Widerspruch in sich. Indem wir uns als „wertkonservativ“ bezeichnen wollen wir damit vermeiden, in die konservative Ecke mit Leuten wie George W. Bush und Co. gestellt zu werden. Wir sind nämlich fortschrittlich, sozial und umweltbewusst und das sind Attribute, die der politischen und intellektuellen Linken zugeschrieben werden. Unsere moralischen und gesellschaftlichen Werte, auf die wir uns seit jüngster Zeit (wieder) besinnen, die sind allerdings irgendwie schon ein bisschen … also da sind wir irgendwie doch schon eher, na ja, eben konservativ. Aber, um jedem Missverständnis vorzubeugen: wir sind anders konservativ als etwa unsere Eltern! Wir sind nicht spießig-konservativ, wir sind, na ja, und da liegt eben der Widerspruch – wir sind irgendwie modern-konservativ.
Diesen Wandel beschreibt Wolfram Weimer folgendermaßen: Werte statt Wertpapiere, so dürfte die Devise lauten. Wir stehen damit ziemlich wahrscheinlich vor einer konservativen Wende. Die Linke hatte ihre beiden Jahrzehnte, die Liberalen hatten sie, jetzt sind die Konservativen dran.
„Elite“ ist wieder eine Orientierungsformel, genauso wie „Werte“ und „Leitkultur“, „Heimat“ und „Leistungsethik“. Beinahe altbacken klingen dagegen die besiegten Leitbegriffe von „Solidarität“ bis „Emanzipation“… Doch die neue konservative Wende zeichnet eine starke Familiarisierung des Denkens vor. Kinder und Mütter rücken plötzlich ins Rampenlicht und entfachen ein Demografiebewusstsein wie zuletzt im 19. Jahrhundert.
Wir besinnen uns also auf so genannte konservative Wertvorstellungen, ohne das Kind wirklich beim Namen nennen zu wollen. Dieser Zustand – für den eben auch jener Ausdruck „wertkonservativ“ steht – ist nicht neu. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Auch Linke sind Spießer, nur geben sie’s nicht gerne zu, nennen’s halt „wertkonservativ“.
Als Beispiel sei aus dem eben erschienen Buch des Spiegel-Redakteurs Jan Fleischhauer zitiert: Mittelklasse-Sozialismus oder Links-Chic sind andere Versuche der Beschreibung, aber sie meinen alle das Gleiche. Dieses Milieu ist bevölkert von einem Typus, den man an seinen Konsum- und Kulturgewohnheiten erkennen kann und der sich durch ein ausgeprägtes Elitebewusstsein auszeichnet, wobei Elite zu den Begriffen gehört, die für ihn so tabu sind wie Nation, Heimat oder Volk … der Marktwirtschaft steht man in dieser Gesellschaftsschicht kritisch gegenüber, ohne genau sagen zu können, was die Alternative wäre. Nun hofft man insgeheim, dass die Krise des Kapitalismus nicht zu weit voranschreitet, weil auch der eigene Wohlstand dran hängt …
Mit den althergebrachten Bildern von rechts-links oder eben fortschrittlich-konservativ lässt sich die (Neu)-Bestimmung der Werteskala anscheinend nicht vornehmen. Wenn Wertbegriffe wie Familie, Leistung oder gar Religion mit dem Wort „konservativ“ belegt, nach den Vorstellungen einer spießigen Vorgängergeneration klingen, dann liegt es vielleicht nur daran, dass wir mit dem Begriff selbst etwas verbinden, für den er ursprünglich überhaupt nicht steht.
Anstatt beim Gedanken an „konservativ“ an reaktionär und fortschrittsfeindlich zu denken, würde uns folgende Definition vielleicht weiterhelfen: Das Leben des Konservativen kommt schließlich aus dem, was immer gilt, und nicht aus dem, was gestern war.
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Mittwoch, 13. Mai 2009 at 06:48
Ist konservativ im positiven Sinne nicht ein festhalten an bewährten Prinzipien, die aus Bewährten (= Werten) abgeleitet werden. Sie sind die Leitblanken auf den Strassen
des Lebens.
Eine sinnvolle Anregung kann das Buch von Stephen Covey
“7 Wege zur Effektivität” geben.
Eduard Bardorf, Steuerberater / vereidigter Buchprüfer
in Würzburg u. Kitzingen (Bayern)
Mittwoch, 13. Mai 2009 at 14:09
“Behandle jederzeit jeden so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest”
So einfach ist es, mehr braucht es nicht um ein total wertkonservatives, werteorientiertes, bzw. ein Leben voller Werte zu führen.
Es lohnt sich darüber mal so ganz für sich und intensiv nachzudenken.
(Diese “goldene Regel” stammt übrigens von Jesus Christus)
Donnerstag, 14. Mai 2009 at 10:41
Lieber Herr Bönsch,
zur Ergänzung Ihres Kommentars, da die Goldene Regel keine rein christliche “Erfindung” ist:
Dies ist die Summe aller Pflichten: Tue keinem anderen das Leid an, was bei Dir selbst Leid verursacht hätte.
Hinduismus, Mahabharata, V,1517 (vor ca. 3700 Jahren)
Was Dir weh tut, tue keinem anderen an.
Judentum, Talmud, Shabbat (vor ca. 3500 Jahren)
Tut keinem etwas an, was für Euch selbst nicht gut erschienen wäre.
Zoroastrische Religion, Zoroaster Shayast-na-shayast, xiii,29 (vor ca. 3000 Jahren)
Erachte den Vorteil Deines Nächsten als Deinen Vorteil, und Deines Nächsten Nachteil als Deinen Nachteil.
Taoismus, Kan Yein Phien,3 (vor ca. 2600 Jahren)
Füge Deinem Nächsten nicht den Schmerz, der Dich schmerzt.
Buddhismus, The Buddha, Udana, v, 18, (vor ca. 2500 Jahren)
Alles, was Ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
Christentum, Jesus Christus, Matthäus 7:12 (vor ca. 2000 Jahren)
Keiner von Euch ist ein Gläubiger, solange er nicht das für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst gewünscht hätte.
Islam, Mohammed (vor ca. 1300 Jahren)
Herzliche Grüße
Timo Piecha
Samstag, 16. Mai 2009 at 00:54
Lieber Herr Piecha,
gerade schrieb ich einen Beitrag in einem anderen Forum, in dem ich anmerkte: Nach 50 Jahren-in denen ich nun auf dieser nicht vollkommenen Welt (in der soviel Destruktivität herrscht) sozusagen herumrenne, fiel mir stets auf, welche essentiellen Gemeinsamkeiten an Grundwerten-direkt gelebten- zwischen Menschen verschiedenster Religionen im Umgang miteinander einfach da sind. Also-ohne jegliches theoretisches, religiöses Wissen (meins ist etwas oberflächlich, ich langweile mich rasch bei sehr dicken Büchern….)-folgerte ich daraus, es gibt fundamentale Gemeinsamkeiten zwischen allen Religionen. Zwischen Muslimen, Buddhisten, Christen, Juden…u.s.w., um die grössten Religionen zu nennen und auch , mit denen ich Kontakt hatte. Mir kam es immer vor, als seien-irgendwie-alle-sozusagen- Christen, ob Buddhisten, Muslime, Juden….was ich jetzt nicht arrogant meine, nur simpel angeschaut und ausgedrückt, weil dies eben meine kulturellen Wurzeln sind: Sowas wie…Nächstenliebe, überall. (Wo ist es bloss geschrieben?) Ich bemerkte dies aus simpler, reicher Lebenserfahrung, denn-bis auf meine Schulzeit (Konfirmation) habe ich mich wirklich zu wenig mit Religionen-in theoretischer Hinsicht- auseinandergesetzt, was ihre Schriften anbelangt. Zu dicke Bücher, eben. In der Schule fand ich auch Kant-Zitate (diesen kategorischen Imperativ.. könnte man vielleicht hinzufügen, Philosophen ebenso.)
Dann stiess ich auf Ihren Beitrag und habe mich einfach gefreut-wunderbar, es nennt sich also “Goldene Regeln”-und ich freute mich, dementsprechende Schriftenzitate auch dazu lesen zu können, es erspart auch Sucherei. Das für jemanden, den derart dicke Bücher-wie die Bibel, den Koran u.s.w. etwas abschrecken…die Sprache ist auch …na ja, altertümlich, ich fand es schlicht zu anstrengend, lange darin zu lesen und schlief bereits in der Schule dabei ein..
Es bestätigt meine subjektive, sicherlich kleine Beobachtung im interkulturellen, zwischenmenschlichem Bereich….es ist sehr erfreulich, dass es im Wesentlichen -was diese Werte betrifft-keine grossen Unterschiede gibt. Und auch mal Hinweise und Belege dieser Schriften zu finden, wo dies ausgedrückt wird, beschrieben, benannt……es bestätigt auch, wie sehr das Wort auch eine (gute) Macht haben kann. Zumal diese Schriften auch so alt sind…aber überall zu finden.
Jedenfalls vielen Dank für diese Zitate, es bereichert meine Bildung. Ich habe noch nie eine derartige-kleine-Sammlung gefunden. Zumal es so auf den Punkt gebracht ist…wie gesagt, all diese langen Geschichten, Bücher sind nicht jedermanns Sache. Es freut mich auch, dies an meinen Sohn weitergeben zu können. Religionen auf den Punkt gebracht, wunderbar…und ich finde, so sollte heutzutage Ethik-oder auch Religionsunterricht in den Schulen aussehen. Ich jedenfalls wäre damals angesichts dieser Zitatensammlung im Gymnasium im Religionsunterricht nicht eingeschlafen.
Und das ist auch erfreulich, noch mit 50 Jahren immer etwas hinzuzulernen.
Für mich ein kleiner Schatz, sozusagen.
Vielen Dank-also
mit freundlichen Grüssen
Ingrid Barth
Montag, 18. Mai 2009 at 21:42
Vielen Dank, doch zu viel der Ehre, Frau Barth.
Natürlich nicht ich, sondern viele vor mir haben diesen - wie sie ihn nenen, kleinen Schatz zusammengetragen …
Herzliche Grüße
Timo Piecha