Ahnte Mary Shelley, dass Ihr Homunculus und Frankenstein selbst über 100 Jahre später noch für etliche Allegorien herhalten muss? Wie dem auch sei, die Herren ( und wahrscheinlich auch Damen), die an diesen hier vorgestellten Forschungen beteiligt sind, sind weder wahnsinnig noch gottlos.
Fernab der Fußball WM und des Krisen- bzw. Gipfeltheaters haben zwei Forscherteams zwei Entwicklungen zustande gebracht, die in mittelbarer Zukunft wohl deutlich mehr Einfluss auf unser Dasein nehmen werden, als die Politik, aber auch Wirtschaft zu leisten im Stande wären. Diese beiden Ergebnisse sind exemplarisch für den wissenschaftlichen Fortschritt von dem sich große Teile unserer Mitmenschen und leider auch ein Gros der Medien abgekoppelt haben:
Beispiel 1: Künstliches Bakterium
Das J. Craig Venter Institute hat ein Bakterium mit einem synthetischen Erbgut bestückt. Die Forscher erstellten zuerst kurze DNA Abschnitte und ließen diese durch die Reparaturmechanismen von Hefezellen zu einem langen Strang zusammenfügen. Dieses Muster wurde dann in eine leere Zelle eingefügt. Schließlich spendierte man dem Zögling noch einen Marker, um ihn von seinen natürlichen Freunden unterscheiden zu können. Das Ergebnis, ein synthetisches Mycoplasma mycoides, war sogar in der Lage sich zu reproduzieren. Mit dieser Methode wird es naher Zukunft vielleicht möglich sein Impfstoffe oder Kraftstoffe herzustellen. Die Hoffnung, dass insbesondere Impfstoffe nicht nur hochverfügbar, sondern auch preiswert würden, zeichnet dieses Verfahren als Durchbruch aus.
Beispiel 2: Stammzellengewinnung
Sie alle haben sicherlich die Diskussionen über embryonale Stammzellen im Gedächtnis. Die Forschung an diesen Zellen birgt den Nachteil, dass sie nicht nur ethisch umstritten, sondern auch nicht praxistauglich ist. Zwar verfügt auch der erwachsene Mensch über Stammzellen, diese adulten Stammzellen haben aber nicht mehr die Möglichkeit beliebiges Gewebe zu reproduzieren. Die Idee war also adulte Zellen zu „resetten”, auf Start zurückzusetzen, so dass sie eben diese Fertigkeit wiedererlangen.
Dies gelang japanischen Forschern 2006. Allerdings schaffte es nur 1 von 100.000 Zellen den Rückweg anzutreten. Eine Gruppe um Sheng Ding vom Scripps Research Institute in La Jolla hat es kürzlich geschafft, durch pures „Trial and error”, also zu deutsch „ausprobieren” einen Chemiecocktail zu brauen, der diese Quote auf 2%, also um den Faktor 2000, verbessert.
Nun ist Nishant Singhal und seinen Kollegen in der Gruppe von Hans Schöler am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster gelungen diese Quote noch einmal zu steigern, nämlich auf 4.5%. Dies gelingt durch Eiweißstoffe, die zum Chromatin-Remodeling-Komplex gehören und für die Aufschlüsselung von immanenter Bedeutung sind.
Natürlich könnte man diese Liste fortsetzen, und Sie werden an dieser Stelle auch bestimmt wieder einmal etwas von derartigen Entwicklungen lesen. Ich wünschte mir das ZDF würde Prof. H. Lesch, der WDR R. Yogeshwar, usw. auch mal in die Tiefe gehen lassen würden. Unser „Bildungsfernsehen” hat den Anspruch stets alle mitnehmen zu wollen, d.h. es herrscht ein konstantes Erstklässlerniveau, und das in einer Epoche, die enger spezialisiert ist denn je.
Bleiben Sie also besser selber neugierig, machen Sie sich auf die Suche, nach Dingen, die Sie interessieren. In den Nachrichten erfahren Sie eher, dass ein Baum während eines Sturms einen PKW zerbeult hat, als dass es Leben auf Europa gibt…
Und mitbekommen, dass sich die Führungseliten der Industriestaaten wieder mal zum Gruppentuscheln treffen? Nein, keine Angst, in Zeiten der WM gerät fast jedes Thema zum Nebenschauplatz.
Wie oft hat man uns in den letzten Monaten vertröstet, wenn es um politische Entscheidungen ging, die im nationalen Alleingang allesamt nicht zu verwirklichen seien. Jetzt geht es los, jetzt wird man den Banken, Börsen, Haien und Heuschrecken aber einen einschenken. Das wird ein wahrer Finanztsunami, der da auf uns zu rollt.
Genug gescherzt. Natürlich wird nichts dergleichen passieren. Wahrscheinlich wird man ein Papier verabschieden, dass die Planung eines Gipfels zur Besprechung weiterer Maßnahmen bezüglich der internationalen Abstimmung globaler Wirtschaftsregeln bei zukünftigen Gipfeln nicht ausschließt.
Oder irgendwer klebt sich freiwillig den schwarzen Peter auf die Stirn, und sagt: „Nicht mit uns”. Für unsere Bundesmutti ist es schieres Glück, dass G20 und WM einander überschneiden. Es wird zwar sicherlich darüber berichtet werden, aber Dank „Jogi’s Recken” erst auf den Seiten 4 und folgenden. Deshalb habe ich auch die künstliche Entrüstung des ABM Ministers Niebel nicht begriffen, während der WM gibt es schließlich keine Saure Gurken Zeit.
Zurück zum Thema. Für die deren Erdball nicht nur aus schwarz-weißen Mustern besteht, seien hier nochmal die Eckpunkte benannt, die unter Anderem die Finanzjongleure an die Kandare nehmen sollen:
Die Finanztransaktionssteuer, die unsere Regierung ja schon mal emsig in ihren Sparhaushalt eingepreist hat.
Die Eigenkapitaldeckung der Banken.
Regelungen für Hedgefonds und Private Equities
Ungedeckte Leerverkäufe, Rating Agenturen und so weiter und so fort.
Alle mal laut „hier” rufen, die der Meinung sind, dass nach dem Gipfel die Kette an der das „Finanzmonster” liegt auch nur einen Yota kürzer ist…
Erinnern Sie sich an den letzten Gipfel, der tatsächlich einen heute umgesetzten Beschluss zur Folge hatte? Nein, hier ist einer:
Beim jüngsten Gipfel der IWC (Internationale Walfangkommission) wurde das Begehren einiger Staaten, darunter Japan gestoppt, das Fangverbot aufzuheben. Zwar scheren sich diese Länder einen Dreck um das Fangverbot, und umschiffen dieses mit der fadenscheinigen Ausrede, dass man nur zu wissenschaftlichen Zwecken diese Tiere abschlachte, aber immerhin. Wenn tatsächlich einst eine Fangquote auf eine bedrohte Tierart beschlossen werden sollte, verliere ich völlig den Glauben an die Menschlichkeit. Der Dodo würde ein Lied davon singen, aber der spielt ja bereits Skat mit dem Beutelwolf.
So wenig Angst vor großen Fischen, wünschte man sich auf dem G20 Gipfel ebenfalls, aber da der Wal ja ein Säugetier ist, wird dieses Beispiel wohl keine Schule machen…
Da trotz des „Japanischen Wissenshungers” der Fortbestand der freundlichen Lebertranträger gesichert und das Phlegma der Regierungen schon pathologisch ist, entlasse ich Sie in die nächste WM Woche und drücke natürlich am Mittwoch nichtsdestotrotz die Daumen.
„Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen”, sagte Bundespräsident Roman Herzog einst. Jetzt geht zwar ein Ruck durchs Land, aber dabei knarzt es hörbar im Gebälk. NRW liegt zerrütgert und kraftlos ohne handlungsfähige Regierung am Boden. Die üblicherweise wahlkampffreie Bundespräsidentenwahl wird zur Belastungsprobe für die Berliner Koalition. Spanien droht ebenso wie Griechenland ein Fall für den Euro Rettungsschirm zu werden und CSU und FDP brechen beinahe täglich in Hinterhofgejaule aus. Lediglich der 4:0 Erfolg der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika hellt des Volkes Stimmung deutlich auf.
Dass die Welt sich dreht ist ja eine altbekannte Tatsache, aber dass es Stimmen in der FDP gibt sich eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes denken können, und dagegen Proteste aus der CSU kommen sorgt beim Laien für Staunen und Wundern beim Experten.
Dabei war man in Berlin gerade erst stolz vor die Mikrophone getreten, um das Konsolidierungspaket vorzustellen. Ob es nun besonders ehrlich oder dämlich war, dies just eine Woche vor Start der WM zu tun, dürfen Sie selber entscheiden. Tatsache ist, dass seit dem Anpfiff der politische Journalismus auf Sparflamme kocht und sich die populärsten Sendungen wie Maybrit Illner, Anne Will und Hart aber fair, bereits in die Sommerpause davongestohlen haben.
Vielleicht plant die Regierung ja auch die Härten des Pakets hinter einer Fassade aus Dilettantismus und innerparteilichem Narzissmus zu verstecken.
Die Popularität der Regierungsparteien und deren Köpfen befindet sich jedenfalls im Sturzflug und anders als man in Berlin vielleicht vermutet, nicht weil der deutsche Michel nicht bereit wäre seinem Land zu helfen. Wie so oft nagt das Gefühl der Ungerechtigkeit an der deutschen Seele. Selbst die Regierung hatte die Gerechtigkeit des Bündels während der Vorstellung in den Mittelpunkt gerückt, sich aber dann mit verklausulierten Erklärungen versucht in die Büsche zu schlagen. Als wenn das jemals funktioniert hätte…
Ein paar Gedanken zum Sparket:
1. Da wären z.B. die FDP und die CSU die zu Jahresbeginn die Hoteliers mit 1 Milliarde Umsatzsteuererleichterung beschenkt hatten. Wird dieses Gesetz nun kassiert? Fehlanzeige.
2. Die zumindest Mitverursacher der Krise, die Banken, Fonds und Versicherungen, werden diese nun zur Kasse gebeten, um Schadensbegrenzung zu betreiben? Fehlanzeige. Denn selbst wenn eine Börsenumsatzsteuer kommen sollte, nimmt diese erst mal nur Tempo aus dem Markt. Die Kosten dafür werden in Folge dessen an den Kunden durchgereicht. Außer im harten Preiskampf der Lebensmitteldiscounter gab es noch keine umsatzbezogene Steuer, die nicht am Ende durch den Verbraucher getragen worden wäre. Außerdem bleiben weite Geschäftsfelder davon unberührt. Kleine Randnotiz: Wussten Sie, dass das Bilanzvolumen der Deutschen Bank und der deutsche Schuldenstand beide in etwa 1.7 Billionen Euro betragen?
3. Die Kürzungen beim Elterngeld haben viele, selbst nicht Betroffene, für sehr ungerecht erachtet. Die Kürzungen sehen vor ALG II Empfängern das Elterngeld in Zukunft zu streichen, oder besser gesagt auf den Regelsatz anzurechnen, was einer 100% Kürzung gleich kommt.
Die Argumentation dazu ist perfide: Als das Elterngeld eingeführt wurde löste es das bis dahin gezahlte Erziehungsgeld ab. Der Mindestsatz von 300 € blieb dabei gleich. Für vormals berufstätige Frauen kann das Elterngeld aber bis zu 1800 € monatlich betragen. Da man das Elterngeld aber nicht wirklich restrukturieren wollte, behalf man sich mit oben benannter Finte. In der Praxis heißt das
Zwei Hausfrauen, die eine z.B. alleinerziehende ALG II Bezieherin, die andere z.B. Rechtsanwaltsgattin, bekommen beide 300 € Elterngeld. Der alleinerziehenden Mutter wird man dieses Geld zu 100% von ihrer Regelleistung abziehen, der Ehefrau eines gut oder sehr verdienenden Mannes nicht.
Selbst wenn beiden das Geld gestrichen würde, träfe es die Hartz IV Mutter stärker, so aber, ist das ein Schlag ins Kontor. Wenn man bei dieser Leistung sparen möchte, dann sollte man die Leistung prozentual für alle zusammenstreichen, oder aber mindestens nicht bei Müttern, die vor der Mutterschaft nicht in Lohn und Brot standen, mit zweierlei Maß messen.
Wie kommen Menschen bloß darauf der FDP Klientelpolitik vorzuwerfen.
Der letzte Satz weist auf eines der Hauptprobleme der Koalition hin. Die FDP war mit Steuersenkungsversprechen in die Wahl gezogen, und traut sich nun naturgemäß nicht diese nun auch noch in Steuererhöhungen umzuwandeln, selbst wenn dies aus vielen Mündern von Experten, aber auch aus Regierungskreisen, selbst aus der FDP zu hören ist. Wir erinnern uns gerne an das Westerwelle Zitat: „Versprochen, gehalten!”. Aber die FDP zog auch mit den Schlagworten einfacher und gerechter in den Wahlkampf. Und diese wären zu halten, wenn man zumindest schon mal mit der Arbeit an einem der beiden Schlagworte beginnen würde.
Mein Rat an die Regierung wäre: Erst denken, dann reden. Anstatt an einem Wochenende das Land retten zu wollen, sollten Merkel und Co. das Sommerloch und WM nutzen, um ihre Hausaufgaben richtig zu machen, und danach mit tatsächlichen Konzepten an die Öffentlichkeit treten. Ich für meinen Teil lasse mir lieber ein gebrochenes Wahlversprechen gefallen, als 4 Jahre falsche Politik.
Derweil wünsche ich Ihnen und mir viel Spaß mit den Botschaftern in Südafrika, die uns das Sommerloch hoffentlich noch recht lange versüßen und verkürzen.
Kaum hat unser scheidender Präsident seine sieben Sachen aus „Chateau Schönblick” verstaut, beginnt der Streit um den Nachmieter. Die zu Beginn hoch gehandelte Ursula von der Leyen war schnell wieder aus der Diskussion. Aus der Koalition hieß es man wolle das Kabinett zu diesem Zeitpunkt nicht umbauen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das Patriachat der Führungsebene gepaart mit ein wenig Stutenbissigkeit hier Regie geführt hat.
Mein Wort der Woche, neben „Sparpaket”, ist „respektabel”. Dieses Attribut wird insbesondere gerne für den gegnerischen Kontrahenten verwendet. In diesem Zusammenhang bedeutet es dann wohl auch soviel wie „ich kann dem zwar nichts ans Zeug flicken, aber wählen könnt ihr den alleine”.
Und respektabel sind die nun frisch gekürten Kandidaten sicherlich. In der schwarz-gelben Ecke sehen wir Christian Wulff, den derzeitigen Ministerpräsidenten Niedersachsens und in der rot-grünen Ecken Joachim Gauck, den ehemaligen Leiter der Birthler Behörde, die damals auch noch seinen Namen trug.
Die Kanzlerin versprach im Vorfeld einen Kandidaten auszuloben, der für alle politischen Parteien tragbar sein, und die Opposition gab an, einen eben solchen auch mitzutragen, behalte sich aber vor ansonsten einen Gegenkandidaten zu nominieren. Was dann folgte war eine Posse, die wieder einmal beweist, dass Politik neben Gestaltung, die Geltungssucht als Leitmotiv mitbringt.
Wulff ist sicherlich ein ruhiger und besonnener Mann, vielleicht etwas zu bürgerlich, zu bieder und zu angepasst, aber sicher keine Schande für sein designiertes Amt. Was Merkel jedoch sicherlich wusste, wenn nicht gar wollte, war, dass Wulff nicht über Parteigrenzen hinweg wählbar sein würde.
Die Opposition hatte bis dahin brav geschwiegen, und stellte ihren, im stillen Kämmerlein ausgewählten, Kandidaten so einen Tag später vor. Aber dieser sollte es in haben.
Selten konnte man einen geschickteren Schachzug im Ränkespiel der Berliner Eliten beobachten. Denn mit Gauck zogen SPD und Grüne einen Mann aus dem Hut, der 1999 beinahe von der Union selber einmal aufgestellt worden wäre, der politisch eher dem christlich-liberalen Lager zuzuordnen ist und der dank seiner Historie im Westen, wie Osten höchstes Ansehen genießt.
In meiner Fantasie, sehe ich Merkel und Westerwelle die Hände gegen die Stirn schlagen und synchron jammern: „Warum haben wir nicht an den gedacht…”. So dauerte es nicht lange bis vereinzelt Stimmen aus der Koalition kamen, die unverblümt ihre Präferenz für Herrn Gauck offenbarten. Die Presse titelte mit „Der bessere Präsident” oder „Yes we Gauck!” und ähnlichem. In Umfragen kauft Joachim Gauck mit fast 70% Zustimmung Christian Wulff völlig den Schneid ab. Und selbst aus der Regierung kommen nur noch sehr dünne Argumente, die für Wulff sprechen:
Man wolle einen Politikprofi haben, der dem Amt standhält. Dies trifft für Wulff sicherlich zu, aber auch Gauck dürfte sich in seiner Zeit als „Stasiaktendetektiv” einen dicken Panzer zugelegt haben.
Kleidsam für das Amt dürften ebenfalls beide Kontrahenten sein, ebenso integer und volksnah. Rhetorisch kann Wulff Gauck vielleicht das Tablett mit dem Wasser reichen, ebenbürtig sind sie dort aber keinesfalls.
Das KO-Argument jedoch ist: „Wir haben die Mehrheit, und seit 1949, bestimmt die Kraft mit der Mehrheit in der Bundesversammlung, wer Präsident wird, Punkt”. Solche Sätze waren häufig, wenn auch nicht in der Form, seitens der Koalition zu hören. Wenn wir also schon nichts gestalten können, können wir wenigstens unsere Macht demonstrieren. Ein peinliches Ansinnen und eine peinliche Instrumentalisierung unseres höchsten Staatsamts.
So beschert uns Berlin einen Wahlkampf in einer wahlfreien Zeit, denn bis Baden-Württemberg 2011 zur Urne bittet, hätte eigentlich mal Politik gemacht werden können. Und dabei könnte alles so einfach sein…
Es darf als unstrittig angesehen werden, dass sowohl die Mehrheit innerhalb der Koalition, wie außerhalb der Koalition Gauck den Vorzug geben würde, und seine Wahl wäre wohl sicher, wenn selbige Koalition ihn auch ins Spiel gebracht hätte. In der Bevölkerung schlägt das Herz ebenso für Gauck und selbst die Presseorgane der politischen Lager sind sich einig.
Gäbe es wahre „Größe” in Berlin, würde man Wulff aus dem Spiel nehmen, und erklären, dass man diesen anderen Kandidaten nicht bedacht habe, ihn aber im Sinne des Volkes und des Amtes für die bessere Alternative halte. Das Bessere war stets der Feind des Guten. Ich auf jeden Fall, würde einen solchen Schritt als Stärke und Integrität beurteilen. Wahre Größe und Stärke strahlen von selbst ab und brauchen keine Demonstration.
Anders gesagt „Arrivederci alla carbonara” (Abschied auf Köhlerinnen Art). Die Zeitungen werden voll davon sein, die Fernsehsender übertrafen sich mit Sondersendungen, denn schließlich ist dies für unserer Republik eine Premiere: Der erste Mann im Staat hat seinen Hut genommen, und Mantel und Jacke gleich mit.
Das deutsche Kabarett und die Berliner Politikelite (beide manchmal kaum zu trennen) schreien auf, angesichts der gestrigen Erklärung Horst Köhlers. Ein Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Die präsidialen Aufgaben werden nun für maximal 30 Tage kommissarisch vom Bundesratspräsidenten übernommen, bis dahin muss die Bundesversammlung einen neuen Reservehorst aus dem Hut gezaubert und gewählt haben.
Als Gründe für seinen Rücktritt gab der scheidende Bundespräsident den Umgang mit ihm und vor allem der Würde seines Amtes an, traf ihn doch ein harter Wind der Empörung, nachdem er in einem Interview auf der Rückreise von einem Truppenbesuch in Afghanistan einige eigenwillige Ansichten geäußert hatte. Diese legten den Schluss nahe, dass Köhler es für vertretbar hielte, wenn die Bundewehr ganz gegen das Mantra des Grundgesetzes auch zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen in den Krieg zöge, ein Verhalten, das G.W.Bush, wie auch schon sein Vater, stets gelebt haben.
Köhler hatte zwar kurze Zeit später versucht die Wogen zu glätten, aber der Stein wollte nicht aus dem Rollen kommen. Und so oft ich die Zeilen des Interviews auch lese oder höre, ich kann kein Missverständnis erkennen. Im Gegenteil, seine Aussagen waren klar und frei von Doppeldeutigkeiten:
„…dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern”
Später hieß es, diese Äußerungen hätten sich auf das Vorgehen gegen Piraten bezogen, so ein Sprecher Köhlers.
Mag ja sogar sein, aber wenn ich den Kopf in einen Fettnapf stecke, werden meine Haare fettig. Und wenn diese Äußerungen nichts mit dem Einsatz in Afghanistan zu tun haben, hätte er dies besser explizit erwähnt, zumal er sich gerade von dort aus auf dem Heimflug befand.
Wie dem auch sei, seine Rücktrittsbegründung will so gar nicht zu dem Credo passen, das er sich und dem Amt zum Antritt auf das Banner geschrieben hatte. Er wolle ein streitbarer und unbequemer Bundespräsident sein. Wer unbequem sein möchte, darf nicht dünnhäutig sein.
Die Würde des Amtes sei nicht angemessen beachtet worden. Wenn man glaubt, dass ein Amt schon Würde tragen kann, könnte man die Debatte vielleicht so empfinden. Passt dann aber „unbequem sein” zu eben dieser Amtswürde?
Mit Horst Köhler tritt jedenfalls ein Mann von der politischen Bühne ab, der, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen aus seiner Zeit im IWF, sicher seinen Beitrag bei der Bewältigung so mancher politischer Weichenstellung im Zuge der Neuordnung der Kapitalmärkte hätte beisteuern können.
Vielleicht hätten die, die ihm den Schemel vor den Thron gestellt haben sich nicht fast alle in Schweigen hüllen sollen, vielleicht hat aber auch Andrea Nahles Recht (kaum zu glauben, dass das möglich ist) und er hat nur eine ihm willkommene Möglichkeit gesucht, um dem derzeitigen Regierungstheater zu entkommen.
Auch wenn ich nach wie vor denke, dass seine obigen Äußerungen - minimal - unklug waren, so bedaure ich dennoch die Entscheidung, und so bleibt mir und Ihnen nur, Horst Köhler alles Gute zu wünschen,
Gegen Wirtschaftskrise, Griechenlandpleite, Ölpest und 750 Milliarden Rettungsschirm hatte eine kleine Randnotiz natürlich kaum eine Chance. Google’s „Einbruch” in die Privatsphäre lief zwar über den Ticker, war aber dann fast ebenso schnell wieder aus dem Blickfeld. Google dürfte das sehr gefallen haben, dass man das Firmencredo „Don’t be evil” nicht allzu sehr mit Häme überzogen hat.
Sollte das Thema an Ihnen vorübergerauscht sein, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung:
Bei der Aufzeichnung von „Streetview” Daten hat Google „ganz aus Versehen”, so Google, persönliche Daten aufgezeichnet, und zwar Seitenbesuche und Teile von Emails. Dies war möglich, weil immer noch etliche Menschen über ein ungesichertes WLAN surfen, auch wenn der BGH dies diese Woche quasi verboten hat. Eigentlich möchte man meinen, dass die mit Google beschrifteten und mit Kamera auf dem Dach ausgestatteten Autos „nur” Straßen, Menschen, Häuser ablichten und in den Äther schicken, aber scheinbar geht Google’s Sammelwut weiter.
Obwohl ich die Medienberichte verfolgt habe, blieb verschlossen, wie es dazu kommen konnte. „Aus Versehen”… Diese Entschuldigung ist nicht leicht nachzuvollziehen, um es höflich auszudrücken. Vorstellbar, dass man „aus Versehen” durch ein offenes Fenster blickt und Zeuge von privaten Eskapaden oder Dramen wird, auch Verbrechen sind schon „aus Versehen” gefilmt oder fotografiert worden. Alle diese Versehen hatten aber gemein, dass sie aus einer sehr wohl beabsichtigten Beobachtung resultierten, wenn auch nicht die eigentlichen Ziele der Betrachtungen waren. Im Bild bleibend hieße Google’s „aus Versehen”, dass eine Kamera aus der Tasche gefallen und sich selbst eingeschaltet hätte. Denn was wollte Google an der Stelle denn aufzeichnen? Wozu werden diese Fahrzeuge mit „WLAN-Sniffern” ausgestattet, die dann auch noch den empfangenen Datenstrom speichern. Sind hier trojanische PKW unterwegs?
Haben Sie sich mal für Spaß Ihr Haus auf Google Earth angesehen? Und waren Sie zu erkennen? Die Detailversessenheit mit der das amerikanische Unternehmen unseren Planeten vermisst, erfasst, katalogisiert und durchleuchtet kann schon bedenklich stimmen. Big Brother is watching us. Dabei ist es schwer Google tatsächlich zu entkommen, es ist sogar schwer Google nicht irgendwie doch zu mögen. Dieser Riese hat es vollbracht seinen jugendlichen Lausbubencharme über die Zeit zu retten. Nichtsdestotrotz haben Google (oder Microsoft) fast immer die Finger mit im Spiel, wenn User durch den digitalen Kosmos trampt.
Wissen Sie wo Google überall drin steckt? Eine Marke mit über 90 Milliarden Euro Wert muss doch ein Gesicht haben. Da wären zum einen die bekannten Google Marken, die Suche, GMail, Google Maps, AdSense, AdWords, IGoogle, Froogle, Analytics, Earth etc. Und auch YouTube und DoubleClick gehören zum Googelschen Portfolio. Somit hält Google neben 80% Marktanteil bei der reinen Suche auch einen Marktanteil von 80% der amerikanischen Online Werbung. Die meisten Applikationen hat man übrigens durch das Einverleiben kleinerer Startups wie LLC generiert. Dank Android dringt das Unternehmen nun auch stärker in den Smart Phone Sektor ein. Diese Aufzählung ist übrigens bei weitem nicht komplett, aber alleine das Aufzählen aller Applikationen und Aktivitäten würde einen Beitrag leichthin sprengen.
„Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.”, so lautet es in der Firmenbeschreibung. Der Begriff „die Informationen der Welt” ist ein Anachronismus. Während der Internetnutzer glaubt, er suche, saugt der Datenmoloch das letzte Quäntchen Information, alleine aus der Anfrage.
Ist Google auch kaum noch aus dem Alltag wegzudenken, so stellt sich dennoch die Frage, ob ein einzelnes Unternehmen Herr über die Information werden darf. Natürlich können Sie entgegenhalten, dass die Informationen letztlich aus den unterschiedlichsten Quellen stammen, aber die Katze schreit laut auf vor Schmerz, wenn sie sich hier in den Schwanz beißt, weil eine Information natürlich nur dann ihren Nutzen erbringt, wenn sie auch zu finden ist.
Ich hoffe, dass die Leute aus Mountain View ihr Credo niemals ganz vergessen mögen, und vieles was aus dem hübschen Kalifornien kommt, lässt ja auch hoffen. Viel toller Open Source Code, breite Unterstützung freier Entwickler und offener Standards und endlos praktische Tools. Ein solches „Versehen”, wie das letzte darf sich auf jeden Fall nicht wiederholen, sonst muss dem Riesen tüchtig auf die Finger geklopft werden.
Behalten Sie ruhig ein wenig für sich, machen Sie Ihre Vorhänge zu und vor allem, schützen Sie Ihr WLAN, auch wenn keine Autos mit bunten Buchstaben an den Seiten unterwegs sind.
Ein Roboter als Hochzeitspfarrer, endlich, mögen die einen denken, besonders angesichts der jüngsten Skandale um katholische Geistliche, andere mögen das für verrückt halten und als japanische Skurrilität abtun. Skurril, so heißt der Kern des Pudels, er könnte aber auch genauso gut monströs oder absurd heißen. Der Irrsinn des technisch Machbaren ist nicht nur ein Kind Japans. Sprechende Kühlschränke, Videograbsteine, Internetvorleser in Hasenform und Navigationssysteme mit Star Wars Stimmen (Siehe Video am Ende des Beitrags) wären weitere Beispiele.
Zugegeben sind diese Spielereien allesamt harmloser Natur, aber der Hang des Menschen, Aufgaben an Maschinen zu delegieren, zeigt sich nicht zuletzt in der Technik, durch die wir uns unseren Alltag diktieren lassen. Zukunftsvisionen in Filmen wie Disney’s Wall-E, War Games oder Matrix, oder Büchern wie 1984, Schöne neue Welt oder Lem’s Futurologischem Kongress, kommen einem da unweigerlich in den Sinn.
In der zeitgenössischen Musik, ersetzen Sequenzer Studiomusiker und Software wie Autotune begradigen unliebsame Fehler in Audioaufnahmen. Programme spucken Gedichte im Goethe Stil aus und Roboter malen Bilder. Am Ende steht dann ein oft nicht vom Menschen unterscheidbares Werk, denn Seele und Gefühl sind keine objektiven Parameter. In der Durchschnittsküche finden sich vorgekochte, chemisch aufgepeppte Convenience Produkte, die uns immer mehr von tatsächlichen Aromen und auch den Ursprüngen der Nahrung entfremden. Die Liste der lebensvereinfachenden Maßnahmen ließe sich beliebig fortsetzen.
Ich bin ein durchweg Technik affiner Mensch, aber bei aller Liebe zur Technik, die auch in ihrer Verspieltheit sein darf, sollten wir nicht vergessen, welches Ansinnen die frühen Naturwissenschaftler, Philosophen und Aufklärer hatten. Zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, nach den Gesetzen der Menschlichen Vernunft leben, und sich zu entwickeln und zu verwirklichen, soweit unsere Lebensumstände dies ermöglichen.
Die Technik des letzen Jahrhunderts hat uns, den Bewohnern der Industriestaaten, etwas geschenkt, das für uns so selbstverständlich geworden ist, dass wir weder Wertschätzung dafür hegen noch Umsicht im Verbrauch daran üben: Zeit.
Stellen Sie sich doch einmal vor täglich 16 Stunden Feldarbeit zu leisten und das mit einer Lebenserwartung von vielleicht 40-50 Jahren. Dieses Kleinod, Zeit, das uns durch den gesellschaftlichen und technischen Fortschritt geschenkt wurde, war nie in solcher Menge verfügbar. Was fangen wir damit an? Ganz ohne Graue Herren, wie in Michael Endes Momo, rieselt uns beständig eben dieses Kleinod aus der Tasche. Wir lassen uns unterhalten, statt uns zu unteralten, lassen uns fahren, statt uns zu bewegen und überlassen Dingen immer mehr Verantwortung unseres persönlichen Lebens. Und während sich Kinder noch über das kleinste Lebewesen wundern können, muss es für viele Erwachsene ein Bits und Byte Saurier aus Hollywood sein.
Der Mensch sollte sich, meiner Meinung nach, zwar die Erde besser nicht Untertan machen, aber sie wachen Auges staunend erfahren und seine Kompetenzen als Individuum nicht einfach verschenken.
Beim Schreiben dieses Artikels bin ich auf folgende Werbung gestoßen, und da ich mich dabei köstlich amüsiert habe, möchte ich diese Ihnen auch nicht vorenthalten.
Das Echo von Prof. Dr. Andreas Pinkwarts Ohrfeigenrede ist noch nicht verklungen, da setzt sich die Koalition in Berlin endlich mal in ein Boot und rudert von den Steuerversprechen der letzten Monate zurück. Selbst große Teile der FDP scheinen in der Realität angekommen zu sein und nicken zähneknirschend zu der Absage der ehemaligen Zusage. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Statt eines “einfacheren, niedrigeren und gerechteren Steuersystem”, wird’s jetzt wohl erst mal nur einfacher. Gut so.
Was hat uns die Wahl in NRW noch beschert? Die SPD triumphiert über ein Wahlergebnis, dessen Johannes Rau in die Verbannung gegangen wäre, Rüttgers tritt vom Rücktritt zurück, weil er dank 6000 Stimmen Mehrheit doch der arithmetische Wahlsieger ist und die FDP hat eigentlich alles richtig gemacht, lediglich schlecht verkauft. Einzig Grüne und Linke feiern einen tatsächlichen Wahlerfolg. Die Grünen haben die Aufgabe des “Züngleins an der Waage” an die Linke weitergegeben, nur war die Waage früher nicht so frostig, dass das “Zünglein” festzukleben drohte.
Wie einst bei Schröder und Stäuber fällt mir der alte Spruch “Mehrheit ist Mehrheit” ein. Demnach “dürfte” Rüttgers, aber mit wem, fragt sich das kluge Gretchen. FDP allein, reicht nicht, Grün alleine ebenso wenig, Jamaika, wie im Saarland, ist angesichts der derzeitigen Spannung zwischen Grün und Gelb nicht zu erwarten, außerdem könnte das den Grünen im Bundesrat, wenn es zum Beispiel um den Atomausstieg geht, die Suppe versalzen.
An dem Punkt kommt dann Hannelore Kraft ins Spiel. Für Grün und Rot alleine reicht es zwar auch nicht, Ampel ist aus ähnlichen Gründen wie Jamaika unwahrscheinlich, aber man hat ja noch ein Ass im Ärmel. Die, im Balkendiagramm so freundlich auftauchende Pinke, nein Linke. Die Linkspartei in NRW ist zwar ein desolater Haufen, zum Teil verstandsabstinenter Querulanten, aber mit fast 6% im Landtag. Die SPD hat auch nicht wie in Hessen den Fehler gemacht eine Koalition kategorisch auszuschließen, deshalb kann man nun getrost mit Frau Kraft als designierte Ministerpräsidentin in die Verhandlungen ziehen. Es wird sich zeigen ob Union und FDP, die als “Extremisten” verunglimpften Linken durch eine Absage an Hannelore Kraft tatsächlich in die Regierung in NRW hieven wollen.
Am Ende bleibt es, ähnlich wie bei den zurückliegenden “Richtungswahlen”, ein Pyrrhussieg für beinahe alle Parteien, und ein Wahlergebnis, das trotz “Richtungswahl” keine Richtung zeigt. Denn im Ergebnis zeigt sich, allen Interpretationen zum Trotz, die traurige Wahrheit, unsere Volksparteien sind so mittig geworden, dass es nur noch um politisches Schaulaufen geht.
Für die Finanzwelt tut sich eine neue Wettgelegenheit auf: Wer regiert in Zukunft NRW? Was Konrad Andenauer einst über die SPD sagt, lässt sich mittlerweile fast auf alle Kräfte ausdehnen: “Dat sin’ aal fein Lügg, aber se könne nich’ mit annerleuts Jeld umjehen.” Dehalb spielt dies in diesen Kreisen wohl keine Rolle mehr.
Ihnen und den Wahlgewinnern alles Gute
Peter Brandt
Leider ist das Gold in diesem Fall schwarz, und der häufig damit verbundene Rausch will sich nicht recht einstellen.
Ihrer Aufmerksamkeit ist es sicher nicht entgangen, dass es am 20.April 2010 im Golf von Mexico, auf der Bohrplattform „Deepwater-Horizon”, nach einer Bohrung, zu einer folgenschweren Explosion gekommen war. In dessen Folge 11 Menschen starben und benannte Plattform im Meer versank. Schlimmer noch, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, haben sich mehrere Lecke aufgetan, aus denen seit dem Unfall munter Öl heraussprudelt. Die Ursache für die Katastrophe ist noch nicht geklärt
Gestern hat der treibende Ölteppich, trotz aller Bemühungen die Küsten Amerikas erreicht. Weder Abfackeln, Zersetzen noch das „Einzäunen” und Absaugen vermochten die Katastrophe zu verhindern.
Wen wundert’s, angesichts der schier unfassbaren Menge von 800.000 Litern Öl, die seit dem Unglück ungehindert ins Meer fließen. Die größten Supertanker der Welt können über diese Menge zwar nur müde lächeln, deren Fassungsvermögen liegt bei 500.000.000 Litern und mehr, aber das Besondere an der jetzigen Situation ist, dass das Öl in einer Tiefe von 1500m mit hohem Druck aus einem Bohrloch schießt. Zwar verfügte das Bohrloch über ein Schutzventil, welches ein solches Auslaufen im Normalfall verhindern sollte, aber weder der Automatismus, noch eingesetzte Tauchroboter vermochten dieses zu aktivieren. Eine extra Schutzvorrichtung, wie sie z.B. Brasilien vorschreibt, die das ferngeregelte Schließen des Bohrlochs ermöglicht, hatte BP, Betreiber der Bohrinsel, nicht eingebaut. Die Kosten von 500.000$ für eine solche Vorkehrung wollte man lieber sparen, und gesetzlich schreibt Amerika, diese bisher auch nicht vor.
Die laxen Sicherheitsbestimmungen sind so auch in diesem Fall, wie auch im Fall so mancher Havarie in der Vergangenheit, die wahre Ursache der Katastrophe. Das Stichwort doppelwandige Tanker springt einem unweigerlich in den Sinn. Man möchte annehmen, dass Katastrophen, wie die Havarie der „Exxon Valdez”, bei der 40.000 Tonnen Rohöl das Meer verschmutzen, die Ölkonzerne sensibilisiert hätten. Aber scheinbar muss an die Stelle des Verstands auch diesmal eine internationale Regulierung treten. So dürfen z.B. Tanker ohne doppelte Wand und über 5000tdw seit 1996 nicht mehr gebaut, und ab 2015 nicht mehr betrieben werden.
BP, gab nun gestern, pünktlich zum Eintreffen des Öls an der Küste bekannt, dass man für die Schäden aufkommen werde. Allerdings ließ man sich ein Hintertürchen offen. Die Schäden müssen belegbar und berechenbar sein. Was kostet also der jüngst mit abgefackelte Delfin, oder ein Seevogel der beim Putzen seines Gefieders verendet? Dringt das Öl ins Mississippi-Delta ein, gerät eines der artenreichsten Ökosysteme in Gefahr. Wie berechnet man diese Folgen?
Rechnen Sie mal mit: Die ersten zwei Wochen seit dem Unglück sind verstrichen. D.h. 14 Tage lang sprudelten 800.000 Liter Öl ungebremst ins Meer.
14*800.000l = 11.200.000l
Es gilt die Annahme, dass ein Liter Öl eine Million Liter Wasser verschmutzt, insbesondere weil der dünne Film an der Oberfläche die Sauerstoffzufuhr abschneidet.
11200000l*1000.000l = 11.200.000.000.000l
Der Bodensee hat ein Volumen von 48 km³ = 48.000.000.000.000l
Dies nur, um Ihnen das bereits jetzige Ausmaß einmal zu verdeutlichen.
Die Kosten, die auf BP zukommen, werden in die Milliarden gehen, dabei hätte 1 Milliarde bereits ausgereicht um 2000 Bohrinseln mir der oben angesprochenen zusätzlichen Sicherung auszustatten. Von dem Leid, dass wir wieder einmal der Natur und den Tieren zumuten abgesehen.
Die Technik läuft immer mehr der Vernunft davon. Mit Schrecken las ich, dass selbst Bohrungen in 12km Tiefe, also im Mariengraben, der tiefsten Stelle in den Ozeanen, möglich seien. Man möchte in Fatalismus verfallen, wenn man sich überlegt, dass Konzerne weltweit, jeder Branche, wider besseres Wissen, dem Profit zuliebe am Umweltschutz sparen. In den Kosten für eine Bohrinsel, fallen 500.000$ kaum ins Gewicht, diese Tatsache dürfte vom Primaner bis zu den Spitzen von Regierung und Unternehmen jeder unschwer erkennen, aber stets müssen die Verantwortlichen erst durch Katastrophen wie diese wachgerüttelt werden.
Wir werden den Tag wohl nicht mehr erleben, an dem die Entscheidungsträger beginnen diesen Planeten als ihre und unsere Heimat zu behandeln. Und es ist ein schwacher Trost, dass sie auf demselben Ast wie wir sitzen, solange sie weiter munter daran sägen.
Panik macht sich in der Eurozone breit, ist doch eines ihrer Schäfchen aus dem Trockenen gelaufen, und stürzt nun geradewegs auf einen Abgrund zu. Die anderen Schafe überlegen nun, ob man einen Steg über den Abgrund legen, das verirrte Schäfchen aus dem Stall werfen oder sein Fell schnell verkaufen soll.
Sie werden sicher die munteren Diskussionen über Griechenland mitbekommen haben, und vielleicht auch die bahnbrechenden Lösungsvorschläge. Ein Vorschlag, der mich besonders erheiterte war, dass Griechenland doch unbewohnte Inseln verpfänden sollte. Wenn da nicht die Hoffnung mitschwingt sich irgendwann des Ostens unserer Republik zu entledigen, der auch an manchen Orten bereits nahezu entvölkert ist.
Aber im Ernst. Was hier und dort durch die Gazetten geistert ist nur noch mit Humor zu ertragen. Griechenland sollte aus der EU oder mindestens aus der Währungsunion geworfen werden, oder nach dem Staatsbankrott umschulden. Alles nach dem Motto: „Lieber Gott, lass es nur das Geld der Anderen kosten”.
So war auch direkt aus Partei der kleinen Leute (FDP), Herr Pinkwart zu vernehmen. Dieser poltere, dass es eine Ohrfeige für die Deutschen sei, wenn man auf er einen Seite Geld für Griechenland locker mache, auf der anderen Seite aber kein Geld für die Steuersenkungen erübrigen könne.
Ja, ich weiß, es ist Wahlkampf in NRW und da läuft das Politikerhirn gern heiß und Amok. Da in unserem Land aber fast immer irgendwo Wahlkampf ist, tröstet diese Erkenntnis wenig.
Ein paar Hinweise für Herrn Pinkwart, und die anderen ungelernten Kräfte am Hof (Politiker ist kein Lehrberuf). Die Hilfen für Griechenland sollen nicht vom Staat einfach überwiesen werden, sondern über die Kreditanstalt für Wiederaufbau(KFW) zu einem Zins von 5% als Darlehen gewährt werden. Die Hilfen sollen über die EU und den Internationalen Währungsfond (IWF) koordiniert werden, unter Auflagen des IWF, der sich in der Vergangenheit als durchaus kompetenter Partner in solchen Fragen erwiesen hat. Bisher hat Griechenland alle Kredite bedient, und ohne die Schönfärberei der eigenen Finanzsituation durch den griechischen Staat gutheißen zu wollen, das eigentliche Problem der Griechen aktuell ist das geänderte Zinsniveau.
Überhaupt ist das Aufplustern gegenüber den ach so „verlogenen” Griechen, reichlich bigott. Wessen Regierung hat gerade nochmal über 100 Milliarden frisch gemachter Schulden als Sondervermögen deklariert? Sie ahnen es bestimmt, wenn Sie es sowieso nicht bereits wussten.
Deutschland ist der Hauptprofiteur des Europäischen Binnenmarkts und der Währungsunion und die eigentliche Crux der jetzigen Misere ist nicht der griechische Staat. Die Väter der Währungsunion waren so stolz auf ihr neugeborenes Euro-Kindlein, und soll voller Vertrauen auf die Maastrichter Verträge, dass sie vergessen haben oder wollten, dass der Kit einer Währung, eine gemeinsame Finanzpolitik ist.
Der Euro hat quer durch die Eurozone eine andere Kaufkraft, ist mit unterschiedlichen Verbrauchssteuern belastet und wird mit unterschiedlichen Lohn- und Unternehmenssteuern erwirtschaftet. Anders ausgedrückt: Der Euro ist eine schizophrene Währung, die sich ohne Tausch in einer Geldbörse, nur durch das Überschreiten von Landesgrenzen verändert. Dort muss die Politik ansetzen.
An die Wahlkämpfer in NRW: Vielleicht können sie sich an einem anderen Thema, das weniger bedeutsam ist, profilieren. Einfach mal suchen, irgendeine Sau wird sich schon durchs Dorf jagen lassen.