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Als der weiße Rauch die Wahl von „Benedetto” verkündete, war Deutschland plötzlich Papst, wenn man der Zeitung mit den vier großen Buchstaben glauben schenken wollte. Jetzt wenige Jahre später sind wir nicht mehr Papst, sondern skeptisch. Die Begeisterung wollte sich genauso wenig einfinden, wie die das erwartete Aufbegehren. Ja es gab Demonstrationen, aber gemessen an den Scharen, die ein Bahnhof unlängst auf die Straße getrieben hat, doch sehr verhalten.
Die Presse, die Nachrichtenmagazine und Talkrunden scheinen dem Besuch wesentlich mehr Bedeutung beigemessen zu haben, als die breite Masse. Richard David Precht, hat es auf den Punkt gebracht: Es fehlen die Reibungspunkte und die Kontroversen. Waren früher auch Nicht-Katholiken von der Haltung der Kirche zum §218 betroffen, so kümmert es heute herzlich wenig Menschen, ob Bundespräsident Wulff die Kommunion empfangen darf, oder nicht. Mehr noch, die kirchliche Sexualmoral betrifft heute fast nur noch Katholiken selbst, da sie vom Zeitgeist niedergetreten wurde.
Viele Geistliche sind der Überzeugung, dass die Kirche weiterhin „klare Kante” zeigen müsse, andere denken eher an einen reformierten Katholizismus. Dabei zeigt die Kurve der Mitgliedsaustritte stetig nach oben. Natürlich hat diese Bewegung Höhen und Tiefen, und Vorkommnisse wie der Missbrauchsskandal verschärfen die Situation. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden christlichen Kirchen immer mehr an Bedeutung verlieren, selbst wenn sie durch vermeintlich ruhiges Fahrwasser schippern.
Dafür sind sicher viele Gründe zu finden. Auch, dass die Lebensrealitäten nicht zu den Lebensentwürfen des Katechismus passen. Andere werden über den Glauben an sich stolpern, und die testamentarischen Geschichten einfach nicht mehr glauben können. Wieder andere haben ihrer Spiritualität eine neue Heimat gegeben. Der Großteil aber, schert sich nicht darum. Eine immer größer werdende Menge an Menschen bemerkt die Kirche nur an Weihnachten und auf dem Lohnstreifen. Da Weihnachten aber nur einmal im Jahr ist, der Lohnstreifen aber 12-13 Mal kommt, macht es bei vielen einfach „klick” und sie bemerken, dass diese Kirchen schon lange nicht mehr zu ihrem Lebensalltag gehören. Der Austritt ist da nur die logische Konsequenz. Und die Kirchen müssen sich klar machen, dass sie an der Stelle keine Gläubigen, sondern lediglich Mitglieder verlieren.
An dem langsamen Niedergang der deutschen Kirchen, wird wahrscheinlich nicht mehr viel zu rütteln sein. Dies ist insofern bedauerlich, dass die Kirchen neben Dogmen und Liturgien, den Menschen Raum geboten haben sich auf sich selbst zu besinnen. Und viel mehr noch als in der karitativen Arbeit, wird diese Lücke schwer zu füllen sein.
Peter Brandt
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 Bild: about.virtual-identity.com
Was geht nur vor im schönen Schleswig-Holstein. Ein „Like-Button-Verbot”, die Ächtung eines kaum noch aus der Internetlandschaft wegzudenkenden Werbemittels. Die Werbetreibenden sehen sich klar ins Hintertreffen gebracht und hadern mit der Gesetzesnovelle. Für Datenschützer hingegen wurde Weihnachten vorverlegt, weil endlich eine der Datenkraken in ihre Schranken gewiesen wurde. Der Nutzer steht wie so oft im Dunkeln tappend zwischen den Stühlen.
Ist der Like-Button nun Werkzeug, Spielzeug oder ein verkappter Körperscanner? Ein bisschen von allem könnte ein wenig befriedigendes Urteil lauten. Er ist ein Werkzeug im Marketing, ein Spielzeug für Vielklicker und ein verkappter Körperscanner, der Nutzerdaten an Facebook liefert.
Um eine Seite oder einen Beitrag zu „liken”, also kundzutun, dass man diesen mag, muss man zuerst Mitglied bei Facebook werden. Um aktiv ein „like” zu setzen muss der Nutzer eingeloggt sein oder sich im Zuge des Klicks einloggen. Der Umstand, dass Daten an Facebook übermittelt werden, wenn der Nutzer das Knöpfchen klickt liegt allerdings nicht im Visier der Datenschützer.
Um das Kernproblem zu verstehen, muss man sich anschauen, wie der „Like-Button” funktioniert. Facebook überprüft die Nutzerkennung anhand kleiner Textdateien, die auf Ihrem PC gespeichert werden, so genannten Cookies. Cookies sind an sich kein Sicherheitsrisiko, in vielen Fällen sogar unverzichtbar, da sie den einzigen Weg darstellen Benutzer über die Dauer einer Sitzung hinweg erneut zu identifizieren. Kaum eine Seite die Benutzerangaben speichert kommt ohne aus. Dabei gilt: Ein Cookie kann nur von der Seite gelesen werden, die diesen zuvor geschrieben hat. Deshalb schlummert hinter jedem „Like-Button” ein klein wenig Facebook.
Kommt ein Surfer an einem „Like-Button” vorbei und ist Facebook Nutzer, so erfährt Facebook bevor er aktiv geklickt hat bereits davon. Theoretisch sogar wenn der Nutzer aktuell nicht eingeloggt ist, allerdings bestreitet Facebook diese Daten zu heben. Allein der noch vorhandene Cookie reicht, da dieser nicht gelöscht wird, wenn Sie sich abmelden. Somit kann Facebook theoretisch Profile über Surfverhalten, Besuchsdauer u.s.w. anlegen. Viel mehr noch, im Falle von Facebook Nutzern, sogar namentlich mit einer realen Person verbinden.
Kein Facebook Nutzer, kein Problem? Doch, selbst dann kann Facebook einen Cookie auf Ihrem Rechner platzieren und Informationen über Ihr Surfverhalten sammeln. Diese können dann zwar keiner realen Person zugeordnet werden, aber man kann solchen Nutzern z.B. gezieltere Werbung auf den Bildschirm hauen.
Also haben wir ein Problem Houston? In meinen Augen trotzdem nein. Das Verfahren Cookies zu nutzen, um gezielter werben zu können ist keine Erfindung von Facebook. Viele Bannernetzwerke funktionieren nach diesem Muster. Haben Sie schon mal erlebt, dass Sie nachdem Sie in einem Onlineshop nach einem Kühlschrank geschaut haben und kurze Zeit später Kühlschrankwerbungen vor die Nase gehalten bekommen haben? Bei Facebook ist lediglich die Verbreitung beängstigend.
Wenn Sie nicht möchten, dass Facebook ein Profil über Sie führt, können Sie Facebook auf die Liste der nicht vertrauenswürdigen Seiten setzen und verbieten, dass Facebook Cookies auf Ihrem Rechner speichert. Oder löschen Sie regelmäßig Ihre Cookies. Wenn Sie dennoch auf Facebook nicht verzichten möchten, können Sie z.B. auch zwei Browser verwenden.
Ich halte Datenschutz für eine wirklich wichtige Angelegenheit, nur darf man nicht aus dem Auge verlieren, wie sensibel, welche Daten sind. Die Daten, die Facebook hebt, sind nicht kritischer als die von Google Analytics z.B.
Das Verbot jedenfalls, halte ich für blinden Aktionismus.
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 Orbital Technologies
Kalt, lebensfeindlich und mit gerade mal einem Teilchen je cm³ ausgesprochen leer, ist das interstellare Medium, anders als das berühmte „Bett im Kornfeld”, kein Platz in der Natur, den man sich für eine lauschige Nacht freiwillig aussuchen würde. Dass nach dem Schlafen unter freiem Himmel auch das Schlafen im freien Himmel möglich wird, hat sich der russische Konzern RKK Energija ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis 2016 will man die “Commercial Space Station” (CSS), das erste Hotel im Weltall, via Sojus Rakete in den Orbit verfrachten.
Die CSS soll vier Doppelzimmer bieten, auf Tanzveranstaltungen, Liegestühle, Pool und Sportplatznutzung werden die Gäste wohl verzichten müssen. Der nächste Strand ist mindestens 350km weit entfernt, vorausgesetzt die CSS befindet sich gerade orthogonal darüber. Neben begeisterten und sicherlich vermögenden Weltalllaien könnte die CSS auch im Falle einer Havarie der ISS als Notunterkunft genutzt werden.
Wozu ein „Spa in Space”? Nun ein Motiv ist es Investoren anzulocken und zwar nicht nur für dieses Projekt, sondern gleich für die gesamte russische Raumfahrt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos deckt mit ihren Aufträgen jetzt bereits erst ein Drittel der Kapazitäten der landeseigenen Raumfahrtindustrie ab und soll durch Restrukturierung noch effizienter werden.
Prinzipiell erachte ich die Raumfahrt und die die gesamte Astronomie für ungeheuer bedeutsam während der nächsten Dekaden. Der Mensch wollte stets seine Horizonte aufbrechen. Und sei es die Forschung in der Tiefsee oder in den Weiten des Raums, der Mensch will wissen. Dabei spielt die Haptik eine wesentlich Rolle. Es ist etwas anderes den Mars zu sehen oder anzufassen. Außerdem steht der Raumfahrt ein kommerzieller Durchbruch erst bevor, und damit meine ich keine Kurztrips für Millionäre in eine erdnahe Umlaufbahn, sondern in erster Linie die Ressourcen- und Energiegewinnung. Ein Projekt wie die CSS betrachte ich deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich begrüße ein mehr an Investitionen in diesem Bereich und ich hoffe, dass auch in der breiten Bevölkerung eher Wohlwollen, als Skepsis dadurch geschürt wird.
Wichtiger als solche Prestige-Projekte wäre meines Erachtens jedoch, wenn die Welt gerade in diesem Feld ihre Energien bündeln würde, und wir nicht ein europäisches, amerikanisches, chinesisches, russisches und indisches Raumfahrtprogramm hätten, sondern ein globales. Nicht nur, dass die astronomischen Kosten dadurch sinken würden, ein Bündelung würde Doppelentwicklungen unnötig machen, identische Programmziele könntet gebündelt werden und der Fokus könnte auf den menschlichen Fortschritt gelegt werden. Eigentlich hätte man annehmen können, dass seit Bau der ISS Wettläufe wie um die erste Mondlandung passe wären, aber weit gefehlt…
Den ersten Gästen des neuen Etablissements jedenfalls: „Bon yoyage!”
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Neben dieser politischen Lüge nehmen sich Behauptungen wie man habe zwar Haschisch geraucht, aber nicht inhaliert und andere Versprechen und Ehrenwörter geradezu harmlos aus. Die derzeit im Fernsehen kursierenden Bilder sprechen Bände. Bände über die Fassungslosigkeit, derer, die bei lebendigem Leib eingemauert werden sollten, wider des gegebenen Versprechens Walter Ulbrichts.
Für 28 Jahre trennte die Mauer Berlin, sowie der Todesstreifen die beiden deutschen Staaten. Heute wäre die Mauer 50 Jahre alt. Der „antifaschistische Schutzwall” sollte laut den damaligen Offiziellen die DDR vor dem Kapitalismus schützen. In Wirklichkeit war dies ein hilfloser, wenn auch leider effektiver Versuch die eigene Bevölkerung im Land zu halten. Der Schießbefehl sprach eine klare Sprache. Die Staatsführung der DDR sah ihre Bevölkerung lieber tot, als im Westen.
Die Mauer erinnert uns daran, dass in dem alten Sprichwort “Et jit ke schlimmer Leid, als dat de Misch sich selvs andeit” (Es gibt kein schlimmeres Leid, als das der Mensch sich selbst antut), viel Wahrheit schlummert. Auch zeigt es, dass das Sprichwort „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus” für Menschen als Spezies nicht zutrifft. In nichts in der Mensch so kreativ wie in den Mitteln und Wegen sein Gegenüber zu kontrollieren oder zu töten.
Nicht alle Regime zeigen so perfide ihre Haltung gegenüber dem Menschen. Aber auf der Welt wird gemordet, gefoltert, Kinder werden ausgebeutet, verkauft oder zu Soldaten gemacht, Menschen werden für ihre Hautfarbe, Religion oder Meinung unterdrückt, eingesperrt, verfolgt und getötet. Und diese List ließe sich lange fortschreiben.
Vielleicht ist die Welt nach dem Mauerfall ein Quäntchen besser geworden, vielleicht werden wir noch weitere dieser wenigen glücklichen epochalen Momente erleben. Nur dürfen wir bei der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte und bei der Freude über diese damalige Wende nicht den Rest der Welt vergessen.
So ist der Geburtstag der Mauer eine Mahnung an uns nicht zu vergessen, dass unzählige Menschen ähnlich oder schlechter behandelt werden. Unsere Aufgabe für die Zukunft kann nur sein, dass wir, denen es besser geht als weiten Teilen der gesamten Weltbevölkerung, dafür Sorge tragen unsere Lebensbedingungen so vielen Menschen wie möglich ebenfalls zu ermöglichen.
Peter Brandt
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 Quelle: l-talk.de
dann findet das insbesondere bei den Moralwächtern aus Bayern wenig anklang. Welch ein Schock, dass die CSU sich gegen eine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen und herkömmlichen Ehen wendet. Die Argumente wirken blass wie eh uns je und noch viel bedrückender ist, dass die Gegner der Initiative von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger um den heißen Brei herum lavieren, um nicht ihre „Political Correctness” einzubüßen. Schwer sind die Zeiten, wenn Stammtischparolen auch den koalitionseigenen Außenminister ins Visier nähmen.
Da wird dann gerne die Kiste aufgemacht, dass die Familie besonderen Schutz genieße. Das ist sicher richtig. Aber wirkt bigott, wenn man in Betracht zieht, dass homosexuelle Paare praktisch chancenlos bei Adoptionen sind. Nebenbei erwartet man von heterosexuellen Paaren auch keinen Zwangsnachwuchs.
Leutheusser-Schnarrenberger benennt das „Einkommensteuerproblem” und das „Adoptionsrecht” als die beiden großen Baustellen, der 10 Jahre alten, so genannten, „Homo-Ehe”. Das Adoptionsrecht ist sicher ein Problem. Gar nicht, weil Lesben oder Schwule nicht in der Lage wären Kinder aufzuziehen, noch weniger, weil diese Kinder dann, wie oft angeführt, selber homosexuell würden, sondern, weil diese Kinder durch das private und schulische Umfeld unter Druck geraten würden. An dieser Stelle muss sich erst die Einstellung innerhalb der Gesellschaft ändern, damit dieser Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.
Bei der Einkommensteuer sieht es hingegen anders aus. Wenn man das Ehegattensplitting als Familienförderung ins Feld führt, darf dieses auch nur Paaren mit Kindern gewährt werden. Derzeit ist die Situation so, dass kinderlose Doppelverdiener mit einer hohen Einkommensdifferenz am meisten von der Steuergesetzgebung profitieren. Da es aber derzeit kein Bestreben gibt das Ehegattensplitting abzuschaffen sollte es ebenso für die „Homo-Ehe” gelten.
Es ist schlicht unfair Menschen ungleich zu behandeln, wenn dies aufgrund einer Veranlagung hin geschieht, die sich keiner selber aussucht. Auch wenn häufig von „Lebensweise” in diesem Zusammenhang geredet wird, geht es nicht um eine Sammlung von Angewohnheiten, sondern um ein Grundbedürfnis und eine nicht beeinflussbare Eigenschaft.
Ich kann mir nicht helfen, aber diese Diskussionen erinnern mich immer an einen oft gehörten Satz: “Ich habe nix gegen Schwule, aber…”
Peter Brandt
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 Quelle: http://www.forever27.co.uk/27/
Der „27 Club” bekam unlängst ein neues Mitglied. Amy Winehouse, die britische Sängerin verstarb am 23.Juli 2011. Kurt Cobain, Jim Morrison, Hendrix, Joplin und etliche mehr, haben ihren 28.Geburtstag nicht erlebt. Schnell leben und jung sterben. Ein bedrückendes Credo, aber von vielen dieser Musiker konsequent gelebt. Drogen, Alkohol, Medikamente und dazu der gewaltige Druck der Öffentlichkeit. Dem Publikum ist häufig nicht klar, wie sehr eine Künstler sich auf der Bühne öffnet und wie verletzlich er dadurch wird.
Sicher viele „Stars” kommen mit diesen Umständen gut klar, und genießen den Ruhm und nicht zuletzt das Geld. Viele jedoch zerbrechen schon auf der Straße dorthin, und was dann in das Licht der Öffentlichkeit tritt, ist eine bereits kaputte Seele. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob der Tod mit 27 oder, wie z.B. bei dem mit Schauspieler River Phoenix, mit 23 an die Tür klopft.
Die Glitzerwelt bricht ihre eigenen Kinder. Und selbst wenn der Absturz nicht mit dem Tod endet, eine Tragödie ist es dennoch allzu oft, Britney Spears wäre dafür ein Paradebeispiel.
Manche schaffen einen zweiten Anlauf, wie Robin Williams, manche scheitern gar mehrmals, wie Whitney Houston.
Für mich jedenfalls hat die Unterhaltung ein jähes Ende, wenn ich den Eindruck bekomme, wie jemand sich langsam aber sicher öffentlich zugrunde richtet.
Peter Brandt
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 Quelle: SPIRI.org
Deutschland die Rüstungsexportnation Nr.3 ist lediglich für 13% der weltweiten Waffenexporte verantwortlich. Diese Feststellung wurde unlängst von Arnulf Baring in einer beliebten sonntäglichen Talkrunde geäußert. Seit Ende des 2.Weltkrieges starben mindestens 25 Millionen Menschen durch Kriege. Also angenommen die Zahl 13% wäre ein Fixum, dann wären das 3.25 Millionen Opfer durch Waffen aus deutscher Fertigung. Das sind 50.000 Menschen jedes Jahr. Noch ein wenig Rechenspielerei? Laut SIPRI[1] hat Deutschland seit 1950 für rund 75 Milliarden Dollar Waffen exportiert, im Jahr 2010 für rund 2,3 Milliarden Dollar. Es wäre perfide auszurechnen, dass dies einem Exportvolumen von 46000 Dollar je Opfer in diesem Jahr entspräche.
Der dauertalkende Historiker Baring sagte aber noch mehr. So seien nur 20 von 200 Regierungen in unserem Sinne politisch korrekt, d.h. demokratisch gewählt und achtend der Menschenrechte. Daraus folgerte er weiter, dass wir die Menschenrechte nicht zu unserer Maxime in der internationalen Zusammenarbeit erklären dürften. Auch in der aktuellen Diskussion um Waffenlieferungen an Saudi Arabien müsse der Einzelfall geprüft werden. Sicher, diese Einzelfallprüfung, war in der Vergangenheit ja auch ungemein erfolgreich. Denken wir nur an Libyen, den Irak oder Afghanistan. Was sollte also schlimmes in Saudi Arabien passieren?
Dass die Panzer mit Räumschilden versehen werden sollen, kann man doch nicht als Indiz dafür sehen, dass diese gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden sollen, um z.B. Demonstrationen aufzulösen, oder? Baring warf seinen Diskutanten auch vor, dass sie in einer Traumwelt lebten, der Begriff Gutmensch ist zwar nicht gefallen, schwebte aber im Raum.
Nicht umsonst gilt aber in Deutschland der Grundsatz keine Waffenexporte in politisch instabile Gebiete vorzunehmen. Welcher Teufel die Bundesregierung jedoch reitet, ausgerechnet dies für den arabischen Raum, angesichts der derzeitigen Demokratiebewegungen, als gegeben zu sehen ist mir vollends schleierhaft. So drängt sich mir die Vermutung auf, dass hier mit dem Klingelbeutel gedacht wurde.
Baring ist sicher nur einer unter vielen, aber insbesondere die Menschenrechte als Kann-Paragraphen anzusehen ist schlicht unverantwortlich.
Es geht hier nicht um einen neuen Imperialismus. Wir haben weder das Recht Monaco, noch Bahrein ein politisches System aufzuzwingen. Aber weder der Mensch in Monaco, noch der in Bahrein möchte unterdrückt, gefoltert oder ermordet werden. Und wenn nicht die westlichen Industrienationen auf diese wenigen Grundsätze achten, diese für einen guten Deal zur Disposition stellen, wer soll sie dann noch einfordern? Wenn der Starke sich nicht mehr vor den Schwachen stellt, sondern mit dem Halunken gemein macht, wie empfinden wir dies in unserem kleinen eigenen Universum?
Ganz persönlich halte ich Waffenexporte für verzichtbar, ja auch wenn dies 200000 Arbeitsplätze und Milliarden Euro vernichten würde. Wenn wir aber schon dieses reiche Instrumentarium an Mordwerkzeugen versilbern müssen, dann muss zumindest zum Zeitpunkt des Handels zweifelsfrei festgestellt werden, dass die derzeitige politische Lage des Empfängerlandes nicht von Krisen behaftet ist und dass die Menschenrechte geachtet und eingehalten werden.
Nach all den Jahren Humanismus in Deutschland hätte man annehmen sollen, dass es einen Konzens darüber gibt, dass mache Werte nicht verhandelbar sind. Exportnation hin oder her!
Peter Brandt
[1]http://www.sipri.org/
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Nachdem Frau Silvana Koch-Merin über ihre Doktorarbeit gestrauchelt ist, erwischte es einen weiteren Europa-Abgeordneten der FDP, Georgios „Jorgo” Chatzimarkakis. Die Internetseite VroniPlag, die Hüter der Wissenschaftshygiene haben sich mit seiner Doktorarbeit auseinandergesetzt und Erschreckendes herausgefunden. Chatzimarkakis hat laut VroniPlag etliche Seiten in seiner Doktoarbeit aus Drittwerken übernommen und dabei die Passagen nicht als Zitat gekennzeichnet.
Anders als seine Leidensgenossen tritt Chatzimarkakis allerdings die Flucht nach vorne an und tingelt seitdem durch die Talkshows, um der Wählerschaft seine Unschuld zu versichern. Er sei wegen der Formfehler bereits schlechter benotet worden und habe seine Arbeit auch als einer der ersten im Internet zugänglich gemacht. Die Rührselige Geschichte, dass er die Dissertation auch seinem verstorbenen Großvater ins Grab gelegt habe, spare ich mir an dieser Stelle.
Wie die meisten Wähler habe ich Herrn Chatzimarkakis das erste mal bei seiner unglücklichen Äußerung über Guido Westerwelle wahrgenommen. Es folgten ein paar Einschätzungen zur Griechenlandkrise, für die er als Halbgrieche naturgemäß Experte ist. Eine Randbemerkung: Für die Inflation bei Experten betzüglich Eurokrise, Terrorgefahr und Politikverdrossenheit, kann man den Mann natürlich nicht verantwortlich machen.
Abgesehen davon ist G.Chatzimarkakis keine politische Lichtgestalt. Während Frau Koch-Merin wenigstens eine adrette Erscheinung auf FDP Wahlplakaten abgab, wäre Chatzimarkakis wahrscheinlich wieder sang und klanglos im eurpäischen Abgeordnetensumpf versunken.
Gut also, dass es Seiten wie VroniPlag gibt. Das Land muss über solche Betrügereien aufgeklärt werden. Sei des die Tochter von Edmund Stoiber, die bereits VroniPlag zu ihrem Namen verhalf oder jetzt G.Chatzimarkakis. Danke, dass daraus nicht noch gleich ChatziPlag wurde, ich weiß nicht, ob ich das ertragen hätte.
Im Unterschied zu dem vor einiger Zeit gestrauchelten K.-T. zu Guttenberg, haben diese Durchschnittspolitiker weder in der Wahrnehmung, noch belegbar durch ihre Äußerungen so hohe Anforderungen an die menschliche Moral aufgestellt. Deshalb ist die Fallhöhe auch geringer, und der Skandal für die breite Masse uninteressanter.
Außerdem muss man G.Chatzimarkakis in Schutz nehmen, denn er hat zumindest an fast allen Stellen in Fußnoten auf die Herkunft hingewiesen. Dies macht man wohl kaum, wenn man vor hat geistiges Eigentum zu stehlen. Ein solches Verhalten ist einfach hochgradig dämlich und beweist nur, dass weder ein Universitätsabschluss, noch eine Promotion gleichbedeutend mit einem hohen Intelligenzgrad ist.
Darf so jemand im Amt bleiben? Ja natürlich! Gerade mal 2 von 5 Wahlberechtigten nehmen bei Europawahlen ihr Stimmrecht wahr. Hinzu kommt, dass man in diesem Fall kaum von Böswilligkeit ausgehen kann. Es gab auch keine Dementi, die im Nachhinein zurückgezogen werden müssen.
Meiner Meinung nach trägt VroniPlag nicht zur Wissenschaftshygiene bei. Diese gehört in die Wissenschaft und nicht in einen Internetpranger. Wenn dann tatsächlich eine Fakultät einer Person öffentlichen Interesses den Titel aberkennt, kann man das gerne im Detail veröffentlichen.
Und mit „Person öffentlichen Interesses” ist nicht jeden Hinterbänkler gemeint. Man könnte meinen, die Menschheit hätte keine Probleme und Aufgaben zu bewältigen. Ekelhaft!
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 Quelle: http://www.ptext.de/
Schlappe 25% der in Frage kommenden Kinder partizipieren derzeit erst an dem von der Koalition verabschiedeten Bildungspaket. Der Umkehrschluss ist, dass 75% weiterhin entweder auf Teilhabe verzichten oder sich die Eltern dieser Kinder die Kosten vom Munde ab sparen. Die Opposition war schnell mit einer Erklärung bei der Hand. Schuld sei die Bürokratie, und sicher die uneinheitlichen Bögen, die es auszufüllen gilt, laden Eltern nicht gerade ein, die helfende Hand zu ergreifen.[1]
Das kann aber nicht die ganze Wahrheit sein. Während ein Teil der Eltern sich vielleicht nicht entblößen möchte, ein anderer zu träge ist und ein dritter das Konzept eventuell gar nicht erst verstanden hat, sitzen die Kinder dieser Elternschaft weiterhin im kulturellen Abseits.
Erinnerungen werden wach. Ein ähnliches Phänomen gab es schon einmal vor der Einführung der Grundsicherung bei RentnerInnen. Damals spekulierte unser Fürsorgestaat darauf, dass nicht jeder Bezugsberechtigte auch tatsächlich Leistungen in Anspruch nimmt. Auch damals spielten Scham und Unvermögen die zentralen Rollen.
Möchte man jedoch Familienministerin a.D. Ursula von der Leyen Glauben schenken, so lag dies nicht in der Absicht der Regierenden. Dann bleibt es aber unverständlich warum an dieser Stelle Hürden geschaffen wurden, die von den Leidtragenden, den Kindern, gar nicht selber ausgeräumt werden können. Ist es nicht seit langem ein Ziel, die Kinder bildungsferner Eltern mitzunehmen? Statt aber auf die Kinder zuzugehen wendet man sich eben an diese, oft schon überforderten, Eltern.
Ein Teufelskreis, ja, aber einer mit Notausgang. Der Vorschlag des Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann, die Kompetenz in die Schule zu verlagern wäre eine Möglichkeit. Bis die Infrastruktur jedoch in der Fläche so umgesetzt ist, geht wieder eine Generation Jugendlicher ohne Chancengleichheit ins Land.
Dabei gäbe es einfachere Lösungen. Kaum eine Bevölkerungsgruppe ist gläserner vor dem Staat, als Arbeitssuchende und ALG II Bezieher.Keine andere Gruppe in unserem Land musste dem Staat mehr über die eigenen Familienverhältnisse und ihre finanzielle Situation mitteilen. Wenn der Staat also bereits um diese Kinder weiß, warum bekommen diese Kinder dann nicht einfach eine Chipcard zugestellt, die nur für die Zahlung ihrer kulturellen Belange einsetzbar ist? Ohne Formulare, ohne wenn und aber.
Besser wäre es diese Chipcard gleich an alle Kinder auszuhändigen. Ob und wie man nicht bedürftigen Eltern die Kosten dafür in Rechnung stellt ließe sich sicher Regeln. Wichtig wäre nur, dass die Verantwortlichkeit einer Behörde zugewiesen wird, damit nicht dutzenden Beamte die selben Bögen von Haus zu Haus reichen müssen. Denkbar wäre die Finanzierung auch über den Kinderfreibetrag, oder den Grundfreibetrag. Letzteres würde bedeuten, dass auch Kinderlose an der Finanzierung beteiligt wären.
Welchen Weg die Politik auch gehen mag. Die gesellschaftlichen Probleme und Kosten, wachsen mit jedem verlorenen Tag. Und zu guter Letzt: Kein Kind sollte an einer bürokratischen Hürde hängenbleiben, ist dies einmal Konsens geworden, findet sich der Rest von alleine.
Peter Brandt
[1] Liste des Sterns zu den Antragsformularen
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So oder so ähnlich könnte in Zukunft die Internetadresse Ihres Vertrauens lauten, d.h. wenn jemand freiwillig 185.000$ springen lässt, um „.schmitz” zu einer neuen Top-Level-Domain, kurz TLD, zu machen. Die ICANN, die Institution, die für die Verwaltung der TLDs verantwortlich ist, plant nämlich eine „historische Veränderung” des Internet herbeizuführen. Es scheint, dass „historische Veränderungen” derzeit eine starke Inflation erleben, hoffentlich wissen die zukünftigen Geschichtsbücher dennoch alle zu würdigen. Die Veränderungen im Internet sind jedenfalls beschlossene Sache. Es fragt sich nur, wer Nutznießer dieser Änderungen ist.
Derzeit gibt es gut 200 länderspezifische TLDs, und je ein bis zwei Hände voll gesponserter und nicht gesponserter TLDs. Länderspezifische TLDs sind z.B. „.de” für Deutschland, „.cn” für China, oder „.ch” für die Schweiz. Bei den gesponserten TLDs ist wahrscheinlich „.com”, die Abkürzung für “commercial”, am Geläufigsten, andere Beispiele wären „.biz”, „.org” oder „.net”. Unter den gesponserten TLDs sind lediglich „.gov”, und „.edu” einem eingeschränkten Kreis geläufig, der Rest wird kaum einem Nutzer im Alltag allzu oft begegnet sein.
Neu im Portfolio der ICANN sind die individuellen TLDs. Laut Plan der ICANN sollen diese dann im Jahr 2013 geschaltet werden. Die Bewerbungsphase ist für Januar bis April des kommenden Jahres vorgesehen. Die hohe finanzielle Hürde von 185.000$ ( rund 130.000€ ), soll übrigens Betrüger davon abhalten sich lukrative TLDs zu erschleichen. Damit aber auch Entwicklungsländer zum Zuge kommen, habe man 1,4 Millionen Euro zur Unterstützung jener Länder bereitgestellt, teilt die ICANN mit.
In den Staaten treibt die Idee bereits Blüten, so möchte z.B. die dotgay Initiative „.gay” für Seiten mit Inhalten registrieren, die sich an Homosexuelle richten. Ein Unterfangen, das nicht in jedem Land so entspannt wie hierzulande betrachtet werden wird.
Das Gros neuer TLDs wird wohl von großen Konzernen und Metropolen angemeldet werden. Von „.apple” bis „.zürich” werden uns dann Internetendungen um die Ohren fliegen. Die Marketingstrategen reiben sich sicher jetzt schon vor lauter Vorfreude die Hände, aber freut sich auch der Nutzer?
Nun, während „.hamburg” oder „.moskau”, bei strenger Vergabe eine Navigationshilfe für Nutzer darstellen könnten, will mir ein Nutzen einer „.bmw” Domain nicht einleuchten. Im Gegenteil. Sind wir nicht gewohnt auf gut Glück mal „unternehmen.de” in die Adresszeile des Browsers zu tippen? Ich bin sicher, dass die Unternehmen deshalb auch in Zukunft nicht auf ihre „.de” und „.com” Domains verzichten werden, und ob es tatsächlich ein Quantensprung ist, statt wie bisher z.B. „produkt.firma.de”, demnächst nur noch „produkt.firma” zu tippen, vermag ich nicht zu beantworten.
Sicher jedoch ist, dass weder kleine Unternehmen, noch Anwender von dieser Änderung profitieren werden. Denn weder Herr Bayer aus M, noch Glaserei Bayer aus K, werden die 130.000Euro mal eben so locker machen können, während der Chemiekonzern Bayer aus L das aus der Portokasse zahlt. Ebenso sicher profitiert auch die ICANN, auch wenn diese dem Wesen nach keine Profite machen darf. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Peter Brandt
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