Erweiterte Suche

blog:News
Desertec - here comes the sun!

Strom aus der Wüste? Kein Problem, könnten wir schon längst haben – wenn wir nur wollten.

Da biedert sich die Politik mit faulen Kompromissen bei der Autoindustrie und beim ADAC an, und noch immer diktieren Stromriesen und Ölkonzerne die Konditionen auf dem Energiemarkt. Die wesentlichen, wirklich zukunftsweisenden und zukunftsichernden Schritte jedoch, die werden nur zögerlich gewagt – und das bei lächerlich geringen Forschungsetats, die dazu auch noch von inkompetenten Parteisoldaten verwaltet werden.

Beispiel: Desertec. Folgendes Szenario bedeutet keine „Zukunftsmusik“, sondern wäre technisch sofort umsetzbar, sodass das Projekt mit dem Ziel 2040 erreicht sein könnte. Dann also, wenn es um die restlichen Öl- und Wasserreserven ohnehin die ersten regionalen Versorgungskriege geben wird. Schon jetzt könnten wir einer friedlichen Lösung einen gewaltigen Schritt näher sein. Wenn wir nämlich bis zu 40 % unseres Energiebedarfs mit Strom aus der Wüste abdecken würden.

Seit der Club of Rome 2003 gemeinsam mit dem Hamburger Klimaschutzfonds und dem Nationalen Energieforschungszentrum Jordaniens ein internationales Expertennetzwerk namens TREC (Trans-Meditteranean Renewalble Energy Cooperation) ins Leben rief, nahm die Vision vom sauberen, unerschöpflichen und erschwinglichen Wüstenstrom Gestalt an. Ihr Name: Desertec.

So berichtete DIE ZEIT in Nr. 46: Der Stromtransport über Tausende Kilometer ist problemlos möglich. Dahinter steckt eine im Grunde einfache Idee: Europa braucht viel Strom, hat aber wenig Sonne – während auf Europas südliche Nachbarländer in Nahost und Nordafrika so viel Sonnenenergie fällt, dass daraus locker genug Strom für den eigenen Bedarf und obendrein genug Strom für Europa erzeugt werden könnte. Das Vorhaben wäre nicht nur ein gigantisches Klimaschutzprogramm; außerdem könnten die überwiegend armen Staaten des Südens den chronischen Frischwassermangel – eines der größten Entwicklungshemmnisse der Region – durch Meerwasserentsalzung mithilfe der Solarenergie ein für alle mal vergessen machen. „Kramer Junction“, das bisher größte Solarkraftwerk in den USA liefert den Beweis der „Machbarkeit“.

Unser energiepolitischer Wechsel würde natürlich zunächst eine totale Neustrukturierung unserer Außen- und Entwicklungspolitik erfordern. Die Realisation läge an uns – die Konsequenzen wären in jeder Hinsicht fortschrittlich.

Dies bestätigt Prinz Hassan Ibn Talal aus Jordanien in einem Interview mit Gisela Dachs: „Industrieländer und die Länder des Sonnengürtels können den Klimawandel also auf entwicklungspolitisch sinnvollem Weg bekämpfen … Ich hoffe, dass mehr Energie- und Wassersicherheit dazu beitragen, die Migration aus der Region nach Europa begrenzen … Die Sonne lässt sich nicht abdrehen. Und ein zerstörtes Solar-Panel lässt sich leicht austauschen … Wir reden vom Jahr 2040. Bis dahin sollte es doch möglich sein, eine Partnerschaft über das Mittelmeer zu schaffen – und mit internationalen Abkommen zu sichern.“

So betrachtet bedeutet die Nutzung von Wüstenstrom nicht nur energie- und umweltpolitische Sicherheit, sie würde auch zu mehr Stabilität in den vom Extremismus gefährdeten Regionen bedeuten. Die Menschen entscheiden sich in der Regel für die Politik, die ihnen ein besseres Leben zu schaffen vermag. Dies könnte ein weiterer wichtiger Aspekt im Wandel zu einem friedlichen Miteinander bedeuten. Unmöglich? Nein. Selbst Amerika ist zum Wandel fähig… und wir sollten vielleicht nicht an Autos, sondern an Solaranlagen als künftigen deutschen Exportschlager denken …

Timo Piecha (Montag, 10. November 2008)
| Permalink

3 Antworten zu “Desertec - here comes the sun!”

  • Stefan_Picard Stefan Picard sagt:

    Sehr gut und sehr interessant, Timo. Ich habe letzte Woche in Galileo einen Bericht über die größte Photovoltaikanlage Europas (oder der Welt) gesehen. Die steht in Spanien und produziert Strom unsubventioniert zu den halben Marktpreiskosten. Das ist ein guter Schritt.

    Leider habe ich den Bericht nicht im Web gefunden…

  • Marina_Rupprecht Marina Rupprecht sagt:

    Hallo Stefan
    Hallo alle Miteinander…

    wen es interessiert:

    Ich habe den Link zum Video von Gallileo gefunden.
    Dort könnt Ihr Euch ab 13. Minute den Bericht live anschauen.
    Geht knapp über 10 Minuten. Berichte gibt es viele über dieses
    geniale Projekt, aber nicht von …..leo……!

    http://www.prosieben.de/wissen/multimedia/videos/videoplayer/50162/

    Na denn…

    Gute Nacht

  • unregistered Jannik sagt:

    Hallo,

    habe eine Frage: Wie wrd durch die solarthermischen Kraftwerke denn Frischwasser erzeugt bzw. Meerwasser entsalzen???

    Schönen Dank und eine frohe Weihnachtszeit!

Einen Kommentar hinterlassen

Login für Mitglieder