Jederkind zu sehen. Erwachsene die Begrifflichkeiten wie „Gang-Bang” oder „Fisting” ahnungslos gegenüberstehen, wie ein Betreuer aus Ameland freimütig zugegeben hatte.
Bei der Flut an Bezugsquellen kämpft man gegen Windmühlen, wenn man versucht den Zustrom auszutrocknen. Und ich hoffe, dass wir nicht an dieser schönen neuen Medienwelt mit unseren Kindern scheitern. Was können Erwachsene tun, besser können Erwachsene etwas tun? Eine Antwort fällt an dieser Stelle schwer. Ich glaube, es ist leichter eine Antwort auf die Finanzkrise zu geben, als auf die Frage nach einer „richtigen” Erziehung. Wenn ich aber nun auf diese Fragestellung eine Antwort geben müsste, würde ich wahrscheinlich, ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit, folgendes sagen:
Kinder brauchen Medienkompetenz. Sie müssen lernen Gut und Böse, richtig zu benennen. Und wie selbstverständlich das auch klingt: Ein Kind muss lernen Fiktion und Wirklichkeit zu trennen. Auch wenn Kinder bereits 10 Jahre und älter sind, ist ihnen nicht stets bewusst durch eine filmische Gaukelei unterhalten zu werden. Kinder nicht vor dem Fernseher „parken”, sondern gemeinsam schauen, gerade dann, wenn man sich nicht sicher ist, ob das Programm tatsächlich für den eigenen Spross geeignet ist. In den Schulen muss der PC viel stärker zum Einsatz kommen. In einer Welt, die immer schneller, bunter und „unterhaltsamer” wird, muss Schule gegenhalten. Mit Begeisterung lernt und lehrt es sich leichter.
Kinder sollten nicht unterschätzt werden. Kinder müssen auch an Krieg, Gewalt und Elend herangeführt werden. Übernehmen diese Aufgabe die neuen Medien, braucht man sich über mangelndes Mitgefühl nicht zu wundern.
So traurig das ist, aber Kinder brauchen auch Kontrolle. Nicht aus Misstrauen, sondern aus der Besorgtheit heraus. Es ist kein Fehler wissen zu wollen was über die Bildschirme huscht, wenn man nicht im Raum ist. Und Kinder verstehen oft, warum dieses oder jenes für sie ungeeignet ist, wenn man es ihnen auch erklärt, statt nur sanktioniert. Dabei sollte man selber über ausreichend Medienkompetenz verfügen. D.h., wenn Ihr Kind eine Spielkonsole hat, sollten Sie versuchen auf Augenhöhe mitreden zu können.
Natürlich gibt es auch Geräte, Software und Dienstleister, die einen gewissen Schutz versprechen, und zum Teil sogar halten. Gegen die gebrannte CD auf dem Schulhof hilft aber all dies nicht.
Das allerwichtigste aber ist, dass Ihre Kinder stets das Gefühl haben geliebt und respektiert zu werden, in diesem Punkt nämlich, sind Eltern wie Kinder in ihren Bedürfnissen gleich.
Peter Brandt
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Pünktlich zum Sommerloch fällt unseren Medien die Katastrophe bei der diesjährigen Love-Parade in Duisburg in den Schoß. Die ehemalige Bergbaustadt, seit der Stilllegung der deutschen Zechen nur noch zweifelhaft durch den Tatort und den durch Götz George verkörperten, hier Titel gebenden, Kommissar bekannt, wollte nach Anschein durch die Ausrichtung eines Großevents mal wieder positiv ins Gespräch kommen. Dass man über Duisburg spricht hat nun leider besser geklappt, als die Verantwortlichen in ihren kühnsten Träumen befürchtet haben dürften.
Eine traurige Bilanz, ziert das Resümee, der diesjährigen Parade, die sonst eher durch leicht bis nicht bekleidete Teilnehmer, Drogen und wild urinierende Horden von sich reden machte. 19 Tote und 500 Verletzte, dazu 100 Erklärungen, 1000 Entschuldigungen und 10000 Besserwisser.
Wie stets bei solchen Tragödien schnellen die Zahlen in die Höhe. Es seien 1.4 Millionen Gäste, statt der zugelassenen 250.000 dort gewesen, wobei „dort” nicht näher spezifiziert wird. In dem Tunnel, in dem sich das Unglück ereignete? Vor der Bühne? In der Stadt? Die Beschränkung von 250.000 gilt im Übrigen für den Festplatz hinter dem besagten Tunnel. Wie viele Besucher insgesamt bei der Veranstaltung waren spielt erst insofern eine Rolle, als sich auf dem Platz mehr als die 250.000 Personen befunden hätten.
Ich möchte aber gar nicht die Veranstalter und die Stadt in Schutz nehmen, denn dass sich ein solches Nadelöhr, wie ein Tunnel, im Falle einer Panik zur Todesfalle entwickeln kann, leuchtet selbst Menschen, die mit Panikforschung und Schwarmtheorien sonst wenig zu tun haben ein. Dass der Tunnel der einzige offene Weg zum und weg vom Gelände war, dürfte die Crux an der Sache gewesen sein.
Wie auf der Autobahn reicht ein Stoppen am Beginn der Karawane und zieht sich dann Reihe für Reihe nach hinten durch, bis jeder einmal gestanden ist. Drücken dann wie in diesem Fall von hinten wie von vorne Menschenmassen gegeneinander werden die Personen in der Mitte quasi zerrieben. Die Panik erledigt den Rest.
Soweit lässt sich den Medien folgen, was aber dann generalstabsmäßig abläuft spottet jeder Beschreibung. Auf der einen Seite kommen die Großaufnahmen der Betroffenen und Angehörigen, dann auf der anderen die, die alles vorher gewusst haben. Eigentlich finden sich nachher nur Leute, die alles gewusst haben. Und nicht nur gewusst, sondern auch gesagt haben. Man lädt Experten ein, die auch alles gewusst haben, oder stellt die Fragen so um, dass es zumindest nachher so klingt. Und wenn ein Experte tatsächlich sachlich, aber substantiell, etwas zum Besten gibt, wir der der nächste Filmbericht die Spekulationen schon am köcheln halten.
Dann beginnt das große Abschreiben und die Formulierung „laut Presseberichten” fällt immer öfter, aber auch immer öfter ungehört.
Ich kann und werde diesen Fall nicht beurteilen, aber der Ablauf ist stets derselbe. Angehörigen bleibt kaum die Zeit ihre Verluste zu betrauern. Noch ehe die Grabreden geschrieben wurden, füllen Rücktrittsforderungen und Klageschriften die Nachrichtenticker. Ein Bauernopfer macht noch keinen Lazarus, liebe Medien. Es werden lieber ein paar Konsequenzen als eine Lehre gezogen, denn noch nie wurde aus Nachrichten so schnell Geschichte und nur für die Hinterbliebenen bleibt ausgerechnet die Erinnerung an den Tod lebendig.
Natürlich müssen die Sachverhalte geprüft werden, natürlich müssen Versäumnisse, die solches Elend mit sich bringen zu Konsequenzen führen, aber nicht durch einen Medienmob, der schon lyncht, bevor die Fakten überhaupt feststehen. Selbst hier sollte eine Unschuldsvermutung gelten.
Stellt sich am Ende heraus, dass tatsächlich Geld und Geltungsdrang über Vernunft und guten Rat gesiegt haben dürfen die Medien gerne richten, was die Justiz noch übrig ließ.
Peter Brandt
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Der oft besungenen MS Deutschland geht die Mannschaft aus. Kaum ist der Rücktritt oder Rückzug des einen Politikers aus den Medien, folgt gleich die nächste Überraschung. Vorbei scheint die Zeit zu sein, als man den Eindruck gewinnen konnte, dass sich der gemeine Politiker nur mit der Brechstange von seinem Sitz trennen lässt. Macht opponieren überhaupt noch Spaß, wenn der politische Gegner freiwillig das Weite sucht?
Verlassen die Ratten das sinkende Schiff, oder sind die Offiziere des Kapitäns überdrüssig geworden? Vielleicht, wenn auch schwer vorstellbar, stimmt bei dem einen oder anderen tatsächlich die Begründung, neben der Politik noch ein anderes Leben zu haben.
Wie dem auch sei, Frau Kapitän Merkel, scheint nicht über den Kohl‘schen Superklebereffekt zu verfügen. Dieser schien wider seinem strengen Regiments ein gerüttelt Maß an Loyalität bei seiner Mannschaft zu genießen.
Schäuble glaube ich war es, der vor Jahren einmal sagte, dass der Vorteil der Union sei, keine Vision von einer Gesellschaft zu besitzen, anders als die SPD. Ob Wolfgang Schäuble diesen Satz heute noch einmal so sagen würde? Nicht, dass er nicht der Wahrheit entspräche, aber eben dieser Mangel an Visionen ist heute die Crux der Union. Verwaltung des Mangels, oder Mangel an Verwaltung, auf jeden Fall zu wenig Mut zur Gestaltung.
Jetzt kommen die „Lümmel von der 2.ten Bank” zum Zuge. Niemand behauptet, dass diese eine schlechte Arbeit abliefern müssten, aber durchgebissen an die Spitze haben sie sich nicht. Wundert es dann, wenn die Journaillen des Landes selbst den vormals verhassten Oettingers und Kochs hinterher trauern? Selbst die Rumänenschelte von Jürgen Rüttgers, die Rücktrittsforderungen hageln ließ, interessiert angesichts des freiwilligen Ausscheidens aus der Tagespolitik nicht mehr.
Ist dies jetzt echt ein Wandel in der Zeit? Ist das, wie im Heute Journal vermutet, eine neue Politikergeneration? Müssen wir unseren Staatslenkern jetzt Blei in die Boxershorts legen, damit sich das Parlament nicht fluchtartig leert?
Nein keine Angst, wir müssen den Bundestag nicht mit 1-Euro-Jobbern füllen. Die Diversität der Entscheidungem war doch recht groß, wenn man die einzige Gemeinsamkeit, nämlich das Ausscheiden aus der deutschen Politik einmal raus rechnet.
Oettinger, wurde weggelobt nach Brüssel, um Deutschland dort in seiner 2ten Muttersprache „Englisch” würdig zu vertreten. Dies ist keine politische Ausnahme, sondern eine Regel.
Rüttgers hat seine Wahlschlappe nicht verkraftet, und nach dem Ministerpräsidentenamt wahrscheinlich keine Lust auf dem Oppositionsbänkchen Platz zu nehmen.
Köhler war zu dünnhäutig, vielleicht auch verlassen und allein. Diesen Rücktritt darf Berlin gerne als seinen „Erfolg” verbuchen.
Wulff, na gut, der ist jetzt immerhin Bundespräsident, das in die Rückzüge einzureihen, finde ich sehr weit gegriffen.
Bei Althaus sticht das Kochsymptom, erst fordern wegen des dubiosen Vergleichs vor Gericht nach seinem Skiunfall viele seinen Rücktritt und wenn er dann kommt…
Ole van Beust und Koch hingegen haben hingeworfen, könnte man sagen, wobei das Pressecho bei Koch doch sehr verwundert, war der Hardliner vormals alles andere als beliebt. Bei Von Beust sieht das anders aus. Hier geht jemand, der seit der unsäglichen Schill Zeit, eine gute Figur abgegeben hat. Vielleicht wurde ihm sein Rücktritt ja auch nah gelegt, nachdem er vor wenigen Tagen Merkels Führungsstil zu kritisieren wagte.
Es bleibt ein fahler Nachgeschmack, denn wie oben bereits erwähnt, fehlt es Merkel an „Bindungsenergie”. Zu wenig Team, zu wenig Loyalität und vielleicht auch zu wenig Gestaltungsspielräume jagen zwar vielleicht nicht viele aus dem Amt, aber die Frage, ob sich ein solches Amt zu halten lohnt, werden sich vielleicht noch andere stellen.
Peter Brandt
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Welch ein Raunen ging durch den Blätterwald, als das Bundesverfassungsgericht jüngst sein Urteil zur Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, verkündet hatte. Das bislang strenge Embryonenschutzgesetz wurde durch dieses Urteil stark in seiner Wirkung eingeschränkt und die Moralapostel ließen auch nicht lange auf sich warten.
Wie so oft schert sich bei der Analyse kaum jemand um die Fakten, deshalb seien diese hier noch einmal kurz dargestellt.
Was war?
Bis zu dem Karlsruher Urteil, durften Embryonen, die durch eine „In-Vitro-Fertilisation” entstanden sind vor der Re-Implementierung in die Gebärmutter nicht auf genetische Defekte hin untersucht werden, weil der Umkehrschluss bedeute, betroffene Embryonen zu vernichten. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Embryonen jemals geboren werden, denn nach der Implementierung und z.B. einer Fruchtwasseruntersuchung dürfen diese nun schon mehrere Monate gereiften Föten sehr wohl abgetrieben werden. Viele wurden auch als Totgeburt zur Welt gebracht. Wer hier noch von Schutz des ungeborenen Lebens, oder gar Euthanasie spricht saß wohl zu lange in der Sonne.
Was ist?
Nach dem Urteil nun, dürfen Embryonen vor der Einpflanzung auf genetische Defekte wie z.B. Mukoviszidose, Trisomie 21 und ähnliches hin untersucht und ggf. verworfen werden. Ziel ist es der werdenden Mutter einen gesunden Embryonen einzusetzen. Eine Praxis, die in vielen Ländern der Welt bereits seit Jahren mit Erfolg angewendet wird.
Was wird?
Kommt jetzt ein Baby-Baukasten-System auf uns zu? Werden wir Anzeigen von McFoetus finden, „Mit nur 10 Klicks zum Wunschkind”? Wohl kaum!
Dies ist nicht die Route zum Designerbaby, wer dies will oder wollte, wird nach wie vor den Rahmen der Legalität verlassen müssen, das Urteil spielt für diese Klientel eher keine Rolle.
Ich sehe auch kein ethisches Problem, denn entscheidet sich eine Gesellschaft kinderlosen, nicht oder wenig fertilen Paaren durch Künstliche Befruchtung auf die Sprünge zu helfen, ist dieser Schritt simpel konsequent. Ist ein Paar durch das Martyrium der Wartezimmer, Untersuchungen und Diagnosen geschleift worden, muss man diesem Paar dann nicht ein gesundes Kind gönnen?
Das Gefasel von „der Natur ins Handwerk fuschen” dürfen Kritiker ebenfalls in der Mottenkiste verstauen. Die Natur ist nicht die liebe grüne Mami, die sich von der lieben Tante Sonne wärmen lässt. In der Natur sterben Geschöpfe mit schweren Gendefekten im Zuge der natürlichen Auslese. Die Natur kennt weder Eiserne Lunge noch Magensonde, selbst Prothesen und Rollstühle wachsen nicht an Bäumen und Büschen.
Nicht dass Sie mich missverstehen, ich gönne jedem Betroffenen die bestmögliche Behandlung und Pflege, und ein ebenso langes Leben wie er sich selber wünscht, aber den Kreuzweg ein schwer behindertes Kind aufzuziehen sollten sich Gegner der PID erst einmal selbst vor Augen führen, bevor sie dies leichtfertig anderen aufzubürden bereit sind.Bei der Beurteilung sollten Sie ebenfalls bedenken, dass die PID an Zellhaufen von nicht mal einem Dutzend Zellen vorgenommen wird. Embryonen dieser Art werden laufend vom weiblichen Körper verworfen, ohne dass dies als unterbrochene Schwangerschaft überhaupt wahrgenommen wird. Diese Kontrollinstanz fehlt bei der künstlichen Befruchtung, man kann auch mutmaßen, dass eben diese Paare, wegen schlechten Eizellen / Spermien keine natürliche Zeugung zustande bringen konnten, wobei die tatsächlichen Ursachen sicherlich vielschichtiger sind.
Ich habe selber vier Kinder, und bin dankbar, dass diese alle gesund und munter sind, und wer sind wir, dass wir Mitmenschen dieses Glück streitbar machen wollen.
Peter Brandt
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Inspiriert durch einen Kommentar auf meinen letztwöchigen Artikel, sehe ich mich in der Pflicht dieses Thema noch einmal aufzugreifen. Der Kommentar besagte, dass die Fortschritte sich dem Kern des Lebens zu nähern, mehr Gefahren als Nutzen bergen würden, wenn mir diese Zusammenfassung so gestattet sein mag.
Gleich vorweg, ich halte nichts von Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen, ich bin auch der Meinung, dass man eher von der Natur lernen, als sie beherrschen sollte. Aber gilt dies für sämtliche Fortschritte im Bereich der Genetik?
Die bei mit Halbwissen angereicherten Konsumenten werden gern mit Schlagwörtern um den gesunden Menschenverstand gebracht. Dies sorgte schon in der Vergangenheit für sprachliche Schmanckerl wie “Tomaten - genfrei”, in Auslagen von Supermärkten. Rufen wir uns doch kurz ins Gedächtnis, was Gene tatsächlich sind. Erbgut, nicht mehr nicht weniger. Gentechnik ist also die Manipulation von Erbgut, geschieht dies ohne Absicht kommt der Begriff Mutation ins Spiel, geschieht es dagegen durch manuelle Auslese oder Kreuzung wird daraus Veredlung.
In beiden von Menschen gesteuerten Verfahren war das Ergebnis häufig zweifelhaft. Schauen Sie sich Katzen oder Hunde an, denen man fast die ganze Nase wegveredelt hat. Wissen Sie noch, dass ALLE Hunde ursprünglich vom Wolf abstammen? In der Botanik hingegen hat die Kreuzung einige der widerstandsfähigsten Sorten hervorgebracht. Dies alles ist “Genetik”, obwohl schon seit Hunderten von Jahren so betrieben und nicht mit dem Kampfbegriff der “Gentechnik” belegt.
Ich finde biologisch erzeugte Produkte klasse, wenn auch nicht, um dem Schnitter ein paar Tage abzuluchsen, sondern eher weil sie helfen die Balance der Natur zu halten, die Böden schonen und für die Tiere eine Art Charta der Lebenswürdigkeit definieren. Ich hege ebenfalls keinen Bedarf an Pflanzen, die via Biobaukasten zusammengestückelt wurden, weil ich auch die Befürchtung teile, dass dir Folgen für die gesamte Nahrungskette nicht zu kalkulieren ist, und es möglicherweise zu einem Schmetterlingseffekt kommt.
Dies war aber letzte Woche nicht das Thema, sondern es ging um zwei bahnbrechende Fortschritte in der Medizin, bzw. Biologie.
Zum einen ist es Forschern gelungen die Ausbeute bei der Rückführung adulter Stammzellen, in den Zustand sämtliche Zellen bilden zu können, wie es embryonale Stammzellen können, zu erhöhen. Dies eröffnet vielleicht irgendwann die Chance Nervenzellen für Querschnittgelähmte, Organe, Haut für schwer Kranke in der Retorte zu züchten. Und das bei voller Gewebeverträglichkeit, und ohne das dafür ein Embryo in seiner Frühform zerlegt werden oder ein Mitmensch einen frühen Tod sterben muß. Dass Menschen stets in der Lage waren aus etwas Wundervollem eine Waffe oder Katastrophe zu produzieren ist sicher ebenfalls war, aber dies ist unsere Natur. Hätte der Mensch Angst vor dem Steppenbrand gehabt, wäre es in den Höhlen kalt geblieben.
Das zweite Beispiel bezog sich auf ein genetisch künstlich bestücktes Bakterium. Dieses wird eines Tages vielleicht Brennstoffe oder Medikamente produzieren. Dabei gilt zu bedenken, dass das ausgeschiedene Produkt nicht mutagen oder Träger der veränderten DNA ist. Wer schwere Fälle von Diabetes kennt, der weiß welcher Segen ein kostengünstiges, reines und hochverfügbares Humaninsulin sein würde. Andere Anwendungen mögen sie sich an dieser Stelle selbst zusammenträumen.
Wir sind dauernd Strahlen bis hin zur harten Gamma-Strahlung ausgesetzt, die mutagen sein können, wir atmen Abgase, trinken Schwermetalle und nutzen Deo und Putzmittel mit Nano-Partikeln usw. Von Pflanzenschutzmitteln und Hormonen in der Tierzucht ganz zu schweigen. Kurzum wir leben in einem allgemeinen Smog der unsere DNA attackiert. Die Gentechnik wird erst zur Gefahr, wenn Mensch versucht die Welt zu verbessern oder zu beherrschen, denn die Natur schafft nicht, was nicht sein darf. In jedem Reagenzglas aber die Essenz des Bösen, angerührt vom Leibhaftigen, zu vermuten, ist aber stark übertrieben.
Peter Brandt
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Ahnte Mary Shelley, dass Ihr Homunculus und Frankenstein selbst über 100 Jahre später noch für etliche Allegorien herhalten muss? Wie dem auch sei, die Herren ( und wahrscheinlich auch Damen), die an diesen hier vorgestellten Forschungen beteiligt sind, sind weder wahnsinnig noch gottlos.
Fernab der Fußball WM und des Krisen- bzw. Gipfeltheaters haben zwei Forscherteams zwei Entwicklungen zustande gebracht, die in mittelbarer Zukunft wohl deutlich mehr Einfluss auf unser Dasein nehmen werden, als die Politik, aber auch Wirtschaft zu leisten im Stande wären. Diese beiden Ergebnisse sind exemplarisch für den wissenschaftlichen Fortschritt von dem sich große Teile unserer Mitmenschen und leider auch ein Gros der Medien abgekoppelt haben:
Beispiel 1: Künstliches Bakterium
Das J. Craig Venter Institute hat ein Bakterium mit einem synthetischen Erbgut bestückt. Die Forscher erstellten zuerst kurze DNA Abschnitte und ließen diese durch die Reparaturmechanismen von Hefezellen zu einem langen Strang zusammenfügen. Dieses Muster wurde dann in eine leere Zelle eingefügt. Schließlich spendierte man dem Zögling noch einen Marker, um ihn von seinen natürlichen Freunden unterscheiden zu können. Das Ergebnis, ein synthetisches Mycoplasma mycoides, war sogar in der Lage sich zu reproduzieren. Mit dieser Methode wird es naher Zukunft vielleicht möglich sein Impfstoffe oder Kraftstoffe herzustellen. Die Hoffnung, dass insbesondere Impfstoffe nicht nur hochverfügbar, sondern auch preiswert würden, zeichnet dieses Verfahren als Durchbruch aus.
Beispiel 2: Stammzellengewinnung
Sie alle haben sicherlich die Diskussionen über embryonale Stammzellen im Gedächtnis. Die Forschung an diesen Zellen birgt den Nachteil, dass sie nicht nur ethisch umstritten, sondern auch nicht praxistauglich ist. Zwar verfügt auch der erwachsene Mensch über Stammzellen, diese adulten Stammzellen haben aber nicht mehr die Möglichkeit beliebiges Gewebe zu reproduzieren. Die Idee war also adulte Zellen zu „resetten”, auf Start zurückzusetzen, so dass sie eben diese Fertigkeit wiedererlangen.
Dies gelang japanischen Forschern 2006. Allerdings schaffte es nur 1 von 100.000 Zellen den Rückweg anzutreten. Eine Gruppe um Sheng Ding vom Scripps Research Institute in La Jolla hat es kürzlich geschafft, durch pures „Trial and error”, also zu deutsch „ausprobieren” einen Chemiecocktail zu brauen, der diese Quote auf 2%, also um den Faktor 2000, verbessert.
Nun ist Nishant Singhal und seinen Kollegen in der Gruppe von Hans Schöler am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster gelungen diese Quote noch einmal zu steigern, nämlich auf 4.5%. Dies gelingt durch Eiweißstoffe, die zum Chromatin-Remodeling-Komplex gehören und für die Aufschlüsselung von immanenter Bedeutung sind.
Natürlich könnte man diese Liste fortsetzen, und Sie werden an dieser Stelle auch bestimmt wieder einmal etwas von derartigen Entwicklungen lesen. Ich wünschte mir das ZDF würde Prof. H. Lesch, der WDR R. Yogeshwar, usw. auch mal in die Tiefe gehen lassen würden. Unser „Bildungsfernsehen” hat den Anspruch stets alle mitnehmen zu wollen, d.h. es herrscht ein konstantes Erstklässlerniveau, und das in einer Epoche, die enger spezialisiert ist denn je.
Bleiben Sie also besser selber neugierig, machen Sie sich auf die Suche, nach Dingen, die Sie interessieren. In den Nachrichten erfahren Sie eher, dass ein Baum während eines Sturms einen PKW zerbeult hat, als dass es Leben auf Europa gibt…
Peter Brandt
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