Schneller, effizienter und marktbezogen – die Studienreform zeigt aber auch ihre Kehrseite: Einheitsabschlüsse, wenig Raum für Forschung und „Thinking out of the box“ – Funktion statt Sinn.
In den USA versucht man den Studenten neben Fachwissen auch community spirit, also das Bewusstsein für bürgerschaftliches Engagement zu vermitteln. Soziales Gewissen können deutsche Studenten nun auch als eine Art Zusatzqualifikation belegen: Service Learning.
Die Methode erinnert ein wenig an amerikanisches Toastbrot, dem zunächst einmal alle Nährstoffe entzogen werden, um dann als wertvolle Zusatzstoffe dem minderwertigen Lebensmittel wieder zugeführt, auf der Packung als Zusatznutzen verkauft werden.
So also funktioniert laut DIE ZEIT die als großartige Idee gefeierte Selbstverständlichkeit:
Seit der Bologna-Reform schien in den neuen, durchmodularisierten Bildungsbiografien für Ehrenämter (also soziales Engagement) kein Platz zu sein, auch das Interesse an studentischer Mitbestimmung in Fachschaften ging zurück. Vielleicht kommt deshalb jetzt ein alter, idealistischer Gedanke von Humboldt’s zu neuen Ehren: Die Universitäten wollen den Studierenden künftig wieder Raum für Sinnfindung geben. Das funktioniert, indem sie sozusagen als Zugeständnis an die neue Zeit das Ehrenamt in die Stundenpläne integrieren und dafür Leistungspunkte verteilen.
So konstruierte der angehende Ingenieur Lars Meyer Rollstühle in Vietnam. „Wir haben Vorrichtungen entwickelt, mit denen sich Rollstühle in handgetriebene Dreiräder umbauen lassen“, sagt er, „bei den schlechten Straßen sind die Menschen damit mobiler.“ Seinen Aufenthalt fand der 22-jährige „sinnvoller als ein Praktikum, bei dem man keine richtigen Aufgaben hat.“
Der 29-jährige Martin Hablitzel hat durch Service Learning seinen Traumberuf gefunden. Er studiert Volkswirtschaftslehre in Mannheim und besuchte ein Seminar über Management für Non-Profit-Organisationen. Mit Kommilitonen entwickelte er ein Marketingkonzept für die Mannheimer Lebenshilfe, die ein Wohnheim für behinderte Menschen betreibt. „Vorher haben mich gemeinnützige Vereine nicht so interessiert, jetzt kann ich mir gut vorstellen, später bei der Lebenshilfe zu arbeiten“, sagt er. Die Vorteile von Service Learning schätzt er pragmatisch ein:“ Man wird von den Einrichtungen gebraucht und kann besser Kontakte knüpfen als ein normaler Praktikant, der bloß durchgeschleust wird.“
Immerhin. Welcher Bizzlounger hat Bedarf an Service Learnern?
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