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Archiv für die ‘Thema der Woche’ Kategorie

Vom schnöden Mammon und dem Renommee

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Das Wort „Wert” begegnet uns in mancherlei Zusammenhang. Wertschätzen, wertvoll, lebenswert, oder Grundwert. Allesamt Begriffe, die um dieses kleine Wörtchen „Wert” drehen. Neben der Bedeutung im gesellschaftlichen. ist der „Wert” aber auch ein Maßstab im wirtschaftlichen Sinn. Der Wert einer Marke, der Börsenwert eines Unternehmens, oder dessen Wertschöpfung, der Umsatz bzw. Gewinn. Im Alltag würde man wahrscheinlich annehmen, dass das Unternehmen mit dem höchsten Gewinn, auch am besten an der Börse notieren würde und so auch wahrscheinlich dessen Marken, insofern diese von Konsumenten wahrgenommen werden, ganz oben rangieren.

Um es gleich vorweg zu nehmen, die Wirklichkeit sieht vollkommen anders aus. An der Börse zählt die Fantasie, also die Erwartung in die Entwicklung eines Papiers oft mehr, als die dahinterstehende Wirtschaftsleistung. Bei einer Marke wird das ganze noch dadurch konterkariert, dass viele der mächtigsten Unternehmen kaum in der Öffentlichkeir wahrgenommen werden. Zeit für ein wenig Statistik:

Die Fortune 500 listet die die Unternehmen nach ihrem Jahresumsatz abfallend sortiert auf. Die Liste von 2010 wies das US-Amerikanische Unternehmen Wal-Mart als Spitzenreiter aus. Laut Geschäftsbericht hatte Wal-Mart einen Jahresumsatz von 408 Milliarden Dollar und einen Gewinn von über 14 Milliarden Dollar. Der Börsenwert des Unternehmens lag aber nur bei 209 Milliarden Dollar und reichte somit nur für Platz 7 auf der FT Global 500, der Liste die börsennotierte Unternehmen nach ihrem Börsenwert auflistet. Der Wert der Marke reichte mit 39 Milliarden Dollar gar nur für Platz 18 in der BrandZ Top100.

Jetzt drehen wir den Spieß mal um und nehmen uns die laut BrandZ teuerste Marke vor. Im Jahr 2010 war das Google, mit einem Markenwert von 114 Milliarden Dollar. Mittlerweile musste Google den Platz zwar für Apple räumen, aber das ist für diese Betrachtung irrelevant. Sucht man Google in der FT 500, sieht man, dass Google dort nur Rang 30 belegte, und einen Börsenwert von 138 Milliarden Dollar aufwies. Die Fortune 500 wies Google auf Platz 355, da der Umsatz 2010 bei 23 Milliarden Dollar und der Gewinn bei „nur” 6,5 Milliarden Dollar lag.

Noch dramatischer wird das Ganze wenn man z.B, Facebook betrachtet. In der Liste der wertvollsten Marken liegt Facebook im Jahr 2011 mit 18 Milliarden Dollar auf Platz 35, bei einem Jahresumsatz von 2 Milliarden Dollar.

Die glamourösen Marken stehlen wie es scheint den Bodenständigen die Schau. Sicher Facebook hat derzeit mehr als 674 Millionen Mitglieder, aber Wal-Mart dafür 2,1 Millionen Mitarbeiter. Und egal ob ein Unternehmen nun groß oder klein ist, der wahre Wert, um einen Schlenker zur Einleitung zu machen, ist seine soziale Einbindung. Welch Gewinn wäre es, wenn es populäre Listen gäbe, die den Erfolg eines Unternehmens anhand der Löhne, Mitarbeiter und sozialen Strukturen messen würden. Ich bin sicher die Diskussionen der letzten Jahre über Heuschrecken und Managereinkommen wären nicht aufgekeimt, oder würden ersterben, wenn die Mitarbeiter solcher Unternehmen stets fair und auskömmlich behandelt worden wären.

Aktuell ist es aber immer noch ein Grund Sektkorken an der Börse knallen zu lassen, wenn ein Unternehmen Produktionsstätten in Billiglohnländer verschiebt. Menschlichkeit ist nicht nur schwer messbar, sondern auch kein Wirtschaftswert.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 14. Juni 2011 / 10:24) | 1 Kommentar | Permalink

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Heckmeck um EHEC
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Gerd Altmann / pixelio.de

Jahrzehntelang predigten uns unsere Eltern und wir unseren Kindern, dass wir wie sie mehr Salat und Gemüse essen sollen. Besonders nährstoffreich seien diese, wenn sie roh genossen werden. Salat, Gurken, Tomaten und zu guter Letzt Sprossen. Fast im Tagesrhythmus wechselt der Top-Verdächtige den Platz mit einem seiner Konkurrenten. Zur Stunde ist nur sicher, dass die Liste der zu vermeidenden Lebensmittel wächst.

An dieser Stelle von Pannen zu sprechen, wäre aber höchst unangebracht, denn sowohl die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden, des Robert-Koch-Instituts, als auch der frequentierten Kliniken leisten sicher ihr Möglichstes, um der Lage Herr zu werden. Dass es dabei Fehler in der Logistik gibt, ist im Angesicht des föderalen Systems hierzulande wenig verwunderlich.

Genauso wenig erstaunlich ist das häufig hektisch erscheinende Handeln der Behörden. Niemand möchte sich nachher den Vorwurf machen, auch nur ein einzelnes Opfer nicht gewarnt zu haben. Bedauerlich, dass weder die Neuinfektionen spürbar zurückgehen, noch, dass keine heiße Spur bisher zu tragen scheint. Entweder ergaben die untersuchten Proben nicht die erwarteten Werte her, oder z.B. der gefundene Stamm passte nicht zu den Infektionen. Es bleibt die Hoffnung, dass der Scheitelpunkt der Epidemie erreicht wurde und die Fallzahlen nun langsam zu sinken beginnen.

Was zeigt uns die EHEC-Welle? Zum einen, dass trotz allen Widrigkeiten die Systeme greifen. Der Erreger wurde zügig klassifiziert und sogar genetisch dechiffriert, letzteres in einer Deutsch-Chinesischen-Kooperation. Die Spuren zurückzuverfolgen ist naturgemäß schwierig, oder können Sie Ihren Speiseplan der letzten 10 Tage mühelos runterbeten?

Es gibt aber auch eine Kehrseite. Krankheiten wie EHEC, die Vogelgrippe, aber auch BSE rufen uns von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis, dass wir Lebewesen sind. Teil eines Ökosystems. Auch wenn wir Vokabeln wie Agrarindustrie und Gesundheitssystem verinnerlicht haben, zeigen uns Viren und Bakterien, dass sich biologische Mechanismen nicht an einfachen Stellschrauben verändern lassen. Die Hauptursache für das dabei auftretende Unwohlsein und auch die keimende Angst ist der Kontrollverlust. Kontrollverlust passt nicht in unsere Zeit.

Bei EHEC kommt erschwerend hinzu, dass wir die Waffen über die wir Kampf mit Bakterien verfügen nicht nach Belieben einsetzen dürfen, da der Erreger hochgefährliche Toxine freigibt, wenn er mit Antibiotika zu Tode gebracht wird.

Nur keine Panik, lehrt uns nicht nur der „Anhalter durch die Galaxis”. EHEC ist eine so Schmierinfektion, und als solche durch Hygiene bekämpfbar. Und auch wenn letztlich der Infektionsherd gar nicht gefunden werden sollte, ist am Ende der Geschichte nur von Bedeutung, dass sie überhaupt ein Ende fand.

Sollte alle nicht unmittelbar Betroffenen lediglich auf ein paar rohe Gemüsesorten und Salat verzichten müssen und vielleicht noch die Hand- und Küchenhygiene wieder ernster nehmen, sind das doch vertretbare Kompromisse, verglichen mit einer Infektion. Auch wenn EHEC derzeit die Headlines füllt, fallen der Sommergrippe alljährlich deutlich mehr Menschen zum Opfer.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 7. Juni 2011 / 11:30) | 3 Kommentare | Permalink

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Alles soll anders bleiben

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Oder schlicht das Gute bewahren und den Rest am Besten auch. Kaum war der Ausstieg vom Wiedereinstieg gestern besiegelt, konnte man die Bedenkenträger hören. Alles wird teurer werden, im Winter kalt und dunkel, und Vögel werden in Windrädern direkt in ganzen Schwärmen filetiert. Dabei haben wir doch schon so viel opfern müssen? Wehmütig denken viele an die D-Mark zurück, an die Grenzsteine, an die alte BRD bzw. DDR und an „Raider”, das nun „Twix” heißt. Und jetzt? Jetzt fällt eine lang in Deutschland für sicher geglaubte „Kernkompetenz” der Grünen Revolution zum Opfer. Manche fürchten schon ein Verbot von Autos mit einem Verbrauch eines Kleinjets, oder gar ihrer Wäschetrockner.

Und natürlich ist alles nur schlechter geworden. Die Deutschen werden zwar weltweit mit Staunen betrachtet, das Selbstempfinden hingegen ist stets etwas stiefmütterlich. Gerät eine Gesprächsrunde in lockerer Atmosphäre erst mal in Wallung, bleibt kaum noch ein Stein auf dem anderen. Der Wutbürger schlägt durch und reagiert sich an der gesamten vermeintlichen Bringschuld des Staates ab. Mehr Geld für jeden, mehr Jobs, weniger Steuern, niedrigere Beiträge, bessere Versorgung, bessere Schulen, mehr netto vom brutto, mehr Sicherheit - kurz alles für jeden, und für den einzelnen ein wenig mehr. Bezahlt und umgesetzt wird das dann „von denen da oben”, einer sphärischen Gruppe nicht weiter definierter Individuen, die erst mal nur gemein haben irgendwie oben zu sein, wobei selbst „oben” keine weitere Definition erfährt.

Es muss nicht erwähnt werden, dass bei jedem Punkt ein irgendwie geartetes „früher war alles besser” mitschwingt, wenngleich „früher” nur die Zeit vor dem Jetzt und Heute meint, nicht eine konkrete Spanne. So ist früher oft gar nicht lange her, und war, als es noch das Jetzt war schon schlechter, als das frühere „früher”.

Wenn nicht gerade eine Fußball-WM stattfindet, können wir begeistert die ganze Gesellschaft nach unten jammern, und ein Superlativ des Elends jagt den nächsten. Da braucht es keine Lebenswirklichkeiten. Der Deutsche mag es, wenn er seiner Vergangenheit, egal wie verklärt, hinterher trauern darf.

Nicht alles ist besser geworden, nicht alles schlechter, vieles ist einfach nur anders. Und es ist bequem sind in eingetretenen Spurrinnen der Vergangenheit zu bewegen. Waren die Historien der Mütter und Väter mindestens zwei Generationen lang geradezu ein Leitfaden für Kinder in ihrer eigenen Lebensplanung sicher von Hafen zu Hafen zu kommen, so gilt dies aktuell oft nicht mehr. Private und berufliche Historien haben mehr Knicke, Brüche und Risse bekommen. Dies sind Herausforderungen denen man sich zu stellen lernen muss.

Das ändert aber nichts an den Tatsachen. Selten haben wir in diesem Land sicherer, friedlicher und saturierter gelebt. Ein Blick über den Tellerrand genügt, um zu sehen, dass all das Jammer nicht nur auf hohem Niveau stattfindet, sondern dass wir gemessen am Rest der Welt in einer Oase leben. Und auch wenn man selbst in einer Oase nicht sicher vor dem Schicksal ist, so lässt es sich dort wenigstens besser erdulden.

Einfach mal gezielt lächeln und sich selber sagen, dass man eigentlich mit viel Glück an einem der wenigen Orte geboren wurde, die ein Leben mit Selbstverwirklichung überhaupt erst möglich machen, hilft vielleicht. Es kostet beim ersten Mal eventuell noch Überwindung, aber nach ein paar Malen, sagt und fühlt sich ein „Mir geht es gut” immer leichter. Bleiben Sie heiter.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 31. Mai 2011 / 10:13) | Keine Kommentare | Permalink

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Sex, Verbrechen, VIPs und Journalismus

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Wenn drei Themen sich begegnen, die jedes für sich bereits Artikel in diversen Gazetten füllen, dann wundert es nicht, dass deren Zusammentreffen noch mehr Aufmerksamkeit fördert. Sex und Prominente, Sex und Verbrechen, Prominente und Verbrechen, oder alle gleich alle drei, machen es selbst dem Fantasielosen leicht sich Schlagzeilen auszudenken. Dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden, wenn sich die Berichterstattung auf das Bericht erstatten beschränkte. Die Fälle letzten Zeit zeigten aber eindeutig, dass es unter der schreibenden Zunft ein Meer von Volljuristen zu geben scheint, die freimütig in die Rolle eines Anwalts, Anklägers oder gleich Richters schlüpfen.

Im Fall Kachelmann fand sogar eine Lagerbildung statt. Die einen schrieben den beliebten Wettermann schuldig, die anderen unschuldig. Bei Strauss-Kahn sind sich die Medien eher einig, dass die Beweise jetzt schon erdrückend sind. Anne Will diskutierte in ihrer letzten Sendung „Haben Männer in exponierten Positionen ein eigenes Moralverständnis?”, ganz so als sei jede Anklage gleich ein Schuldbeweis und als würde in Hochfinanz, Politik und Wirtschaft nur noch horizontal gearbeitet.

Es gibt Männer wie Berlusconi, die sicherlich ein zweifelhaften Verhalten an den Tag legen, und auch die Bordellbesuche von deutschen Führungsetagen werfen kein gutes Licht auf die oberen 10000. Wir müssen allerdings aufpassen nicht alles in einen Topf zu werfen. Prostitution aus Firmenkassen zu bezahlen, Mitarbeiter und Kunden mit solchen Gratifikationen zu beschenken ist sicher amoralisch, aber keine Straftat in der Dimension einer Vergewaltigung.

Natürlich darf das nicht zu Verharmlosungen wie Verführer, Schwerenöter oder Casanova führen, wie manche Blätter Strauss-Kahn während der ersten Tage bezeichneten. Aber auch auch nicht zu Verunglimpfungen wie Sex-Bestie, Monster oder Sittenstrolch.

Der Schutz der Privatsphäre hat auch für Prominente zu gelten, und die sexuellen Vorlieben, Seitensprünge oder Verfehlungen haben nichts in der Öffentlichkeit verloren, wenn sie nicht ebenfalls für sich betrachtet schon eine Straftat darstellen. Diese pornografische Sicht der Dinge empfinde ich als ekelerregend.

Stellen Sie sich doch mal vor, es stellte sich später heraus, dass Strauss-Kahn tatsächlich unschuldig sei. Der schwere persönliche Makel, der ihm jetzt anhaftet, aber eigentlich nur seine Familie betrifft, ist nicht mehr abzuwaschen.

Vergewaltiger gehören hart bestraft. Opfer verdienen jedwede Unterstützung, aber was passiert, wenn sich die Schuldfrage umdreht? Der Fall Andreas Türk, ebenfalls bei Anne Will noch einmal kurz angerissen, zeigt, dass oft schon die Anschuldigung reicht, um eine Karriere nachhaltig zu beenden, selbst wenn sich später herausstellt, dass die Anschuldigungen aus der Luft gegriffen waren. Mehr noch, stellen Sie sich das am eigenen Leib vor. Bespuckt von Nachbarn, gemieden von Freunden und isoliert im Beruf.

Die Strafe darf in einem Rechtsstaat erst bei der Verurteilung erfolgen, und die Unschuldsvermutung muss für jeden Menschen gelten. Was unsere Medien zum Teil hier veranstalten hat einen anderen Name, nämlich Willkür. Und dieser ist niemand gerne ausgesetzt, oder?
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Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 24. Mai 2011 / 12:40) | 2 Kommentare | Permalink

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In guten wie in schweren Tagen

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„Drum prüfe, wer sich ewig bindet”, lautet ein berühmtes Zitat. Ein Zitat, das nun scheinbar auch die EU einholt. Vergessen scheinen die Träume von Frieden und Freiheit der vereinigten Staaten von Europa. Noch ein Zitat in diesem Zusammenhang lautet: „Bei Geld hört die Freundschaft auf.” Eine Erfahrung, die den Griechen gerade reichlich die Tage verhagelt.

Hierzulande überwerfen sich die Fachleute mit Theorien. Jede Talkrunde wartet mit mindestens einem Volkswirt, Wirtschaftsweisen, Wirtschaftsjournalist oder Finanzpolitiker auf. Und alle bringen nicht eine, sondern die Lösung des Problems mit. Sei es eine Umschuldung mit Haircut, neue und längere Kredite, Neuauflage der Drachme, Subventionsprogramme, oder eine Mixtur aus zwei oder mehr Zutaten. Sinn, Henkel, Schäuble, Brüderle oder wie der jeweilige Pächter der Weisheit auch heißt, scheinen aus der Vergangenheit nur wenig gelernt zu haben. Die Berechenbarkeit der Märkte, ja selbst einer Volksökonomie grenzte in der Vergangenheit stets an Kaffeesatzleserei. Sicher, der eine oder andere hatte hier oder da Recht, aber wie viel davon war Wahrheit und wie viel selbst-erfüllende Prophezeiung?

Die Märkte reagieren wie scheue Rehe und gebärden sich häufig wie Kannibalen. Eine explosive Mischung. Wenn uns in den Nachrichten lapidar über Punkte berichtet wird, bedeutet dies für eine Volkswirtschaft schnell mal einen Milliardenunterschied.

Die Bedenkenträger, die immer schon gegen den Euro wetterten scheinen auf diesen Tag nur gewartet zu haben. Es zeigt sich, dass die EU keinesfalls der gefestigte Bund ist, der sie gerne sein würde, und den ihre Gründungsväter im Sinn hatten. Stellen Sie sich vor, die USA würde diskutieren Kalifornien und Texas aus dem Dollar auszuschließen. Und die USA hat gerade erst die maximale Neuverschuldung für 2011 gerissen, obwohl das Jahr noch nicht einmal halb vorbei ist.

Ich für meinen Teil habe kein Patentrezept im Kopf und möchte mich auch mit allzu klugen Ratschlägen zurückhalten. Dennoch möchte ich, dass sich alle Beteiligten zusammensetzen und dieses lose Geflecht, friedlich zusammen lebender Staaten schützen.

Vieles an dem griechischen Debakel ist sicher hausgemacht. Aber der Durchschnittsbürger Griechenlands ist dafür sicher nicht verantwortlich. Und es darf nicht angehen, dass der griechische Staat sich an eben jenem gesundschrumpfen muss. Fassen wir uns einmal an die eigene Nase. Wie würden wir reagieren, wenn die deutsche Staatsquote auf unseren Rücken um 30% sinken sollte, wie Professor Sinn vom ifo Institut vorgibt?

Ob Schuldenschnitt, Aufschübe, Zinsverzicht oder Förderprogramme. An einer Sanierung und Homogenisierung der europäischen Wirtschaft führt kein Weg vorbei. Es sei denn wir möchten das jetzt schon beängstigende Nord-Süd-Gefälle weiter stärken. Die wirklich großen Herausforderungen warten südlich der Straße von Gibraltar auf uns, alles darüber - ist nur Geld.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 17. Mai 2011 / 11:46) | 2 Kommentare | Permalink

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Die Gedanken sind frei?

buecherverbrennung

Jeder Tag hat seine Jubiläen, so auch der 10.Mai. Vor 78 Jahren, am 10.Mai 1933 wurden in vielen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt, Dresden und München, Bücher in einer symbolschwangeren Aktion verbrannt. Freud, Tucholsky, Brecht, Kästner, Mann und zahllose andere Autoren, die entweder jüdischer Abstammung, liberal, sozialistisch oder pazifistisch waren, fielen so stellvertreten durch ihre Bücher dem Scheiterhaufen zum Opfer. In der Anmutung eines bizarren religiösen Rituals versuchte die erst 3 Monate zuvor an die Macht gelangte NSDAP die Köpfe von unreinen Gedanken zu säubern. Sagt man doch Feuer allgemein eine reinigende Wirkung zu. Vergleiche zu den Verbrennungen von Kleidung und anderen Habseligkeiten bei schweren Pandemien kommen ebenso hoch, wie die Bilder der Hexenverbrennungen, während der Inquisition. Zum Glück haben die Werke den Nationalsozialismus überdauert, zu kurz währte das “1000 jährige Reich”. Nichtsdestotrotz gab diese Aktion eine klare Richtlinie vor und definierte so eine perfide “Political Correctness”, die sich später auch in den damaligen Medien wiederfand.

Einen Staat bis in die Köpfe der Bevölkerung hinein zu kontrollieren, ist ein Wunsch vieler Despoten, auch heute noch. Natürlich gibt es auch in Staaten mit Presse- und Meinungsfreiheit Zensur, aber eine Zensur, die sich der Gerichtsbarkeit unterwirft und deren Hauptziel es ist die durch die Verfassung geschüzten Rechte Dritter zu schützen. Zweifler mögen versuchen in China oder im Iran eine lokalisierte Fassung des Magazins “Titanic” o.Ä. herauszugeben…

Ist eine Medienkontrolle alà 1933 heutzutage überhaupt noch möglich? Es wird zumindest deutlich schwerer. Es sei denn ein Land kappte sämtliche Telekommunikation mit der restlichen Welt. Dies hieße aber auch nicht mehr an den wirtschaftsfördernden Vorteilen des globalen Dorfes zu partizipieren. China, das goldene Reich der Mitte, scheint für sich einen ebenso goldenen Mittelweg gefunden zu haben. Die klassischen Medien werden nach bewährtem Muster kontrolliert und die neuen Medien hält man mit wirtschaftlichem Druck und Zensur im Zaum. Will heißen, eine Internetseite z.B. ist entweder von Natur aus harmlos, angepasst auf den chinesischen Surfer oder gesperrt.

Solche Sperren lassen sich zwar oft umgehen, sei es durch Proxies, Seitenscreenshots oder wechselnden Domains, aber dies erfordert zum einen technisches Verständnis und birgt zum anderen immer die Gefahr ertappt und bestraft zu werden. Für den Durchschnittsnutzer wären die Sperren auch hierzulande eine ernste Hürde.

Es bleibt also wie es immer war: Die Gedanken sind frei, solange man sie für sich behält. Selbst Quellen wie Wikileaks müssen sich darauf verlassen, dass es Staaten gibt, die die Sache mit der “freien Meinungsäußerung” in aller gesellschaftlichen Konsequenz ernst nehmen. Vielleicht erleben wir ja den Traum von Wikipedia Gründer Jimmy Wales eines Tages:

“Stellen Sie sich eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich ist…”

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 10. Mai 2011 / 10:46) | Keine Kommentare | Permalink

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Obama: 1 - Osama: 0

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1:0 im Kampf von Obama vs. Osama, skandierte so manches hochgehaltene Schild. Osama zu Null geschlagen? Sicher wenn man dies als Zweikampf zwischen dem amtierenden US-Präsidenten und Osama Bin Laden betrachtet, kann man sich das derart schön rechnen. Aber alleine die Opfer von 9/11 machen aus dem 1:0 ein 1:3000. Bin Laden war eine Figur, die über ihren Tod hinaus noch Rekorde schreibt. Wenige Nachrichten schafften es global in beinahe allen Nachrichtensendungen zur Headline zu werden, noch nie zuvor wurden 5000 Tweeds pro Sekunde auf Twitter zu einem Thema veröffentlicht. Ich habe auch noch nie erlebt, dass so viel Freude durch den Tod eines Menschen hervorgerufen wurde. Letzteres ist ein Umstand, der mich ähnlich nachdenklich stimmt, wie auch schon Stefan Picard.

Gab es das denn schonmal, dass deutsche Führungspolitiker der Ermordung eines Menschen Applaus spendeten? Selbst unsere Kanzlerin, nebenbei noch Pfarrerstochter sprach gar von “Freude”. Noch mehr beängstigt mich, dass ich mich selber nicht ganz von diesem Gefühl lossagen kann. Mein erster Gedanke war “Recht so”. Rachegelüste stecken wahrscheinlich in allen von uns, und die Genugtuung, wenn dieses archaische Verlangen befriedigt wird, ist allzu menschlich.

Zu gerne würde ich den USA glauben, dass man versucht habe Bin Laden zu fassen, und nicht mit dem Ziel ihn zu töten eingegriffen habe. Denn diese Situation ist umso schwieriger in ihrer Beurteuilung, um so mehr wir den Blick nach vorne werfen. Für die USA, einem Land, das zu mindest in Teilen noch die Todesstrafe verhängt mag die Rechtsfrage anders aussehen, aber neben dem Recht gibt es noch die Gerechtigkeit. Im Herrn der Ringe schrieb Tolkien zu dieser Frage “Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.” Und wenn wir davon sprechen Bin Laden habe den Tod verdient, was ist mit all den anderen, die die Menschenrechte mit Füßen treten, und zig mal mehr Menschen auf dem Gewissen haben. Jetzt wo dieses Vorgehen einmal so wunderbar funktioniert hat, führen wir da global Standgerichte ein, die mit fertigem Schuldspruch in der Weste und Waffe in der Hand für Gerechtigkeit sorgen?

Der Terrorismus ist eine der größten Herausforderungen für die Demokratie, den Rechtsstaat und die Völkergmeinde. Bei dem berechtigten Streben Anschläge zu verhindern und zu ahnden, darf man aber die Mittel nicht aus dem Blick lassen. Die westlichen Demokratien haben mit den Gesetzen zur Terrorabwehr schon so manches Bürgerrecht geschlachtet, man schaue sich nur einmal die von Bush Junior eingesetzten “Patriot Acts” an. Machen wir jetzt bei den Menschenrechten weiter? Dulden wir dann auch “in Einzelfällen” die Folter?

Hinzu kommt, dass der tatsächliche Erfolg der Aktion doch gar nicht sicher ist, denn ob al-Qaida Hühnchen oder Hydra ist wird sich noch zeigen. Die, die an die Hühnchentheorie glauben, denken dass die Organisation noch eine Weile wild rumzappeln wird und dann beraubt ihres Kopfes erliegt. Es mag aber auch sein, dass ein Dutzend Köpfe nachwachsen.

Dass der New Yorker, die Angehörigen der Opfer, oder von mir aus sogar der “gemeine Bürger” Osama Bin Ladens Tod als gerechte Strafe empfindet geht in Ordnung, ein Staat, eine Regierung und deren Vertreter haben diesen Luxus nicht. Ein Staat übt keine Rache, und ein Staat muß sein Handeln stets an den eigenen Prinzipien messen, dies gilt vor allem, wenn es um den Umgang mit denen geht, die sich seiner Ordnung nicht unterwerfen wollen. Alles andere ist Anarchie.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 3. Mai 2011 / 11:47) | 3 Kommentare | Permalink

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Herzblatt Royal

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Der zuckersüße rosa Schmierfilm klebt an den Gazetten und auch schon an so mancher Fernbedienung. Die Regenbogenpresse der gesamten Welt scheint sich auf die Traumhochzeit von „Kate und William” eingeschossen zu haben. Und selbst seriöse Sender schicken Experten nach Großbritannien und bereiten Live-Übertragungen des Ja-Worts des Jahres vor. Das ZDF z.B. sendet am kommenden Freitag von 9.00 - 15.00 Uhr live und bringt Abends nochmal ein 30 minütiges Spezial. Dazwischen wird sicherlich auch der Hauptblock der Nachrichten dieser Sensation gehören.

Erinnerungen an Sätze wie „Früher war alles besser…” oder „Unter Kaiser Wilhelm hätte es das nicht gegeben…” werden wach. In vielen Menschen schlummert scheinbar eine tiefe Sehnsucht nach Aristokratie. Und man ist dabei nicht wählerisch. Ob Schweden, Niederlande, Dänemark oder eben Großbritannien, Hauptsache genug Hochadel. Eine Barbie-Welt für Erwachsene. Vielleicht liegt der Grundstein bereits in den Märchen unserer Kindheit. Die schönsten davon spielten fast alle am Hofe eines Königs und endeten in einer Traumhochzeit, wie der uns Bevorstehenden.

Vergessen sind Unterdrückung, Ausbeutung, Frondienste und Waffenrufe. All die Revolutionen, Revolten und Aufständen der Vergangenheit, in denen unsere heutige Freiheit erstritten wurde scheinen verblasst. Es ist schon seltsam, während der hübschere Wagen oder Garten, das größere Haus, der bessere Job unseres Nachbarn in uns Neidgefühle auslöst, versetzt uns die Traumwelt der Reichen und Schönen, derer, die mehrere Lebensleistungen für eine Hochzeit verbrennen, in Verzückung. Es ist ja nichts gegen Eliten einzuwenden, auch Idole haben sicherlich ihren Zweck. Welchen Zweck aber haben Vorbilder deren Status man nicht erreichen kann, weil dieser durch Geburtsrecht vererbt wurde?

Eben dieses Geburtsrecht löst zumindest bei mir einen bitteren Nachgeschmack aus. Auf der einen Seite diskutieren wir inwieweit die Herkunft unserer Kinder über deren Lebenschancen bestimmen darf, überlegen wie wir global für mehr Gerechtigkeit sorgen können, und dass die Geburt z.B. in Zentralafrika nicht mit lebenslanger Armut auf Gedeih und Verderb enden darf, und auf der anderen Seite üben wir uns im Huldigen von Zinngöttern, deren Blüte unsere Vorfahren zu unserem Wohl einst abgeschnitten hatten.

Soll man Menschen nicht an ihren Taten messen? Weder in einem Königshaus noch in sonst einer anderen VIP-Highsociety-Upperclass-Familie geboren worden zu sein, sollte reichen, um angehimmelt zu werden. Es gibt so viele Menschen, die ihr Leben in den Dienst der Allgemeinheit stellen, sich aufopfern oder für etwas Wahrhaftiges hingeben und denen sollte unsere Aufmerksamkeit gehören, diese sollten die Ideale der Jugend prägen. Und dies ungeachtet der Herkunft und dem sozialen Stand.

Aber wie dem auch sei, es werden am Freitag Millionen von Menschen auch hierzulande vor den Bildschirmen hocken und mit Plastikfähnchen zu „Pomp and circumstances” den Takt winken, Kuchen mit den Windsors essen und Tränen der Rührung vergießen.

Es ist ja auch zum Heulen!

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 26. April 2011 / 11:25) | 1 Kommentar | Permalink

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Ihr Kinderlein kommet

fluchtlinge

Die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht los.Dieses Zitat nagt wahrscheinlich an Italiens Vorzeigepräsident Berlusconi. Dieser hatte unlängst die Menschen Nordafrikas regelrecht eingeladen und versprochen sie auch alle aufnehmen zu wollen. Unverschämt aber auch, dass nun so viele Menschen dieser Einladung Folge leisten, und die kleine Insel Lampedusa ansteuern. Die anderen EU-Mitgliedstaaten lachten sich wohl insgeheim ins Fäustchen und freuten sich weder gegenüber Nordafrika zu liegen, noch einen grenzdebilen Casanova als Staatsoberhaupt zu besitzen.

Wer aber dachte, dass Italien nicht doch noch ein Ass im Ärmel hatte wurde schnell eines Besseren belehrt. Nach der Verweigerung der europäischen Freunde sich ebenfalls dem Zustrom anzunehmen, hat Italien den Neuankömmlingen kurzerhand Touristenvisa ausgestellt. Damit genießen diese Menschen für die Dauer der Gültigkeit Freizügigkeit in den Grenzen Europas. So weit der Anfang der Geschichte.

Die Empörung über das italienische Vorgehen ließ nicht lange auf sich warten, das Haus Europa wird wieder einmal durchgeschüttelt und Italien drohte gar mit Ausstieg. Viel Wind angesichts von 27.000 Flüchtlingen, wenn man bedenkt, dass alleine Deutschland und Frankreich zusammen letztes Jahr knapp 100.000 Asylbewerber ab- nein aufzuweisen hatten. Ganz verständnislos darf man aber dennoch nicht gegenüber Italiens Situation sein. Kein anderer europäischer Staat nennenswerter Größe weißt so eine Nähe zu Nordafrika auf und die Wahrscheinlich, dass der Flüchtlingsstrom zurückgeht ist im Hinblick der derzeitigen politischen Lage dort unwahrscheinlich.

Ganz nach deutscher Art diskutieren wir diese Angelegenheit besonders gründlich. Die Ideen reichen von Seebarrieren bis hin zu verstärkten innereuropäischen Grenzkontrollen. Auch beliebte Vokabeln wie „Überfremdung”, „Wirtschaftsflüchtlinge” und „Migration in die Sozialsysteme” werden von Sarrazin und Co. wieder aus der Mottenkiste geholt. Insbesondere das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge” stößt mir immer bitter auf.

Stellt man sich vor z.B. aus Libyen zu stammen und weiterhin vielleicht eine Familie ernähren zu müssen, stünde man mit einem Fuß in ungesicherter Arbeitslosigkeit und dem anderen im Bürgerkrieg. „Spannend” sind die demokratischen Prozesse nur, wenn man nicht selber davon betroffen ist. Es fällt leicht einen Stab über diese Leute zu brechen, wenn man selber niemals in einer solchen Lebenslage steckte. Natürlich kann Europa nicht ganz (Nord)-Afrika beherbergen, und im Falle Libyens wird sich mit dem Erholen der Ölwirtschaft auch ein relativer Wohlstand bewerkstelligen lassen, aber was kann und soll Europa tun?

Diese Frage muss man ebenfalls zweigeteilt beantworten. Die Länder, die reich an Bodenschätzen, stark in der Touristik oder technologisch nicht zu weit abgeschlagen sind werden vielleicht durch eine Demokratisierung zu deutlich besseren Lebensbedingungen für ihre Bevölkerung kommen. Die klassischen Agrarstaaten hingegen brauchen dringend Hilfe. Eine wirksame Sofortmaßnahme wäre die EU-Agrarsubventionen zu beenden, damit die einheimischen Bauern wenigstens ihre Produkte im eigenen Land absetzen können. Fair gehandelte Waren wären ein anderer Schritt.

Auch wenn die die große Welle dieses Mal noch ausbleibt, so ist doch gewiss, dass der Bruch irgendwann kommen wird. Afrika wird in den nächsten Jahrzehnten von einer auf zwei Milliarden Bewohner anwachsen. Wenn der Umkehrschluss heißt, dass die Anzahl der Armen, die weder ausreichenden Zugang zu Nahrung, Wasser oder Medikamenten haben dramatisch ansteigt, könnte eines Tages aus Verzweiflung Wut werden. Und während die Menschen jetzt noch um Asyl bitten, könnten sie auch Teilhabe fordern. Wohlstand ist kein Geburtsrecht und Armut kein irreversibles Schicksal.

Bevor wir also Menschen abfällig als „Wirtschaftsflüchtlinge” abtun, sollten wir bedenken, dass diese Menschen nicht wegen einem Flachbildschirm ihr Leben in einer Nussschale mitten auf dem Ozean riskieren, sondern aus blanker Existenzangst.

Peter Brandt

Peter Brandt (Dienstag, der 19. April 2011 / 09:08) | Keine Kommentare | Permalink

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Das Märchen vom billigen Strom

atomkraft

Jetzt wo unsere Tigerente den Salto rückwärts so perfekt beherrscht und diesen gleich einmal an ihrer noch vor wenigen Monaten so proklamierten Revolution der Energieversorgung postuliert, ist es an der Zeit sich mit den noch bestehenden Argumenten pro Kernenergie zu beschäftigen. Neben der Versorgungssicherheit in der Grundlast ist sicherlich das Preisargument jenes, das noch so manchen Konsumenten in seiner Begeisterung innehalten lässt. Über die Risiken und Nebenwirkungen der Technik haben wir ja bereits oft diskutiert, deshalb wollen wir diese auch der Fairness halber an dieser Stelle einmal ausklammern.

Michael Fuchs, der sympathische, wenn auch stets etwas einfältig wirkende, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag hat es nicht nehmen lassen just auf den Röttgen und Brüderle Plan zu reagieren und stellte klar, dass man bei aller Umsicht natürlich den Standort Deutschland im Blick behalten, und darauf achten müsse, die Energieversorgung sicher und bezahlbar zu halten.

Bezahlbar ist das Stichwort. Ein Atomkraftwerk beschert dem Betreiber im Schnitt 500.000€ täglich, netto wohl bemerkt. Die Effizienz der Kraftwerke ist sicherlich gut, zumindest wenn man nur die genutzten Brennelemente, deren Kosten und die Leistung in Megawatt zugrunde legt. Aber war da nicht noch was? Ach ja, der Müll. Der sei eingepreist denken Sie? Mitnichten. Die Atomwirtschaft wird nämlich im Falle der Kraftwerksbetreiber nicht nach dem Verursacherprinzip behandelt. D.h. dass nicht unsere vier freundlichen Energieriesen die Endlagerung, Transporte und auch Erschließung zahlen, sondern Vater Staat. Die Energiewirtschaft beteiligt sich zwar an den Kosten mit knapp einer Milliarde Euro, aber alleine die Schließung der Asse wird zwischen 3 und 6 Milliarden verschlingen, hinzu kommen die Castor-Transporte, Morsleben, Konrad, Gorleben, Karlsruhe und Forschungsgelder. Kein Wunder also, wenn die Stromkosten bei anderen Energieträgern ungünstig ausfallen, angesichts dieser wohlwollenden Förderung aus dem Steuersäckel.

Aber davon nicht genug. Der produzierte Müll muss für bis zu 40.000 Generationen sicher aufbewahrt werden, also 800.000 Jahre. Nehmen wir also nur mal zum Spaß an, dass wir den Atommüll auf ein Fußballfeld kippen würden, um das Feld kommt noch ein Zaun, und ein Wachmann soll im Schichtbetrieb nach dem Rechten sehen. Der Zaun soll alle 10 Jahre erneuert werden und die Wachleute fair aber nicht übermäßig bezahlt werden. Mal angenommen der Zaun kostet 20.000 €, was bei einem Fußballfeld schon günstig wäre und jeder Wachmann erhielte 2200 € brutto im Monat, sprich 6600 € im Monat für einen Dreischichtbetrieb.

Im Lauf der Jahre kämen so 1.6 Milliarden für Zäune und 63.36 Milliarden für die Wachleute zusammen.

Wenn Sie sich nun vergegenwärtigen, dass ein Endlager wahrscheinlich Betriebskosten von x Millionen im Jahr verschlingen wird, anstatt der hier bezifferten 81.000, wird schnell klar, dass die Energieform nicht günstig ist, sondern die Kosten nur vererbt werden sollen.

Ein weiterer Punkt bei den Kosten sind auch die zum großen Teil schweren Missstände bei der Uranförderung. Von den dortigen Umweltschäden ganz zu schweigen.

Man kann es drehen wie man will. Nüchtern betrachtet, unter Einbeziehung der Unfallrisiken, des Müllproblems und der Generationengerechtigkeit ist diese Form der Energie nicht zu rechtfertigen. Ich freue mich über den Umschwung der Berliner Koalition, und dabei ist es mir fast schon egal, ob die Gründe dafür ehrlicher oder taktischer Natur sind.

Peter Brandt

admin (Dienstag, der 12. April 2011 / 07:46) | 2 Kommentare | Permalink


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