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Archiv für die ‘Thema der Woche’ Kategorie

Schöne neue Welt

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Ein Roboter als Hochzeitspfarrer, endlich, mögen die einen denken, besonders angesichts der jüngsten Skandale um katholische Geistliche, andere mögen das für verrückt halten und als japanische Skurrilität abtun. Skurril, so heißt der Kern des Pudels, er könnte aber auch genauso gut monströs oder absurd heißen. Der Irrsinn des technisch Machbaren ist nicht nur ein Kind Japans. Sprechende Kühlschränke, Videograbsteine, Internetvorleser in Hasenform und Navigationssysteme mit Star Wars Stimmen (Siehe Video am Ende des Beitrags) wären weitere Beispiele.

Zugegeben sind diese Spielereien allesamt harmloser Natur, aber der Hang des Menschen, Aufgaben an Maschinen zu delegieren, zeigt sich nicht zuletzt in der Technik, durch die wir uns unseren Alltag diktieren lassen. Zukunftsvisionen in Filmen wie Disney’s Wall-E, War Games oder Matrix, oder Büchern wie 1984, Schöne neue Welt oder Lem’s Futurologischem Kongress, kommen einem da unweigerlich in den Sinn.
In der zeitgenössischen Musik, ersetzen Sequenzer Studiomusiker und Software wie Autotune begradigen unliebsame Fehler in Audioaufnahmen. Programme spucken Gedichte im Goethe Stil aus und Roboter malen Bilder. Am Ende steht dann ein oft nicht vom Menschen unterscheidbares Werk, denn Seele und Gefühl sind keine objektiven Parameter. In der Durchschnittsküche finden sich vorgekochte, chemisch aufgepeppte Convenience Produkte, die uns immer mehr von tatsächlichen Aromen und auch den Ursprüngen der Nahrung entfremden. Die Liste der lebensvereinfachenden Maßnahmen ließe sich beliebig fortsetzen.

Ich bin ein durchweg Technik affiner Mensch, aber bei aller Liebe zur Technik, die auch in ihrer Verspieltheit sein darf, sollten wir nicht vergessen, welches Ansinnen die frühen Naturwissenschaftler, Philosophen und Aufklärer hatten. Zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, nach den Gesetzen der Menschlichen Vernunft leben, und sich zu entwickeln und zu verwirklichen, soweit unsere Lebensumstände dies ermöglichen.

Die Technik des letzen Jahrhunderts hat uns, den Bewohnern der Industriestaaten, etwas geschenkt, das für uns so selbstverständlich geworden ist, dass wir weder Wertschätzung dafür hegen noch Umsicht im Verbrauch daran üben: Zeit.
Stellen Sie sich doch einmal vor täglich 16 Stunden Feldarbeit zu leisten und das mit einer Lebenserwartung von vielleicht 40-50 Jahren. Dieses Kleinod, Zeit, das uns durch den gesellschaftlichen und technischen Fortschritt geschenkt wurde, war nie in solcher Menge verfügbar. Was fangen wir damit an? Ganz ohne Graue Herren, wie in Michael Endes Momo, rieselt uns beständig eben dieses Kleinod aus der Tasche. Wir lassen uns unterhalten, statt uns zu unteralten, lassen uns fahren, statt uns zu bewegen und überlassen Dingen immer mehr Verantwortung unseres persönlichen Lebens. Und während sich Kinder noch über das kleinste Lebewesen wundern können, muss es für viele Erwachsene ein Bits und Byte Saurier aus Hollywood sein.

Der Mensch sollte sich, meiner Meinung nach, zwar die Erde besser nicht Untertan machen, aber sie wachen Auges staunend erfahren und seine Kompetenzen als Individuum nicht einfach verschenken.

Beim Schreiben dieses Artikels bin ich auf folgende Werbung gestoßen, und da ich mich dabei köstlich amüsiert habe, möchte ich diese Ihnen auch nicht vorenthalten.

eingebunden mit Embedded Video

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 18. Mai 2010 / 11:54) | 1 Kommentar | Permalink

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Braucht Rüttgers mehr Kraft?

250410BER649Das Echo von Prof. Dr. Andreas Pinkwarts Ohrfeigenrede ist noch nicht verklungen, da setzt sich die Koalition in Berlin endlich mal in ein Boot und rudert von den Steuerversprechen der letzten Monate zurück. Selbst große Teile der FDP scheinen in der Realität angekommen zu sein und nicken zähneknirschend zu der Absage der ehemaligen Zusage. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Statt eines “einfacheren, niedrigeren und gerechteren Steuersystem”, wird’s jetzt wohl erst mal nur einfacher. Gut so.

Was hat uns die Wahl in NRW noch beschert? Die SPD triumphiert über ein Wahlergebnis, dessen Johannes Rau in die Verbannung gegangen wäre, Rüttgers tritt vom Rücktritt zurück, weil er dank 6000 Stimmen Mehrheit doch der arithmetische Wahlsieger ist und die FDP hat eigentlich alles richtig gemacht, lediglich schlecht verkauft. Einzig Grüne und Linke feiern einen tatsächlichen Wahlerfolg. Die Grünen haben die Aufgabe des “Züngleins an der Waage” an die Linke weitergegeben, nur war die Waage früher nicht so frostig, dass das “Zünglein” festzukleben drohte.

Wie einst bei Schröder und Stäuber fällt mir der alte Spruch “Mehrheit ist Mehrheit” ein. Demnach “dürfte” Rüttgers, aber mit wem, fragt sich das kluge Gretchen. FDP allein, reicht nicht, Grün alleine ebenso wenig, Jamaika, wie im Saarland, ist angesichts der derzeitigen Spannung zwischen Grün und Gelb nicht zu erwarten, außerdem könnte das den Grünen im Bundesrat, wenn es zum Beispiel um den Atomausstieg geht, die Suppe versalzen.

An dem Punkt kommt dann Hannelore Kraft ins Spiel. Für Grün und Rot alleine reicht es zwar auch nicht, Ampel ist aus ähnlichen Gründen wie Jamaika unwahrscheinlich, aber man hat ja noch ein Ass im Ärmel. Die, im Balkendiagramm so freundlich auftauchende Pinke, nein Linke. Die Linkspartei in NRW ist zwar ein desolater Haufen, zum Teil verstandsabstinenter Querulanten, aber mit fast 6% im Landtag. Die SPD hat auch nicht wie in Hessen den Fehler gemacht eine Koalition kategorisch auszuschließen, deshalb kann man nun getrost mit Frau Kraft als designierte Ministerpräsidentin in die Verhandlungen ziehen. Es wird sich zeigen ob Union und FDP, die als “Extremisten” verunglimpften Linken durch eine Absage an Hannelore Kraft tatsächlich in die Regierung in NRW hieven wollen.

Am Ende bleibt es, ähnlich wie bei den zurückliegenden “Richtungswahlen”, ein Pyrrhussieg für beinahe alle Parteien, und ein Wahlergebnis, das trotz “Richtungswahl” keine Richtung zeigt. Denn im Ergebnis zeigt sich, allen Interpretationen zum Trotz, die traurige Wahrheit, unsere Volksparteien sind so mittig geworden, dass es nur noch um politisches Schaulaufen geht.

Für die Finanzwelt tut sich eine neue Wettgelegenheit auf: Wer regiert in Zukunft NRW? Was Konrad Andenauer einst über die SPD sagt, lässt sich mittlerweile fast auf alle Kräfte ausdehnen: “Dat sin’ aal fein Lügg, aber se könne nich’ mit annerleuts Jeld umjehen.” Dehalb spielt dies in diesen Kreisen wohl keine Rolle mehr.

Ihnen und den Wahlgewinnern alles Gute
Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 11. Mai 2010 / 14:16) | Keine Kommentare | Permalink

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Goldfund an den Küsten Amerikas

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Leider ist das Gold in diesem Fall schwarz, und der häufig damit verbundene Rausch will sich nicht recht einstellen.
Ihrer Aufmerksamkeit ist es sicher nicht entgangen, dass es am 20.April 2010 im Golf von Mexico, auf der Bohrplattform „Deepwater-Horizon”, nach einer Bohrung, zu einer folgenschweren Explosion gekommen war. In dessen Folge 11 Menschen starben und benannte Plattform im Meer versank. Schlimmer noch, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, haben sich mehrere Lecke aufgetan, aus denen seit dem Unfall munter Öl heraussprudelt. Die Ursache für die Katastrophe ist noch nicht geklärt
Gestern hat der treibende Ölteppich, trotz aller Bemühungen die Küsten Amerikas erreicht. Weder Abfackeln, Zersetzen noch das „Einzäunen” und Absaugen vermochten die Katastrophe zu verhindern.

Wen wundert’s, angesichts der schier unfassbaren Menge von 800.000 Litern Öl, die seit dem Unglück ungehindert ins Meer fließen. Die größten Supertanker der Welt können über diese Menge zwar nur müde lächeln, deren Fassungsvermögen liegt bei 500.000.000 Litern und mehr, aber das Besondere an der jetzigen Situation ist, dass das Öl in einer Tiefe von 1500m mit hohem Druck aus einem Bohrloch schießt. Zwar verfügte das Bohrloch über ein Schutzventil, welches ein solches Auslaufen im Normalfall verhindern sollte, aber weder der Automatismus, noch eingesetzte Tauchroboter vermochten dieses zu aktivieren. Eine extra Schutzvorrichtung, wie sie z.B. Brasilien vorschreibt, die das ferngeregelte Schließen des Bohrlochs ermöglicht, hatte BP, Betreiber der Bohrinsel, nicht eingebaut. Die Kosten von 500.000$ für eine solche Vorkehrung wollte man lieber sparen, und gesetzlich schreibt Amerika, diese bisher auch nicht vor.

Die laxen Sicherheitsbestimmungen sind so auch in diesem Fall, wie auch im Fall so mancher Havarie in der Vergangenheit, die wahre Ursache der Katastrophe. Das Stichwort doppelwandige Tanker springt einem unweigerlich in den Sinn. Man möchte annehmen, dass Katastrophen, wie die Havarie der „Exxon Valdez”, bei der 40.000 Tonnen Rohöl das Meer verschmutzen, die Ölkonzerne sensibilisiert hätten. Aber scheinbar muss an die Stelle des Verstands auch diesmal eine internationale Regulierung treten. So dürfen z.B. Tanker ohne doppelte Wand und über 5000tdw seit 1996 nicht mehr gebaut, und ab 2015 nicht mehr betrieben werden.

BP, gab nun gestern, pünktlich zum Eintreffen des Öls an der Küste bekannt, dass man für die Schäden aufkommen werde. Allerdings ließ man sich ein Hintertürchen offen. Die Schäden müssen belegbar und berechenbar sein. Was kostet also der jüngst mit abgefackelte Delfin, oder ein Seevogel der beim Putzen seines Gefieders verendet? Dringt das Öl ins Mississippi-Delta ein, gerät eines der artenreichsten Ökosysteme in Gefahr. Wie berechnet man diese Folgen?

Rechnen Sie mal mit: Die ersten zwei Wochen seit dem Unglück sind verstrichen. D.h. 14 Tage lang sprudelten 800.000 Liter Öl ungebremst ins Meer.

  • 14*800.000l = 11.200.000l
  • Es gilt die Annahme, dass ein Liter Öl eine Million Liter Wasser verschmutzt, insbesondere weil der dünne Film an der Oberfläche die Sauerstoffzufuhr abschneidet.
  • 11200000l*1000.000l = 11.200.000.000.000l
  • Der Bodensee hat ein Volumen von 48 km³ = 48.000.000.000.000l

Dies nur, um Ihnen das bereits jetzige Ausmaß einmal zu verdeutlichen.

Die Kosten, die auf BP zukommen, werden in die Milliarden gehen, dabei hätte 1 Milliarde bereits ausgereicht um 2000 Bohrinseln mir der oben angesprochenen zusätzlichen Sicherung auszustatten. Von dem Leid, dass wir wieder einmal der Natur und den Tieren zumuten abgesehen.
Die Technik läuft immer mehr der Vernunft davon. Mit Schrecken las ich, dass selbst Bohrungen in 12km Tiefe, also im Mariengraben, der tiefsten Stelle in den Ozeanen, möglich seien. Man möchte in Fatalismus verfallen, wenn man sich überlegt, dass Konzerne weltweit, jeder Branche, wider besseres Wissen, dem Profit zuliebe am Umweltschutz sparen. In den Kosten für eine Bohrinsel, fallen 500.000$ kaum ins Gewicht, diese Tatsache dürfte vom Primaner bis zu den Spitzen von Regierung und Unternehmen jeder unschwer erkennen, aber stets müssen die Verantwortlichen erst durch Katastrophen wie diese wachgerüttelt werden.

Wir werden den Tag wohl nicht mehr erleben, an dem die Entscheidungsträger beginnen diesen Planeten als ihre und unsere Heimat zu behandeln. Und es ist ein schwacher Trost, dass sie auf demselben Ast wie wir sitzen, solange sie weiter munter daran sägen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 4. Mai 2010 / 08:31) | 1 Kommentar | Permalink

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Moussaka aus Äpfeln, Birnen und faulen Eiern

greekPanik macht sich in der Eurozone breit, ist doch eines ihrer Schäfchen aus dem Trockenen gelaufen, und stürzt nun geradewegs auf einen Abgrund zu. Die anderen Schafe überlegen nun, ob man einen Steg über den Abgrund legen, das verirrte Schäfchen aus dem Stall werfen oder sein Fell schnell verkaufen soll.

Sie werden sicher die munteren Diskussionen über Griechenland mitbekommen haben, und vielleicht auch die bahnbrechenden Lösungsvorschläge. Ein Vorschlag, der mich besonders erheiterte war, dass Griechenland doch unbewohnte Inseln verpfänden sollte. Wenn da nicht die Hoffnung mitschwingt sich irgendwann des Ostens unserer Republik zu entledigen, der auch an manchen Orten bereits nahezu entvölkert ist.

Aber im Ernst. Was hier und dort durch die Gazetten geistert ist nur noch mit Humor zu ertragen. Griechenland sollte aus der EU oder mindestens aus der Währungsunion geworfen werden, oder nach dem Staatsbankrott umschulden. Alles nach dem Motto: „Lieber Gott, lass es nur das Geld der Anderen kosten”.

So war auch direkt aus Partei der kleinen Leute (FDP), Herr Pinkwart zu vernehmen. Dieser poltere, dass es eine Ohrfeige für die Deutschen sei, wenn man auf er einen Seite Geld für Griechenland locker mache, auf der anderen Seite aber kein Geld für die Steuersenkungen erübrigen könne.
Ja, ich weiß, es ist Wahlkampf in NRW und da läuft das Politikerhirn gern heiß und Amok. Da in unserem Land aber fast immer irgendwo Wahlkampf ist, tröstet diese Erkenntnis wenig.

Ein paar Hinweise für Herrn Pinkwart, und die anderen ungelernten Kräfte am Hof (Politiker ist kein Lehrberuf). Die Hilfen für Griechenland sollen nicht vom Staat einfach überwiesen werden, sondern über die Kreditanstalt für Wiederaufbau(KFW) zu einem Zins von 5% als Darlehen gewährt werden. Die Hilfen sollen über die EU und den Internationalen Währungsfond (IWF) koordiniert werden, unter Auflagen des IWF, der sich in der Vergangenheit als durchaus kompetenter Partner in solchen Fragen erwiesen hat. Bisher hat Griechenland alle Kredite bedient, und ohne die Schönfärberei der eigenen Finanzsituation durch den griechischen Staat gutheißen zu wollen, das eigentliche Problem der Griechen aktuell ist das geänderte Zinsniveau.

Überhaupt ist das Aufplustern gegenüber den ach so „verlogenen” Griechen, reichlich bigott. Wessen Regierung hat gerade nochmal über 100 Milliarden frisch gemachter Schulden als Sondervermögen deklariert? Sie ahnen es bestimmt, wenn Sie es sowieso nicht bereits wussten.
Deutschland ist der Hauptprofiteur des Europäischen Binnenmarkts und der Währungsunion und die eigentliche Crux der jetzigen Misere ist nicht der griechische Staat. Die Väter der Währungsunion waren so stolz auf ihr neugeborenes Euro-Kindlein, und soll voller Vertrauen auf die Maastrichter Verträge, dass sie vergessen haben oder wollten, dass der Kit einer Währung, eine gemeinsame Finanzpolitik ist.

Der Euro hat quer durch die Eurozone eine andere Kaufkraft, ist mit unterschiedlichen Verbrauchssteuern belastet und wird mit unterschiedlichen Lohn- und Unternehmenssteuern erwirtschaftet. Anders ausgedrückt: Der Euro ist eine schizophrene Währung, die sich ohne Tausch in einer Geldbörse, nur durch das Überschreiten von Landesgrenzen verändert. Dort muss die Politik ansetzen.

An die Wahlkämpfer in NRW: Vielleicht können sie sich an einem anderen Thema, das weniger bedeutsam ist, profilieren. Einfach mal suchen, irgendeine Sau wird sich schon durchs Dorf jagen lassen.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 27. April 2010 / 09:11) | Keine Kommentare | Permalink

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Sei lieb, mein Kind, sonst holt Dich die Krise

carousel_sEndlich haben unsere Politiker, Wirtschaftsweisen und Unternehmer die Universalausrede, den Wolpertinger, die eierlegende Wollmilchsau der Phrasendrescherei gefunden: „Die Krise ist schuld.”

Unlängst beklagte Gregor Gysi, wie ich meine zu Recht, die starke Zunahme der prekären Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Seien es befristete Verträge, Minijobs oder auch Zeitarbeitsverträge. Schuld daran sei, so wurde entgegnet: Die Krise. Dass diese Änderung am Arbeitsmarkt bereits seit Einführung von Hartz IV in diese Richtung geht, also weit vor Beginn der Krise, kehrte man unter den Teppich.
So hört man dieser Tage Entscheidungsträger allen Ortens stets dasselbe Liedchen trällern. Die Finanzlage der Kommunen, die Probleme in den Sozialkassen, der überzogene Bundeshaushalt, die Steuersenkungspläne, die Griechenlandmisere und so weiter und so fort seien alle der Krise geschuldet. Lediglich der isländische Vulkanausbruch wurde noch nicht der Krise in die Schuhe geschoben, auch wenn die Morgenpost scherzhaft titelte „Ich dachte, die Isländer hätten gar keine Asche mehr.”

Die Weltwirtschaftskrise hat sicherlich viele Missstände verschärft, andere wurden mitunter sogar erst durch die Krise deutlich. Aber wenn sie auch die Symptome verdeutlicht, so ist sie nicht Ursache aller Krankheit.

Schlimmer noch, während man nun versucht die Nachwirkungen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs einzudämmen, gehen dieselben Spielchen seitens der Finanzwirtschaft wieder von Neuem los. Es darf wieder gewettet werden, altes Spiel, neues Glück. Und statt aus der Vergangenheit zu lernen, konterkariert man die letzte Krise noch, in dem jetzt z.B. Wetten auf das Platzen Griechischer Staatskredite abgeschlossen werden.

Viel wichtiger als nur die Wirkungen der ausklingenden Krise zu besänftigen, wäre dafür zu sorgen, dass nicht die nächste generalstabsmäßig heraufbeschworen wird. Wer und wovon sollen denn zukünftige Rettungsschirme für Banken bezahlt werden? Aus der luxuriösen, kürzlich beschlossenen „Krisenkasse” vielleicht? Nach bisherigen Plänen reicht die gerade mal für das Catering beim nächsten Gipfeltreffen.
Wir, d.h. unsere Weltwirtschaft muss wieder zurecht gerückt werden. Diese unsägliche Kluft zwischen Kapitalmarkt und produzierender Wirtschaft muss verjüngt, wenn nicht gar geschlossen werden. Fragen Sie sich doch mal, was Geld eigentlich ist, oder vielmehr war. Die Idee war ein universelles Tauschmittel zu schaffen, das dann gegen Waren und Dienstleistungen eingetauscht werden kann, damit wir nicht mit Werkzeug oder einem halben Schwein auf dem Rücken zum Nachbarn kriechen müssen. Heute ist Geld selber eine Ware, wenn nicht gar für viele schon Sinn stiftend. Die Summen, die auf den Kapitalmärkten bewegt werden, finden sich weder in Realität wieder, noch kann jemand in solchen Mengen konsumieren. Es kann also nur um einen abstrakten Wettstreit gehen, nur dass die, die nicht auf diesem Karussell mitfahren, die Billets bezahlen müssen. Das ist, verzeihen Sie, „Penisvergleich” auf unterstem Niveau.

Stellen Sie sich die Anfänge der Kapitalmärkte vor: Ein Bauer mit 6 Schweinen möchte gerne einen größeren Stall für 12 Schweine bauen. Um dies zu realisieren, benötigt er fremdes Geld und verkauft so einen Anteil an seinem Hof einem reichen Nachbarn. Von dem Wachstum des Hofes profitieren in Zukunft dann der Bauer und der Nachbar, als Partner.

Heute würde der reiche Nachbar seine Anteile veräußern, andere beginnen Wetten darauf abzuschließen wie viele Schweine im Zuge einer Krankheit gekeult werden müssen, wieder andere verkaufen Anteile an dem Anteil mit er Prognose, dass der Bauer in Zukunft bestimmt viel mehr Schweine haben wird. Am Ende des Tages, gibt es auf dem Papier 60 Schweine, im Stall stehen aber mitunter weiterhin nur 12.

So wichtig und richtig es war, „systemrelevante Banken” zu retten, Arbeitsplätze zu sichern und die Unternehmen durch die Krise zu begleiten, so wichtig und richtig wäre es, die Weltwirtschaft jetzt vor den Zockern an den Märkten zu schützen. Und wenn unsere Regierung es schafft etwas Ordnung in das Casino zu bringen, darf sie meinetwegen auch weiterhin die Krise für alle politischen Versäumnisse in Mithaftung nehmen.

Peter Brandt (Dienstag, der 20. April 2010 / 09:10) | 3 Kommentare | Permalink

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Strahlende Aussichten

radioaktiv

Wie sich der Tagespresse entnehmen lässt, hat der amerikanische Präsident B.Obama zum Gipfeltreffen geladen. Das Ziel ist es die Sicherheit in Anlagen, die spaltbares, radioaktives Material herstellen zu verbessern und Kontrollmechanismen einzuführen. Dies soll angesichts von über 1500 Diebstahlfällen der letzten 10 Jahre auch in Zukunft verhindern, dass Terrorgruppen in die Lage kommen konventionelle oder schmutzige Atomwaffen herzustellen.

Gleich vorweg, das Ansinnen ist sinnvoll und löblich. Wenn auch die Mengen der erbeuteten radioaktiven Materialien, nach Expertenmeinung, noch sehr gering sind, so kann ein Eingreifen gegen diese Verbrechen gar nicht früh und drastisch genug geschehen.
Ebenso löblich, ist der just geschlossene Vertrag, in dem sich Russland und USA verpflichten 30% ihrer atomaren Sprengköpfe abzurüsten, auch wenn der Vertrag bereits 10 Jahre auf Halde lag. Erfreulich sind auch die Ankündigungen der Ukraine, sich von ihrem Atomwaffenarsenal zu verabschieden. Lauter Hoffnungsschimmer also?

Leider nicht nur. Denn neben den Staaten die einst den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet haben, gesellen sich Länder, die jetzt in Zeiten, wo die meisten Staaten versuchen sich dieser Altlast zu entledigen, selber welche zu erlangen bemühen oder den Besitz nicht weiter kommentieren.

Da wären Indien und Pakistan, die zwar über Atomwaffen verfügen, aber das Abkommen nicht unterzeichnet haben. Israel, das nie zugegeben hat Atomwaffen zu besitzen, aber aller Wahrscheinlichkeit dennoch über eben solche verfügt. Korea, das den Sperrvertrag aufgekündigt hat. Und zu guter letzt, der Iran, der scheinbar versucht in den erlauchten Kreis der Atommächte aufzusteigen.
Insbesondere der Iran, Pakistan, Israel und Korea dürfen als Sorgenkinder angesehen werden. Die politische Lage in diesen Ländern ist alles andere als stabil. Sollte eines Tages die Lage in Pakistan zu Gunsten der der Islamisten kippen, oder der Iran tatsächlich in den Besitz von Atomwaffen gelangen, gerät die jetzt schon wackelige Situation der gesamten Region ins Wanken. Irans Staatsoberhaupt hat schon häufiger gedroht, Israel zu vernichten, und welche Vergeltung die Israelis einem solchen Angriff entgegenhielten kann man sich selbst mit wenig Fantasie selber ausrechnen.

Desweiteren haben alle diese Staaten gemein, sich um internationale Abkommen des Öfteren nicht zu scheren. Und wieder braucht es nicht allzu viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wen der Iran oder ein islamistisches Pakistan, unter der Hand, mit radioaktivem Abfall versorgen würde.

Es ist eine Tragödie, dass jeder vernunftbegabte Mensch, der über die Verheerungen, die diese Waffen anrichten aufgeklärt wird, sofort für deren Abschaffung plädieren würde, aber die Weltgemeinschaft, es nicht schafft dieses Damoklesschwert loszubinden. Und letztendlich bleibt den Völkern und Menschen unserer Welt nur die Hoffnung, die Sting einst ähnlich besungen hat:
„How can I save my little boy, from Oppenheimer‘ s deadly toy. Believe me, when I say to you, I hope the ‘others’ love their children, too.”

Peter Brandt (Dienstag, der 13. April 2010 / 10:43) | 6 Kommentare | Permalink

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Das DSDS Phänomen

microphone

Seit Wochen fiebern Millionen Menschen samstagabends wieder einmal bei dem deutschen Minnesängerturnier rund um Hofkapellmeister Dieter Bohlen mit. Bereits zum siebten Mal schmettern und tanzen Nachwuchsbarden, um die Gunst des Fernsehvolks in der Mutter der Castingshows „Deutschland sucht den Superstar”, oder kurz „DSDS”. Und wie jeden Samstag schafft es RTL über 30% der „werberelavanten” Zielgruppe, der 14 - 49 Jährigen und zwischen 5 und 7 Millionen Zuschauer anzulocken. Somit ist selbst denen, die das Format nicht verfolgen nun klar wer der Sieger an diesem Samstag war: RTL.

12 Minuten jeder Stunde dürfen Privatsender hierzulande Werbung ausstrahlen, und die Reichweite des umgebenen Programms bestimmt dabei den Preis. D.h. je populärer die Sendung, desto höher der Preis. Es liegt also nahe ein erfolgreiches Sendeformat möglichst lange die Bildschirme erhellen zu lassen. Und an dieser Stelle macht RTL keiner etwas vor.

Ich hatte das Glück, diese Woche an der Verkündung des Telefonvotings teilhaben zu dürfen, und dort offenbarte sich dann auch das rechnerische Kalkül der Sendungsmacher. Sie kennen bestimmt den „TED” bei „WETTEN DASS!”, lustig tanzende Balken in einem Diagramm, die dann mit einem mal verharren und so den Sieger des Wettstreits verkünden. Nicht so bei DSDS. Dort drischt ein blasser langweiliger Moderator langsam im Sekundenstil, mit ellenlangen Wortpausen, leere Worthülsen vor einem kreischenden Publikum, das scheinbar die Schmerzen ebenso wenig ertragen kann, wie der geneigte Couchkritiker. Dieser Vorgang dauert dann über 20 Minuten, und wird selbstredend durch Werbung verkürzt. Die Dehnung dieses Sendungsteils bis über die intellektuelle Schmerzgrenze hinaus hat natürlich Methode. Wer jetzt bereits Stunden seinen Lieblingen zugehört hat, wird natürlich auch die Werbung brav erdulden, um nicht am Ende doch noch ohne die erlösende Information, wer Opfer des K.O. Systems geworden ist, zu verpassen. RTL gelingt es aus acht Liedern alleine am letzten Samstagabend 2 Stunden und 15 Minuten Programm zu machen. Die Show an sich dauert 105 Minuten, die Entscheidung 30 Minuten, beides brutto inklusive Werbung.
Wer jetzt staunt, braucht nur einmal durch die Programmzeitungen zu blättern und erkennt schnell, dass das nur der Anfang ist. Zu den genannten Hauptsendungen gesellen sich erst einmal die Wiederholungen am Folgetag. Unter der Woche läuft dann noch vier Mal „DSDS das Magazin” auf RTL, sowie SRTL, natürlich auch zum Teil mit Wiederholung am Folgetag. In den Magazinsendungen befreundet RTL die Kandidaten mit dem Publikum, spinnt Verschwörungen und Skandälchen. Immer schön mit 12 Minuten Werbung je Stunde. Insbesondere die Magazinsendung schlägt dabei doppelt positiv zu Buche, da die Produktionskosten dafür aus der Portokasse bestritten werden können.

Und da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, und um den Sack zu zumachen lässt die Sendergruppe um RTL es sich nicht nehmen, in ihren sonstigen Magazinen, Nachrichtenshows etc. nochmal Beiträge aus den DSDS Magazinsendungen und Shows zu verwerten, so dass selbst Zuschauer, die die Reihe nicht verfolgen, aber dann und wann RTL einschalten, den Umsatz des Formats erhöhen. Nicht erwähnenswert, dass die Kosten für diese „News” gegen Null laufen, und vielmehr einer Eigenwerbung gleichen, die RTL aber redaktionell verpackt.

Über 10 Stunden Programm quält der Sender, wie bereits erwähnt, so aus derzeit 8 Liedern, anders ausgedrückt über 2 Stunden Werbung. Diese Verwertungsstrategie muss man den Verantwortlichen erst einmal nachmachen. Ein Bauer müsste schon Milchschaum aus den Zitzen einer ausgemergelten Kuh pressen, um einen ähnlichen Rohertrag zustande zu bringen.

Von den Zusatzeinnahmen durch die Bohlschen Kompositionen, den Verträgen mit den späteren „Stars”, sowie Online- und Printgeschäft haben wir dabei nicht einmal gesprochen. Wen wundert es, dass Dieter Bohlen Betriebswirtschaft und nicht Musik studiert hat…

Peter Brandt (Dienstag, der 6. April 2010 / 09:28) | 1 Kommentar | Permalink

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Alle Jahre wieder, Millionen zu Tränen gerührt…

springDie Frühlingssonne zeigt sich, die ersten Blüten treiben aus und die Serotonin-Ausschüttung sorgt für Glücksgefühle bei den Menschen. Aber nicht bei allen Menschen. Denn mit den Frühblühern, beginnen auch manche Menschen regelrecht an zu blühen - Allergiker. Die Apotheker reiben sich hoffnungsvoll die Hände und stocken ihre Vorräte an Antihystaminen auf.

Für Betroffene bedeutet das, dass der jährliche Spießrutenlauf begonnen hat, will man Symptome wie tränende Augen, triefende Nasen, Juckreiz und Schwellungen an Schleimhäuten vermeiden.

Die Zahl derer, die an derlei Problemen leiden, steigt beständig. Gründe hierfür mögen die zunehmende Umweltbelastung, aber auch die Sterilität unserer Wohnumgebung sein. So treten Allergien gegen Gräser, Pollen und Haustiere bei der Landbevölkerung deutlich seltener auf.
Der Frühling ist quasi die allergene Großoffensive. Mit der Blüte beginnt der Pollenflug, die Tiere haben Fellwechsel, stechende Insekten fliegen aus und selbst die gemeine Milbe hinterlässt ihren Unrat lieber bei Temperaturen jenseits der 20°C und hoher Luftfeuchtigkeit.

Ursache der Misere ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems. Dieses reagiert auf vermeidlich harmlose Allergene. D.h. es werden wie bei einer tatsächlichen Infektion Antikörper aktiv, die sich durch die Fehlinterpretation auf harmlose Antigene stürzen. Für den Menschen bedeutet das, dass er mit entzündungsähnlichen Symptomen zu kämpfen hat. Insbesondere die Haut und unsere Schleimhäute reagieren spürbar heftig. Heuschnupfen und Nesselsucht sind dabei wohl die populärsten Erscheinungsformen, obwohl die Abwehrreaktion bis hin zu asthmatischen Beschwerden führen kann. Zumindest gilt dies für den Bereich der durch die Haut und Atemwege aufgenommenen Allergene. Schlimmer noch trifft es Menschen mit Insektengift oder Nahrungsmittelallergien. Durch die hohe Konzentration und die unvermittelte Aufnahme, führen diese nicht selten zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock. Die damit einhergehende Atemnot kann im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod enden.

Wichtigste Waffe im Kampf gegen die eigene Allergie ist der Allergietest, meist der bekannte Pricktest. Dabei wird die Haut leicht mit einem Instrument angeritzt und mit unterschiedlichen Allergenen benetzt. Aus der Hautrektion kann der Dermatologe ein Profil ableiten, das dem Patienten zeigt vor welchen Einflüssen er sich tunlichst hüten sollte.

Ist die Vermeidung unmöglich kann die Gabe von Antihystaminen helfen, die die Abwehrreaktion des Körpers zu dämpfen vermögen. Leider führen diese Präparate bei vielen Menschen zu einer verstärkten Müdigkeit. Bei akut auftretender Nesselsucht können auch Gels, wie man sie gegen Mückenstiche einsetzt Linderung verschaffen. Geht die Nesselsucht mit einem offenen Ekzem einher hilft oft nur noch die Gabe kortisonhaltiger Cremes oder Salben. Kortison, ein Nebennierenhormon ist für viele Allergiker, trotz seiner Nebenwirkungen, ein Gralsbringer. Und insbesondere in drastischen Krankheitsverläufen ohne Alternative.

Ein längerfristiges Verfahren ist die Desensibilisierung, eine Therapie bei der der Patient stetig steigenden Dosen der für ihn Problematischen Substanzen ausgesetzt wird, um die Toleranzschwelle des Körpers durch Gewöhnung positiv zu beeinflussen.
Allergien können in jedem Alter zum Vorschein kommen. Selbst wenn Sie bisher noch nie Symptome an sich beobachtet haben, bedeutet dies nicht, dass dies auf ewig so bleibt.

Wenn Sie an sich oder Ihren Kindern allergische Reaktionen beobachten gehen zum Arzt. Versuchen Sie gezielt darauf zu achten welche Auslöser sie für die Symptome finden. Schauen Sie nach Kreuzallergien. Wenn Sie zum Beispiel Probleme mit ungeschälten und rohen Äpfeln, sowie beim Verzehr von Erdbeeren haben lässt dies den Verdacht zu, dass Sie eine Buchenallergie haben, da es große Ähnlichkeiten bei deren Allergenen gibt. Und auch, wenn mir dies sonst zuwider ist, halten Sie Ihre Hausapotheke befüllt.

Ansonsten wünsche ich Ihnen und mir dennoch einen schönen Frühling, anders gesagt „Augen zu und durch”.

Peter Brandt (Dienstag, der 30. März 2010 / 09:35) | Keine Kommentare | Permalink

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Von einer, die auszog eine KiTa zu gründen

musikkinderkartenWir schreiben das Jahr 2009 und befinden uns in Leverkusen am Rhein. Die beiden Frauen Barbara Lieske und Babette Horn haben den Entschluss gefasst, ihre Stadt um einen Kindergarten zu bereichern. Nicht irgendein Kindergarten sollte es werden, sondern einer der sich insbesondere der musischen Früherziehung der Kinder widmet. Eine leer stehende Einrichtung, die zuvor noch nie in Betrieb gegangen war wurde aufgetan und eine Elterninitiative gegründet. Der Musikkindergarten Leverkusen war geboren.

Leider endet die Märchenhaftigkeit der Geschichte just an dieser Stelle. Wenn auch das Wehklagen über den Mangel an Kinderbetreuungsplätzen in diesem Land groß ist, so lässt dies nicht den Umkehrschluss zu, dass Kommunalpolitiker und Verwaltung alles daran setzen würden diesen Mangel tatsächlich beseitigen zu wollen.

Der besagte Kindergarten in Leverkusen liegt in unmittelbarer Nähe zu einem Spielplatz und einem keinen Waldgebiet. Er verfügt über Gruppenraum, Turnhalle, Küche, Schlafraum, Wickelzimmer und ein 220qm großes Außengelände. Nicht zu erwähnen, aber dennoch nicht unwesentlich, dass sich die Einrichtung nur an Fachkräften bediente.

kitaklettergerustKurzum, das einzige was dieser KiTa fehlte, war eine Betriebserlaubnis. Die gute Nachricht ist, dass eine Betriebserlaubnis nach viel hin und her auch gewährt wurde, aber nicht für den Betrieb eines Kindergartens, sondern für den Betrieb einer Kindertagespflege.
Gut, mag man sich denken, das mache doch keinen allzu großen Unterschied, oder? Und bedauerlicherweise ist der Unterschied gewaltig. Zum einen bedeutet dies, dass nur in etwa ein Drittel der Plätze angeboten werden dürfen, und zum anderen, dass Eltern, die Kinder im Kindergartenalter haben, auf den Betreuungskosten alleine sitzen bleiben. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…
Die Begründungen für die Ablehnung einer Betriebserlaubnis als Kindergarten könnten fadenscheiniger kaum sein. Das ansässige Jugendamt beklagte zum Beispiel die nicht verkleideten Heizungsrohre, an denen sich Kinder verletzen könnten. Das klingt im ersten Anschein auch plausibel, nur, dass diese Rohre in einer Höhe von 2.90m! verlaufen. Zur Erinnerung, es geht um einen Kindergarten, nicht um eine Verwahrstation für ehemalige Basketballspieler. Ein weiterer Punkt, den Reiner Gurk, Leiter des Jugendamts ins Feld führte, ist das um 80qm zu kleine Außengelände. Angesichts der Tatsachen, dass es in derselben Stadt Kindergärten gibt, die über gar kein eigenes Außengelände verfügen und dass dieser Kindergarten geeignete weitere Spielflächen in unmittelbarer Umgebung hat, mag man auch dieses Argument nicht recht nachvollziehen. Hinzu kommt, dass dem Jugendamt angeboten wurde, den überdimensionierten Parkplatz zu verkleinern, um das Außengelände vergrößern zu können.

Ab Sommer 2013 werden Eltern ein einklagbares Recht auf einen Kindergartenplatz haben, und Leverkusen hängt in der Schaffung neuer Betreuungsangebote ebenso wie viele andere Kommunen hinterher. Anstatt aber Elterninitiativen zu unterstützen und zu stärken, schmeißt man ihnen kadaverweise tote Amtsschimmel in den Weg. Da nützen auch die unwahren Pressebekundungen, dass sowohl der alte wie auch neue Oberbürgermeisters sich der Sache angenommen hätten nicht weiter.
Gibt es den Herren des Stadtrats nicht zu denken, dass oben beschriebene Einrichtung ausgebucht ist, und sogar über eine Warteliste verfügt, obwohl es keine Kostenübernahme für Ü3 Plätze gibt? Nein, natürlich nicht. Man schiebt den schwarzen Peter zum Landesjugendamt, und betont man könne da gar nicht anders handeln. Dann darf aber die Frage gestellt werden, warum dieselben Probleme bei städtischen Kindertagesstätten nicht zum Tragen kommen.

Wie dem auch sei. Der Musikkindergarten streicht die Segel und zieht mit Mann und Maus in die benachbarte Blumenstadt Leichlingen, in der Hoffnung, dass sich vielleicht deren Volksvertreter und Verwalter ihrer tatsächlichen Aufgabe bewusst sind. Leverkusen indes verliert zum Bedauern der Elternschaft ein wirklich engagiertes Betreuungskonzept, und sucht „nach geeigneten Bauarealen”, um die 100 Betreuungsplätze schaffen zu können, die selbst nach Abschluss aller derzeitigen Bauvorhaben noch fehlen werden. Willkommen bei den Schildbürgern…

Peter Brandt (Dienstag, der 23. März 2010 / 09:01) | 4 Kommentare | Permalink

Archiv für die ‘Thema der Woche’ Kategorie

Satz heiße Ohren gefällig?

horspielKennen Sie David Nathan, Lutz Riedel, Björn Schalla, oder Joachim Kerzel? Wie steht es mit Bianca Krahl, Frank Glaubrecht, Till Hagen oder Oliver Rohrbeck?

Den einen oder anderen werden Sie vielleicht mal im Abspann eines Films gesehen haben, oder durch Theater- bzw. kleinere Fernsehrollen kennengelernt haben. Aber diese Leute sind Stars. Stars einer wachsenden Fangemeinde, denn neben ihrer Tätigkeit als Synchronstimmen für Hollywoodstars, abreiten sie als Sprecher in diversen Hörspielserien.

Hörspiele mögen Sie jetzt denken, kenne ich nur als Einschlafhilfe aus meiner Kindheit oder für meine Kinder. Aber das stimmt so nicht mehr.
Natürlich erfreuen sich die Figuren von Elfie Donelly weiterhin in deutschen Kinderzimmern größter Beliebtheit. Schließlich stammen aus ihrer Feder Figuren wie Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und jüngst auch Elea Eluanda. Und auch Reihen wie TKKG, Die 5 Freunde, und vor allem die Drei ??? sind dort kaum wegzudenken, wobei letztgenannte eine Sonderstellung einnehmen.

Die Drei ??? sind eine andauernde Erfolgsgeschichte. Seit über 30 Jahren, mit beinahe 140 Folgen und Millionen verkauften Tonträgern, waren sie lange Zeit der einzige Leuchtturm im Hörspielmarkt, nachdem dieser Anfang der 90ger in sich Zusammenbrach. Die Drei hatten es geschafft ihre kindlichen Hörer mitzunehmen, und neue dazuzugewinnen. Selbst die zeitweise Umbenennung in Die Drei, die aus einem Rechtsstreit zwischen BMG und dem Kosmosverlag resultierte, konnte der Serie nicht dauerhaft schaden. Der Rest des Erwachsenenmarkts schlief ein. Bis…

Bis ein junger Mann namens Oliver Döring diesen Zustand kippte. Mit der Hörspielreihe John Sinclair 2000 zog ein neuer Qualitätsmaßtab in die Hörspielwelt ein. Der Begriff vom „Kino für die Ohren” wurde geboren. Bekannte Synchronsprecher und filmreife Musik wie Klangeffekte zogen, trotz der dümmlichen Geschichten, etliche neue Hörer in ihren Bann. Der Erfolg dieser Reihe rief eine Vielzahl von neuen Labeln und Reihen auf den Plan. Binnen weniger Jahre war so ein Hörspielmerkt entstanden, der beinahe für jeden Geschmack etwas zu bieten hat.

Die wichtigsten Serien, habe ich ganz subjektiv, im Folgenenden, für Sie zusammengefasst:

johnJohn Sinclair 2000 / Lübbe Wortart
Genre: Horror Regie: Oliver Döring Sprecher: Joachim Kerzel, Frank Glaubrecht u.a.
> 50 Folgen, diverse Special Editions
Die geschickte Inszenierung und die Spielfreude der Akteure vermag über ein paar Folgen von der stereotypen Grundidee ablenken, auf Dauer gibt es aber bessere Reihen.

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eapEdgar Allan Poe / Lübbe STIL
Genre: Horror, Drama, Fantastik Regie: Simon Bertling und Christian Hagitte Sprecher: Ulrich Pleitgen, Iris Berben, Till Hagen u.a.
> 30 Folgen Cover Artwork: Simon Marsden
In einer freien Rahmenhandlung, um einen Ich-Erzähler, der nach einer Amnesie auf der Suche nach seinem alten Selbst ist, werden höchst geschickt die Erzählungen des berühmten Autoren in die Serie eingearbeitet. Diese Serie ist ein Highlight. Die eindringliche Sprechweise Ulrich Pleitgens, aber auch die Musik, die übrigens von den Regisseuren selber stammt, und mit einem Orchester aufgenommen wurde, schlagen den Hörer sofort in Bann.

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perryPerry Rhodan Sternenozean / Lübbe STIL
Genre: Science Fiction Regie: Regie: Christian Hagitte und Simon Bertling Sprecher: Joachim Höppner, Volker Lechtenbrink, u.a.
30 Folgen
Obwohl es sich hier auch um die Umsetzung einer Groschenromanreihe handelt, kommt Perry Rhodan weitaus klüger und charmanter aus den Boxen als John Sinclair. Wenn mich auch die plastilinen Namen und pseudotechnischen Begriffe stören, so kann ich diese Serie SF Fans dennoch nur empfehlen.

caineCaine / Lausch
Genre: Krimi, Thriller, Science Fiction Regie: Günter Merlau Sprecher: Torsten Michaelis u.a.
10 Folgen
Die Geschichte handelt von einem Auftragskiller, namens Caine, der kurz vor seiner Hinrichtung von Außerirdischen entführt wurde. Diese Serie ist laut, witzig, brutal, kurios, aberwitzig und hat als einzige mir bekannte Hörspielreihe einen Schurken als Protagonisten. Der Serie liegt ebenfalls eine Romanreihe zu Grunde, aber Lausch hat daraus ein Kunstwerk geschaffen.

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dieschwarzesonnedasschlossderschlangeDie Schwarze Sonne / Lausch
Genre: Fantastik Regie: Günter Merlau Sprecher: Christian Stark , Achim Schülke u.a.
9 Folgen
Die Reihe nach einem Buch von Bram Stoker, ist nichts für nebenbei, oder als Einschlafhilfe. Zu komplex sind die Sprünge in der Zeit, die traumhaften Sequenzen zu surreal. Aber diese Serie zeigt, dass das Medium Hörspiel, zu mehr in der Lage ist, als eine Stunde Hintergrundrauschen zu liefern.

gabriel_burnsGabriel Burns / Universal
Genre: Horror, Fantasy Regie: Volker Sassenberg Sprecher: Jürgen Kluckert, Bernd Vollbrecht, Ernst Meincke u.a.
> 30 Folgen
Eine Mystery Serie, mit herausragenden Sprechern, wunderschönem Soundtrack und Soundeffekten der Luxusklasse. Der Taxifahrer Steven Burns, gerät in eine Zwielichtige Geschichte, in der es schlussendlich um nicht weniger, als das Ende der Welt, wie wir sie kennen geht.

Eine sehr gute Serie, wenngleich man in den letzten Folgen den Eindruck gewinnen konnte, dass selbst die Produzenten der Serie, nicht genau wissen, wie die Geschichte weitergeht. Dies wird leider durch das stark reduzierte Erzähltempo deutlich.

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gruselkabinettGruselkabinett / Titania Medien
Genre: Horror, Mystery, Fantastik, Drama Regie: Marc Gruppe: Sprecher: David Nathan u.s.v.a
> 35 Folgen

Diese Serie produziert Meilenstein, um Meilenstein. Marc Gruppe nimmt sich von Folge zu Folge eine andere literarische Vorlage zur Brust, und schafft es mit herausragenden Sprechern, fast jedes mal ein glänzendes Einzelhörspiel abzuliefern. Hervorzuheben ist vor allem die Treue zur literarischen Vorlage. Ich hätte nie gedacht, dass man z.B. aus Apel’s Freischütz ein packendes Hörspiel machen könnte. [youtube ZkjgCzeqgC0 Hörprobe]

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YouTube Direktnolink

lordSonderfall Maritim
Maritim, ist ein Hörspiellabel, das derart viele Reihen in der Mache hat, dass das einzelne Aufzählen, den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Deshalb habe ich meine Lieblinge hier einmal zusammengefasst.
Regie: Andreas Masuth u.a
Sprecher: Christian Rode, Peter Groeger, Volker Brandt, Torsten Münchow, Philipp Bramer, Melanie Manstein, Dagmar Dempe, Mogens von Gadow, Michael Mendl, Susanne Meikl, Pascal Breuer, u.a.
Serien:
Der Wundersame Lord Atherton - Sehr schöne Reihe im Jules Verne Stil.
Sherlock Holmes - Die Geschichten von Arthur Conan Doyle, liebevoll in Szene gesetzt.
Danger - Gute Science Fiction Geschichten, alle als eigenständiges Hörspiel angelegt.
Preston Aberdeen - Witzige und charmante Reihe, um einen einfältigen Kurier, der in allerlei aberwitzige Abenteuer gerät.

Auch wenn Martim of Musik aus der Konserve bemüht, und fast immer auf die selben Sprecher zurückgreift, so sind manche Produktionen wahre Perlen, die sich in ihrem Unterhaltungswert nicht vor den teureren Produktionen verstecken zu brauchen.

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Es gibt noch etliche weitere Serien, sei es Lübbe’s Apothekerin, Universal’s Abseits der Wege, Lausch’a Punktown, oder die fantastischen Einzelhörspiele von Ripper Records, insbesondere Arthur Conan Doyle’s Vergessene Welt. Mein aktuelles Lieblingshörspiel ist übrigens „Die Vatikanverschwörung” nach Kai Meyer, also halten Sie die Ohren offen.

Peter Brandt (Dienstag, der 16. März 2010 / 12:29) | Keine Kommentare | Permalink


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